Der unaufhaltsame Aufstieg des „Internet of Things“

Die Zahl der smarten Geräte wächst und wächst: ob im Haushalt, in der Industrie, in der Informationstechnologie oder im Dienstleistungssektor. Das „Internet der Dinge“ („Internet of Things“, kurz: IoT) macht es möglich. Das Ziel ist die weitere Vernetzung der Welt, die in immer mehr Lebensbereiche vordringt. Über das Internet miteinander verbunden, sind immer mehr Geräte und Objekte in der Lage selbstständig zu kommunizieren und zu handeln. Was wird in Zukunft alles möglich sein? Was ist bereits Realität? Und wie wird das „Internet of Payments“ unsere Art zu zahlen beeinflussen?

Physische und virtuelle Gegenstände sowie Anwendungenunterschiedlichster Art werden zum Zwecke der eigenständigen Interaktion und Zusammenarbeit weltweit miteinander vernetzt – dafür versteht, stark zusammengefasst, das „Internet of Things“. Modernste, fortschrittlichste Technologien stellen dafür die notwendige Infrastruktur bereit und sorgen so dafür, dass eine Kommunikation über das Web – oder mit zentralen Servern – entstehen kann. Viele Menschen profitieren in ihrem Alltag schon lange von diesen Technologien.

Vom Gesundheits- oder Fitness-Wearable über den Mähroboter, der den Rasen in Perfektion kürzt sowie die „intelligente“ Bewässerungsanlage, die sich an den Wetterbericht hält und ohne fremdes Eingreifen arbeitet bis hin zum W-LAN-fähigen Kaffeeautomat, der, zur passenden Zeit, ohne menschliches Zutun den Lieblingskaffee brüht. All diese auf autonome Kommunikation hin ausgelegten Devices sind längst Realität und stehen beispielhaft für den digitalen Fortschritt und Wandel – der unaufhaltsam voranschreitet. Und neben dem Alltagsleben ebenso Industrie und Wirtschaft revolutioniert. Nicht umsonst sprechen Experten vom IoT als wichtigstem „Treiber der digitalen Transformation“.

Die intelligente Fabrik entsteht

Die Unternehmen haben diese Entwicklung erkannt und sind sich der Relevanz des IoT, etwa für Fertigung/Produktion, Logistik sowie die Steuerung innerbetrieblicher Abläufe, bewusst. Das auf Informations- und Kommunikationstechnologie spezialisierte Medienunternehmen IDG fand im Rahmen einer Studie heraus, dass 78 Prozent der Unternehmen das Internet der Dinge für wichtig oder gar sehr wichtig halten.[1] Da verwundert es kaum, dass sich 2018 die Anzahl der in den Unternehmen umgesetzten IoT-Projekte – im Vergleich zum Vorjahr – verdoppelt hat.

Die digitalen Technologien beeinflussen zukünftig nicht mehr länger nur das Zusammenwirken von Mensch und Maschine sondern in erheblichem Maße auch jenes zwischen den Maschinen. Es geht um den vollständig automatisierten, in Echtzeit stattfindenden Informationsaustausch  untereinander. Produktionsanlagen arbeiten dank integrierter, hochleistungsfähiger Sensoren und Prozessoren ohne äußere Einflüsse. Sie planen, organisieren und koordinieren Abläufe sowie Termine völlig autonom. Die Produktions- und Lieferketten werden komplett miteinander verbunden und synchronisiert. Und das nicht nur an einem Produktionsstandort oder innerhalb einer Fabrik – die Maschinen und Anlagen werden in nicht allzu ferner Zukunft global und ständig miteinander interagieren.

Dadurch wird der Produktionsablauf insgesamt

  • nutzbringender
  • dynamischer
  • wettbewerbsfähiger und
  • flexibler

„Sämtliche Elemente in der Produktion sollen in Echtzeit miteinander vernetzt werden, um neue, perspektivisch KI-basierte Formen der Fabriksteuerung zu nutzen“, fasst Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer-Institut eines der Hauptnutzungsziele von IoT-Plattformen, etwa  in der Automotive-Branche, zusammen.[2] Kurzum: Das IoT hält Einzug in die industrielle Produktion („Industrie 4.0“ bzw. „Industrial Internet of Things“, kurz „IIoT“) und schafft so die smarte Fabrik.

Eine zentrale Bedeutung im Zusammenhang mit der smarten und zugleich zunehmenden Vernetzung von Menschen, Maschinen, Daten, Prozessen und Objekten kommt künftig der 5G-Technologie, dem Mobilfunkstandart der fünften Generation, zu. Branchenkenner sagen voraus, dass die industrielle Fertigung als erstes von 5G profitieren wird.

„Bei der smarten Vernetzung kommt 5G eine zentrale Bedeutung zu.“

Was heute schon möglich ist

Die Automobilbranche gilt als jener Industriezweig der (schon jetzt) ganz besonders von IoT profitiert und in der Lage scheint, den Markt der IoT-Zukunft zu beherrschen.[3] Und das nicht nur bei der Produktion sondern auch im fertigen Endprodukt, dem Fahrzeug.

Die Autos sind schon heute zu Dingen fähig, die man vor einigen Jahren noch als kaum umsetzbar und technologisch schwer realisierbar erachtete. Die Fahrzeuge sind mit Sensoren ausgestattet, die unterschiedlichste Umweltfaktoren erfassen und analysieren. Zum Beispiel

  • das Wetter
  • die gegenwärtigen Lichtverhältnisse
  • Nässe und Schnee

Und auch wie der Fahrer auf all diese äußeren Faktoren eingreift erfasst das fortwährend hinzulernende Fahrzeug, das über Sensoren ebenso mit Parkhäusern und Baustellen interagiert. Und mit Ampeln. Schaltet sie auf rot, erkennt das Auto das und weiß: Zeit zum abbremsen. So wird eine frühzeitige Reaktion auf solche äußeren „Umstände“ ermöglicht.

Das Auto(fahren) der Zukunft

Autonome Nutzfahrzeuge und Maschinen sind etwa in der Landwirtschaft ebenfalls schon länger Realität. Darunter hochmoderne Hightech-Traktoren, vollautomatisch arbeitende Landmaschinen oder digitale Ausrüstungsgegenstände. Die (Voll)Automatisierung verändert die Produktionsbedingungen, ganze Wirtschafts- und Industriezweige und Branchen. 

Intelligente Drohnen sind heute schon in der Lage, Pakete selbstständig zuzustellen. Ausgestattet mit Sensorik und SIM-Karten, können sie außerhalb der Sichtweite des Menschen fliegen, autonom agieren – und als Schwarm miteinander kommunizieren. Stichwort: Schwarmintelligenz.

Diese wird es eines Tages ermöglichen, dass auf unseren Straßen unzählige selbstfahrende Autos unterwegs sind, die in ständigem Kontakt und Austausch stehen. So wird der allseits verhasste Stau irgendwann ebenso der Vergangenheit angehören. Gerät der Verkehr irgendwo ins Stocken, fahren die nachfolgenden Autos einfach eine andere Route. Ein Navigationsgerät braucht es da längst nicht mehr.

Der unaufhaltsame Aufstieg des „Internet of Things“

Dass der Countdown nicht nur längst begonnen hat sondern zudem unaufhaltsam voranschreitet, wurde deutlich, als der Autobauer Daimler und der Zulieferer Bosch vor wenigen Monaten ihr vollautomatisiertes, fahrerloses Parksystem genehmigt bekamen. Damit steht im Bereich des autonomen Fahrens erstmals ein konkretes Geschäftsmodell, das in Serie gehen könnte. In einem Parkhaus in Stuttgart drehen seitdem fahrerlose Autos ihre Runden, parken selbstständig ein und aus und rangieren, ohne menschliche Überwachung. Später soll dieses System noch weiterentwickelt werden – und zum Beispiel in vollautomatisierten Container-Terminals an Häfen oder Lkw-Betriebshöfen münden, in denen es keine Rangierfahrer mehr braucht. Der Fahrroboter übernimmt.

„Internet of Payments“

Und genauso stehen im Payment-Sektor durch den Wandel hin zur Vollautomatisierung und Vernetzung in Zukunft bahnbrechende Veränderungen bevor. Denn klar ist: Wenn Geräte und Gegenstände schon in der Lage sind, eigenständig zu kommunizieren und ohne Fremdbestimmung zu handeln, ist der Weg zum Abschluss eines Vorgangs oder einer (Trans-) Aktion nicht mehr weit. Und an deren Ende steht oft: ein Bezahlvorgang.

Ob es das Auto ist, das den Bezahlprozess für die (natürlich selbstständig georderten) Ersatzteile oder die Parkgebühren künftig alleine durchführt, ein versicherter Gegenstand, der seine Versicherungsleistung nutzungsabhängig (etwa nach gefahrenen Kilometern) selbst bezahlt oder zukunftsweisende Bezahltechnologien, die in Konsumgegenständen aller Art (Elektroartikel, Kleidung, Schmuck etc.) integriert sind und den Bezahlvorgang für den Konsumenten unsichtbar im Hintergrund ablaufen lassen: Das „Internet of Things“ ermöglicht ein „Internet of Payments“ (IoP). Und damit Produkte und Geräte, in denen die Bezahlfunktion schon enthalten ist.

Fachleute sprechen davon, dass der Trend weiter klar in Richtung Bequemlichkeit gehen wird. Schon heute tätigen die meisten von uns mehrmals monatlich Einkäufe über das Internet.  So leicht und schnell das geht: Spätestens beim Bezahlen ist doch oft wieder menschliches, aktives Handeln gefragt. Gerade bei der erstmaligen Nutzung von Shops oder Online-Warenhäuser. Das Passwort für den Online-Banking-Account muss eingegeben, TAN-Nummern müssen generiert, die Kontodaten des Empfängers eingetippt, die Überweisung in Auftrag gegebenen werden. Und wer digitale Geldbörsen wie PayPal nutzt, der muss zumindest ein paar Klicks durchführen. Erfolgreiche „Internet of Payments“-Lösungen machen all dies obsolet – und stehen für eine maximale Vereinfachung und Erleichterung des Zahlungsvorgangs. Im besten Fall läuft dieser vollautomatisiert ab.

Bezahlfunktion frühzeitig integrieren

Amazon ging mit dem Dash-Button (kleine, einer Türklingel ähnelnde Plastikbestellknöpfe) bereits grob in diese Richtung. Prime-Mitglieder konnten mit den W-LAN-Bestellbuttons Produkte wie Wasch­mittel, Getränke, Pflege- und Hygieneartikel oder Zahnpasta bestellen – ganz einfach per Knopfdruck. Da der Kunde aber am Ende keine Kontrolle darüber hatte, welches Produkt er letztlich genau erhält, wurde der Dash-Button Anfang des Jahres für unzulässig erklärt.

„Amazon ging mit dem Dash-Button bereits in diese Richtung.“

Zahlungsautomatiken, 1-Click-Payments und auch Push-Payments haben Potential, sofern der Kunde stets die Fäden in der Hand behält. Er muss jederzeit die Kontrolle und die Übersicht darüber haben, was er bestellt (im Gegensatz zu Amazons Dash-Button), inklusive erforderlicher Nutzerbestätigung und eine die Sicherheit und den Datenschutz garantierende, mehrstufige Authentifizierung.

Bezüglich IoP wird zudem immer wieder ein Aspekt betont, der sich auf die früheste Planung von Produkten bezieht: „Eine Bezahlfunktion muss von Anfang an in die Produktentwicklung einfließen“, schrieb zum Beispiel Ralf Ohlhausen, profilierter Open-Banking-Fachmann und Business Development Director bei der PPRO Group, schon im vergangenen Jahr in einem Beitrag für die Computerwoche. „Vor allem auch aus Sicherheits-gründen.“ Wichtig sei es, Zugangsdaten von Kunden zu schützen und mit zusätzlichen Sicherheitsmechanismen wie PIN-Abfragen und einer starke Authentifizierung das Vertrauen der Nutzer zu stärken.

Die komplette Infografik mit allen Teil-Schaubildern und weiteren anschaulichen Grafiken gibt es hier:


[1] https://www.computerwoche.de/a/internet-of-things-die-welt-wird-digital,3547455

[2]https://www.automotiveit.eu/das-auto-als-ding/blickpunkt/id-0067040

[3]https://www.m-plan.com/de/de/blog/artikel/26-04-2018-automobilbranche-fuehrend-beim-industriellen-iot

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