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Die Gesichter der FinTech Branche: Sibylle Strack

von Nicole Nitsche / vom 25. Oktober 2018

Dürfen wir vorstellen: Sibylle Strack

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weitverbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe Die Gesichter der FinTech Branche  stellen wir regelmäßig einer Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen. Diesmal beantwortet Sibylle Strack unsere Fragen.

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegenen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir ab heute in einer ganz eigenen Kategorie kurz portraitieren und vorstellen und haben dazu einen immergleichen Fragenkatalog entworfen. Diesmal beantwortet Sibylle Strack unsere Fragen.

Wer bist Du, was machst Du?

Ich bin Sibylle Strack, begeistere mich seit langer Zeit für Banking und Payment und bin nach einer langen Zeit im Corporate-Umfeld – zunächst in der Unternehmensberatung, dann beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband – jetzt freie Beraterin. Ich unterstütze Banken und andere Zahlungsdienstleister derzeit hauptsächlich in Payment-Projekten und arbeite daneben ehrenamtlich im sozialen Bereich. Beides mit großer Freude.

Die Gesichter der Fintech Branche - Dürfen wir vorstellen: Sibylle Strack

Was waren deine ersten Berührungen mit der Payment- und Bankingindustrie?

Die erste handfeste Berührung mit dem Payment hatte ich, als ich während meiner Banklehre bei der Deutschen Bank die Farbbänder an den Überweisungsstemplern wechseln durfte. Diese Erfahrung wurde noch durch die einmonatige Arbeit als Maschinen“fütterin“ in der optischen Beleglesung übertroffen. Man schrieb das Jahr 1987. Seitdem träume ich in OCR A-Schrift und arbeite daran, dass so doofe Tätigkeiten vom Erdboden verschwinden.

Wann hast du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

Irgendwie nicht schon in den 2000er Jahren, als Paypal und andere echte FinTech-Schwergewichte sich etablierten, sondern erst etwa mehr als 10 Jahre später, als man über diese Dingsda sprach, die stückweise die Revenues der Etablierten abknabberten bzw. es wollten. Wenn man so will, fand erst FinTech in der Praxis statt, die Vokabel dazu wurde später erfunden.

Wie definierst du FinTech?

Stark verkürzt, könnte man sagen: Banking ist wenig mehr als IT und Vertrieb. In dieser Welt sind die FinTechs die, die IT-seitig legacy-frei sind, d.h. auf der grünen Wiese Kundenbedürfnisse adressieren können. „Slicke“ Frontends, smarte Backends und eine datengetriebene Kundenakquisition zeichnen FinTechs aus.

Was glaubst Du, machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

Im besten Fall: ihre bestehenden Kunden sehr sehr glücklich machen und damit mit dem Pfund wuchern, das sie von den „Neuen“ deutlich unterscheidet. Und sie haben typischerweise gut eingespielte Prozesse, Strukturen und Kontakte.

Was kann man von FinTechs lernen?

Ziemlich viel. Unternehmertum, Engagement, Hartnäckigkeit, Tempo, Kreativität, idealerweise viel Demut – und das Wissen, dass allein der Kunde über den Erfolg entscheidet. Nach meinen Erfahrungen können FinTechs ihre Ziele auch sehr klar benennen.

Die Gesichter der Fintech Branche - Dürfen wir vorstellen: Sibylle Strack

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

Ich sehe Parallelen zu Ludwig Thomas „Der Münchener im Himmel“, wo der Bahnhofswärter nach seinem Tod plötzlich der himmlischen Hausordnung unterworfen ist. Er soll vormittags frohlocken und nachmittags Hosianna singen, was ihn stark fordert. Zurückgefragt: woher sollten die Etablierten die neue „digitale Hausordnung“ denn kennen ? Ihr Handeln ist typischerweise (und richtigerweise, wenn man viele Kunden und Produkte hat) auf Skalen ausgerichtet, weniger auf Individualität. Auch ist es sehr normal, Veränderungen erst einmal darauf zu prüfen, ob sie vorübergehen oder ob sie langfristig relevant sind. Hier hat sich ja mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Digitalisierung mittel- bis langfristig deutlich einschneidendere Auswirkungen auf das Geschäftsmodell der Banken hat als die Niedrigzinsphase. Zudem gibt es durchaus Etablierte, die die richtigen Dinge in einer angemessenen Geschwindigkeit umsetzen.

Was würdest du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking – Industrie arbeiten würdest?

Angestrengt darüber nachdenken, wie man mit starker Neigung zum Wandern und Reisen das tägliche Käsebrot finanziert – und am Ende doch wieder in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten. Denn es gibt wenige Bereiche, die für das tägliche Leben so relevant sind wie das Konto und der Zahlungsverkehr und wo die Dynamik so hoch und die Themen so vielfältig sind.

Bei welchem Unternehmen würdest du gerne mal einen Tag arbeiten?

Überall dort, wo alle an einem Strang ziehen und echtes Neuland betreten wird. Ob im Zelt bei der Tesla-Produktion, in der Launchphase einer Challengerbank oder bei der Vorbereitung einer Kampagne einer NGO…

Mit wem würdest du gerne mal ein Bier trinken?

Mit Menschen, die eine Mission haben oder eine gute Geschichte erzählen. Das beginnt z.B. bei James Cook oder anderen Entdeckern, die losfuhren und nicht wussten, ob nach 8.000 km noch Land kommt – oder Gründern, die in etwa dasselbe Thema haben, nur in die Jetztzeit versetzt. So gesehen, will und muss ich noch viel Bier trinken!


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