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Open Banking zwischen Hype und Realität: Was aus den großen Versprechen geworden ist

Open Banking war einst der große Fintech-Hoffnungsträger. Heute zeigt sich: Der echte Wert liegt oft in unsichtbarer Infrastruktur.

Open Banking zwischen Hype und Realität: Was aus den großen Versprechen geworden ist
Lars Markull über Open Banking, PSD2 und die Realität hinter den großen Versprechen der Fintech-Branche

Im Podcast sprechen André Bajorat und Lars Markull über die Anfänge von Open Banking, die Zeit bei Figo und die Frage, was aus den großen Hoffnungen rund um PSD2, APIs und neue Finanz-Use-Cases eigentlich geworden ist.

Kennengelernt haben sich beide bereits 2013 – damals noch mit der Idee, über offene Bankdaten völlig neue Finanzprodukte zu bauen. Kurz darauf entstand rund um Figo eines der bekanntesten deutschen Open-Banking-Unternehmen. Die Vision: Bankdaten über APIs zugänglich machen und Entwickler:innen ermöglichen, darauf neue Services aufzubauen.

Rückblickend sagen beide heute aber auch: "Die Erwartungen waren damals teilweise größer als die Realität."

Denn vieles, was auf frühen Hackathons und Bankathons diskutiert wurde, hat sich nie wirklich durchgesetzt. Andere Themen dagegen wurden still und leise zu echter Infrastruktur. Besonders im Bereich Kreditantragsstrecken, Buchhaltungstools oder Business Banking spielt Open Banking heute eine wichtige Rolle – oft ohne, dass Endkund:innen den Begriff überhaupt wahrnehmen.

Lars Markull beschreibt dabei auch einen zentralen Lernprozess der vergangenen Jahre: Nicht jede regulatorische Veränderung wird automatisch zum Milliardenmarkt. Gerade bei PSD2 habe sich gezeigt, wie abhängig Start-ups von politischen Entscheidungen, technischen Standards und der Geschwindigkeit der Banken gewesen seien.

Gleichzeitig sehen beide aber auch: Open Banking ist längst nicht verschwunden. Viele heutige Embedded-Finance-Modelle bauen indirekt darauf auf. Gerade Softwareanbieter integrieren Finanzfunktionen inzwischen selbstverständlich in ihre Produkte – von Zahlungsverkehr über Buchhaltung bis hin zu Lending- und Banking-Lösungen.

Spannend bleibt nun der Blick auf die nächste Phase: PSD3 und FIDA sollen Open Finance deutlich erweitern. Neben klassischen Zahlungskonten könnten künftig auch Depots, Versicherungen oder weitere Finanzdaten stärker eingebunden werden.

Ob daraus allerdings der nächste große Innovationsschub entsteht, sehen beide eher pragmatisch. Die technische Grundlage werde besser, einige Use Cases könnten profitieren – aber der große „Big Bang“ sei keineswegs garantiert.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der gemeinsamen Figo-Zeit formuliert Lars Markull deshalb sehr klar: Nicht alles gleichzeitig bauen wollen. Sondern fokussiert Produkte entwickeln, die einen echten Nutzen schaffen – und für die Kund:innen auch bereit sind zu bezahlen.

Denn genau darin liegt am Ende oft der Unterschied zwischen technischer Möglichkeit und nachhaltigem Geschäftsmodell.

Autor

André M. Bajorat
André M. Bajorat

André M. Bajorat ist seit fast 30 Jahren in der deutschen Digitalwirtschaft aktiv. Ex-CEO von figo, heute Managing Director bei einem deutschen Assetmanager. Herausgeber von paymentandbanking.com, Podcaster, Investor, Speaker und Buchautor.