„Payment funktioniert am besten, wenn niemand darüber nachdenken muss“
Kristina Kierner verantwortet das Geschäft von Worldpay in Deutschland, Österreich und der Schweiz und begleitet seit über 15 Jahren die Entwicklung der Payment-Branche – vom Terminal bis zu globalen Enterprise-Lösungen.
Payment liegt ihr im wahrsten Sinne des Wortes im Blut: Schon ihr Vater verkaufte die ersten Eurocard-Akzeptanzen im Außendienst, heute gestaltet Kristina Kierner selbst die Zukunft des digitalen Bezahlens. Im Interview spricht sie über ihre ungewöhnliche Familiengeschichte, warum Netzwerken für sie ein echter Wachstumstreiber ist, weshalb Händler ihren Kund:innen die Wahl der Bezahlmethode lassen sollten und warum zwei kleine Söhne die wohl beste Managementschule der Welt sind.
Wer bist Du und was machst Du?
Ich bin Kristina Kierner, seit 15 Jahren in der Payment-&-Fintech-Branche beruflich aktiv, ein Payment-Kind von Geburt an und verantworte als Country Managerin das Umsatzwachstum in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Worldpay (bald Global Payments). Wir liefern performante Lösungen rund um das Be- und Ausbezahlen mit digitalen Bezahllösungen für die größten Händler und Dienstleister der Welt.
Wie viel Kohle hast Du gerade im Portemonnaie?
Was ist ein Portemonnaie? Kleiner Spaß – aber ich habe mein Portemonnaie seit mindestens acht Jahren nicht mehr genutzt und genieße es, nahezu alles (und bald sogar den Personalausweis) in digitaler Form auf dem Handy immer zur Hand zu haben.
Wie bist Du im Payment- und Banking-Sektor gelandet?
Das ist eine meiner Lieblingsgeschichten. Mein Papa startete 1987 bei der Euro Kartensysteme und hat dort im Händlervertrieb die Eurocard Akzeptanz im Außendienst verkauft, damals gab es ja noch das Monopol zwischen den beiden großen amerikanischen Schemes. In den 90ern wechselte natürlich alles vom Imprinter zu den Zahlungsverkehrsterminals, den ZVTs, was meiner Begeisterung über die Tätigkeit meines Papas keinen Abbruch getan hat. Mein Papa ist tatsächlich bis zu seinem Rentenantritt 2018 niemals gewechselt, wenngleich er eine Vielzahl von Übernahmen und Mergern miterlebt hat, dazu gehören zum Beispiel GZS, easycash und Ingenico. Fun Fact: Meine Zwillingsschwester arbeitet auch in der Payment-Industrie.
Wie möchtest Du den Payment- und Banking-Bereich verändern?
Ich möchte gern einen Teil dazu beitragen, den Austausch innerhalb der Branche noch mehr zu fördern. Ich denke, wir können sicher an den ein oder anderen bestehenden Formaten arbeiten, ohne den Wissensaustausch zu verlieren, aber gleichzeitig den Fokus für das Wesentliche zu behalten. Das Netzwerken ist eine meiner großen Leidenschaften, weil dadurch jeder voneinander profitieren kann. Ich freue mich außerdem sehr darüber, dass es mittlerweile so tolle Formate gibt, in welchen gerade weibliche Expertinnen und Führungspersonen eine Bühne bekommen und in den Austausch kommen.
Sind Fintechs die große Revolution – oder doch eher nur eine kleine Revolte?
Ich verstehe unter Fintechs Unternehmen, die verstanden haben, dass Payment als reine Stand-Alone-Lösung keine Vorteile für den Händler bietet und wiederum keine Vergleichbarkeit unter den vielen Payment-Anbietern in einem sehr fragmentierten Markt liefert. Eine „große Revolution“ wäre zu weit gegriffen, aber bestimmt doch eine notwendige Innovation, welche glücklicherweise nicht mehr aufzuhalten ist!
Wenn Du Finanzministerin wärst, was würdest Du sofort ändern?
Definitiv sollte jeder Konsument wählen können, wie er bezahlen möchte – egal ob Bar oder mit Karte. Eine Verweigerung dieser Zahlart mit teilweise fadenscheinigen Ausreden wie „die Gebühren sind zu hoch“ ist mittlerweile auch für Laien einfach zu durchschauen und führt außerdem zum gegenteiligen Effekt – nämlich Umsatzrückgang und fehlendes Upselling. Zusätzlich würde ich eine Kassenpflicht verbindlich für alle Betriebe ab einem Umsatz von 5.000 Euro pro Monateinführen. Es ist sowieso verrückt, dass wir zuerst eine Pflicht für eine technische Sicherheitseinrichtung, oder einfach TSE-Pflicht, eingeführt haben, aber das ist ein anderes Thema.
Werden wir persönlich: Was machst Du in Deiner Freizeit – und sag´ jetzt nicht „Lesen und Freunde treffen”.
Meine Hobbies sind tatsächlich nicht unbedingt Lesen, ich lese alle drei Monate ein Buch, das zählt also definitiv nicht. Durch Sport und körperliche Betätigung kann ich super abschalten und das mache ich entweder auf dem Tennisplatz, im Cycling-Kurs oder an der Langhantel. Außerdem habe ich zwei wilde Söhne im Alter von Vier und Sieben, und wenn ich nicht gerade einen erbitterten Kampf um ein monatelang unbeachtetes Spielzeug schlichten muss, fahre ich mit den beiden viel Fahrrad oder verbringe die heißeren Tage am Pool. Gutes Essen liebe ich total, wenngleich ich nicht unbedingt die beste Köchin bin, mein Mann hat alles aber bisher gut vertragen!
Wie bezahlst Du an der Supermarktkasse?
Nahezu immer mit meiner Sparkassen-Debitkarte über die Apple Watch
Welche Finanz-Apps sind Deine drei beliebtesten?
Hilfe, ich habe nur die Sparkassen-App!!!!