Quo vadis, Bitwala?

Mittlerweile kann gefühlt jedes Kind das Wort Bitcoin buchstabieren, die Fortgeschrittenen unter ihnen sogar Kryptowährungen. Und bei Scrabble gibt es dafür richtig fette Punkte! Spätestens seit der Diskussion über die Einführung einer digitalen Währung durch die Europäische Zentralbank, den so genannten E-Euro, hat das Thema Kryptowährungen in die Berichterstattung der Massenmedien Einzug gehalten.

Auch die Corona-Pandemie hat die Auseinandersetzung mit dem Thema befeuert, denn in Zeiten des 1., 2. und dritten und hoffentlich auch endlich letzten Lockdowns, haben sich Anleger und Sparer mit ihrem Portfolio beschäftigen müssen und haben zuweilen erste, vorsichtige oder beherzte Investitionen in den Bitcoin getätigt.

Ein wichtiger Player im deutschen Markt ist Bitwala, die Berliner Neo-Bank, mit dessen Hilfe einfach und schnell Ether und Bitcoins von dem dahinterliegenden Bankkonto aus gekauft und Coins zu Euros gewechselt werden können – und das in wenigen Minuten, so das Versprechen.

Dem Hype um Bitcoin und Co. sei Dank, stieg Bitwala im vergangenen Jahr zur drittgrößten deutschen Neobank auf. Mehr als 200.000 Kunden haben sich inzwischen bei der Neobank angemeldet. In 32 europäischen Ländern bietet sie ihre Dienste an. Das Gros der Kunden komme aus Deutschland, schrieb das Handelsblatt im Februar dieses Jahres.

Quo vadis, Bitwala?


Zuletzt sorgte das Unternehmen zusätzlich mit einer Personalie für Schlagzeilen: Kristina Walcker-Mayer, vormals Produktchefin bei Bitwala, übernimmt den CEO-Posten von Gründer Ben Jones. Mit der Berufung schickte das Unternehmen ein Signal in die Krypto-Welt: Wir fokussieren uns auf das Produkt! Im Podcast gegenüber FinanceFWD sagt sie: „Zu uns kommen Leute, die von Coinbase überwältigt sind.“ Das Credo: Einfachheit, Übersichtlichkeit, Transparenz und das richtige Wording.

Das Payment and Banking-Team hat sich Bitwala nun einmal genauer angeschaut, denn die Erwartungen sind nicht nur angesichts des fulminanten Börsengangs von Coinbase hoch. Weitere Wettbewerber wie Bitpanda (aus Österreich), Revolut, Vivid sowie Bisson geben mächtig Gas: Sie wollen ein möglichst großes Stück vom Krypto-Kuchen und wildern folglich aktiv im deutschen Markt.

Unternimmt Bitwala die richtigen Schritte, um in der breiten Masse anzukommen? Schaffen sie es, durch eine richtige Zielgruppenansprache die Menschen für Kryptowährungen zu begeistern? Oder aber bleibt Bitwala, made by Nerds, ein nerdiges Produkt, quasi “nerdig by nature”? Das kann gewollt sein. Oder nicht, aber laufen sie dann nicht Gefahr, in eine ähnliche Falle wie bitcoin.de zu tappen? Bitwala – was also ist zu tun, um nicht die “alten“ Crypto-Fanboys zu enttäuschen, aber dennoch neue Kunden hinzuzugewinnen? Und was ist eigentlich mit der UX?

André M. Bajorat:

„Danke Bitwala für das, was ihr bisher gemacht habt. Ich fühle mich ein wenig an die ersten mobile-only-Banken erinnert und auch das war ein Game Changer. Es kann alles so bleiben, wenn ihr nicht in die breite Masse wollt. Wenn das aber der Plan ist, wird eure Kommunikation / euer Wording sich grundlegend ändern müssen.

„Bitwala: eure Kommunikation und euer Wording werden sich grundlegend ändern müssen.“

Gegebenenfalls verliert man dabei ein paar User der ersten Stunde, aber Nerdistan muss dann vorbei sein, wenn meine Kinder, Nachbarn, Eltern euch nutzen sollen. Ich will und kann nicht den Übersetzer spielen. Alles keine große Challenge, aber man muss es konsequent tun. Auf geht’s, da die Player nicht weniger werden und ihr gerade die Chance habt einen Platz zum dauerhaften Bleiben zu besetzen.“

Jochen Siegert:

„Ich finde die Entwicklung von Bitwala generell sehr beeindruckend. Gegründet als p2p-Bitcoin-Payment und Brücke zwischen der Bitcoin-Welt in die reale Welt via Karte, machte Bitwala die Transformation von Bitcoin als ’naja‘-Payment zu einer eigenen Asset-Klasse mit. Dabei schaffte Bitwala den Weg vom nischigen Bitcoin-Nerd-Use-Case als früher Bitcoin-Early-Adopter zu einem eher niedrigschwelligen Zugang zum Cryptotrading. Auch externe Schocks steckte die Company beeindruckend weg, als z.B. ihrem zentralen Produktpartner von VISA die Lizenz entzogen wurde. Es kommen aber die ursprünglichen Bitcoin-Nerd-, gar Bitcoin-Maximalistenwurzeln trotzdem immer mal wieder durch. Sowohl bei den Beschreibungen und den Flows als auch beim Produkt. Bis heute kann man ausschließlich Bitcoin und Ether handeln und via Debitkarte an Kartenterminals wieder ausgeben.

Andere Anbieter haben sich parallel schon längst weiter entwickelt und ermöglichen den Zugang zu weitaus mehr Kryptowährungen. Die von Bitwala im November 2020 in unsrem Podcast angekündigten Crypto-Sparpläne, sollen laut Podcast der Kollegen von Financefwd nun erst ein Jahr später zum Jahresende 2021 kommen. Parallel bietet etwa der Wettbewerber Bitpanda genau das aber längst an und natürlich auch eine Karte. Daher bleibt der Eindruck, dass Bitwala im Kontext der vielen vielen Wechsel im Management irgendwie die eigene Weiterentwicklung verpasst hat. Bitcoin.de war ähnlich früh unterwegs aber hatte sich irgendwie nicht weiter entwickelt. Wie groß Bitcoin.de hätte werden können, sieht man an den Bewertungen von heute führenden Börsen wie Coinbase & Co. Mit Kristina als neuer CEO und ehemaliger CPO bin ich gespannt ob ’neuer‘ Hunger nach Produktexzellenz und Zugang zu neuen Kundenschichten bei Bitwala gelingt.“

Maik Klotz:

„Krypto braucht kein Banking, aber Banking braucht Krypto. Die spannende Frage ist also: Suchen Nutzer:innen ein Bankkonto mit Fokus auf Krypto oder ein Bankkonto was auch Krypto kann? Prinzipiell unterscheidet sich Bitwala nicht von Revolut und Co. Inzwischen bieten immer mehr (Neo-) Banken die Möglichkeit Krypto zu kaufen oder planen es in naher Zukunft zu tun.

Quo vadis, Bitwala?

Der Unterschied liegt in der Positionierung von Bitwala und das ist aus meiner Sicht auch die Achillesferse. Mit dem Fokus auf ein Krypto-Bankkonto läuft Bitwala Gefahr den oder die normalen Nutzer:innen abzuhängen. Zu nerdig ist das Produkt heute. Wenn bei der Antragsstrecke beim Namen “Satoshi Nakamoto” vorausgefüllt ist, mag das ein netter Gruß an die Bitcoin-Community sein, aber für alle anderen abschreckend wirken.

“Heavy”-Trader werden andere Lösungen nutzen, Gelegenheitskäufer:innen wird ein weiteres Bankkonto vielleicht abschrecken. Kurzum: Für mich ist Bitwala nerdisch by nature und es braucht mehr als die Möglichkeit einfach Bitcoins zu kaufen. Das können andere auch, bieten aber mehr.“

Kilian Thalhammer:

„Bitwala war für mich irgendwie eine Wundertüte. Das Unternehmen war früh am Markt – immer mit vielen Ideen. Aber irgendwie fehlte die Klarheit. Was ist, war und sollte Bitwala sein? Börse, ein Wallet, eine Karte, Crypto Banking, Retail Banking, best of both worlds – best of all worlds? So richtig ‚Klick‘ hat es bei mir bislang nicht gemacht.

Das Thema UX oder ganzheitliche ‚Kundenorientierung‘ ist im Crypto (aber auch im Banking Space) immer noch ein großes Thema. Auch wenn sich der Markt mit großen Schritten bewegt – mein erster btc-Kauf bei Kraken war irgendwie noch unter Teletext-Nivea (301,302,303). Wettbewerber wie Bitpanda, Coinbase und andere machen es einfacher und genau das ist wichtig, denn das Crypto wird mit dem ‚echten Retailbanking‘ verschwimmen, ebenso, wie auch Fintech und ‚Banking/Payment‘ langsam ineinander übergehen werden.

Dass heißt nicht, dass ‚Crypt‘ ein Feature der Banken wird, sondern es wird vergleichbare Player wie Stripe/Adyen im Payment-Bereich geben. Coinbase ist offensichtlich schon dabei, weswegen ich mir den ein oder anderen aus dem deutschen Ökosystem wünsche. Daher freue ich mich auf die Impulse der neuen CEO. Der Markt ist da und man muss nur das nehmen, was eh schon ‚vor einem liegt.'“


Autor
Die studierte Soziologin und Medienwissenschaftlerin beobachtet, analysiert und schreibt als Journalistin seit vielen Jahren über die Startup- und Fintechszene. In der Vergangenheit arbeitete sie für führende on- und offline für Gründer- und Wirtschaftsmedien im In- und Ausland, moderiert, schrieb mit... mehr
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