Wie es funktioniert, was es bedeutet und ob es wichtig ist?

Ziemlich genau vier Jahre ist es her als Apple am 20. Oktober 2014 Apple Pay für das iPhone 6 und iPhone 6 Plus vorstellte. Genauso lange mussten wir in Deutschland darauf warten in den Genuss von Apple Pay zu kommen. Der Wettbewerb war etwas schneller: Freunde der Android-Fraktion sind immerhin seit Mitte des Jahres in der Lage mit Google Pay mobil zu bezahlen. Nun geht es auch ohne Umwege mit boon aus Frankreich oder Irland oder bunq in den Niederlande. Ganz offiziell ist Apple Pay in Deutschland gestartet und bei den Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken spürt man eine Erschütterung der Macht. Denn die beiden großen Bankengruppen sind nicht dabei und machen jeweils ihr eigenes Ding, nur nicht auf dem iPhone da schaut man als Kunde der Sparkasse oder der Volks- und Raiffeisenbank in die Röhre – oder auf ein schwarzes iPhone Display.

Apple Pay ist da: wie es funktioniert, was es bedeutet und ob es wichtig ist

Apple Pay in Deutschland – diese Banken sind am Start

Von der ein oder anderen Bank wusste man schon, dass sie dabei sein wird. Von anderen hat man es vermutet. Apple listet nun ganz offiziell die ersten deutschen Banken. Das sind die laut Apple “wichtigsten” Banken.

Mit American Express, VimPay und boon dürfte jeder schnell interessierte iPhone Nutzer schnell und einfach in der Lage sein Apple Pay zu aktivieren. Kunden von bunq, Comdirect, Deutscher Bank, Hanseatic Bank, Hypovereinsbank und N26 haben allen Grund zur Freude, sofern sie denn eine Kreditkarte (je nach Bank auch Debitkarte) dort haben. Anderenfalls muss noch eine angelegt werden, was aber wie bei bunq direkt aus der App heraus geht. Hier wird eine virtuelle Kreditkarte bzw. Debitkarte mit wenigen Klicks angelegt, die dann in die Apple Wallet übertragen wird. Das ganze dauert wenige Sekunden und ist sofort nutzbar. Naheliegend, dass die anderen Banken das genauso handhaben.

Apple Pay ist da: wie es funktioniert, was es bedeutet und ob es wichtig ist

Apple Pay – mit Maestro als Überraschung im Debitland Deutschland

Überraschend ist auch die Maestro-Unterstützung. Auch wenn die Entscheidung abhängig von der Bank ist (N26 nein, bunq ja) so kommt dies einer Revolution gleich. Wie oft hörte man aus Genos und Sparkassen: Ohne Girocard kann Apple Pay kein Erfolg werden – heißt undiplomatisch: 

Nur wenn Apple unser “tolles” rein nationales und rein stationäres Girocardsystem implementiert, kann Apple Pay im Debitbereich beim Kunden überhaupt einen Blumentopf gewinnen.

Wie man sich irren kann. Ähnlich wie die smarte Integration von PayPal in Google Pay, nutzt Apple den Umweg Maestro um den Girocard-Herausgebern zu zeigen, dass es eben auch ohne sie geht. Was häufig verwechselt wird ist, daß die Kunden die Girocard nicht der Girocard-wegen nutzen, sondern weil es eben die Karte zum Girokonto ist. Ob diese Karte ein ec-Logo, das Girocardlogo, ein Maestrologo oder ein ganz anderes Logo trägt, ist dem Kunden am Ende völlig egal. Mit der Nutzung der Maestro-Funktion, die für den Kunden identisch ist (PIN und direkte Autorisierung gegen das Konto) kann Apple schwupps auch technisch direkt mit dem Konto sprechen. Mit dieser Unterstützung werden wir sicherlich bald weitere Banken sehen, die Debit- und Kreditportfolien für Apple Pay aktivieren. Die Abschottungspolitik der Deutschen Kreditwirtschaft bzgl. Girocard ist ein weiteres Mal gescheitert. Ähnlich wie die Kontointegration bei Google Pay via PayPal werden einzelne Banken die offizielle DK-Politik aushöhlen im Sinne des Kunden und das via Maestro. Sowohl bei Google Pay mit PayPal (via Mastercard Debit) als auch bei Maestro vs. Girocard. Der heimliche große Gewinner in diesem Spiel ist Mastercard auf dessen Systemen diese Transaktionen laufen.

Apple Pay – hier kann man mit dem iPhone bezahlen…

…oder der Apple Watch. Folgende Endgeräte können mit Apple Pay genutzt werden.

  • Ab iPhone SE (6,7,8, X, XS, XR)
  • Ab iPad mini 3
  • Ab iPad Air 2
  • Ab iPad (5. Generation oder neuer)
  • iPad Pro (Alle Generationen)
  • Apple Watch (Alle Generationen)
  • Mac-Modelle mit Touch ID (nur Online oder In-App)
  • Mac-Modelle ab 2012 ( mit Apple-Pay-fähigen Endgerät und nur Online oder In-App)

Damit man Apple Pay nutzen kann braucht es einen Händler der es unterstützt. Im stationären Handel im Prinzip jeder Händler, der kontaktlose Kreditkartenzahlungen akzeptiert und dessen Terminal in den letzten 12 Monaten mal ein Update bekommen hat. Aus eigener Erfahrung heraus funktionieren in jedem Fall die großen Händler wie z.B. Aldi, Kaufland, REWE, H&M, Real, Netto Markendiscount, Tchibo, Lidl, Saturn, Media Markt, Shell, Aral, Esso, Burger King und viele mehr. In den meisten Fällen dürfte es keine Probleme mit der Transaktion geben. In Ausnahmefällen kann es aber vorkommen, dass beim Kartenterminal das sogenannte CDCVM (Consumer Device Cardholder Verification Method) nicht korrekt konfiguriert ist.

Der Grund liegt in der Konfiguration der Terminals. Sie müssen die sogenannte CDCVM (Consumer Device Cardholder Verification Method) unterstützen. Im EMV-Standard (Europay International, MasterCard und VISA) gibt es unterschiedliche Verifikationsmethoden, die sogenannten CVMs (Cardholder Verification Method). Bei kontaktlosen Zahlungen kommt bei Kleinstbeträgen das sogenannte no-CVM zum Einsatz. Diese Methode ermöglicht es dem Kunden, einfach nur zu tappen, um zu bezahlen. Die Eingabe einer PIN ist erst ab einem Betrag von zwischen 25 EUR und 50 EUR erforderlich.

Apple Pay ist da: wie es funktioniert, was es bedeutet und ob es wichtig ist

Da Apple Pay immer den Fingerabdruck abfragt, kommt CDCVM zum Einsatz. Hier übernimmt das mobile Gerät die Authentifizierung – und nicht das Terminal. Das Betragslimit fällt dafür aber bei Apple Pay weg, da immer authentifiziert wird. Damit das alles in der Praxis funktioniert, müssen die Terminals entsprechend konfiguriert sein und CDCVM unterstützen. Und nicht alle Terminals sind entsprechend konfiguriert.

Die größte Herausforderung beim Bezahlen mit dem iPhone (oder generell mit dem Smartphone) dürfte das finden der richtigen Stelle am Terminal sein, an dass das Smartphone gehalten wird. Wenn diese Stelle dann nicht mit einem Sichtschutz versehen ist oder das Terminal nicht zwischen Schokoriegeln und Kaugummi-Verpackungen verbaut wurde, was ein Tappen mit dem Smartphone unmöglich macht steht einem Aha-Erlebnis auch nichts im Wege. Das Aha-Erlebnis ist vor allem die Erkenntnis, das es irgendwie nett ist mit dem Smartphone zu bezahlen, die Welt aber auch nicht besser wird. Ausnahme ist hier die Apple Watch, weil das rumgefummel mit dem Smartphone wegfällt und man schnell aus dem Handgelenk heraus bezahlen kann.

Apple Pay im E-Commerce

Neben dem stationären Handel geht Apple Pay in Deutschland auch für den massiv an Bedeutung gewinnenden Markt der mobilen Online- und In-App Käufe live. Hier hat Apple bereits eine beeindruckende Akzeptanz geschaffen von der die Banken mit Paydirekt nur träumen können. Sämtliche international relevanten E-Commerce Plattformen und Marktplätze unterstützen Apple Pay längst. Deutsche Akzeptanzstellen sind unter anderen: Zalando, Cyberport, Gravis, Mytaxi, Foodora, Adidas und viele mehr. Hier bietet Apple Pay die derzeit einfachste und bequemste Form des Online Bezahlens – Apple Pay wird vor der eigentlichen Zahlungsseite aktiviert, somit vor sämtlichen anderen Zahlmethoden und jede Transaktion ist stark biometrisch authentifiziert. Ausgerechnet Apple setzt das europäische Mandat der starken Authentifizierung vorbildlich um und setzt damit einen Standard der selbst für PayPal eine Herausforderung werden wird – von Banken und Kartenherausgebern außerhalb von Apple Pay wollen wir in diesem Kontext gar nicht sprechen.

Apple Pay ist da: wie es funktioniert, was es bedeutet und ob es wichtig ist

Apple Pay – was es für das Bargeldland Deutschland bedeutet?

Erst einmal zeigt es natürlich, wie engstirnig manche Banken unterwegs sind. Damit sind vor allem die Banken gemeint, die Apple Pay kategorisch ausschließen und statt zu überlegen wie man an Apple Pay partizipieren kann, lieber eine eigene Suppe kochen. Ob es nun endlich zu dem erwünschten, sehnlichst herbeigeführten Durchbruch beim Mobile Payment in Deutschland kommt ist mindestens fraglich. Und das liegt eben nicht nur an dem bargeldverliebten Deutschen, sondern auch am stationären Einzelhandel wo Kreditkarte immer noch verpönt und Kartenzahlungen viel zu oft erst ab 10 EUR möglich sind. Dazu kommen schlecht geschultes Personal an der Kasse, die dem Konsumenten heute immer noch die Karte aus der Hand reißen weil dieser scheinbar für zu doof gehalten wird die Karte selbst ins Terminal zu stecken oder zu tappen. Wie soll sich da die nächste Evolutionsstufe der Kartenzahlung, Mobile Payments, etablieren? Ganz zu schweigen davon, dass Mobile Payments vielleicht der feuchte Traum der Payment-Nerds da draußen ist, aber der Joe Sixpack User das vielleicht zwar ganz nett findet, aber eben nicht mehr.

Damit sich ein mobiles Bezahlverfahren etablieren kann braucht es erst einmal die Selbstverständlichkeit der Kartenzahlung. Es gibt zu wenig Kartenakzeptanz und das kann nicht der Kunde lösen, aber der Handel.

So wird weder Apple Pay noch Google Pay einen Durchbruch bringen. Das bedeutet aber nicht, das weder das eine noch das andere unwichtig ist. Im Gegenteil, sowohl Apple als auch Google Pay sind wichtige Schritte in der Evolution des Zahlungsverkehrs. Und Evolution kann man nicht aufhalten. Aber es wird eben dauern, weil nicht zuletzt die 18 Prozent iPhone Nutzer in Deutschland nur über Umwege Apple Pay nutzen können, wenn sie bei der Sparkasse oder Volksbank sind. Da wird dem willigen Kunden schon etwas vorenthalten was selbstverständlich sein sollte.


Autor
Maik Klotz

Maik Klotz ist Berater, Sprecher und Autor zu den Themen Banking, Payment und Retail. Seit vielen Jahren berät Maik Unternehmen zu kundenzentrierten Innovationsmethoden und der Fokussierung auf den Nutzer. Aktuell ist er Head of Communication bei der YES.com AG. mehr

Maik Klotz