Der (fast) geheime Chefwechsel bei Computop
Der italienische Konzern Nexi hatte den Bamberger Zahlungsdienstleister im vergangenen Jahr geschluckt. Jetzt geht der CEO. Doch warum will niemand darüber sprechen? Und, was bedeutet die Wahl des Nachfolgers?
Der italienische Konzern Nexi hatte den Bamberger Zahlungsdienstleister im vergangenen Jahr geschluckt. Jetzt geht der CEO. Doch warum will niemand darüber sprechen? Und, was bedeutet die Wahl des Nachfolgers?
Die meisten Firmen hängen Personalwechsel an eine ziemlich große Glocke. Bei Computop in Bamberg hingegen haben sie den Wechsel auf dem vielleicht wichtigsten Posten der Firma in der vergangenen Woche ziemlich versteckt. Zwar gab es am Donnerstag eine Pressemitteilung, die an die hiesigen Payment-Spezialisten ging, doch deren Headline war so nichtssagend wie oberflächlich: “Nexi und Computop starten die nächste Phase ihrer Zusammenarbeit für beschleunigtes Wachstum”. Auch in der E-Mail ging es dann um so belanglose Dinge wie engere Zusammenarbeit, um ein „breiteres Lösungsportfolio” und „verlässliche Performance.” Alles an dieser Mail schrie: Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen.
Doch wer sich die Mühe machte, tatsächlich mal einen Blick in das angehängte PDF zu werfen, dem fiel dann doch auf, dass sich daran im dritten (!) von drei Bulletpoints eine kleine Knaller-News verbirgt: Computop tauscht den CEO aus. Wie es am Ende der Mitteilung heißt, scheidet der bisherige CEO Stephan Kück aus der Geschäftsführung aus und wird durch Kenneth M. Overgaard Nielsen ersetzt. Der war bisher als CCO in der Geschäftsführung unterwegs. Für Kück gab es einige wenige nette Worte von Nexi, etwa für sein „langjähriges Engagement und seinen Beitrag zum Auf- und Ausbau des E-Commerce- und Omnichannel-Geschäfts” und für die intensive „Zusammenarbeit mit Nexi in den vergangenen Monaten.” Das sind alle Infos, die zu dem durchaus wichtigen Wechsel zu finden sind. Nicht einmal ein Zitat von Kück oder dem Nexi-DACH-Chef gibt es, was sonst in solchen Mitteilungen durchaus üblich ist. Sowohl Kück als auch sein Nachfolger Nielsen hatten zudem am Freitagabend in ihren Linkedin-Profilen noch ihre alten Rollen angegeben. Will denn hier niemand an die große Glocke hängen, dass es einen CEO-Wechsel im Unternehmen gegeben hat? Und falls ja, warum nicht?

Nexi kaufte Computop und Kück wurde Chef
Computop ist ein Pionier der deutschen Zahlungsindustrie. Bereits vor 25 Jahren gründete Ralf Gladis das Unternehmen in Bamberg und machte es zu einem der führenden Dienstleister im deutschen E-Commerce. Eigenen Angaben zufolge gehören Firmen wie Fossil, Otto oder Sixt zu den Kunden des Unternehmens, das jährlich Transaktionen im Wert von mehr als 36 Milliarden US-Dollar abwickelt. Der italienische Payment-Konzern Nexi hatte darin offenbar Potenzial für sein darbendes Online-Geschäft gesehen und war 2023 eingestiegen, zwei Jahre später übernahmen die Italiener die Franken komplett. Die Eigentümer übergaben alle Anteile, Gründer Ralf Gladis zog sich aus der Unternehmensführung zurück. Ihm folgte der damalige Geschäftsführer und CSO nach: Stephan Kück. Der gelernte Bankkaufmann startete seine Karriere einst bei der Sparkasse und stieg dort zum Bereichsleiter mit mehr als 100 Mitarbeitern auf, bevor er 2010 zu Computop wechselte und lange glücklich war. Bis jetzt.
Denn nach Angaben von Nexi schied Kück auf eigenen Wunsch aus. Doch was waren die Gründe dahinter? Per Linkedin versuchte Payment & Banking ihn zu kontaktieren, bekam aber keine Antwort. Nexi antwortete auf eine kurzfristige Presseanfrage ebenfalls nicht. Dass Personalmeldungen für Nexi durchaus wichtig sind, erfuhr man dann lustigerweise am Freitag. Da kam über den Verteiler die Nachricht, dass Dirk Schmidt jetzt Chef beim kleineren Tochterunternehmen Orderbird geworden ist.
Computop geht immer mehr in Nexi auf
Tatsächlich könnte das Ausscheiden von Kück auch damit zusammenhängen, dass Nexi seine Strategie, Computop vollständig und bald in Nexi zu integrieren, nun in die Tat umsetzen will. Immerhin sagte schon Ralf Gladis bei der Übernahme: „„Eine erfolgreiche Integration in das europäische PayTech-Unternehmen Nexi Group, verbunden mit einer wichtigen Rolle für Computop, ist genau das, was wir als Gründer bei der Vorbereitung des Exits angestrebt haben.” Dass nun in der neuen Mitteilung von der „nächsten Phase” der Zusammenarbeit gesprochen und eine engere Zusammenarbeit in eigentlich allen Bereichen angestrebt wird, passt da genauso gut ins Bild wie der neue CEO Overgaard Nielsen. Der kam nämlich 2024 ausgerechnet von Nexi zu Computop.
Der Wechsel von Stephan Kück könnte also final das einleiten, was eigentlich schon im vergangenen Jahre begonnen hat: Das Ende von Computop als möglichst eigenständige Firma. Und der Beginn von Computop als eine von vielen Tochtergesellschaften der Italiener.