Was ist der Unterschied zwischen Fiat- und Kryptogeld wie Bitcoin?

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Wer sich mit Bitcoin beschäftigt, stößt in der Regel zum ersten Mal in seinem Leben über die Begriffe „Fiat- und Kryptogeld“. Was das ist und warum sind das keine allgemein geläufigen Begriffe?

Ein Gastbeitrag von Jörg Hermsdorf (CONSERVE BlockChain-Service GmbH)

Was ist der Unterschied zwischen Fiat- und Kryptogeld wie Bitcoin?
Photo credit: Hugo-90 on Visualhunt / CC BY

Fiatgeld ist eine spezielle Form von Geld. Da aber weltweit alle heute gebräuchlichen Währungen (Euro, Dollar, Yen, …) Fiatgeld sind, ist es schwierig, jemandem den Unterschied zu anderen Formen von Geld zu erklären. Ähnlich schwierig wie jemandem, der sein ganzes Leben lang nur Kartoffeln gegessen und gesehen hat, zu erklären, was Reis ist. Da heute jedoch jeder weiß, was Reis ist, weil er ihn entweder selbst gegessen oder zumindest auf Fotos gesehen hat, hinkt der Vergleich. Deshalb nehmen wir zur Veranschaulichung Anti-Materie (oder auch Dunkle Materie genannt). Wie einfach (oder schwierig) ist es, jemandem Anti-Materie zu erklären, wenn man kein Exemplar hat, das man zeigen oder vorführen oder anfassen kann?

Es gibt neben Fiatgeld allerdings noch eine andere Form von Geld, von der jeder zumindest schon mal gehört hat: Hartgeld. Und damit sind keine Münzen gemeint. Gold gehört in diese Kategorie. Auch wenn wir heute im Alltag Gold nicht mehr als Zahlungsmittel verwenden, so ist Gold dennoch eine Form von Geld. Der Unterschied zwischen Gold (Hartgeld) und Euro (Fiatgeld) ist, dass niemand Gold einfach aus dem Nichts schaffen kann. Gold entsteht nur bei der Explosion von Sternen und ist auf der Erde relativ selten. Daher ergibt sich der „Wert“ von Gold aus der Arbeitskraft und den Ressourcen, die dafür notwendig sind, um Gold zu finden und zu schürfen. Nun ist Gold nicht das einzige Element, das bei der Explosion von Sternen entsteht, aber Gold hat spezielle chemische Eigenschaften: Es rostet nicht, es zersetzt sich nicht, es verfault nicht und man kann es nicht essen. Gold bleibt über Jahrhunderte stabil und es geht so gut wie kein Atom verloren. Und Gold ist auch nicht giftig für den Menschen. Silber hat die gleichen Eigenschaften, allerdings ist Gold 20-mal seltener auf der Erde als Silber.
Diese Eigenschaften haben dazu geführt, dass Gold sich über Jahrtausende und alle Nationen und Kulturen hinweg als die „wertvollste“ Form von Hartgeld herauskristalisiert hat. Allein wegen Gold sind sogar Kriege gefochten worden.

Fiatgeld hat keine dieser Eigenschaften. Es lässt sich relativ „günstig“ in rauen Mengen auf Papier drucken oder sogar noch „billiger“ nur in den Computern der Banken und Kreditkartenunternehmen aus dem Nichts erschaffen. Fiatgeld bezieht seinen Wert allein aus dem Glauben der Menschen in einem Land oder Wirtschaftsraum, dass dahinter ein Wert steht und der Macht der Regierung dieses Fiatgeld als alleiniges, gesetzliches Zahlungsmittel vorzuschreiben und dies auch durchzusetzen. Fiatgeld gehört somit in die Kategorie der Illusionen.

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Wie ist es überhaupt so weit gekommen? Nun, Gold bringt ein paar Schwierigkeiten im Alltag mit sich:

  1. Echtheit. Nicht jeder Mensch hat die Fähigkeiten und Technologie, die Echtheit von Gold schnell und einfach zu überprüfen. Für die Bezahlung beim Bäcker ist dies unpraktisch.
  2. Teilbarkeit. Gold lässt sich nicht schnell und einfach teilen und wieder zusammenfügen.
  3. Gewicht. Für größere Zahlungen (z.B. Millionen-Geschäfte zwischen Unternehmen) wird Gold schnell unpraktisch, weil es aufwändig transportiert und beschützt werden muss.

Papiergeld und „Buchgeld“ der Banken ist ursprünglich vor 400 Jahren als „Geldersatz“ zur Lösung dieser Probleme im Umgang mit Gold erfunden wurden. Dabei hatte Papiergeld ursprünglich noch eine Bindung an Gold. Es gab zunächst eine „Goldeinlösepflicht“ für das Ersatzgeld aus Papier. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist diese „Goldeinlösepflicht“ dann überall auf der Welt abgeschafft wurden und aus „Ersatzgeld“ ist „Fiatgeld“ entstanden. Die meisten Menschen stört das nicht. Zumindest nicht stark genug, um deswegen auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren.

Bitcoin ist bezüglich der drei Probleme von Gold die erste technische Innovation von Hartgeld seit 3000 Jahren.

  1. Echtheit. Jeder mit einem Smartphone kann die Echtheit von Bitcoin in Sekundenschnelle überprüfen („nachrechnen“). Bitcoin sind damit das „fälschungssicherste“ Geld, welches wir bisher erfunden haben. Man braucht keinen Staat mehr, der einem fälschungssicheres Geld zur Verfügung stellt.
  2. Teilbarkeit. Da Bitcoin sowieso nur aus Mathematik und Zahlen bestehen, lassen sie sich schnell und einfach beliebig teilen.
  3. Gewicht. Da Bitcoin nur digital sind, haben sie kein Gewicht und lassen sich im Gegensatz zu Gold mit Hilfe des Internet schnell, einfach und kostengünstig um die Welt schicken. Ja sogar bis zum Mond oder Mars. Da das Gewicht „null“ ist, ist es auch egal, wie viele Bitcoin gesendet werden. Eine Bitcoin-Überweisung in Millionenhöhe ist genauso „teuer“ wie eine Bitcoin-Überweisung mit einem Wert von einem Cent.
Was ist der Unterschied zwischen Fiat- und Kryptogeld wie Bitcoin?
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Und schlussendlich sind Bitcoin noch seltener als Gold. Während wir von Gold nur wissen, dass es auf der Erde selten ist, ist bei Bitcoin mathematisch sichergestellt, dass es nur max. 21 Millionen im gesamten Universum geben wird. Reichlich 17 Millionen Bitcoin wurden bereits „gefunden“ und das Rennen um die verbleibenden 4 Millionen Bitcoin ist in vollem Gange, wobei es immer schwieriger und aufwändiger wird, die letzten verbleibenden Bitcoin zu finden.

Vielen Menschen kommt Fiatgeld (Euro, Dollar, …) echter vor, weil sie es in Form von Bargeld noch anfassen und fühlen können. Den kommenden Generationen, die mit digitalen Technologien groß geworden sind, wird jedoch das Geld, das man nicht einfach beliebig „drucken“ kann „echter“ vorkommen und damit auch der größere Wert zugeschrieben. Die Millenials stört es nicht, dass sie Bitcoin nicht „anfassen“ können. Denn sie können mit ihrem Smartphone die Echtheit von Bitcoin überprüfen und schlafen mit der Gewissheit ein, dass es auch morgen – wenn sie aufwachen – nicht mehr als 21 Millionen Bitcoin geben wird. Ihr „hart“ verdienter/erarbeiteter Anteil an der Gesamtmenge des Geldes hat sich über Nacht nicht verändert. Wenn niemand Geld einfach „drucken“ und unfair verteilen kann, wird es auch nicht solche drastischen Unterschiede zwischen arm und reich geben wie im Fiatgeldsystem. Mit Bitcoin „lohnt“ sich Sparen wieder und sparen können die Deutschen gut!

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Zum Autor:

Bitcoin - Das Geld der kommenden Generationen Jörg-Hermsdorf
Quelle: Conserve

Jörg Hermsdorf ist der führende Ansprechpartner zu Themen rund um Crypto- & Blockchain sowie Experte für Cloud-Systeme. Der studierte Diplom-Informatiker und Kognitionswissenschaftler ist neben seiner Tätigkeit für CONSERVE auch CTO und Gründer der fmo Marketing GmbH.

CONSERVE ist eines der ältesten, auf Blockchain-Technologie spezialisierten Systemhäuser in Deutschland: Seit 2010 werden Unternehmen und Privatpersonen über die aktuellen und zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten beraten. CONSERVE bietet aktuell in Deutschland, Österreich und der Schweiz alle Leistungen für die erfolgreiche Durchführung eines Blockchain-Projektes aus einer Hand: Beratung, Programmierung und Schulung.

Der Mutter-Konzern, die CONSERVE Unternehmens-Gruppe, mit Hauptsitz in Köln, versteht sich seit 1980 als zentraler Ansprechpartner für alle technologischen Aufgabenstellungen ihrer Kunden und begleitet diese durch den gesamten Prozess der Digitalisierung. Die CONSERVE BlockChain-Service GmbH, als jüngster Spross der CONSERVE Unternehmensgruppe, wird von Sven Hermsdorf als Geschäftsführer geleitet und hat mit Jörg Hermsdorf einen der renommiertesten Experten für Blockchain-Technologie und Krypto-Währungen an Bord.

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1 Comment

  1. Ein paar kritische Anmerkungen:

    1. „…nur in den Computern der Banken und Kreditkartenunternehmen aus dem Nichts erschaffen…“. Rein äußerlich ja, in einer solchen kindlichen Vorstellung werden aber auch Bitcoin im Computer aus dem Nichts erschaffen. In Wirklichkeit ist beides etwas komplizierter. Banken erschaffen genau genommen kein Fiatgeld, sondern Kreditverhältnisse durch Bilanzverlängerung, sprich Forderungen an Kreditnehmer und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditnehmern. Die Verbindlichkeiten sind die Euro, die dem Kreditnehmer auf dem Girokonto gutgeschrieben werden. Obwohl sie in Euro denominiert sind, handelt es sich nicht um Geld, sondern um eine, aus Sicht der Kreditnehmers, Forderung auf Geld. Erst wenn dieser über das „Geld“ verfügen will, muss die Bank effektiv Geld, sprich Zentralbankgeld liefern (auch bei Überweisungen und Kartenzahlungen).
    Wichtig: im Außenverhältnis kann eine Bank immer nur in Zentralbankgeld zahlen, das sie selbst NICHT erschaffen kann. Die Vorstellung Banken könnten Geld drucken und damit auf Shoppingtour gehen gehört ins reich der Legenden und sollte nicht dauernd neu befeuert werden
    2. „Fiatgeld gehört somit in die Kategorie der Illusionen“. Richtig, so wie Bitcoin und Gold auch. Jegliches Geld ist eine gesellschaftliche Konvention und man muss darauf vertrauen, dass morgen mit diesem Geld immer noch Güter und Dienstleistungen gekauft werden können.
    3. „Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist diese „Goldeinlösepflicht“ dann überall auf der Welt abgeschafft wurden.“ Ja, aber aus gutem Grund. Der Goldstandard war für die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre mitverantwortlich, gerade weil er eine expansive Geldpolitik in der Krise verhindert hat. Es ist immer wieder verwunderlich, dass die Hyperinflation Anfang der 20er Jahre im deutschen Gedächtnis so präsent ist aber die monetäre Kontraktion und Deflation der Weltwirtschaftskrise, die schließlich das 3. Reich begünstigt hat, haben alle vergessen.
    4. „..wird es auch nicht solche drastischen Unterschiede zwischen arm und reich geben wie im Fiatgeldsystem..“ Laut letzten Zahlen besitzen 0,67% der Bitcoinandressen fast 87% aller Bitcoins. Das sagt bereits alles über die Gerechtigkeit in Kryptowährungen
    5. „…schlafen mit der Gewissheit ein, dass es auch morgen – wenn sie aufwachen – nicht mehr als 21 Millionen Bitcoin geben wird“. Eine konstante Geldmenge heißt bei steigendem Güter- und Dienstleistungsangebot, dass die Preise sinken, Bitcoins werden also immer wertvoller und werden immer mehr gehortet (lässt sich bereits jetzt schön beobachten). Dass ein solcher deflationärer Dauerzustand nicht wünschenswert ist, hat bereits der von vielen Kyrptoverfechtern so verehrte Hayek erkannt.

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