BEX 2025: Branche diskutiert über das Banking der Zukunft
Über Neobanken auf der Suche nach neuen Wachstumsmodellen, Künstliche Intelligenz, die das Banking auf den Kopf stellt bis hin zu Krypto-Währungen. Über diese Themen diskutiert die Branche auf der BEX 2025.
Über Neobanken auf der Suche nach neuen Wachstumsmodellen, Künstliche Intelligenz, die das Banking auf den Kopf stellt bis hin zu Krypto-Währungen. Auf der BEX 2025 wird eifrig über die aktuellen Banking-Themen diskutiert. Die wichtigsten Ergebnisse im Live-Blog.
„All in“ lautet das Motto der diesjährigen Banking Exchange (BEX 25) hier im Frankfurter Massif Central. Und da wollen wir als Redaktion natürlich mit dabei sein – und berichten über alles: Hier gibt es kurze Zusammenfassungen jeder Diskussionsrunde und jedes Vortrages. Wer mehr erfahren möchte, muss das nächste Mal selbst mit dabei sein!

Mein:e Mitspieler:in: Wenn die KI mit im Finanz-Cockpit sitzt
Es ist das erste Level im Spiel der heutigen BEX und gleichzeitig das nächste Level im Banking, zumindest wenn man Stephan A. Paxmann glaubt, dem strategischen Mastermind für Digitalisierung und Innovation bei der LBBW – ein Spieler mit Erfahrung. Sein Punkt: Wir haben so viele Informationen wie nie: Kontostände, Aktienkurse, News. Trotzdem können wir oft nicht rechtzeitig handeln. „Das kostet uns Geld“, sagt er. Statt zu verlieren, lässt Paxmann sich auf der Bühne von seinem Mitspieler, einem KI-Buddy mit seiner Stimme und Aussehen, seine Finanzsituation spiegeln. Es ist ein Gespräch mit einem Avatar, möglich durch LLM, API-Anschluss und Geschäftsdaten. Gesteuert wird mit der Stimme. Vom Omnikanal zum Vomnikanal, so nennt es Paxmann. Also ist für den Human-in-the-Loop das Spiel vorbei?
Jetzt öffnet sich das Spiel. Maik Klotz betritt das Spielfeld zusammen mit weiteren Spieler:innen und stellt die Frage: Besteht die Gefahr, dass die Schnittstelle zu Kund:innen an die Chatbots verlieren. Wir brauchten mehr KI-Anwendungen am Kunden, statt damit nur Kosten zu kürzen, sagt Sascha Dewald, Podcaster bei Payment & Banking und Stratege bei der DKB. „Wenn sich das als Narrativ durchsetzt, senkt das zwar die Kosten, aber an die Kunden denken die anderen.“ Aber was sind eigentlich die Use-Cases? Welche Spielzüge wollen die Kunden? Wollen wir eine Bank mit Chatbot oder einen Chatbot, der auch Bank kann. „Banken haben einen großen Vertrauensvorschuss“, sagt Maik Klotz. „Gleichzeitig verzeihen Kunden ihnen nur wenig Fehler, ChatGPT und Co. aber viel.“ Bei schlechten Finanzentscheidungen dagegen vielleicht eher nicht, sagt Professorin Silke Finken. „Viele wollen deshalb noch den Human-the-Loop“, sagt sie. „Menschen sind nicht immer besser“, entgegnet Paxmann. Und mit dieser hoffnungsfrohen Note endet die Runde mit einem Blick ins nächste Jahr. Alles sind sich einig: Es könnte das Jahr der Finanz-Agenten werden.

Embedded Finance ist gekommen, um zu bleiben
Weiter geht die fröhliche Spielerunde: Mit Miriam Wohlfarth von Banxware, Christian Steiger von Lexware und Florian Liar von Swan haben sich gleich drei große Verfechter:innen von Embedded-Finance-Lösungen auf der Bühne gefunden. Das Potenzial von Banklösungen, wie der Vergabe von Krediten, die aber nicht von Banken selbst sondern von anderen Unternehmen angeboten werden, sei groß, sind sich die drei Panelist:innen einig. „Unternehmen wollen kein Banking mehr, sie wollen Geschäfte machen“, sagt Christian Sieger. Mit dem Prozessen wolle sich keiner mehr beschäftigen, sondern eben nach vorne schauen. Und genau das können Embedded-Finance-Lösungen leisten.
Mit Embedded Finance ließen sich bessere Produkte bauen, befindet Wohlfarth, die auch Gesellschafterin von Payment & Banking ist. Damit Partnerschaften dabei aber funktionieren, müssen beide Seiten laut Liar drei Kernpunkte beherzigen: radikaler Fokus auf die Endkund:innen, Embedded Finance nicht als netten Zusatz sondern als strategische Weichenstellung sehen – und dann einen langem Atem haben. Zu viele Projekte seien in der Vergangenheit gescheitert, weil sie nicht direkt performt hätten, so Liar.
Es sei ein Thema, bei dem sich Banken und Fintechs stärker zusammentun müssten, ist sich Wohlfarth sicher. Den einen Generalisten, der alles kann, gebe es nicht. Vielmehr seien es Spezialisten, die in einem Bereich richtig gut sind. Beispiel: ihr eigenes Unternehmen. Banxware könne schnell Kredite bis zu einer gewissen Größer vergeben, weil es die Geschäftsmodelle seiner Unternehmenskunden schnell analysieren kann. Ab einer Finanzierungshöhe von 250.000 Euro komme dann die Hypovereinsbank hinzu. Banxware also liefert erste Daten und eine Bank vergibt im Anschluss den Kredit.

Monopoly: Wo liegt die Schlossallee im Neobanking?
Eines der heißesten Duelle liefern sich gerade Neobanken und die Oldtimer-Banken. Geht die Strategie der Neobanken gerade auf, die anderen zu überholen? „Die Erträge der Neobanken, liegen deutlich unter den Erwartungen“, sagt Christian Kirchner, der mit seinem kritischen Blick im Newsletter Finanz-Szene so manche:m Banker:in schlaflose Nächte bereitet. Die Erzählung der Neobanken habe sich verändert, sagt der Finanzjournalist. Nachdem der Anspruch der Neobanken eigentlich war, das gesamte Spielfeld einzunehmen, feierten sie nun hohe Zinserträge und den Break-Even, obwohl sie dafür wenig aufs Spiel gesetzt hatten und von der Zinswende, also vom Zufall profitierten.
Sind wir also in einer Pattsituation zwischen Neo- und Traditionsbanken? Was ist die Schlossallee im Banking, der Schlüssel zum Sieg? Trading & Investment, ergibt eine Abstimmung des Publikums. Das sieht Kirchner anders: Sie liegt seiner Meinung nach im Zinsgeschäft und Passivgeschäft. Darauf baute alles Weitere auf, inklusive Trading und Kreditgeschäft. Hier sind die Neobanken woanders schon weiter: Während die Neotrader über Banking und Private Equity nachdenken, entscheiden die traditionellen Banken noch darüber, ob sie überhaupt Krypto anbieten wollen. Doch sie haben noch alle Karten in der Hand: Obwohl ein Vergleich nur einen Klick entfernt ist, griffen Kund:innen bei Baufinanzierung oft zu einem Angebot der Hausbank. „Das Hausbankmodell ist bei den Menschen immer noch stark verankert“, sagt er. Das Spiel um das Monopol wird also noch einige Runden gehen.

Was digitale Assets für die Kreditvergabe bedeuten können
Das wird jetzt ein bisschen futuristisch oder, wie es Thomas Heinz von Sopra Financial Technology ausdrückt: „Jetzt geht die Zockerei so richtig los.“ Dabei will er Krypto-Assets gar nicht als die große Zockerei darstellen. Heinz erklärt, warum Sopra vor einigen Jahren sich entschieden hat, voll auf Krypto zu setzen (okay, und vielleicht damals ein bisschen gezockt hat).
In einer Welt, in der Krypto bei Anleger:innen angekommen sei, so das Kalkül dahinter, müssten sich auch für Banken neue Geschäftsmodelle eröffnen – losgelöst vom reinen Broker-Provisions-Dasein. Was also wäre: Wenn man Kredite mit digitalen Assets wie Bitcoin besichert? Und in einer Welt, in der mehr und mehr Menschen in solche Anlageklassen investieren, in der JP Morgan angekündigt hat, kryptogesichertes Kreditprodukt zu bauen, fühlt man sich bei Sopra mit seiner Entscheidung ganz richtig. Möglich also sei es, Kredite mit digitalen Assets zu besichern, so Heinz. Und einen Markt gebe es auch. Denn immerhin 71 Prozent der Kryptoinvestor:innen wollten die digitalen Assets nutzen, um genau das zu tun. Biete eine Bank so etwas in Zukunft nicht an, verpasse sie bestenfalls eine Geschäftsgelegenheit, schlimmstenfalls verliere sie Kund:innen. Äußerst praktisch für Heinz` Vortrag: Sopra hat dazu direkt eine Lösung gebaut. Muss nur noch im Risikomanagement geklärt werden, wie hoch die Beleihungsgrenze bei digitalen Assets sein sollte.

Mit offenen Karten: Fair-Play bei der Kreditvergabe
Wenn die Schufa mit am Tisch sitzt, fällt es Menschen oft schwer der Auskunftei in die Karten zu schauen. Transparenz ist etwas, für das die Schufa nicht gerade bekannt ist. Kein beliebtes Thema bei Parties, gibt Felix Lowinski von der Schufa zu. Beides könnte die Auskunftei nun ändern: Denn Menschen wollen verstehen, wie ihre Bonität bewertet wird, fand die Schufa bei Umfragen unter Kund:innen heraus: „Sie wollen keine Spannung, wenn sie ihren Score abrufen“, sagt Lowinski. Das wollte die Auskunftei ändern und stellt nach drei Jahren Entwicklung einen neuen Schufa-Score vor.
Und das wird zu einem Spiel um Punkte: Kund:innen gehen in ihre Schufa-App und finden dort bald einen zentralen Score – und wichtig: Wie sich der zusammensetzt. „Damit gehen wir All-In“, sagt Lowinski. „Wir werden damit den ersten weltweiten transparente Score einführen.“ Und das ganz ohne KI und inklusive Erklärung. Beispielsweise, dass sie für einen Ratenkredit, den sie vor zwei Monaten abgeschlossen haben, 48 Punkte bekommen. Diese Punkte werden bis 999 aufeinander addiert – je höher, desto besser. „Wir enthüllen den Mythos um den Schufa-Score“, sagt Lowinski. Damit will die Schufa ihre eigenen Spielzüge nachvollziehbar machen. Lowinski verspricht sich damit, dass Gespräche über seine Arbeit auf Partys bald spannender werden.

Trade Finance: Warum die Digitalisierung bisher nicht gelingt
Die Payment-Welt kann sich vor lauter Digitalisierungsvorhaben gar nicht mehr retten. In der Welt der Handelsfinanzierungen (Trade Finance) sieht es aber ganz anders aus. Viele bisherige Digitalisierungsprozesse sind gescheitert. Warum also will die Digitalisierung hier bisher einfach nicht gelingen? Eine Ursünde bei den bisherigen Projekten sei in jedem Fall die Technologieverliebtheit gewesen, sagt Armin Wittemer von der LBBW. Man muss also erst ein Problem identifizieren und dann eine Technologie entwickeln, nicht umgekehrt. „Trade Finance ist komplex“, fasst er zusammen. Importeur und Exporteur stünden sich gegenüber, jeder mit einer eigenen Bank. Hinzu kämmen Spediteure, Schiffsgesellschaften, Zollbehörden und Devisenkontrollbehörden. „Und die haben nicht alle die gleiche Motivation.“
Um doch endlich wegzukommen von Papier-Prozessen, schlägt Jan Osenegg von Senior Advisory vor, erstmal eine hybride Lösung zu schaffen. Für einige Bausteine bräuchte es dann immer noch den Behördenstempel, wieder andere könnten dann schon digital laufen. Wobei gerade Deutschland aufpassen müsse, nicht zu lange an seinem Stempel festzuhalten. „Vertikal entwickeln“, nennt Nadine Brandies von Finanz Informatik Solutions Plus das Konzept. Man sollte sich also erst einen Baustein dieses Prozesses heraussuchen und ihn vernünftig digitalisieren. Erst dann könne man in die Breite gehen. Immerhin: Die Runde glaubt fest daran, dass es eine Digitalisierung gelingen wird. „Es wird ein globales Betriebssystem für Trade Finance geben“, fasst es Marcus Rupprecht von PWC zusammen. Mal schauen, wie viele BEX-Konferenzen es bis dahin noch braucht.

Private Debt: Spielen, wo Banken im Abseits stehen
Gerade sind Banken zurückhaltend, wenn es um Finanzierungen geht. Auch deswegen wird im Spiel um Finanzierungen Private Debt gerade zum Comeback-Kid der Finanzindustrie, sagt Kevin Hackel. Der Podcast-Host von Payment & Banking und CEO von Nao weiß: Die nötigen Investitionen sind groß. Trotzdem gilt Deutschland als overbanked. Was stimmt also? Nicht überall, stellen die Panel-Teilnehmer fest. Melanie Dofour, CEO von re:cap, setzt auf Unternehmen, die noch keinen großen Track-Record haben. Viele sind zwar nicht profitabel, doch ihr Potential ist groß. Die Banken dagegen steigen aber oft früh aus: „Dieser Bereich ist komplett underbanked“, sagt sie. Haben die Banken Angst sich zu verzocken? „Private Debt hat einen größeren Risikoappetit, auch weil die Renditeerwartungen größer sind, sagt Jördis Heckt-Harbeck von Linklaters. Dort wo klassische Banken vorsichtig sind, kommt Private Debt ins Spiel. Natürlich: „Alles, was man auf die Spitze treibt, ist schädlich“, sagt sie. „Das alternative Lending deutlich riskanter sind, muss nicht unbedingt der Fall sein“, sagt Lukas Diehl von der Varengold Bank.
Aber warum spielt Private Debt in Deutschland immer noch ein vergleichsweise kleine Rolle? „Es gibt noch viele Nischenbanken, anders als im Ausland. Dort gibt es oft nur drei große Player auf dem Markt“, erklärt Lukas Diehl. In Asien sei die Nachfrage nach Regulierung dagegen groß, sagt Nicolas Kipp, CEO von Credibur. „Da herrscht noch Goldgräberstimmung aber auch der Wilde-Westen.“ Wird der Pot des Private Debt in Deutschland wachsen? Ja, stimmen die Panel-Teilnehmer überein – aber nur moderat, denn am Ende gilt: „Das Geld findet immer seinen Weg“, wie es Nicolas Kipp formuliert. Es sei naiv, dazwischen zu gehen und zu glauben, dass Geld nicht fließe, wenn es einen Bedarf und eine Investitionsnachfrage gebe. Heckt-Harbeck von Linklaters weißt darauf hin, dass Banken auch stark in Private Debt Fonds investieren: „Da kann man teilweise von einem Kreislauf sprechen.“ Private Debt ist also auch ein Thema für die Banken. Der neue Player Private Debt ist also gekommen, um zu bleiben, auch wenn er nicht so hoch pokern kann, als woanders.

Wie FIDA die Spielregeln verändern wird
Auch wenn so mancher Verband lange versucht hat, gegen FIDA zu lobbyieren, die Expert:innen auf der BEX 2025 sind sich sicher: FIDA wird die Spielwelt verändern. Die Regulierung, die Banken dazu zwingt, ihre Daten anderen zur Verfügung zu stellen, wird für Open-Finance-Lösungen einen großen Schubgeben geben. Fragt sich nur, wer profitiert davon am Ende?
„Wer bei Open Finance nur an Open Banking denkt, hat das Spiel noch nicht verstanden“, sagt Susanne Krehl von Wealth API. Denn wenn Banken einmal ihren Datenschatz für alle öffnen, dürfte es ganz verschiedene neue Anwendungsmöglichkeiten geben. Läuft das alles einmal, könnten gar „magische Dinge“ herauskommen, meint Dominik Schütz von LBBW. Der Phantasie sind also keine Grenzen gesetzt, nur das alles auch umzusetzen, wird, nun ja, schwierig.
Zwar sitzen Banken auf zahlreichen Daten, die sie zur Verfügung stellen müssen, doch braucht es dafür Schnittstellen. Die IT-Systeme sind laut Schütz bisher nur leider oft so gebaut, dass sie nicht mal eben so geöffnet werden können. Und auch wenn es Banken dann gelingt, die Schnittstellen bereitzustellen: Selbst Produkte entwickelt haben sie dann noch lange nicht. Den großen Vorteil, den FIDA mit sich bringt, können sie dann selbst gar nicht nutzen. Man müsse daher mutig sein, Kooperationen eingehen, wünscht sich Schütz.
Es dürften also erstmal Fintechs sein, die sich auf neue Produkte spezialisiert haben, die von den Daten – und Kooperationen – profitieren werden. Damit aber neue Produkte von Kund:innen angenommen werden, müssen sie einfach umsetzbar sein, ist sich die Runde einig. Sind sie convenient, dann senken Kund:innen auch ihre Datenschutzansprüche. Ein Beispiel: „Man lädt Kontoauszüge derzeit nicht bei ChatGPT hoch, weil man eine bessere Übersicht bekommt“, sagt Enrico Köhler von KIWI Consulting, sondern eben, weil es einfach ist. Auch Paypack ist einfach, über Datenschutz denkt dort kaum einer nach. Deutlich wird in der FIDA-Welt also eines: Banken werden neue Kooperationen eingehen müssen, um nicht abgehangen zu werden.

Stablecoins: Die Blockchain taugt zu mehr als Krypto-Casino
Beim Thema Blockchain denkt man oft ans Zocken mit Kryptowährungen und weniger daran, mit ihnen alltägliche Einkäufe zu bezahlen. Stablecoins sollen dieses Blatt wenden. „Zwar ist Stablecoin in erster Linie ein Währung, die den Handel mit Kryptowährungen erleichtert, doch auch klassische Player entdecken Stablecoins als Technologie-Plattformen“, sagt Peter Grosskopf, der mit AllUnity gerade den Euro-Stablecoin EURAU ins Spiel gebracht hat. Für Hartmut Giesen (Sutor Bank) sind Stablecoins ein Joker beim Kauf technisierter Wertpapiere. Peter Lieck (Ivy) setzt auf den Vorteil grenzüberschreitender Echtzeitzahlungen: „Stablecoins bedeuten finanzielle Inklusion.“ In Nigeria könne man so Händler in Europa bezahlen, ohne den Einsatz von Währungstausch. „Immer wenn eine Zahlung über Fiatgeld, teuer, langsam und kompliziert ist, machen Stablecoins Sinn.“
Aber heißt das jetzt, dass Stablecoins zum neuen dominierenden Spielgeld wird? Wahrscheinlich nicht, glauben die Teilnehmer. „Den Kund:innen ist es im Zweifel egal, ob sie gerade mit Stablecoins zahlen“, sagt Giesen. Auch Michael Cyrus (Deka Bank) betont: „Es gibt Use-Cases für verschiedene Arten von Geld.“ Wichtig sei, dass Regulierer echten Wettbewerb zulassen – die Spielregeln also fair bleiben. Noch haben Dollar-Stablecoins die Nase vorn und dominieren den Tisch. Doch der Vorsprung ist nicht uneinholbar. „Je mehr realen Nutzen es gibt, desto mehr werden auch Märkte wie Europa nachziehen“, meint Grosskopf. Giesen sieht ebenfalls Chancen, warnt aber: Im Euroraum könnte der Digitale Euro die Karten neu mischen.

Digitalisierung im Mittelstand: Mit kleinen Zügen zum großen Wurf
Offene Rechnungen kennt man nicht nur aus dem Casino. Auch im Mittelstand fallen sie an, aber meist noch analog. Laut einer Umfrage von Mastercard müssen 75 Prozent der Firmen ihre digitalisierten Rechnungen nachträglich von Hand korrigieren, niemand spielt komplett automatisiert. Das Start-up Moss will das ändern. Es bietet eine Plattform, die Finanzprozesse vom Ausgaben- und Kartenmanagement über Rechnungs- und Lieferantenverwaltung bis zur Zahlungsabwicklung automatisiert. Doch der eigentliche Gegenspieler sind nicht andere Fintechs, sondern alte Routinen: „Der größte Wettbewerber von Moss ist nicht irgendjemand anders, sondern ist im Endeffekt die Exceltabelle in der Finanzabteilung“, sagt deren CRO Jan Stechele.
Moss setzt dabei auf kleine Züge statt auf den großen Wurf: Abschaffen der „Bargeldkasse für Leberkässemmeln“ bis zu modularer Prozessdigitalisierung. Wichtig sei, die Buchhaltung Zug für Zug vom Randbrett in die Spielfeldmitte zu holen. Deutschlandchef von Mastercard Peter Robejsek fragt: „Trifft hier eine Kreditkartenlösung bei den Mittelständlern auf eine große Nachfrage?“ Beim notorisch unterversorgtem Mittelstand eigentlich logisch, dachte auch Stechele. Doch die Nachfrage sei nur verhalten gewesen, auch weil die starken Kunden eigentlich bereits gut versorgt seien und Prepaid-Karten bevorzugten. „Wir sehen die Potentiale im Mittelstand, aber die Zuhörer zu bekommen, ist nicht immer einfach“, sagt Robejsek. Der Mittelstand bleibt also am Spieltisch, aber noch lange nicht im Endspiel der Digitalisierung.

Wer hat Angst vor der Super-App?
Dafür, dass Banken den Kampf um Kund:innen-Schnittstellen ziemlich verschlafen haben, sind Jochen Siegert, Iven Engert von Senacor und Chris Scheuermann von EPI ziemlich entspannt. Der Kampf sei noch nicht verloren, sind sich die drei einig. Und auch an eine Super-App, über die sich einkaufen lässt, ein Zug gebucht werden kann, Banking läuft und was sonst noch so alles möglich wäre, glauben die drei nicht. Dabei ist das im asiatischen Raum durchaus der Fall. In Asien gebe es eine andere Infrastruktur, Europa sei zwar auch ein großer Markt aber viel fragmentierter, sagt Jochen Siegert, der auch Gesellschafter von Payment & Banking ist. Schon im Bereich Bezahlsystem würde es scheitern. Viele Länder hätten eigene Lösungen, und warum sollten sie diese abgeben?
Es ist ein Szenario, das Chris Scheuermann so nicht ganz gefallen kann. Eine Super-App will er zwar nicht bauen, aber EPI ist schließlich mit Wero angetreten, eine europäische Zahlungslösung aufzubauen. „Wir versuchen das Fragmentierungsthema anzugehen“, sagt er. Und tatsächlich setzt Wero immer stärker auf Kooperationen.
Gefährlich werden könnten Banken, Wero und Co. aber noch die Big Techs – nicht etwa, weil sie selbst eine Banklizenz erwerben könnten, daran will keiner so richtig glauben. Aber zumindest indem sie einzelne Leistungen anbieten, mit denen eigentlich auch Banken ganz gerne Geld verdienen würden. Die ältere Generation vertraue Banken vielleicht noch stark, die jüngeren setzten allein aus Bequemlichkeit auf Apple und Google, sagt Iven Engert. Der Wallet-Kampf um die Kund:innen ist also noch immer in vollem Gange.

Vom passiven zum aktiven Spieler: Warum im ETF-Markt die Karten neu gemischt werden
ETFs waren in den letzten fünf Jahren das große Zug der Finanzbranche: Besonders junge Menschen nutzen ETF-Sparpläne mittlerweile, wie selbstverständlich und das Wachstum im Markt ist gewaltig. Aber wo geht die Reise hin? ETFs sind die Vergangenheit und die Zukunft, ist sich das Panel einig. „Es ist eine super-krasse Illusion das ETFs ein passives Investment sind. Sie sind vielmehr eine Hülle“, sagt Chris Püllen von NaroIQ einem Whitelabel-Anbieter für ETFs und Fonds. Genau diese Hülle könne künftig mit mehr aktiven Strategien gefüllt werden.
„Ein passiver ETF ist ein gutes Einstiegsprodukt“, sagt Laura Cüppers vom Investmentinfrastrukturanbieter Lemon Markets. „Der gesamte ETF-Markt ist für mich noch am Anfang.“ Das Wachstum bei ETFs sei stark, aber ihr Anteil im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds immer noch gering. „Die Potentiale sind immer noch riesig.“ Gerade weil nur 17 Prozent der Deutschen am Aktienmarkt aktiv seien. Robin Binder von Nao will auch andere Anlageklassen so beliebt machen wie ETFs. Den Einstieg von Trade Republic in Private-Equity sieht er als Bestätigung, dass der Appetit nach neuen Produkten groß ist. „Ein Investment in einen aktiv gemanagten Fonds ist gerade keine schlechte Idee“, sagt er. Werden ETFs jetzt aktiver und automatisch auch teurer?
„Insgesamt sinken Kosten aber die Kosten von ETFs, werden deshalb steigen“, sagt Püllen von NaroIQ. Auch weil die Abwicklung insgesamt günstiger wird. Nach vier Jahren sei ein ETF für viele Banken sogar ein Minusgeschäft. Nur den Markt zu öffnen, würde das Geschäft unprofitabel werden. „Als Bank braucht man eine ETF-Strategie“, sagt er. Man könne eine aktive Strategie in eine ETF-Hülle packen. Die Chancen lägen bei eigenen Produkten wie aktiven Fonds im ETF-Format, Abomodellen, Wertpapierkredite und Cross-Selling. Die These der Moderatorin Sophie Osen Akhibi von der Targobank: Broker und Banken haben die Verantwortung, Finanzbildung zu fördern, um Kund:innen den Überblick zu ermöglichen. Passive ETFs sind also nicht das Endspiel, sondern nur der Anfang: Wer hier keine eigene Strategie hat, verliert früher oder später die Partie.

Und was ist mit den Kindern?
Klar, Kinder sind wichtig, auch irgendwo als Zielgruppe für Banken. Deshalb gibt es zwar schon Kinderkonten und -depots. Doch so richtig gut will das bei vielen Geldhäusern nicht laufen, so der Eindruck auf der BEX 2025. Eine allgemeine Kontoeröffnung sei schon schwer, bei Kindern werde das noch gesteigert, benennt Christian Binder, Gründer von Finstep das Problem. Zwar würden Banken gerne verkünden, dass Kinder wichtig sind, schon allein, weil sie Vermögen erben – aber sie sähen es eben auch als komfortables Problem von Morgen. Und genau deshalb kommt das Thema in der Branche nicht so recht voran.
„Die junge Generation wurde als Zielgruppe lange unterschätzt“, sagt Joshua Olbrich von Finwyz. Immerhin: Das ändere sich nun. Denn Banken würden feststellen, dass junge Menschen, die einmal bei einem Neobroker landen würden – etwa durch ein Kinderdepot – dann auch bei diesem bleiben. Das könne immer häufiger passieren, wenn Neobroker vermehrt Bankdienstleistungen anbieten.
Dabei könnte es so einfach sein, die junge Generation zu erreichen: „Sie erwartet eine Kommunikation auf Augenhöhe“, sagt Fabienne Lindner von Crif. Und das gelte eben auch für das Schaffen von Produkten: nicht von oben herab. Damit junge Menschen überzeugt werden, müssten die Produkte vor allem gut sein, sagt Olbrich. Der Vertrauensbonus, auf den sich Banken lange ausruhen konnten, zähöt für diese Generation nicht mehr.
