PEX26: Der erste Tag zum nachlesen
Die Branche diskutiert unter anderem über Agentic Commerce, dem Digitalen Euro und Wero. Wir fassen die einzelnen Diskussionsrunden und Beiträge des ersten Tages zusammen. Dran bleiben lohnt sich.
Zum zehnten Mal läuft die große Payment Exchange. Die Branche diskutiert unter anderem über Agentic Commerce, dem Digitalen Euro und Wero. Wir fassen die einzelnen Diskussionsrunden und Beiträge des ersten Tages zusammen. Dran bleiben lohnt sich.
„Welcome to the jungle!” Mit diesen Worten aus dem gleichnamigen Song der Band Guns’n Roses starten wir in die 10. PEX an diesem wunderschönen Frühlingstag im Tipi am Kanzleramt. Erstmal blickt das Team von Payment & Banking auf der Bühne auf die letzten zehn Jahre zurück: Von den ersten Mottos bis zu einem Panelgast, der von der Bühne plumpste. Doch Jochen Siegert verweist auf die etwas ernsteren Entwicklung: Der Skandal um Wirecard, einen der ersten Teilnehmer der PEX und einer der ersten Förderer vieler Start-ups, erschütterte in dieser Zeit die Branche. „Es war existenzbedrohend für viele“, sagt Maik Klotz. Viele der Teilnehmer*Innen hatten ein komisches Gefühl bei dem Unternehmen aus München.
Unternehmen gingen, die Trends blieben
Anders als Wirecard überlebten zumindest die Payment-Trends aus dieser Zeit. Zum Thema Mobiles Payment und Banking sprossen die Neugründungen nur so aus dem Boden. „Ich habe gedacht, wir wären in zehn Jahren viel weiter“, sagt Miriam Wohlfahrth. Auch Jochen Siegert sieht rückblickend viel Wunschdenken. N26-Chef Marcus Mosen sieht, dass das Henne-Ei-Problem nationale Lösungen in letzter Zeit verhindern. „Wir waren ganz oft in unserer Bubble und haben zu wenig darauf geachtet, was die breite Masse wirklich bereit ist, zu akzeptieren“, sagt André Bajorat. Man sei oft in die eigenen Lösungen verliebt gewesen. Bei Agentic Commerce sei es das gleiche, nur ein anderes Buzzword, meint Jochen Siegert. Über die wird heute zu reden sein.

Die KI, dein Freund und Helfer
Man wird ja auch mal ein bisschen träumen dürfen. Schon in wenigen Jahren, da ist sich Stephan Stricker, CEO und Gründer der Inkasso-Firma Pair Finance sicher, werden wir in der Welt der Artificial General Intelligence (AGI) landen. Dann also wird es KIs geben, die jede intellektuelle Aufgabe verstehen, lernen und ausführen können. Klingt abenteuerlich? Nun ja, ein kleiner Blick auf die vergangenen Entwicklungen der Technologie lassen das doch einigermaßen wahrscheinlich erscheinen.
Bereits heute nutzen 50 Prozent aller Privatpersonen KI, weltweit. Die Anzahl der Menschen habe sich laut Stricker im vergangenen Jahr verdoppelt. Die Gesamtausgaben für KI stiegen um 44 Prozent auf 2,5 Billionen US-Dollar, wie Stricker aufzeigte. War in den vergangenen Jahren noch kontextbezogene KI das große Ding, so sind es nun bereits KI-Agenten.
Stricker selbst nutzt in seiner Inkasso-Firma übrigens eine KI, die in Kontakt mit Schuldner*Innen tritt und ihre Bedürfnisse erkennt. Will jemand eine Ratenzahlung, ab wann könnte die Person anfangen, zu zahlen? Dahinter stecke bereits ein großes System. Die KI könne Buchungen vornehmen, Konten auslesen und Co. Schon jetzt entstehe über 75 Prozent des Umsatzes bei Pair Finance durch die KI. Das zeigt: Die konkreten Anwendungsfälle sind auch in der Payment-Welt längst da.

Ist der Checkout-Zoo überbevölkert?
Noch nie gab es so viele Lösungen am Checkout. Vielleicht zu viele? Ob im E-Commerce oder am Point-of-Sale (POS), die Auswahl sei oft zu groß, sagt Sabrina Flunkert, CEO von Ratepay. Sollten Händler ihren Checkout-Zoo also ausmisten? Bei Netflix setzt man auf einen reduzierten Checkout, berichtet Julia Körffer-Höhne, Head of Payments beim Streaming-Anbieter: Im Vergleich zu anderen Ländern biete man in Deutschland jedoch die meisten Checkout-Möglichkeiten.
Es gebe keine Evidenz, dass es zu viele Bezahlarten im Online-Shop geben könne und dass Konsument*Innen den Checkout deshalb abbrechen würden, sagt Dr. Lea Maria Siering, Geschäftsführerin von Zalando Payment. Warum also der Aufwand für eine zusätzliche Zahlart, fragt Sabrina Flunkert und beantwortet die Frage gleich selbst. Weil laut Studien 43 Prozent der Kund*Innen den Kauf abbrechen würden, wenn sie nicht ihre bevorzugte Zahlart fänden.
Wechseln Kund*Innen dann zu diesem neuen Checkout oder kommen sogar neue dazu? Generell sei das schwierig zu sagen, finden die Panelist*Innen. Zumindest im stationären Handel würden die Kund*Innen deswegen nicht die Produkte in die Regale zurücklegen, sagt Nils Plohmann vom Duty-Free-Händler Heinemann. Über Amex seien nach Einführung viele Transaktionen gelaufen.
Was ist also in fünf Jahren die Bezahloption der Wahl? Apple Pay und Google Pay seien gerade dabei, zum Standard zu werden, sind sich die Panelist*Innen einig. Die Girocard sei dagegen auf dem Rückzug. Trotzdem hoffen alle auf Wero. Doch wer wird in den nächsten zwölf Monaten Wero einsetzen? So wirklich möchte das niemand verraten. Wero sei spannend und man wünscht viel Erfolg und habe auch sonst gerade viel zu tun.

Ist die Goldgräberstimmung bei Agentic Commerce angebracht?
Dass bald KI-Agenten für uns im großen Stil das Einkaufen übernehmen werden, bezweifelten die Panelist*innen auf der PEX26 stark. Es dürfte wohl erstmal ein Anwendungsfall für B2B werden, sagte David Klemm von Mastercard. Dem pflichteten Professorin Silke Finken von der International School of Management und Pascal Beij von Unzer bei. Im B2B-Bereich ließen sich schließlich klare Prozesse definieren, die Anzahl der Lieferanten vorher begrenzen.
Für die Käufe im Auftrag von Konsument*innen gebe es vor allem noch viel zu viele Haftungsfragen. Wer haftet, wenn die KI doch etwas Falsches bestellt oder zu viel Geld ausgibt? Was passiert, wenn die KI halluziniert? Was, wenn der Händler Angaben gemacht hat, die die KI nicht richtig eingeordnet hat? Oder, wie Silke Finken es ausdrückte: „Puuuuuuh“.
Christian Zingel von Pair Finacne geht davon aus, dass durch Agentic Commerce langfristig mehr Leute shoppen dürften. Damit würde auch die Zahl der Zahlungsausfälle zeigen. Für Inkasso-Unternehmen wie Pair Finance dürfte es also in der Welt des Agentic Commerce viel zu tun geben.

Warum Open Banking Payments nicht richtig abhebt
Ist Open Banking Payments ein echter Gamechanger oder nur ein Hype? Vor zehn Jahren habe man viel erwartet, sagt Stefan Hölscher, Experte bei Otto Payments. Nun sei Vorkasse immer noch beliebter: „Das ist eine vertane Chance der Banken.” Warum sollte der Kunde eine Open Banking Zahlung machen, fragt Hölscher. Die Frage sei bei anderen Zahlungslösungen wie Lastschrift oder BNPL einfacher zu beantworten. Die Regulatorik mache Open Banking sehr aufwendig und langwierig, sagt Dr. Vincent Haupert, Mitgründer und CEO von Yaxi. Deswegen verlagere sich viel zu Drittanbieter.
Solche Systeme gebe es bereits, grätscht Vincent Haupert rein. Dass sie aber noch selten sind, sei besonders die Schuld der Banken. Denn es gebe noch sehr viele Hürden für solche Zahlungen. Oft müssten Nutzer*Innen sich mit Passwort in ihrem Online-Banking anmelden, statt zu ihren Banking-Apps weitergeleitet zu werden und sich mit Face-ID anzumelden – nicht gerade einfach. Die Banken müssten also die Best Practices umsetzen. Die ING mache das vor. Darauf entgegnet Uli Loof, Senior Experte Zahlungsverkehr DZ Bank, dass die Regulierung diese Flows für Banken verhindere. „Die Zahlungen sind oft einfach schlecht gemacht”, sagt Uli Loof über seine persönlichen Erfahrungen mit Open Banking Zahlungen.
Ein großes Problem sei das Branding, sagt Hölscher. Etwa die Sofortüberweisung einzustellen, mit der viele Nutzer*Innen vertraut gewesen seien, sei ein Fehler gewesen. Man habe aus der Brand der EC-Karte nichts gemacht, fügt Loof hinzu. Was bringt FIDA und die Pflicht, die Tür für Daten aufzumachen? Oft machten Banken es gezielt schwer, die Schnittstellen zu nutzen, sagt Haupert, der die Verordnung ganz gelesen hat. Deshalb sei der Ansatz richtig, die Banken daran mitverdienen zu lassen. „Eigentlich ist Open Banking aus Handelssicht total toll, weil man eine garantierte Zahlung hat”, sagt Hölscher. Den großen Gamechanger brauche es eigentlich nicht mehr.

Alles redet über Wero, aber was ist denn mit Euro PA?
Na klar, Wero gilt gerade in der deutschen Öffentlichkeit als die große Hoffnung, ein eigenes, europäisches Zahlungssystem aufzubauen. Dabei hätten sich schon vor Jahren zwölf nationale Zahlungssysteme zur European Mobil Payment System Association (EMSA) zusammengeschlossen, berichtet Christian Pirkner von Bluecode. Die Idee dahinter: Interoperabilität zu erreichen. Um das auf die Spitze zu treiben, haben drei Mitglieder dieses Bündnisses die European Payments Alliance ins Leben gerufen (ja, es ist leider so kompliziert mit den beiden Assoziationen) und ein neues System entwickelt. Der Plan: Wer etwa über Bancomat Pay in Italien Geld an einen Freund in Spanien überweisen möchte, der Bizum nutzt, könne das inzwischen tun. Das System ist laut Pirkner inzwischen live. Ist Europa in Sachen Zahlungssouveränität also schon weiter als das viele denken?
Wenn sich die national erfolgreichen Systeme auf diese Art und Weise zusammenschließen würden, so Pirkners These, könnte man einen Mehrwert schaffen. „Wenn wir Europäer als Digitalisierungsblinde Hühner ein Korn finden, dann ist die These der Interoperabilität, dieses Korn nicht zu zertrampeln.“ Gerade in Deutschland werde alle drei Jahre ein neues Projekt gestartet, von Giropay über Paydirekt bis hin zu Wero. Als normale Bürger*in werde man da ja wahnsinnig. Und das gilt offenbar auch für den Gesetzgeber, der, auch weil er der Branche nicht mehr vertraut, mit dem digitalen Euro eine eigene Lösung schaffen möchte.

Welche Marke strahlt heller?
Das Bezahlen im Online-Handel muss vor allem eines sein: einfach. Aber können Payment-Anbieter, die das Leisten, mit gutem Marketing noch einen größeren Mehrwert schaffen? Klarna habe sich schon vor Jahren entschieden, eine klare Marke zu schaffen, sagte Nico Schenck in einer Podiumsdiskussion. Die Firma hatte damit Erfolg, wird als europäischer Zahlungsanbieter wahrgenommen. Sie stehe für Sicherheit, Transparenz und Flexibilität.
Doch was bei Kund*innen offenbar zieht, klappt nicht unbedingt beim Händler. Laura Vogelsang, Mitgründerin von Wesolveproblems.ai tauchte nochmal in ihre alte Rolle als Händlerin ein. Bei Händlern sei Klarna weniger beliebt, da das System relativ starr sei. Auch wolle man ja selbst mit den Daten seiner Kund*innen arbeiten.
Der Fall Klarna zeigt: Gutes Marketing kann für Payment-Anbieter ein großes Plus sein – und zwar dann, wenn die Marke so groß ist, das Kund*innen über sie bezahlen wollen. Bei Mercedes haben sie, direkt ihre eigene Bezahllösung geschaffen, um die Strahlkraft der eigene Marke nutzen zu können, berichtete Norina Plank.
Als Händler, das erzählte Dario Beffa vom Schweizer Unternehmen On, kann den Spiez auch ein wenig umdrehen. Die Firma wollte Buy Now Pay Later als Bezahlmöglichkeit mit einführen und setzte dazu bewusst auf eine extern, sichtbare Lösung. Denn BNPL hätte für manche immer einen etwas negativen Beiklang. Es ist also ein Geben und Nehmen in der Marketing-Welt zwischen Händler und Paymentanbietern.
Das Rennen um die digitale Brieftasche
Die Geschichte im europäischen Payment ist eigentlich ganz einfach: Die bösen US-Konzerne nutzen ihre Macht, um uns ihre Produkte aufzuzwingen. Mit diesem Narrativ möchte sich Dr. Carlos Nasher, Managing Partner von Thede Consulting, nicht abfinden. Und er hat Zahlen mitgebracht: Mit den Zahlungsmitteln über Wallets erwirtschafteten Banken ungefähr 1,3 Milliarden Euro pro Jahr – Geld, das über 4.000 Issuer verteilt werde und ein Modell, das reguliert sei. Die Wallet-Anbieter verdienten damit ein bisschen weniger als die Hälfte alleine mit Gebühren – dahinter stünden aber lediglich Apple und Google. Das sei eine grobe Schätzung.
Die Stärke der US-Techs läge in der Verbindung von Identitätsnachweis, Benutzeroberfläche und Settlement, sagt Nasher. Gegen alle Aspekte gibt es europäische Alternativen, die mehr oder weniger weit sind. Mit EPI wollen die europäischen Banken die Wertschöpfung im Zahlungssystem wieder internalisieren. Der Digitale Euro will das Henne-Ei-Problem per Dekret lösen, sagt er. „Es wird bei den Gebühren ein Race to the bottom geben.” Und die EUDI soll die Identitätsverifizierung europäisch lösen.
Nun öffne sich ein Fenster für die Herausforderer: „Wenn man sich jetzt nicht entscheidet, kann man 2030 nur noch auf andere reagieren”, warnt Nasher. „Es ist eine Spezialität der Kreditwirtschaft, dieses Fenster konsequent zu ignorieren.” Damit meint er vermutlich, dass die Europäer das EC-System einfach so aufgaben. Man könnte also sagen, Schließt sich ein Fenster, schließt sich ein weiteres.

Wie nutzen die Europäer die Chancen?
Und damit zur Diskussion: Die Zeit sei noch nicht abgelaufen und man habe dazugelernt, findet Christian von Hammel-Bonten, Head of Products bei Commerz Globalpay. „Wir sind fragmentiert, haben aber lokale Heroes.” Man brauche nun Druck, um Einigkeit herzustellen. Den dürfte Martina Weimert, CEO von der EPI Company und die Frau hinter Wero deutlich spüren. Gerade sei man fleißig dabei, die 240.000 Händler zu integrieren. „P2P war dazu da, die Marke bekannt zu machen.” Bereits in diesem Jahr werde es mehr E-Commerce Anschlüsse und erste POS-Versuche geben. Was aber sei das Verkaufsargument gegenüber Händlern? Für einige sei das europäische Souveränität. Aber reicht das?
Google setzt derweil auf seiner Wallet. Ob man Angst vor Wero habe? Nein, meint Victor Bergmann, Head of Partnerships Domestic Schemes & DACH von Google Pay – im Gegenteil. „Wir sind bereit, Wero zu integrieren”, sagt er. Die 52 Millionen potentiellen Kund*Innen von Wero würden für ihn locker reichen.Man sehe sich vielmehr als Matchmaker und offenes Ökosystem. Die Wallet sei nur ein Teil des Systems, meint er. So viel verdiene man dabei nicht mit. Die Wallet sei vielmehr ein Informationsbecken für verschiedene Identifikationsprozesse.
Bleibt noch der Digitale Euro. Den mag auf diesen Panel wirklich niemand. Das Projekt solle die EZB sofort stoppen, wenn es nach Christian von Hammel-Bonten geht. „Viele Ansätze helfen nicht”, sagt er. Statt in die Privatwirtschaft einzugreifen, sollten staatliche Akteure sich raushalten. Man brauche eine klare Linie und Einigkeit. Victor Bergmann setzt sogar einen drauf und nennt den Digitalen Euro aus logischer Sicht „Schwachsinn“. „Als Visa und Mastercard würde ich mich kaputtlachen”, sagt Martina Weimert. Der Digitale Euro sollte nicht an die Ladenkasse, sondern in den Wholesale kommen. Auch Timm Caporale von Chief Innovation Officer und Vorstandsmitglied der cognitivo AG befürchtet, dass der Digitale Euro zu eine schlechten Nutzer*Innenerfahrung führe.

Willst du mein Acquirer sein?
Die Welt der Acquirer sah lange Zeit vergleichsweise einfach aus. Einfach den Händler ans Kartennetzwerk von zum Beispiel Visa oder Mastercard anschließen und fertig. Klar hatte das seine technischen Feinheiten, und die musste man erstmal meistern, doch so sah lange die Mission aus. Heute aber hat sich die Welt geändert, waren sich Julia Grass von der Deutschen Bank, Arne Reotzeimer von Visa und Moritz Bauch von Starfish einig.
Ein moderner Acquirer müsse mehr leisten können. Nur was genau? Die Anbieter wollen heute bestenfalls das Wachstum der Händler unterstützen, sie werden immer mehr zum Partner. Zusätzliche Services sind das Mittel der Wahl. Das könnten Tokenisierung sein oder Betrugsprävention und es ist wohl auch eine modulare Denkweise: Händler sollten die Leistungen nutzen können, die sie brauchen – und dann wohl auch nur für diese bezahlen. Zahlreiche Anbieter haben das bereits verstanden, ob Adyen, Stripe oder Nexi. Sie bündeln gleich mehrere Zahlungsfunktionen. Auch die Deutsche Bank mischt mit, bietet Händlern zahlreiche Leistungen. Für die Handelsbranche dürfte die Weiterentwicklung der Acquirer-Branche ein Segen sein.

So holt man mit Embedded Finance die Kleineren ab
KMUs sind das Rückgrat unserer Wirtschaft – so weit sind sich alle einig. Aber wie erreicht man sie über Embedded Finance Angebote? Mittelständler seien sehr digitalisiert, aber im Backoffice nutze noch das „Disaster-Dreieck” von Excel, E-Mail und Unterschriftenmappen – ein No-Go für Christian Ritosek von Candis. Aber: „Es dauert nicht mehr lange, bis die Akzeptanz auch für KI steigt”, glaubt er.
Kleine Kunden waren schwer abzuwickeln und teuer zu akquirieren, als Miriam Wohlfarth von Banxware bei Ratepay anfing, erzählt sie. Die Plattform-Ökonomie habe das geändert. „Unternehmen müssen jetzt digital werden”, sagt sie. Bei seinen Kunden sehe er eine große Bereitschaft, Prozesse zu digitalisieren, beobachtet Tom Sellin von Airwallex. Wo ist nun das Problem?
Fragmentierte Lösungen in den verschiedenen Bereichen, sagt Sellin. „Die Themen greifen nicht ineinander für sie.” Auf diese komplizierten Systeme habe man sich mit Candis konzentriert. „Durch die Erfahrung, die wir mit den Großen gemacht haben, können wir zunehmend auch kleine Kunden onboarden”, sagt er. Der Business Owner unterscheide sich nicht mehr von Privatpersonen. Besonders in den Erwartungen an die User Experience gleiche man sich an, sagt Miriam Wohlfarth.
Ist Embedded Finance hier die Lösung? Da gehen alle Panelist*Innen aus. Die Frage sei, wo der Ort sein wird, wo alle Informationen zusammenlaufen: Buchhaltungssoftware, ein Payment-Anbieter oder ein komplett neues System, sagt Miriam Wohlfarth. Man versuche die Reibung zwischen den Systemen zu verringern, meint Tom Sellin von Airwallex.
Wie man Betrüger*innen in den Knast bringt (hoffentlich)
Der Kampf gegen Betrug könnte so einfach sein. Denn eigentlich sei es recht leicht entsprechende Fälle zu erkennen, sagte Carmen Honacker, die zu diesem Thema berät. Eine Bank etwa müsste erkennen können, wann etwas aus dem gängigen Muster ausbricht. Kleines Problem bei der Sache: Dafür braucht sie eine ganze Reihe an Daten über das Verhalten ihrer Kontoinhaber*innen, warf Berater Matthias Rübo auf einem Panel zu Betrugsmaschen auf der PEX26 ein. Es wird also in der praktischen Umsetzung doch ein wenig komplexer.
Denn tendenziell werden Betrüger*innen immer klüger. Sie hätten sich weiterentwickelt, sagte Dina Alagic vom Händler Breuninger. Sei es früher noch die Zahlartenaussteuerung gewesen, passiere der Betrug jetzt beim Kund*innen-Service oder sogar in der Logistik. So behaupteten Betrüger*innen zum Beispiel gerne glaubhaft, dass sie eine Ware nicht bekommen hätten – die sie aber eigentlich auch gar nicht bestellt hatten. Das zu erkennen und darauf schnell zu reagieren, sei nun die Herausforderung.
Für Banken ändert die EU gerade die Spielregeln und das ganz schön gewaltig. Die PSR kommt, die Payment Service Regulation steht vor der Türe. Und die entlasse laut aktuell diskutiertem Entwurf Konsument*innen aus ihrer Verantwortung, berichtete Carsten Muerl von Mastercard. Würde ein*e Betrüger*in sich als Bankmitarbeiter*in ausgeben und damit im ersten Moment durchkommen, trage bald die Bank die Haftung für den Betrug. Für Verbraucher*innen eine tolle Nachricht, für Banken definitiv eine Herausforderung.
An die relevanten Informationen von Bankkund*innen zu kommen, ist laut Berater Matthias Rübo ohnehin oftmals noch viel zu leicht. Das SMS-Tan-Verfahren etwa, auf das noch immer das ein oder andere Bankhaus setze, sei sehr angreifbar.
Und das war’s für den ersten Tag der PEX26. Hier gibt’s jetzt Kuchen. Morgen geht es dann inhaltlich weiter!