Der Cyberangriff auf einen Münchner Carsharing- und Mietwagenanbieter sorgte im Mai deutschlandweit für Aufsehen. Dabei wurden dem Unternehmen Kundendaten gestohlen, die von Online-Kriminellen bevorzugt zum Identitätsdiebstahl missbraucht werden. Laut dem Experian Global Identity and Fraud Report 2022 hat Identitätsdiebstahl den Kreditkartendaten-Klau als Cyber-Crime Nummer 1 abgelöst. Trotz erhöhter Risiken gab die Mehrheit der Verbraucher in der von dem Informationsdienstleister Experian veröffentlichten Studie an, ihre Onlineaktivitäten in den kommenden drei Monaten erhöhen zu wollen.

Das Internet ist längst zu unserem wichtigsten Kommunikations- und Unterhaltungskanal geworden. 92 Prozent der deutschen Haushalte hatten 2021 einen Zugang zum Worldwide Web. Der Onlinehandel ist spätestens seit der Coronapandemie einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Europa: Ob Urlaubsreisen, Kleidung, Lieferservice oder Supermarkteinkäufe – kaum ein Gegenstand unseres täglichen Bedarfs, den wir nicht im Netz bestellen und bezahlen.

Weltweit steigende Zahlen

Doch es ist wie mit dem Taschendiebstahl am überfüllten Touristenhotspot oder Badestrand: Je mehr Personen sich an einem Ort tummeln, desto größer wird das Risiko für Missbrauch und Betrug. Laut dem sechsten Global Identity and Fraud Report von Experian ist über die Hälfte der Befragten bereits Opfer von Onlinebetrug geworden oder kennt jemanden mit diesem Schicksal. In Großbritannien stieg 2021 die Zahl der Identitätsdiebstähle im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent (davon 90 Prozent online), während sich der durch Onlinebetrug entstandene Schaden in den USA um 70 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar erhöhte.

Der GIFR 2022

Immer mehr Nutzer sorgen im Internet für stetig wachsende Umsätze und geben dabei immer größere Datenmengen preis, von Anschriften über E-Mail-Adressen bis zu Kreditkartendetails. Die jährliche internationale Studie zu Identitäts- und Onlinebetrug von Experian erhebt nicht nur diese Daten. Aus der Befragung von mehr als 6.000 Verbrauchern weltweit und knapp 1.900 internationalen Unternehmen ergibt sich auch, welche Gewohnheiten und Bedürfnisse die User in Bezug auf ihre Sicherheit und Schutz vor Phishing, Kreditkartenbetrug und Identitätsdiebstahl haben. Und wie Unternehmen darauf reagieren können.

Für noch mehr geballte Onlinekompetenz geht es hier zum vollständigen Global Identity and Fraud Report 2022

Drahtseilakt für Unternehmen

Über 50 Prozent der weltweit befragten Verbraucher gaben an, bei Online-Einkäufen Wert auf Sicherheit und Bequemlichkeit zu legen. Was so einfach klingt, stellt für viele Onlinehändler und -anbieter eine Zwickmühle dar. Denn je höher die Sicherheitsvorkehrungen, desto länger dauert der Vorgang. Das Vertrauen der User in ein bestimmtes Unternehmen hängt also maßgeblich davon ab, wie gut diesem der Drahtseilakt zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit bei Onlinetransaktionen gelingt.

Deutsche Zurückhaltung

Während über die Hälfte aller Befragten davon ausgeht, in den kommenden drei Monaten noch mehr online zu sein, sind deutsche User im internationalen Vergleich zurückhaltender: Nur 34 Prozent rechnen derzeit mit verstärkten Internetaktivitäten. Dafür haben Verbraucher in der Bundesrepublik ein klares Bild der (Daten-) Sicherheit von Onlineunternehmen. Am meisten vertrauen sie in dieser Hinsicht Kreditkartenunternehmen, Anbietern von Zahlungssystemen, Tech-Unternehmen und Streaming-Diensten.

Immerhin 45 Prozent der Deutschen sind bereit, zugunsten von Sicherheit und Betrugsprävention Daten weiterzugeben, allerdings liegt Deutschland damit erneut unter dem globalen Schnitt (57 Prozent). Unabhängig von der Größe eines Unternehmens stellen User offenbar einen Zusammenhang zwischen ihren persönlichen Erlebnissen und der Datenschutzqualität her: Je positiver die jeweilige Online-Erfahrung, desto größer auch das Vertrauen in die Sicherheit der Kundendaten.

Eine Frage der Identität

Einer der spannendsten Forschungsgegenstände ist das Thema Identitätserkennung (bzw. Wiedererkennung) im Cyberspace. Identitätserkennung ist für Konten mit klassischen Login-Daten wie Name und Passwort relevant, funktioniert aber beispielsweise auch auf der Ebene eines Bewegungsprofils. In beiden Fällen wird ein User eindeutig als eine bestimmte Person identifiziert. Auf dem Gebiet der Authentifizierungsmethoden halten Verbraucher weltweit Einmalpasswörter zu 96 Prozent für eine bequeme Methode, die höchste Sicherheit wird dagegen der biometrischen Identitätserkennung (81 Prozent) zugeschrieben, gefolgt von Passwörtern, die aufs Smartphone gesendet werden (77 Prozent), und Bewegungsprofilen (76 Prozent). 

Deutliche Diskrepanzen ergeben sich in diesem Kontext zwischen Wahrnehmung der Verbraucher und Absichten der Unternehmen: Nur ein Drittel der User glaubt, von Onlineanbietern wiedererkannt zu werden, während 84 Prozent der Unternehmen (Deutschland: 63 Prozent) angeben, darauf besonders großen Wert zu legen.

Safety first

Vor dem Hintergrund von Identitätsdiebstahl, Phishing oder Cyberattacken ist das Bedürfnis der Verbraucher nach Onlinesicherheit in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 75 Prozent der weltweit befragten User erwarten, dass Unternehmen die zu ihrem Schutz notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Auch seitens der Anbieter ist das Bewusstsein für die Kundensicherheit geschärft: Mehr als 70 Prozent der Unternehmen geben an, ihr Hauptaugenmerk gelte der Prävention von Cyberkriminalität – das ist der höchste Wert seit Bestehen des Reports.

Die Mischung machts

Um maximale Sicherheit im Worldwide Web zu gewährleisten, sind Unternehmen auf die Unterstützung ihrer Kunden angewiesen. Verbraucher müssen sich der Risiken beim Onlineshopping bewusst werden und verantwortungsvoll im Netz surfen, beispielsweise durch Sorgfalt bei der Passwortauswahl. Um Kundenzufriedenheit, Betrugsprävention und Wiedererkennung in Einklang zu bringen, bieten sich für Onlineanbieter auf einer Plattform zentralisierte Orchestrierungslösungen an. Mit deren Hilfe können Unternehmen ihren Usern hohe Qualität bieten und gleichzeitig für optimalen Verbraucherschutz sorgen.

Dürfen es noch mehr Fakten sein? Hier geht’s zum vollständigen Report.

Für seine Studie befragte Experian mehr als 6.000 Verbraucher und fast 1.900 Unternehmen aus 20 Ländern, darunter Deutschland, Italien, Großbritannien und die USA. Der Geschäftsbereich Identität und Betrug von Experian umfasst mehr als 300 Experten, die daran arbeiten, die Verbraucheridentitäten zu schützen und Internetbetrug zu bekämpfen. Erfahren Sie mehr darüber, was Online-Nutzer bewegt und welche aktuellen Trends rund um das Thema Customer Experience und Sicherheit Sie kennen müssen. Experian Global Identity and Fraud Report 2022 – jetzt downloaden!

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