Das Thema Open Banking ist bei Führungskräften angekommen

Ein Gastbeitrag von Dr. Cyrosch Kalateh, Regional Director DACH bei Tink.

In einer immer komplexeren Welt suchen sowohl Verbraucher als auch Unternehmen aktiv nach Finanzdienstleistern, die ihnen dabei helfen, ihre finanziellen Ziele möglichst einfach, verständlich und bequem zu erreichen. Je weniger Schritte es braucht, um ein Problem zu lösen, desto besser. Open Banking bietet Finanzdienstleistern eine einzigartige Gelegenheit, genau dies zu tun – die Art und Weise, wie Menschen und Unternehmen ihr Geld verwalten, zu verändern und dabei die Finanzdienstleistungsbranche zu revolutionieren.

Es macht Mut im ersten Teil unseres 2020 Open Banking Report zu sehen, dass diese Erkenntnis bei den Führungskräften im Finanzbereich angekommen ist – und in Open-Banking-Investmenthunger sowie Fintech-Partnerschaften mündet. Die Zahl der europäischen Finanzinstitute, die Open Banking gegenüber positiv eingestellt ist, ist deutlich gestiegen. Dabei handelt es sich um kein Lippenbekenntnis wie die Investments in Open Banking zeigen. Die jüngste Untersuchung zeigt, dass der Median der Ausgaben für Open Banking zwischen 50 und 100 Millionen Euro liegt, wobei 45 Prozent der Finanzinstitute angeben, dass ihre Ausgaben sogar 100 Millionen Euro übersteigen. Das nenne ich einen Bärenhunger auf Open Banking!

Dennoch haben einige Finanzinstitute das wahre Potenzial noch nicht für sich erschlossen. Diejenigen, die Open Banking als eine reine Maßnahme zur PSD2-Konformität und nicht als eine strategische Initiative angegangen sind, haben nun das Nachsehen. Sie sehen nicht das große Ganze für ihre Organisation und schaffen weder für sich noch für ihre Kunden Mehrwerte.

Das Thema Open Banking ist bei Führungskräften angekommen

Um wirklich erfolgreich zu sein und die kurz- und langfristigen Vorteile von Open Banking zu nutzen, müssen Finanzinstitute über die Einhaltung von Vorschriften hinausblicken und zu Innovationen bereit sein. Wenn sie versiert, wendig und aufgeschlossen bleiben, bietet sich ihnen eine große Chance, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein und ihr Kundenerlebnis zu verbessern. Aber wie können sie dies erreichen?

Eine Open Banking Geschäftsstrategie muss her

Unsere Daten zeigen zwar, dass das Vertrauen in Open Banking groß ist, aber es stimmt auch, dass viele Finanzinstitutionen dessen Vorteile nicht vollständig verstehen. Dies hält sie davon ab, es als Chance zu begreifen. Letztlich sind es die Institutionen, bei denen die Führungskräfte in der Lage sind, die Chance des Open Banking in eine klare Strategie einzubetten, diejenigen, die am Ende die meisten Früchte für ihre Bemühungen ernten werden. Dabei haben diejenigen die Nase vorn, die nicht auf sofortige Erträge sondern auf mittel- und langfristige Strategien setzen.

Die gute Nachricht ist, dass laut unserer Daten 58 Prozent der Finanzinstitutionen angeben, dass sie bereits eine klare Strategie für Open Banking verfolgen. In der Umfrage zeigt sich auch, dass einige Finanzinstitute Open Banking bereits als langfristiges strategisches Vorhaben betrachten. Es gibt aber auch eine wachsende Zahl von Führungskräften, die die Möglichkeit einer kurzfristigen Wertschöpfung mit schnellen Gewinnen sieht. Beides muss sich nicht ausschließen.

Die Wahrheit ist, dass Open Banking sowohl kurz- als auch langfristig erhebliche Chancen für Finanzinstitutionen bietet. Die Vorteile sollten nicht nur als etwas angesehen werden, das man in ferner Zukunft genießen wird – einige sind bereits jetzt reif für die Ernte, andere benötigen etwas mehr Geduld. Unabhängig davon, ob eine Institution eine langfristige oder kurzfristige Strategie verfolgt, bieten beide ihre eigenen Vorteile. Es ist eine Reise, die wahrscheinlich mit elementaren Anwendungsfällen beginnt und sich im Laufe der Zeit zu anspruchsvollen Anwendungsfällen entwickeln wird.

Das Thema Open Banking ist bei Führungskräften angekommen

Konkret priorisieren die Institute gerade die ersten Phasen der Customer Journey. Viele von ihnen erwägen Open Banking, um den KYC-Prozess zu verbessern, ihr Onboarding zu vereinfachen und so den Fernzugang und den digitalen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu beschleunigen. Hier erwarten sie auch die größte kurzfristige Rentabilität ihrer Investitionen.

Fintechs können helfen, Open-Banking Strategien umzusetzen

Finanzinstitutionen müssen jedoch nicht nur klare Strategien haben, sondern auch Zeit und Mühe investieren, um Partnerschaften mit Fintechs zu schmieden.

Solche Partnerschaften liefern Finanzinstitutionen die nötige Technologie, das Fachwissen und die Visionen, um die Wertschöpfung im Open Banking voranzutreiben. Daher ist es äußerst ermutigend zu sehen, dass in ganz Europa 69 Prozent der Finanzinstitutionen im Jahr 2019 ihre Zahl der Fintech-Partnerschaften erhöht haben. Darüber hinaus gibt die überwiegende Mehrheit der Führungskräfte auch an, dass sie mit mehr als einem Partner – einige sogar mit mehr als fünf – zusammenarbeiten, um ihre Open-Banking-Ziele zu verwirklichen.

Bevor Sie jedoch selber eine Fintech-Partnerschaft eingehen, ist es wichtig, dass Sie das Technologieangebot eines Fintech gründlich prüfen und gleichzeitig seine Fähigkeiten in Bezug auf Unterstützung, Sicherheit und Integrität sorgfältig unter die Lupe nehmen.

Damit eine Partnerschaft wirklich funktionieren und alle möglichen Vorteile nutzen kann, müssen die Fintechs so eingerichtet sein, dass sie sich in den komplexen Beschaffungsprozessen und Onboard-Anforderungen vieler Banken zurechtfinden und sich des streng kontrollierten und regulierten Umfelds, in dem Banken operieren, bewusst sind.

Diese Art von hochwertigen und strategischen Partnerschaften wird von entscheidender Bedeutung sein, um sowohl kurz- als auch langfristige Werte für Finanzinstitutionen und damit auch für ihre Kunden zu schaffen. Letztendlich ist die positive Veränderung in der Einstellung zu Open Banking ein Beweis für die unglaubliche Arbeit, die die Unternehmen geleistet haben, um die regulatorischen Fristen einzuhalten.

Das Thema Open Banking ist bei Führungskräften angekommen

Aber es bleibt noch einiges zu tun, bevor sie die Vorteile voll ausschöpfen können. Da nicht zuletzt der Coronavirus den Wandel hin zu digitalen Kanälen beschleunigt, erwarte ich, dass diese positive Einstellung weiter wachsen wird. Immer mehr Finanzinstitute werden sich auf die digitale Transformation von Produkten und Dienstleistungen konzentrieren. Open Banking ist gekommen, um zu bleiben.

Zum Autor:

Dr. Cyrosch Kalateh ist Regional Director DACH bei Tink. Der schwedische Fintech hat in diesem Jahr seinen ersten deutschen Standort in Düsseldof eröffnet, dessen Leitung Kalateh inne hat. Zuvor war er als Vice President Partnerships Teil des Management Teams von auxmoney.

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