Worum geht es beim geheimnisvollen FacebookCoin?

Seit Ex-PayPal CEO David Marcus bei Facebook vom VP Messaging Products zum Head of Blockchain wurde, kursieren wilde Gerüchte zu Facebook’s Blockchain Ambitionen. So schrieben zum Beispiel die BBC, New York Times und Wall Street Journal teils sehr abweichende Berichte über die Details des Projekts. Eines steht jedoch fest. Wenn Facebook ein Projekt mit einem seiner prominentesten Executives besetzt dann ist das keine Spielerei sondern purer Ernst!

In den letzten Wochen verdichteten sich dann die Anzeichen das ein Launch Anfang nächsten Jahres möglich ist und Facebook die Pläne am 18. Juni offiziell verkünden wird. Mit anderen Worten, es könnte jetzt relativ schnell gehen.

Was wissen wir bisher über den FacebookCoin?

Der Name: Laut mehreren Medienberichten soll Facebook’s coin “Libra” heißen. So registrierte Facebook eine Stiftung in der Schweiz mit dem Namen “Libra Networks”. Libra ist eine Anspielung auf die London Inter-bank Offered Rate (LIBOR) die als Maßstab für den Zins genutzt wird zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Während die LIBOR für die Banken ist, soll die Libra für das Volk sein.

Governance: Facebook hat für das Projekt eigens eine Stiftung gegründet. Der Eintritt in die Stiftung steht ausgewählten Unternehmen offen, die jedoch $10 mio. in die Stiftung einzahlen müssen. Insgesamt soll so eine Milliarde Dollar eingezahlt werden, Geld welches als Sicherheit für den Token hinterlegt wird. Es ist wahrscheinlich, dass Facebook mit der Stiftung zum einen das Ziel hat ein größeres Partner-Ökosystem für den Token zu schaffen zum anderen aber erhofft, von regulatorischen Pflichten verschont zu bleiben indem es ein gewisses Maß an Dezentralität in die Token Governance einbaut.

Source: TheBlock

Token: Um Volatilität zu vermeiden soll der Wert der Libra an einen Währungskorb bestehend aus Euro, Dollar, Yen und Britischem Pfund gebunden sein.

Nutzung: Die Libra soll überall im Facebook Ökosystem genutzt werden können, d.h auf dem Facebook Marktplatz, für peer-to-peer payments im Messenger sowie auf Instagram und Whatsapp. Sogar das bezahlen für Publisher Inhalte auf der Plattform (micropayments) könnte beinhaltet sein. Höchstwahrscheinlich werden Nutzer außerdem stark incentiviert werden die Libra zu nutzen indem sie Rabatte bekommen oder für den Konsum von Werbeinhalten in Libra bezahlt werden. Laut Wall Street Journal haben Unternehmen wie Uber und Booking.com schon zugesagt die Libra in ihre Produkte einzubinden. Zudem sollen PayPal, Visa und Mastercard der Stiftung beitreten und jeweils einen Netzwerk-Node ( Server ) betreiben.

Was hat das alles noch mit Blockchain zu tun?

Mit dem Grundgedanken einer öffentlichen Blockchain herzlich wenig. Dem liegt nämlich zu Grunde, dass jeder auf der Welt einen Node betreiben, Transaktionen einstellen und lesen kann. Das ist die Hoffnung eines dezentralen Finanzsystem auf dem jeder Entwickler Applikationen bauen kann ohne jemanden um Erlaubnis zu bitten oder Verträge mit Unternehmen schließen zu müssen. Das Ethereum Netzwerk beispielsweise ist Open Source, wird von weltweit 25.000 Nodes betrieben und von etwa 200.000 Entwicklern weiterentwickelt.

Worum geht es beim geheimnisvollen FacebookCoin ?

Bei Facebook’s Blockchain kann davon nicht die Rede sein. Vielmehr dürfte es Facebook & Co. darum gehen sich vom Legacy Banking System loszusagen um auf die Milliarden die durch die Plattformen geschleust werden, Transaktionsgebühren zu sparen. Indem Facebook ein paralleles, technisch besseres Finanzsystem baut, schafft es sich ein Ökosystem indem sich diverse neue Möglichkeiten und Geschäftsfelder bieten.

Für mich bleibt die Frage (falls es wirklich stimmt) wieso Mastercard, Visa und PayPal mitmachen wenn ihnen Facebook mit diesem Projekt doch im Kerngeschäft Konkurrenz macht. Zum einen denke ich, dass ihnen bewusst ist dass sie keine andere Möglichkeit haben weil das Projekt mit oder ohne ihnen stattfinden wird und gute Erfolgsaussichten hat. Zum anderen garantieren sie mit dem Betreiben eines Nodes Zugriff auf wertvolle Transaktionsdaten. Für den Endnutzer bedeutet das, dass in Zukunft nicht mehr nur ein Tech Unternehmen die Daten speichert, sondern gleich alle die sich dem Netzwerk anschließen.

Was bedeutet der FacebookCoin für Bitcoin, Ethereum & Co.?

Obwohl manche behaupten, dass Bitcoin & Co. keine Chance gegen die Marktmacht von Facebook haben und dementsprechend das Nachsehen haben werden wenn die Libra einmal gelauncht ist, könnte das Projekt auch durchaus positive Auswirkungen für die Blockchain Community mit sich bringen. Zum einen wird es von heute auf morgen Millionen an Menschen mit Begriffen wie “Blockchain”, “Cryptocurrency” und anderen mit der Technologie assoziierten Konzepte vertraut machen.

Weiterhin hat Facebook’s Blockchain nicht viel mit der Ideologie und dem Versprechen von öffentlichen Blockchains zu tun. Im Internet wird die Libra schon “Zuckcoin”, “Suckcoin” oder “SiliconValleyCoin” gennant. Klar ist, dass eine Währung in Kontrolle von Tech Konzernen bei vielen Menschen ein Stirnrunzeln hervorruft.

Ganz anders sieht es zum Beispiel Twitter Gründer Jack Dorsey der schon nach lange eine Internet nativen Währung fordert und mit seiner Firma Square das Bitcoin Protokoll aktiv unterstützt. Dieser Meinung zufolge braucht das Internet, welches staatenlos ist und von niemandem kontrolliert wird, eine native Währung die die selben Attribute besitz. Als Jack gestern gefragt wurde wie er der Initiative von Facebook gegenübersteht erklärte er treffend:

“Ich würde hoffen, dass alle Unternehmen den Wert einer staatenlosen Währung sehen würden, die ohne Ausnahme jeder nutzen kann und die nicht von einer Instanz kontrolliert wird”.

Vielen Menschen könnte jetzt wo es mit Facebook ein Gegenbeispiel gibt erst bewusst werden, wie wertvoll Bitcoins Aspekte wie Dezentralität und Anonymität sind.

Quellen:

Zum Autor:

Emanuel Coen ist für Business Development beim Micropayment-Anbieter SatoshiPay verantwortlich. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere