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MaRisk-Novelle: Echter Bürokratieabbau oder nur kosmetische Korrektur?

Die BaFin verspricht mit der 9. MA-Risk-Novelle mehr Proportionalität und weniger Komplexität. Doch hält der „Schlankheitskurs“ von 122 auf 82 Seiten, was er verspricht?

MaRisk-Novelle: Echter Bürokratieabbau oder nur kosmetische Korrektur?

In der neuesten Folge von Alles Legal spricht Dana Wondra mit Jörg Streißle, Partner bei der Kanzlei Annerton, über ein Thema, das die deutsche Bankenlandschaft aufhorchen lässt: Die Konsultation der 9. MA-Risk-Novelle. Während das Wort „Entbürokratisierung“ oft als leere Phrase abgetan wird, liefert die Aufsicht hier handfeste Zahlen. Das Regelwerk schrumpft massiv. Aber bedeutet weniger Text auch weniger Aufwand?

Der Kern: Die Stärkung der Proportionalität

Das Zauberwort der neuen Novelle lautet Proportionalität. Das Prinzip ist simpel: Je riskanter das Geschäftsmodell und je größer die Bilanzsumme, desto strenger die Regeln. Neu ist jedoch die klare Kategorisierung der Banken in vier Gruppen:

  1. Significant Institutions (SI): Die Schwergewichte unter direkter EZB-Aufsicht.
  2. Übrige Institute (LSI): Weniger bedeutende Institute.
  3. Kleine Institute.
  4. Sehr kleine Institute: Bilanzsumme bis zu 1 Mrd. Euro.

Besonders spannend: Drei Viertel aller deutschen Banken fallen in die Kategorien der „kleinen“ oder „sehr kleinen“ Institute. Sehr kleine und kleine Institute profitieren dabei von spürbaren Erleichterungen, etwa bei Governance-Strukturen oder organisatorischen Anforderungen. Funktionen können gebündelt werden, Prozesse werden flexibler gestaltbar.

Der „Haken“: Eigenverantwortung statt Abhaken

Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus: Weg von starren Vorgaben, hin zu mehr individueller Ausgestaltung. Institute erhalten mehr Spielräume, müssen diese aber auch aktiv nutzen und vor allem begründen. Denn jede Abweichung, jede Vereinfachung und jede individuelle Lösung erfordert eine saubere Herleitung und Dokumentation.

Das bedeutet in der Praxis: Weniger Detailvorgaben auf dem Papier, aber mehr Verantwortung im eigenen Haus. Risikomanagement wird damit stärker zur eigenen Steuerungsaufgabe und weniger zum Abarbeiten regulatorischer Checklisten.

Auch größere Institute bleiben von diesem Wandel nicht unberührt, profitieren aber weniger stark von den Erleichterungen. Für sie bleibt der regulatorische Rahmen weitgehend bestehen, ergänzt um punktuelle Flexibilität, etwa bei der Bewertung und Behandlung einzelner Risiken.

Fazit: Die MA-Risk-Novelle reduziert nicht einfach Regulierung – sie verändert ihren Charakter. Wer die neuen Spielräume sinnvoll nutzen will, muss zunächst investieren: in Analyse, Struktur und Begründung. Langfristig liegt aber genau darin auch die Chance.

Du möchtest tiefer in die Details der 9. MaRisk-Novelle eintauchen? Höre jetzt die vollständige Folge von „Alles Legal“ mit Jörg Streißle!

Autor

Dana Wondra
Dana Wondra

Dana studierte BWL in Greifswald und war fast 20 Jahre Marketingleiterin bei TOP Sportmarketing Berlin, u. a. für den Olympiastützpunkt. Seit 2022 ist sie Beraterin bei GOLT Coaching, seit August 2023 Senior Manager Marketing bei Payment & Banking.