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Wie das Bargeld in den Handel kommt

Bargeld ist weiterhin das beliebteste Zahlungsmittel in Deutschland. Doch wer stellt es bereit? Wir haben die ultimative Infografik für Euch.

Infografik zum Bargeldkreislauf in Deutschland von EZB über Bundesbank bis zum Handel.
Die Infografik zeigt, wie Bargeld in Deutschland produziert, transportiert, geprüft und in den Handel gebracht wird.

Bargeld ist weiterhin das beliebteste Zahlungsmittel in Deutschland. Doch wer stellt es bereit? Wir haben die ultimative Infografik für Euch.

Bargeld ist nach wie vor ein beliebtes Zahlungsmittel in Deutschland: Laut den aktuellsten Zahlen der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2023 wird bei rund der Hälfte aller Transaktionen mit Banknoten und Münzen bezahlt. Doch wer stellt sicher, dass immer genug Geld im Umlauf ist? Wir haben den deutschen Bargeldkreislauf unter die Lupe genommen und uns angesehen, welche Unternehmen und Institutionen an der Bereitstellung von Bargeld beteiligt sind.

Europäische Zentralbank und nationale Zentralbanken: Strategie und Prognosen 

Der Rat der Europäischen Zentralbank, in dem die sechs Mitglieder des Direktoriums und die Präsidenten der nationalen Zentralbanken sitzen, legt die Geldmenge fest. Dabei stützen sie sich auf Prognosen der nationalen Zentralbanken darüber, wie viel Bargeld im kommenden Jahr im jeweiligen Land benötigt wird. Die EZB stellt dann eine zentrale Prognose und verteilt das Bargeld zwischen den Ländern um. 

Deutsche Bundesbank: Hier laufen alle Fäden zusammen

Der Bargeldkreislauf ist in jedem Land unterschiedlich, sodass der hier gezeigte Kreislauf nur für Deutschland gilt. Hier nimmt die Deutsche Bundesbank als nationale Zentralbank eine wichtige Rolle ein. Sie schreibt die Aufträge für die Herstellung der Banknoten an die Druckereien aus und kontrolliert die Prägequalität von Münzen. 

Die Geschäftsbanken können über das System CashEDI bei der Bundesbank Bargeld bestellen. Dieses wird dann von ihrem Konto bei der Bundesbank abgehoben. Den Transport können die Geschäftsbanken dann entweder selbst übernehmen oder von einem Wertdienstleister übernehmen lassen. Außerdem erhalten die Bundesbank-Filialen überschüssiges Geld aus dem Handel und von den Geschäftsbanken durch die Wertdienstleister zurück. 

Das erhaltene Geld wird dann auf seine Echtheit und Umlauffähigkeit überprüft. Dabei geht es darum, ob der Zustand noch gut genug ist, um das Bargeld wieder auszugeben. Beschädigte Banknoten und Münzen werden recycelt und ersetzt. Überschüssiges Geld wird in den Filialen der Bundesbank eingelagert, bis es wieder gebraucht wird. Für Krisenfälle und für Nachfrageschwankungen halten die Filialen auch immer eine strategische Reserve bereit. So stellen sie sicher, dass jederzeit ausreichend Bargeld zur Verfügung steht.

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Münzprägeanstalten und Banknotendruckereien: Die Bargeldhersteller

Münzen und Banknoten werden von unterschiedlichen Dienstleistern hergestellt. Die Banknotendruckereien bewerben sich auf die Ausschreibungen der Deutschen Bundesbank. Mit welchen Druckereien genau die Bundesbank zusammenarbeitet, wird nicht veröffentlicht – auch ausländische Druckereien können den Zuschlag erhalten. Banknotendruckereien mit Sitz in Deutschland sind die Bundesdruckerei, an der der Bund zu 100 Prozent beteiligt ist, sowie Giesecke + Devrient.

Außerdem gibt es in Deutschland fünf staatliche Münzprägeanstalten, die ihre Aufträge von der Bundesregierung erhalten. Auf der Rückseite von in Deutschland geprägten Münzen ist sogar erkennbar, wo sie hergestellt wurden: Ein kleines A verweist auf die staatliche Münze Berlin, ein D auf das Bayerische Hauptmünzamt München, ein F auf die staatliche Münze Stuttgart, ein G auf die staatliche Münze Karlsruhe und ein J auf die Hamburgische Münze.

Wertdienstleister: Geldtransport und teilweise Geldbearbeitung

Die Wertdienstleister sind hauptsächlich für den sicheren Transport von Bargeld zuständig. Dabei gibt es große, international tätige Unternehmen wie Prosegur, aber auch regionale Anbieter wie Gewetra in Nordrhein-Westfalen. Im Rhein-Ruhr-Gebiet sind die Sparkassen Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sogar gemeinsam mit dem Sicherheitsdienstleister Vollmer Security am Dienstleister S Bargeldlogistik beteiligt.

Der Transport findet vor allem zwischen den Geschäftsbanken und den Filialen der Deutschen Bundesbank statt. Während kleine Händler ihre Einnahmen oft selbst bei den Geschäftsbanken einzahlen, beauftragen große Händler wie Supermärkte auch Wertdienstleister für diese Aufgabe. Die Wertdienstleister holen das Geld ab und transportieren es direkt zu den Filialen der Bundesbank. Diese schreiben dem Konto der Geschäftsbank, bei der der Händler sein Konto führt, das Guthaben zu. Die Geschäftsbank teilt die Einnahmen dem Händler zu.

Hinter jedem Geldtransport stecken noch viele weitere Dienstleister. Das Bargeld muss sicher verpackt werden, zum Beispiel in Bargeldkassetten. Anbieter von speziellen Verpackungen für den Bargeldtransport sind Debatin, Gehrer, Orfix, SP Sicherheitsprodukte und CST. Die sicheren Fahrzeuge werden von Unternehmen wie Apprich Secur und Hartmann Alsfeld hergestellt. Außerdem braucht es spezielle Versicherungen für Geldtransporter.

Die Wertdienstleister können außerdem als Subunternehmer von den Geschäftsbanken mit der Bargeldbearbeitung beauftragt werden. Rechtlich verantwortlich bleibt jedoch die beauftragende Geschäftsbank. Die Maschinen, die zur Geldbearbeitung verwendet werden, werden von der EZB geprüft und stammen von Unternehmen wie Diebold Nixdorf, Radiodata, South Automation und JCM Europe.

Geschäftsbanken: Versorgung der Wirtschaft mit Bargeld und Betrieb von Geldautomaten

Die Geschäftsbanken versorgen Endkunden und den Handel mit Bargeld. Außerdem prüfen sie Bargeld, das Kunden bei ihnen einzahlen und geben es danach wieder aus.

Die Ausgabe von Geld läuft hauptsächlich über Geldautomaten. Im Jahr 2024 gab es rund 49.750 Geldautomaten in Deutschland. Die Deutsche Kreditwirtschaft ist für die Zulassung der Geräte zuständig. Zugelassene Hersteller mit Sitz in Deutschland sind Diebold Nixdorf und Keba. Die Wartung übernehmen vor allem Wertdienstleister. Den Betrieb der Geldautomaten können die Geschäftsbanken auch an Dienstleister wie Euronet und ICCash Services auslagern.

Handel und Verbraucher: Angebot und Nutzung als Zahlungsmittel

Die Verbraucher nutzen Bargeld als Zahlungsmittel im täglichen Leben, zum Beispiel beim Einkaufen. Denn fast jeder Händler hierzulande akzeptiert Bargeld. Laut einer Studie der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2025 ist Barzahlung sogar die günstigste Zahlungsmethode für den Handel: Sie kostet den Händler durchschnittlich 43 Cent pro Transaktion. Hier sind Gebühren, Entgelte, Geräte- und Transportkosten und der Zeitaufwand beim Bezahlen bereits eingerechnet.

Der Handel gibt auch Bargeld an die Verbraucher aus, zum Beispiel in Form von Wechselgeld. Außerdem ermöglichen zahlreiche Händler mittlerweile Bargeldabhebungen an der Kasse.

Wir haben einen Dienstleister in der Bargeldversorgung vergessen? Wir freuen uns auf Hinweise aus der Community per Mail an infografiken@paymentandbanking.com

Dieser Beitrag ist Teil unserer Themenwoche „Handelswoche“, in der wir zentrale Fragen rund um Zahlungsverkehr, Infrastruktur und Zukunft des Bezahlens im Handel beleuchten. Und natürlich endet die Diskussion nicht hier: Auch auf der Payment Exchange 2026 am 10. und 11. März in Berlin greifen wir das Thema Bargeldkreislauf und -versorgung wieder auf, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Handel, Banken und Dienstleistern.

Wer mitdiskutieren möchte, findet hier das Programm und sichert sich am besten direkt ein Ticket.

Autor

Sophie Deistler
Sophie Deistler

Sophie Deistler berichtet als freie Journalistin über die Finanzwelt. Sie studiert Sozioökonomie im Master in Duisburg-Essen, hat einen Bachelor in Sozialwissenschaften in Köln und eine Ausbildung an der Kölner Journalistenschule absolviert.