Die Gesichter der Branche: Eric Lein

Dürfen wir vorstellen: Eric Lein von Satispay.

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weit verbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe: Die Gesichter der FinTech Branche stellen wir regelmäßig einer Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen. Diesmal beantwortet Eric Lein unsere Fragen.

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegnen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir in einer ganz eigenen Kategorie kurz porträtieren und vorstellen und haben dazu einen immer gleichen Fragenkatalog entworfen.

Diesmal beantwortet Eric Lein unsere Fragen. Eric ist Country Manager Deutschland beim Payment-Start up Satispay.

Wer bist Du, was machst Du?

Mein Name ist Eric Lein und ich bin Country Manager Deutschland bei Satispay. Momentan arbeiten mein Team und ich daran, die Mobile Payment App als innovative Zahlungsmethode von Berlin aus auch in Deutschland zu etablieren.

Satispay will den digitalen Zahlungsverkehr revolutionieren und ist in Italien bereits der klare Marktführer im Segment der mobilen Nicht-NFC-Zahlungen im Einzelhandel. Insgesamt nutzen bereits über 130.000 Händler und über 1,3 Mio. Endkonsumenten die App. Auch 2020 wurde Satispay in die CB Insights Fintech 250 Liste der am schnellsten wachsenden Fintech-Startups aufgenommen. 

Gesichter Eric Lein

Wir bieten ein Mobile Payment System, das eine breite Palette von digitalen Zahlungsdiensten anbietet. Völlig unabhängig von allen Debit- und Kreditkarten-Netzwerken ermöglicht Satispay Finanztransaktionen, Peer-to-Peer-Zahlungen und eine immer größer werdende Auswahl an weiteren Dienstleistungen. Dabei ist es für Endkonsumenten kostenlos sowie für den Handel besonders günstig und transparent. 

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

Ich glaube das muss ca. 2012 gewesen sein. Ich hatte gerade angefangen, für ein US-amerikanisches Startup zu arbeiten, welches alternative Zahlungsmethoden für Softwareanbieter und Social Gaming Plattformen angeboten hat. In diesem Zusammenhang ist dann relativ schnell aus dem Wort Startup das Wort Fintech geworden. Für mich war das genau wie für viele andere ein neuer und extrem spannender Sektor. Später bin ich der Branche dann in verschiedenen Positionen treu geblieben.

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

Das war ab 2012 als International Sales Director und später Geschäftsführer bei der TrialPay GmbH, wo der Grundstein für alternative webbasierte Bezahlmethoden gelegt wurde. So richtig in die Payment Industrie eingetaucht bin ich in meiner Zeit bei Visa ab 2015. Hier war ich u.a. als Senior Business Development Leader und Geschäftsführer der Visa Commerce Solutions GmbH tätig. Bei Satispay kann ich diese Erfahrungen jetzt einbringen, um gemeinsam ähnliche Resultate wie in Italien zu erzielen.

Wie definierst Du FinTech?

Ein FinTech ist ein Unternehmen, das innovative digitale Finanzprodukte auf den Markt bringt und im besten Fall alteingesessene Firmen herausfordert.

Was glaubst Du machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

Gesichter Eric Lein

Vermutlich langfristige Planungen. Etablierte Unternehmen können sehr gut Pläne für die nächsten 10 Jahre schmieden. Diese verfolgen sie dann konsequent – und das macht diese Unternehmen aber gleichzeitig weniger agil und flexibel hinsichtlich notwendiger Veränderungen.

Die jüngeren Unternehmen der FinTech Branche sind hier deutlich besser aufgestellt und passen sich den Herausforderungen der Branche schneller an – und treiben sie gleichzeitig selbst mit an.

Was kann man von FinTechs lernen?

Ich finde es großartig zu sehen, wie FinTechs in einer traditionellen Industrie stetig neue Effizienzen schaffen und mit dem Fokus auf den Endkunden immer wieder Mehrwerte bieten. Eine gegebene Situation in einem stark regulierten Umfeld zu analysieren, Ineffizienzen zu entdecken und schnell eine passende Lösung zu entwickeln, ist definitiv etwas, das man von FinTechs lernen kann. Und das hört bei der Finanzindustrie auch nicht auf: PropTech, InsurTech, EdTech… der große Umbruch hat gerade erst begonnen.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

Wer heute ein Unternehmen gründet, denkt gar nicht mehr viel über Digitalisierung nach. Es ist direkt ein fester Bestandteil der Arbeitswelt und nicht etwas, das erst entwickelt oder angepasst werden muss. Und genau hier liegt das Problem.

Große traditionelle Unternehmen haben über Jahrzehnte Strukturen und Prozesse entwickelt, die zu einer bestimmten Zeit sicherlich Sinn gemacht haben. Heute aber wirken sie oft etwas rostig und veraltet. Ich würde vielleicht auch nicht unbedingt den Ast absägen wollen, auf dem ich seit über 50 Jahren sitze, aber solche festgesetzten Strukturen sind heute eher hinderlich. Sie lassen sich auch nicht von heute auf morgen „digitalisieren“ indem man 3 Design Thinking Workshops veranstaltet, ein paar Scrum Master einstellt und hier und da das Wort „agile“ einfliessen lässt.

„Ich würde auch nicht unbedingt den Ast absägen wollen, auf dem ich seit 50 Jahren sitze. Aber festgesetzte, veraltete Strukturen sind heute eher hinderlich.“

Digitalisierung ist ein tiefgreifender Prozess, der untrennbar damit verknüpft ist, aus alten Strukturen auszubrechen, selbst wenn diese das Unternehmen einst groß gemacht haben.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

Ich würde sicherlich  trotzdem in einem international ausgerichteten Unternehmen arbeiten. Es reizt mich, bestehende Strukturen zu hinterfragen und aufzubrechen und dabei innovative Lösungen zu entwickeln und zu etablieren. Oder ich wäre vielleicht einfach der der erfolgreichste deutsche NBA Spieler aller Zeiten.

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

Space X

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

Ich würde gerne einen Abend mit Angela Merkel, Trevor Noah und Alf verbringen wollen. Aber nicht zwangsläufig mit allen dreien gleichzeitig.

In der Reihe „Gesichter der Branche“ unter anderem bereits erschienen:

Jens Röhrborn von Banxware

Birte Goslowski von finleap connect

Dr. Ella Rabener, Partnerin BCG Digital Ventures

Eugene Danilkis vom Mambu

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

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