C24, Ratepay, Clark: Das waren die wichtigsten Fintechs-News im November
In dieser Folge sprechen Jochen Siegert und André Bajorat über geschmeidige, streitbelastete und herbeigesehnte Machtwechsel. Einige Kämpfe wurden beigelegt, andere neu entfacht.
In dieser Folge sprechen Jochen Siegert und André Bajorat über geschmeidige, streitbelastete und herbeigesehnte Machtwechsel. Einige Kämpfe wurden beigelegt, andere neu entfacht.
Im November sind bekanntlich die meisten Menschen im Büro. Ob auf den Autobahnen, in den Pendlerzügen oder in den Chefetagen der Fintechs: Es ist eine Menge los. Bei Bitpanda, Gini oder Revolut kann man sich über gute Nachrichten freuen und entspannt Weihnachten entgegensehen. Für andere wie C24, Ratepay oder Clark könnte es ein unangenehmes Fest werden. Das waren die wichtigsten Fintech-News in diesem Monat:
N26 ernennt drei neue Aufsichtsratsmitglieder und glätten die Wogen
Die Berliner N26 hat auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Andreas Dombret, Daniel Terberger und Byron Haynes neu in den Aufsichtsrat gewählt. Dombret soll zum Vorsitzenden ernannt werden. Die Berufungen stehen unter Vorbehalt der Zustimmung durch die BaFin. Der N26-Aufsichtsrat soll nach Informationen des Platow Briefs außerdem um zwei auf acht Sitze erweitert werden. Davon ist einer für einen externen Banker reserviert. Um den zweiten wird noch gerangelt. Die Wahl gilt als neuer Höhepunkt im Ringen zwischen Gründern und Investoren um Einfluss im Kontrollgremium, da Terberger und Haynes von den Gründern vorgeschlagen wurden. Eine finale Vereinbarung zu den Investorenforderungen gibt es bislang nicht.
Bitpanda mit neuem Führungsteam: Eric Demuth wird Executive Chairman, Lukas Enzersdorfer-Konrad übernimmt CEO-Rolle
Ohne Streit geht dagegen ein anderer Wechsel über die Bühne: Eric Demuth gibt nach über einem Jahrzehnt als Gründer und CEO von Bitpanda die operative Leitung ab und übernimmt die Position des Executive Chairman und President der Bitpanda Group AG. Die Nachfolge als CEO tritt Lukas Enzersdorfer-Konrad an, der künftig die Geschäfte alleine führt. Mit dem Wechsel setzt das Wiener Fintech auf Kontinuität, auch weil in den vergangenen Jahren der Eindruck entstanden ist, dass Lukas Enzersdorfer-Konrad bereits die operative Verantwortung übernommen hatte. Demuth wird dabei weiterhin die globale Ausrichtung und Produktstrategie prägen.
Revoluts gigantische Bewertung
Für die Mitarbeitenden der britischen Neobank Revolut könnte es jetzt Geld regnen. In einer Sekundärrunde dürfen sie nun ihre Anteile am Unternehmen an Investoren verkaufen und das nicht gerade zum Sparpreis: Für diesen Vorgang holte sich Revolut eine neue Bewertung ein, die von einem Unternehmenswert in höhe von 75 Milliarden US-Dollar ausgeht: Für eine Neobank ist das ein neuer Rekord.
C24-Klatsche von der Bafin
Bei der C24 Bank läuft es aufsichtsrechtlich derzeit wohl nicht ganz rund. Die Finanzaufsicht BaFin hat angeordnet, dass das Institut Maßnahmen ergreifen muss, um wieder eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation herzustellen. Hintergrund sind gravierende Mängel, die man vor allem im Bereich der Geldwäscheprävention gefunden hat. Da fackelt die Aufsicht nicht lange und hat zur Überwachung der Mängelbeseitigung direkt einen Sonderbeauftragten bestellt. Wir haben das auch noch genauer in einem Beitrag beleuchtet.
Keiner hat Bock bei Solaris Chef zu sein
Das Berliner Institut hat immer noch keinen Nachfolger für den scheidenden CEO Carsten Höltkemeyer gefunden. Die Suche nach neuen Spitzenmanagern ist aus mehreren Gründen mühsam. Zum einen ist der Job aufgrund der vielen Schwierigkeiten der Bank nicht gerade attraktiv. Zum anderen fehlt es der Bank an einer klaren Strategie, wobei der japanische Hauptinvestor, der im deutschen Markt eher unerfahren ist, dabei keine große Hilfe sein dürfte. Das Henne-Ei-Problem: Ein neuer CEO müsste eine neue Strategie entwickeln, aber ohne diese scheuen Kandidat:innen vor dem Job.
Dicke Probleme bei Ratepay – Mega-Abwertung durch Nexi
Ratepay galt mal als das deutsche Klarna. Nicht ganz so groß. Nicht ganz so schillernd. Aber mit einem vergleichbaren Geschäftsmodell („Buy now, pay later“). Und durchaus erfolgreich – beflügelt unter anderem durch die Pandemie, schossen die Umsätze im Geschäftsjahr 2021 um mehr als zwei Drittel auf fast 100 Mio. Euro. Genau zu jener Zeit, also auf dem Höhepunkt des Fintech- und BNPL-Booms, stellte die italienische Mutter Nexi die Berliner Tochter für angeblich grob 1 Mrd. Euro zum Verkauf. Ein Erwerber fand sich allerdings nicht. Nun wurde Ratepay massiv abgewertet, wie Finanz-Szene berichtete. Aus der BNPL-Blase entwich die Luft. Und besonders hart erwischte es Ratepay.
Wero startet mit erster Online-Einbindung bei Eventim
Der von europäischen Banken entwickelte Bezahldienst Wero ist jetzt erstmals für Online-Einkäufe verfügbar. Kundinnen und Kunden können beim Ticketanbieter Eventim das neue Zahlverfahren nutzen, indem sie nach der Auswahl einen QR-Code scannen und den Kauf in ihrer Banking-App bestätigen. Aktuell steht die Option nur Kunden von Sparkassen und VR-Banken zur Verfügung, während weitere Banken vorerst ausgeschlossen sind. Die European Payments Initiative plant eine Ausweitung auf Unternehmen wie Deutsche Bahn, Otto und Mediamarkt-Saturn. Künftig soll Wero auch stationären Handel abdecken, allerdings erst ab 2026 oder 2027. Mittlerweile hat auch N26 verkündet, sich Wero anzuschließen – zunächst aber auch nur beschränkt auf Peer-to-peer-Zahlungen.
Kundenzufriedenheit bei Trade Republic sinkt: Serviceprobleme im Fokus
Trotz starken Wachstums sieht sich der Neobroker Trade Republic mit einer wachsenden Zahl an Beschwerden konfrontiert, die sich vor allem auf den schwer erreichbaren Kundenservice beziehen. Zwischen Januar und September stiegen die Meldungen bei Verbraucherzentralen um 133 Prozent, häufig beklagen Nutzer mangelnde Hilfe und fehlende direkte Kontaktmöglichkeiten. Während Trade Republic die steigenden Beschwerdezahlen auf das schnelle Wachstum und mehr Kunden zurückführt, kritisieren Experten wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg das Geschäftsmodell und fordern stärkere Maßnahmen durch die Finanzaufsicht Bafin. Auch die Konkurrenz setzt gezielt auf bessere telefonische Erreichbarkeit, um sich im Markt abzusetzen. Doch das tut dem finanziellen Erfolg des Brokers keinen Abbruch: Investoren stehen einem Bericht zufolge vor einem Weiterverkauf von Anteilen an Trade Republic. Der Wert des Berliner Neobrokers könnte sich dadurch bald deutlich erhöhen und zwar auf 12 Milliarden Euro.
IDnow startet europäische Plattform für digitale Identitäten
IDnow baut nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors Corsair eine Trust-Plattform, die Banken und Fintechs künftig eine zentrale Lösung für die digitale Identitätsprüfung bieten soll. Der bisherige Marktführer bei Videoident setzt damit auf eine umfassende Infrastruktur, die künftigen EU-Regulierungen Rechnung trägt und Unternehmen wie N26, Klarna und Commerzbank einheitliche Verfahren zur digitalen Kundenlegitimation bereitstellt. Bis 2026 soll die Plattform europaweit ausgerollt werden und mit hybriden Prüfansätzen den Kampf gegen Identitätsbetrug stärken. Ziel ist, den komplexen rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden und europäische Standards zu setzen.
Perplexity startet KI-Shopping mit integriertem PayPal-Checkout
Perplexity führt in den USA eine neue Shopping-Funktion ein, bei der Nutzer Produkte per konversationeller Suche auswählen und direkt im Interface über eine PayPal-Integration bezahlen können. Die KI berücksichtigt Verlauf und Vorlieben, zeigt passende Produkte in kompakten Karten mit relevanten Spezifikationen und Bewertungen, während Händler weiterhin Vertragspartner bleiben und für Kundenbeziehung, Retouren und Loyalty zuständig sind. Der Dienst startet im Web und auf dem Desktop, mobile Apps sollen zeitnah folgen, ein internationaler Rollout ist offen.
Fotoüberweisung von Gini knackt die 19-Millionen-Marke im Oktober
Im Oktober verarbeitete Gini erstmals über 19 Millionen Fotoüberweisungen, was einem Anstieg von knapp 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Das Feature ist mittlerweile in zahlreichen Banking-Apps deutscher Banken und Sparkassen integriert und wird verstärkt auch von älteren Nutzergruppen eingesetzt. Laut einer aktuellen YouGov-Studie kennen fast die Hälfte der Befragten das Angebot, zwei Drittel davon nutzen die Funktion aktiv. Die Fotoüberweisung erleichtert den Zahlungsprozess, indem sie Zahlungsdaten automatisch aus Rechnungen, QR-Codes oder Überweisungsträgern übernimmt und Tippfehler vermeidet.
Machtkampf bei Clark
Bei dem Frankfurter Milliarden-Start-up klappt es seit einiger Zeit nicht mit einer neuen Investorenrunden. Deswegen musste man sich mit Krediten über Wasser halten und schließlich auf ein Wandeldarlehen zurückgreifen. Doch klagt eine Investorengruppe gegen diese Beschlüsse, da man den Schritt erst im Nachhinein von den Aktionären absegnen lassen wollte. Die fürchten nun, dass die Firma dem Großaktionär Allianz ausgeliefert ist und beschreiten den Rechtsweg.
Millionen für NaroIQ
Das Kölner Start-up NaroIQ arbeitet künftig mit mehreren Lizenzen der Finanzaufsicht BaFin. Mithilfe des Dienstes können etablierte Fondsanbieter eigene ETFs auflegen. Was hat das Fintech vor?
18 Festnahmen bei internationaler Aktion gegen Betrugsnetzwerke
Bei der „Operation Chargeback“ haben Ermittler in neun Ländern drei mutmaßlich weltweit agierende Betrugs- und Geldwäschenetzwerke zerschlagen. Die Beschuldigten sollen Kreditkartendaten von etwa 4,3 Millionen Personen aus 193 Ländern genutzt und über manipulierte Zahlungsdienstleister mehr als 19 Millionen gefälschte Online-Abonnements abgeschlossen haben. Das Netzwerk generierte so einen Schaden von über 300 Millionen Euro. In Deutschland wurden 29 Objekte durchsucht und fünf Verdächtige festgenommen. Die BaFin unterstützte die Ermittlungen mit gezielten Maßnahmen gegen Geldwäsche im digitalen Zahlungsverkehr. Weitere Informationen auf der Website des Bundeskriminalamts.
Kreditkartenstreit könnte bald enden
Zwischen Visa und Mastercard sowie zahlreichen Händlern steht offenbar eine Einigung im jahrelangen Streit um Kreditkartengebühren kurz bevor. Geplant ist eine Senkung der sogenannten Interchange-Gebühren um etwa einen Zehntelprozentpunkt über mehrere Jahre, was besondere Auswirkungen auf die Kosten für Kartenzahlungen hätte. Händler sollen zudem mehr Möglichkeiten erhalten, bestimmte Kreditkarten abzulehnen, und der Rechtsstreit seit 2005 könnte damit beigelegt werden. Ein Vergleich von rund 30 Milliarden Dollar ist bereits geschlossen worden, künftig sind auch neue Regelungen zu Aufschlägen für Kartenzahlungen vorgesehen. Auch das haben wir uns ausführlicher in einem Beitrag angeschaut.