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Was KMU von Zahlungsdienstleistern erwarten

Eine Studie von S-Payment zur Zahlungsakzeptanz zeigt, dass Unternehmen sich stärker für bargeldlose Zahlungen interessieren. Doch viele zögern.

Was KMU von Zahlungsdienstleistern erwarten

Mit der Digitalisierung von Bezahlverfahren geht es voran. Der Anteil der Barzahlungen am Umsatz im deutschen Einzelhandel sinkt langsam aber stetig auf nun unter einem Drittel, wie die neue Zahlungsstudie des EHI Retail Institutes zeigt. Nun legt S-Payment, die Zahlungstochter der Sparkassen-Finanzgruppe, mit eine Umfrage zur Zahlungsakzeptanz nach: Demnach bieten 45 Prozent der über 500 befragten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) inzwischen eine Kartenzahlung an. 

In der Studie hört sich das gut an: Denn die Autor:innen gehen kurzerhand davon aus, dass jedes befragte Unternehmen, das noch keine Kartenzahlung akzeptiert, darüber nachdenkt. Diese nennt das Unternehmen „Einsteiger”: Wenn über die Hälfte der kleinen und mittleren Betriebe sich in der Planung befindet, könnten bald auch die meisten Kioske, Cafes und Handwerker Zahlungen per Terminal anbieten. Doch so einfach ist das nicht.

KMUs haben Angst vor „Knebelverträgen”

Denn die Umfrage zeigt auch, dass die Anzahl der Firmen, die Kartenzahlungen nur langsam wächst. Lediglich acht Prozent der befragten Unternehmen haben in den vergangenen 24 Monaten ein Terminal angeschafft. Die Rückmeldung aus den Branchen fiel dabei sehr unterschiedlich aus: Während bereits 71 Prozent der stationären Gastronomen und 55 Prozent der Einzelhändler seit mehr als zwei Jahren Kartenzahlungen anbieten, sind es unter mobilen Gastronomen 35 Prozent und mobilen Händlern 45 Prozent. Mit jeweils acht und sieben Prozent bieten zudem nur sehr wenige Handwerker:innen und mobile Dienstleister Kartenzahlung an – hier überlegt auch fast niemand, diese einzuführen. Nur wenige finden den Einstieg in die Kartenzahlung also wirklich. Warum?

Die Studie weist dabei auf die „großen Vorbehalte” hin, die viele immer noch haben. Sie empfinden Kartenzahlungen als “Black-Box” und trauen sich nicht. Viele dieser als „Einsteiger“ bezeichneten Unternehmer:innen befürchten neben technische Störungen, die zu Ausfällen führen, dass sie in „Knebelverträge“ getrieben werden, die sie langfristig binden oder dass ihnen undurchsichtige Preismodelle angeboten werden, die sie finanziell übervorteilen könnten. 

Der Ruf der Zahlungsindustrie ist bei KMU also schlecht. Er ist sogar so schlecht, dass die Unternehmen befürchten, von Zahlungsanbietern über den Tisch gezogen zu werden und deswegen auch kein Terminal anschaffen wollen. Wenn sie es dann doch tun, geschehe das meist durch den Druck der Kund:innen oder auf persönliche Empfehlung von Branchenkolleg:innen, so die Studie. 

Was ist an den Befürchtungen dran?

Für die Vorbehalte spielen sicher die tatsächlichen Kosten. Wie teuer einzelnen Zahlungsmittel tatsächlich sind, hat die Bundesbank in einer Studie im November untersucht. Demnach sanken die relativen und absoluten Kosten der Girocard mit der Größe der Unternehmen. Während Firmen mit weniger als zehn Mitarbeiter:innen für eine Zahlung mit der Girocard 1,33 Euro durch Gebühren in Kauf nehmen mussten, waren es bei Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeiter:innen nur 29 Cent. Dabei macht der Zeitaufwand für das Abkassieren und die Verwaltung bei kleinen Unternehmen einen größeren Teil dieser Kosten aus. Nimmt man ihn weg, wird der Abstand kleiner. Doch auch dann sind Kartenzahlungen für kleine Unternehmen deutlich teurer. 

Der Gebührendschungel bleibt

Kleine Unternehmen trügen höhere relative Kosten, resümieren die Studienautoren der Bundesbank. Größere Händler profitierten von Skaleneffekten und hätten eine größere Verhandlungsmacht. Dazu ist die Zahlungsbranche dafür bekannt, dass versteckte Gebühren für die Händler entstehen können. Zu den herkömmlichen Transaktiongebühren können etwa Bereitstellungentgelte, Compliance-und Mindestumsatzgebühren kommen. Die Befürchtungen der KMUs sind also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber auch Vorurteile können besonders kleine Unternehmen dazu bringen, Kartenzahlung abzulehnen. Die Einstellung zu Zahlungsmethoden bildet sich eher wie bei Endverbraucher:innen als wie bei größeren Unternehmen.

Viele Zahlungsanbieter versuchen, kleinere Unternehmen gezielt anzusprechen. Adyen, Stripe und Revolut sowie Payone haben günstige Tarife speziell für KMU eingeführt. Wie sich das genau zueinander verhält, lässt sich aber nicht so leicht herausfinden. Zahlungsanbieter sind mit ihren Gebühren immer noch wenig transparent, was die Vergleichbarkeit für kleine Unternehmen erschwert – ein Kostendschungel. 

Einer der wenigen Anbieter mit einer übersichtlichen Preisstruktur ist Sumup. Doch liegen die Gebühren auch hier immer noch bei 1,39 Prozent. Das ist für eine Zahlungen mit der Girocard doppelt so teuer wie die durchschnittlichen Kosten für Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeiter:innen (ohne den Zeitaufwand) in der Studie der Bundesbank. Andere Anbieter verhandeln die Gebühren nur einzeln mit jedem Unternehmen, was den Nachteil der KMUs verstärkt, da ihre Verhandlungsmacht geringer ist. 

Dadurch, dass die Kosten meist unklar sind, gehen viele Kleinunternehmer:innen vermutlich davon aus, dass es sich für sie nicht lohnt. Das Imageproblem betrifft also die gesamte Branche. Nur gemeinsam kann sie das ändern. Vielleicht kommt ihnen die Politik zuvor. Wenn die Bundesregierung das Angebot von Kartenzahlungen verpflichtend machen würde, müssten die meisten kleinen Unternehmen sich sowieso Terminals anschaffen. Der schlechte Ruf könnte aber trotzdem bleiben. 

Autor

Lukas Homrich
Lukas Homrich

Lukas Homrich ist freier Journalist und Mitarbeiter des dreimaldrei Journalistenbüros. Er schreibt über Wirtschafts- und Finanzthemen. Besonders Spaß macht es ihm, über Geschäftsmodelle zu philosophieren.