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Revolut, Vorsorgedepot und New Debits: Das waren die wichtigsten Fintechs-News im März

Revolut mit Rekordzahlen, das Altersvorsorgedepot ist beschlossen und Visa greift die Girocard an. Jochen Siegert und André Bajorat hatten in diesem Monat wieder viel zu besprechen.

Revolut, Vorsorgedepot und New Debits: Das waren die wichtigsten Fintechs-News im März

Mastercard kauft BVNK und plant Verkauf der skandinavischen Instant Payment Bankenplattform

Nach einer längeren Verhandlung hat sich Mastercard mit der Stablecoin-Plattform BVNK über eine Übernahme geeinigt. Der Kaufpreis beträgt 1,8 Milliarden Dollar. Zuvor war auch die Kryptobörse Coinbase mit BVNK in Gesprächen. Nun kann Mastercard BVNK vor allem in der Verarbeitung grenzüberschreitender Kartenzahlungen anschließen, ist aber bei weitem nicht der einzige Kunde der Plattform. Zu den Kunden gehören auch das andere große Kartennetzwerk Visa und Zahlungsdienstleister wie Worldpay oder Nexi. Gleichzeitig scheint sich Mastercard laut einem Bericht der Financial Times wieder von der Skandinavischen Banken-Instant Payment Plattform zu trennen, die sie 2019 für 3,2 Mrd von der dänischen Nets Group übernommen hatte – vermutlich zu einem deutlich geringeren Preis, munkelt man. 

EZB fürchtet Kontrollverlust durch US-Stablecoins

Die Europäische Zentralbank warnt in einem Arbeitspapier, dass weit verbreitete US-Stablecoins die Wirksamkeit der Geldpolitik im Euroraum schwächen könnten, indem sie Kreditvergabe, Liquiditätssteuerung und die Rolle des Euro im Zahlungsverkehr untergraben und so langfristig Einfluss und Stabilität des europäischen Währungssystems gefährden.

DZ BANK und KfW pilotieren voll digitalen Krypto-Bond auf Public Blockchain

DZ BANK und KfW haben erstmals eine digitale Anleihe nach eWpG vollständig über eine Public-Blockchain-Infrastruktur mit Smart Bond Contracts abgewickelt, von der Liquiditätsanfrage über die Emission bis zur Zahlungsabwicklung, wodurch Prozesse beschleunigt und ein Zentralverwahrer überflüssig werden. Die Transaktion auf Polygon nutzt DLT für transparente, unveränderliche Vertragsbedingungen und demonstriert den Anspruch beider Institute, skalierbare digitale Wertpapierstandards im deutschen und europäischen Finanzmarkt voranzutreiben.

Volksbanken starten mit „meinKrypto“ vorsichtigen Einstieg ins Kryptogeschäft

Bayerns Volks- und Raiffeisenbanken integrieren mit „meinKrypto“ ein Angebot für den Handel mit Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano direkt in die VR Banking App, richten sich dabei aber explizit an Selbstentscheider:innen ohne aktive Vertriebsoffensive. Die von Atruvia und DZ BANK entwickelte Lösung setzt auf MiCAR-Regulierung, Verwahrung über Boerse Stuttgart Digital und Ausführung via EUWAX, während der Genossenschaftsverband Bayern keinen Massenandrang, aber wachsendes Anlageinteresse seiner Kundschaft sieht.

Revolut meldet Rekordgewinn 

Die britische Neobank Revolut weist erneut einen Milliardengewinn aus und gilt damit als eine der profitabelsten Digitalbanken Europas. Gerade hat die Bank eine britische Banklizenz erhalten und bewirbt sich nun auf eine Banklizenz in den Vereinigten Staaten. Während das Wachstum in vielen Ländern durch die Decke geht, hängt das Geschäft in Deutschland für Revolut gerade hinterher. Zudem fällt auf, dass Geschäftskunden für die Briten immer wichtiger werden. Auch wenn die Bank im deutschen Markt zulegt, ist das Wachstum vergleichsweise zäh. In Deutschland hat die Bank mittlerweile laut eigenen Angaben drei Millionen Kund:innen, wovon 800.000 im vergangenen Jahr dazu kamen. Dabei ist Deutschland noch ein Land mit eher langsamem Wachstum

DKB verkündet Rekordergebnis 2025 und startet Marktoffensive mit Strategie „DKB 2030“

Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) hat für das Geschäftsjahr 2025 ein Ergebnis vor Steuern von 1,1 Milliarden Euro erzielt, was das Vorjahr übertrifft. Mit der neuen Strategie „DKB 2030“ investiert die DKB 500 Mio. Euro in IT, Cloud und KI, um Wertpapiergeschäft auf über zwei Mio. Depots auszubauen und Business Banking für Kleinunternehmer zu etablieren. Im Geschäftskundengeschäft wuchs das Forderungsvolumen auf 83 Milliarden Euro, getrieben von Energiewende-Finanzierungen. CFO Jan Walther setzt den Fokus auf Provisionserträge. Ziel bis 2030: 1,6 Milliarden Euro Ergebnis.

Solaris startet radikalen Umbau unter neuem Chef

Der neue Solaris-Chef Steffen Jentsch treibt einen tiefgreifenden Umbau voran, bei dem rund jede fünfte Stelle wegfällt und das Berliner Fintech seine Rolle als vollwertige Bank zugunsten eines fokussierten technischen Dienstleisters für andere Institute neu definiert. Parallel stellt Großaktionär SBI dem Unternehmen erneut einen dreistelligen Millionenbetrag zur Verfügung, um die Restrukturierung und einen ambitionierten KI-Plan zu finanzieren, dessen Erfolg angesichts hoher Investitionen und regulatorischer Anforderungen noch offen ist.

Bafin-Schelte gegen Billie 

Das Berliner Fintech Billie hat sich eine Bekanntmachung seitens der Bafin eingehandelt. Bei einer Sonderprüfung seien Mängel im Risikomanagement und in der Interne Revision festgestellt worden. Das Institut verstieß damit laut Bafin gegen die Vorgaben des Kreditwesengesetzes.Nun muss es eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation sicherstellen. 

N26 ordnet Machtverhältnisse mit neuer Gesellschaftervereinbarung neu

Die Berliner Neobank N26 hat nach monatelangen Verhandlungen eine neue Gesellschaftervereinbarung zwischen Gründern und Investoren geschlossen. Die Gründer verzichten dabei auf besondere Governance- und Vetorechte, um den Einfluss institutioneller Anteilseigner zu stärken und die Unternehmensführung neu auszubalancieren. Im Gegenzug wollen die Investoren der Series-E-Finanzierungsrunde auf eine garantierte annualisierte Rendite von 25 Prozent auf ihr eingesetztes Kapital verzichten, was finanziellen Druck von N26 nehmen und künftige Finanzierungs- und Wachstumsschritte erleichtern soll. Außerdem hat Italiens Finanzaufsicht die 2022 verhängte Wachstumsbremse gegen die Berliner Bank aufgehoben, womit das Institut in Italien wieder unbegrenzt Neukund:innen gewinnen darf. 

Trade Republic lässt die Konkurrenz bei Depotwachstum hinter sich 

Die Depotsstatistik der Bundesbank zeigt, dass sich das Wachstum im Markt verlangsamt. Während im Jahr 2024 noch 3,1 Millionen Depots eröffnet wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch 2,8 Millionen. Dabei lässt Trade Republic die Konkurrenz alt aussehen und nähert sich Zielstrebig den Genossenschaftsbanken und Sparkassen an, die sich mit eigenen Broker-Projekte gerade versuchen, zur Wehr zu setzen, wie die Fintech-Beratung Finwyz in einer Grafik zeigt. Doch das Rennen könnte gerade erst angefangen haben, da mit dem Starter- und Altersvorsorgedepot im Jahr 2027 voraussichtlich viele neue Kund:innen auf den Markt kommen werden.

Bundestag beschließt Altersvorsorgedepot

Der Bundestag hat die Reform der privaten Altersvorsorge am 27. März 2026 offiziell verabschiedet. Das Altersvorsorgedepot ist zentraler Bestandteil der großen Riester-Reform wurde beschlossen. Hier sind die wichtigsten Fakten zum neuen Altersvorsorgedepot (Stand 2026):

  • Ablösung von Riester: Das Altersvorsorgedepot ersetzt die bisherige klassische Riester-Rente.
  • Starttermin: Die neuen Regelungen und Produkte sollen am 1. Januar 2027 in Kraft treten.
  • Selbständige sind in letzter Minute doch wieder reingerutscht, die im ersten Entwurf des FDP-geführten Finanzministeriums drin, im revidierten Entwurf des dann SPD-geführten Finanzministeriums wieder rausgeflogen waren. 
  • Flexibilität & Anlage: Anleger können ihr Geld in einem Depot flexibler anlegen, insbesondere in Aktien-ETFs oder Fonds, was höhere Renditechancen ermöglichen soll.
  • Staatliche Förderung: Die Förderung wird gestaffelt: Es gibt einen 50 Prozent Zuschuss auf Beiträge bis 360 Euro und 25 Prozent auf Einzahlungen bis 1.800 Euro. Insgesamt sind bis zu 540 Euro Förderung pro Jahr möglich. Hinzu kommt eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr.
  • Gebühren: 1 Prozent Max p.a. und die Versicherungen und Fondsgesellschaften jammern öffentlichwirksam, dass sie nicht 1,5 Prozent kassieren können.
  • Garantie-Option: Anders als früher ist eine volle Beitragsgarantie nicht mehr zwingend vorgeschrieben, was Chancen, aber auch Risiken durch Marktschwankungen birgt. 

Google Wallet: Paypal zieht sich auch in Deutschland zurück


Ein Hinweis zum News-Podcast: Angeblich beendet PayPal nun doch nicht die Google-Wallet-Anbindung. Diese Infomartion haben wir erst nach der Aufnahme bekommen.

Paypal beendet nach USA nun auch in Deutschland die Möglichkeit, neue Verknüpfungen mit Google Wallet einzurichten; ab dem 31. März 2026 sind nur bestehende Verbindungen nutzbar, bis Nutzer ihr Gerät wechseln oder das Setup ändern. Danach bleibt für kontaktloses Bezahlen im Handel nur die PayPal-App mit eigener Wallet-Lösung, was insbesondere Nutzer trifft, die Google Wallet als zentrale Drehscheibe für ihre Zahlungsmittel verwenden.

Volksbanken melden 500.000 iPhone-Girocard-Aktivierungen

Die Volksbanken verzeichnen bei ihrer eigenen Girocard-Lösung fürs iPhone inzwischen 500.000 Aktivierungen und schaffen damit eine relevante Alternative zur direkten Einbindung der Girocard in Apple Pay, die sie seit Jahren ablehnen. Die Zahl unterstreicht die Nachfrage nach mobilen Bezahloptionen im genossenschaftlichen Sektor. 

Visa steigert Zahl seiner Debitkarten und Terminals in Deutschland deutlich

Der Kartendienstleister baut seine Präsenz im deutschen Zahlungsverkehr weiter aus und verzeichnet inzwischen über 21 Millionen Debitkarten im Markt, die vor allem von Direktbanken und Neobanken ausgegeben werden. Parallel steigen sowohl Transaktionszahlen als auch Zahlungsvolumen zweistellig, unterstützt durch mehr als 1,9 Millionen Akzeptanzstellen sowie das Wachstum von Neobrokern, die verstärkt auf digitale Kartenzahlungen setzen. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Terminals nochmals stark. So gibt es 350.000 zusätzliche Terminals im Vergleich zum Vorjahr, womit von den 1,9 Millionen Terminals im Land “nur” 1,3 Millionen die nationale Girocard unterstützen. 

Berlin-Fintech Upvest sammelt 125 Millionen Dollar ein

Das Berliner Investment-API-Fintech Upvest sichert sich in einer neuen Finanzierungsrunde 125 Millionen Dollar, davon 90 Millionen Dollar Eigenkapital von Investoren wie Sapphire Ventures, Tencent, Bessemer Venture Partners und BlackRock, ergänzt um eine geplante Kreditlinie über 35 Millionen Dollar, um Wachstum und Produktentwicklung im europäischen Markt weiter zu beschleunigen.

Führungswechsel bei Computop: CEO Stephan Kück geht, Kenneth M. Overgaard Nielsen übernimmt

Nach mehr als 16 Jahren in der Geschäftsführung verlässt Stephan Kück den Zahlungsdienstleister Computop, zuletzt in der Rolle des CEO. Die Leitung übernimmt Kenneth M. Overgaard Nielsen, der 2024 von der Nexi Group kam und bisher als COO tätig war. Vor dem Hintergrund der vollständigen Übernahme durch Nexi wird eine stärkere Integration von Computop in die Konzernstrategie erwartet, inklusive möglicher Effizienzprogramme und engerer Abstimmung in Produktentwicklung, Vertrieb und Betrieb.

Autor

André M. Bajorat
André M. Bajorat

André M. Bajorat ist seit fast 30 Jahren in der deutschen Digitalwirtschaft aktiv. Ex-CEO von figo, heute Managing Director bei einem deutschen Assetmanager. Herausgeber von paymentandbanking.com, Podcaster, Investor, Speaker und Buchautor.

Jochen Siegert
Jochen Siegert

Jochen Siegert ist Co-Founder von Payment & Banking und Senior Advisor. Als Experte für digitale Transformation im Finanzwesen blickt er auf über 25 Jahre Erfahrung zurück – mit CxO-Rollen bei globalen Paymentanbietern, Fintechs und Banken.