Millionen für Iwoca, Krypto-Sparkassen und die KI-Transformation
Iwoca expandiert mit 185 Millionen Euro, Sparkassen starten Kryptohandel und Revolut nutzt Biometrie. Außerdem: Wie KI die Softwarewelt verändert.
Die Woche ist noch jung und los geht`s mit einer kräftigen Kapitalspritze, da sich das Fintech Iwoca neue Kreditlinien über 185 Millionen Euro gesichert hat. Gemeinsam mit ABN Amro und Neuberger soll das deutsche Geschäft bis Mitte 2028 auf eine Milliarde Euro anwachsen. Innerhalb eines Jahres verdoppelte das 2012 gegründete Unternehmen sein lokales Volumen bereits.
Und weil wir gerade bei Fintechs sind: Jetzt entscheidet ihr, wer den Publikumspreis beim Fintech des Jahres 2026 gewinnt. Die Abstimmung für das Fintech der Herzen läuft bis zum 1. November. Während unsere Jury über die anderen Preise entscheidet, habt ihr hier das letzte Wort. Wer am 10. November bei der DigiFin im Berliner Kosmos auf die Bühne darf, liegt in euren Händen. Also: Stimme abgeben! ❤️
Auch bei den klassischen Banken tut sich etwas: Die Sparkassen integrieren den Kryptohandel schrittweise direkt in ihre Banking-App. Die Freischaltung erfolgt individuell durch die Institute, wobei die Dekabank die Abwicklung und die Börse Stuttgart die Verwahrung übernimmt. Zunächst stehen fünf digitale Währungen für Selbstentscheider ohne Beratung zum Handel bereit.
Themenwechsel zur staatlichen Infrastruktur, denn der Bundestag hat am 15. Oktober die gesetzliche Grundlage für die digitale Wallet d-you verabschiedet. Laut Bitkom-Studie können sich bereits 53 Prozent der Bürger vorstellen, die Anwendung zu nutzen. Der Start ist für den 2. Januar 2027 vorgesehen. Zuerst stehen digitale Identitätsnachweise für Verträge oder Bankgeschäfte im Fokus, während später auch Führerscheine folgen sollen. Während die Nutzung für Privatpersonen freiwillig bleibt, können Unternehmen die Integration digitaler Nachweise bereits in einer staatlichen Sandbox testen. Die Sparkassen-Finanzgruppe gehört zu den rund 40 Startpartnern. Perspektivisch sind eine Verknüpfung mit Wero und eine Integration ins Online-Banking geplant.

Doch was bedeutet die Wallet eigentlich für die Banken selbst? Genau darum geht es in unserem neuen Beitrag „Open Finance & Digital Identity Wallets: Neue Chancen für Banken“. Julian-Alexis Wolff und Knut Besold von KPMG schauen dabei über die Wallet für Privatpersonen hinaus. Im Mittelpunkt steht die European Business Wallet, mit der Unternehmen künftig Identitäten, Vollmachten und Nachweise digital bereitstellen könnten. Das würde vor allem die aufwendige Legitimation von Firmenkunden vereinfachen und Banken Kosten sparen.
Auch abseits digitaler Identitäten entwickeln Banken ihre Angebote weiter: Die Deutsche Bank lanciert mit PrivatMandat Xperience eine hybride Vermögensverwaltung. Im Gegensatz zum alten Robo-Advisor Robin entscheiden hier reale Portfoliomanager. Ein Einstieg ist ab 500 Euro möglich, wobei die jährlichen Gebühren zwischen 0,65 und 0,75 Prozent liegen. Sparraten lassen sich bereits ab einem Euro realisieren.
Auf der anderen Seite des Atlantiks schränken Citi und Bank of America den Zugriff autonomer KI-Agenten auf Kundenkonten massiv ein. Diese Sicherheitsmaßnahme reagiert auf die wachsende Zahl unregulierter Systeme. Die Banken fordern stattdessen kontrollierte Schnittstellen zum Schutz vor unautorisierten Datenabfragen und betonen die Notwendigkeit einer strengen Prüfung autonomer Tools.
Wie groß die Herausforderungen rund um KI-Sicherheit inzwischen sind, diskutieren auch Sascha und Maik Klotz in der neuen Folge unseres Podcasts AI in Finance: „KI frisst Software“. Es geht um KI-generierte Software, die etablierte Lizenzmodelle infrage stellt, neue Cyberrisiken und die Frage, wie sich autonome Agenten überhaupt noch kontrollieren lassen. Dazu kommen die Folgen für Banken und die Regulierung. Eine ziemlich volle Nachrichtenwoche also.

Einen technologisch offensiveren Weg wählt Santander durch die Nutzung der Nvidia-KI-Infrastruktur, um die Betriebskosten für eigene Modelle zu senken. Der Einsatz moderner Grafikprozessoren optimiert die Effizienz der bankinternen Rechenprozesse deutlich. Ziel ist eine skalierbare Basis bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch sowie verbesserten Reaktionszeiten für alle Anwendungen.
Derweil erweitert Revolut sein Angebot für den stationären Handel um das Kassensystem Revolut Register. Dieses kombiniert klassische Funktionen mit einer innovativen Authentifizierung. Das System ermöglicht Zahlungen per Gesichtserkennung zur Beschleunigung der Transaktionsprozesse direkt am Point of Sale. Damit festigt das Fintech seine Position im Bereich der Akzeptanzlösungen für Händler. 🤳
Vom Bezahlen an der Ladenkasse zum digitalen Euro: Thilo Hett von der TU Dortmund beschäftigt sich mit den Folgen des digitalen Euros für Startups. Mit Blick auf eine mögliche Einführung ab 2029 untersucht die Dissertation vor allem die Auswirkungen auf grenzüberschreitende Zahlungen. Der Forscher sucht aktuell Experteninterviews mit Gründern zu Gebührenstrukturen und regulatorischen Hürden der neuen Währung.
Und beim Thema europäische Unabhängigkeit lohnt sich noch ein Blick auf die Volksbanken. Rund 1,2 Millionen Kunden nutzen bereits die bankeigene Girocard-Lösung auf dem iPhone, die ohne Apple Pay auskommt. Möglich wurde dies durch die regulatorische Öffnung der NFC-Schnittstelle. Die Institute reduzieren damit ihre Abhängigkeit von Apple im täglichen Zahlungsverkehr.