Ja, wo laufen sie denn?

Ein Gastbeitrag von Marcus Nasarek, IT-Security-Analyst und seit den 90er-Jahren in unterschiedlichen Funktionen in der Payment- and-Banking-Branche tätig

Es ist es ein Moment wert sich daran zu erinnern, dass Bitcoins als Reaktion auf die Finanzkrise geschaffen wurden. In einer Krise, in der hoch-regulierte, renommierte weltweit agierende Finanzinstitute durch ihre spekulativen Finanzprodukte das weltweite Finanzsystem scharf an den Abgrund getrieben haben. Als Folge davon entwertet die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbanken dauerhaft die von Bankkunden getätigten Einlagen und wertet als sicher eingestufte Finanzprodukte wie Lebensversicherungen ebenfalls ab. Ein Ende dieser Situation ist nicht in Sicht.

Vor diesem Hintergrund sollten Pauschalaussagen, dass Kryptowährungen grundsätzlich eine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems darstellen, besser einmal zu viel als zu wenig hinterfragt werden. Auch sollte genau hingesehen werden, welche Akteure diese Aussagen zu welchem Zweck in den Markt rufen.

Ja, wo laufen sie denn?

Als Ende Oktober das Positionspapier des Bankenverbandes[1] herauskam, versprach dessen Titel, dass die privaten Banken in Deutschland einem digitalen Euro jenseits von Libra aufgeschlossen gegenüberstehen. Eine solche Offenheit der Banken ist enorm wichtig, da die deutsche und auch die europäische Finanzwirtschaft gerade dabei ist, technologisch den Anschluss an die neuen Entwicklungen, die von der Krypto-Industrie vorangetrieben werden, zu verlieren.

Während global agierende Banken wie beispielsweise die JP Morgan mit ihrem Interbank Information Network die Blockchain Technologie inzwischen produktiv nutzen, suchen deutsche Banken mit wenigen Ausnahmen noch nach ihrer Rolle, die sie in den zukünftigen Krypto-Ökosystemen einnehmen wollen.  Sie haben offenbar Schwierigkeiten, echte Mehrwerte in der Anwendung der Blockchain-Technologie zu sehen. Bisher hatte ich daher eher den Eindruck, dass Banken, wenn nicht ablehnend dann zumindest skeptisch auf einen digitalen Euro schauen. Der Titel des Positionspapiers stimmt daher umso erfreulicher, da er nun nach Aufbruchstimmung klingt.

Ja, wo laufen sie denn?

Die Ernüchterung folgt beim Lesen der ersten Position und verstärkt sich in den folgenden. Denn das Papier liefert keine Argumente, warum ein digitaler Euro benötigt wird und welche Vorteile sich dadurch für die Kunden der Banken ergeben könnten. Vielmehr ist von Gefahr die Rede und die Mehrheit der Positionen formuliert den Wunsch nach mehr Regulierung.

Eine Regulierung, die offenbar Facebook stellvertretend für die anderen amerikanischen Technologiekonzerne daran hindern soll, ihren technologischen Vorsprung nicht ungefragt nutzen zu können. Dies erstaunt, da die privaten Banken ansonsten doch eher markt-liberale Thesen vertreten.

Zudem erklärt das Papier nicht, welche Schieflage im Markt konkret besteht und warum Banken eine Vorzugsposition bei der Schaffung eines neuen krypto-basierten Zahlungssystems erhalten sollen. Vielmehr wird mit Verweis auf die zu verstärkende Regulierung gefordert, die neuen Entwicklungen solange abzuwehren, bis dass die Finanzindustrie in Europa ihren Rückstand aufgeholt hat. Ein Schelm, der diese Forderung “Protektionismus” nennen würde. Vielmehr werden so in den mehr als 20 Seiten umfassenden Erläuterungen vorranging die “German Angst” in Worte gefasst.

Die Positionen spiegeln einen dramatischen Zustand wider: Ohne aufzuzeigen, warum man es besser könnte, werden Forderungen wie strikteres Wettbewerbsrecht, mehr Regulierung und mehr Datenschutz dazu genutzt, die Verlangsamung der anderen Marktteilnehmer zu bewirken. Außerdem soll den potenziellen Wettbewerbern die Kompetenz entzogen werden, neue innovative Zahlungsparadigmen zu schaffen. Banken wollen rechtlich geschützt und ohne lästige Einmischung der Wettbewerbsbehörde (siehe Position 6) zuständig für den – ihrem Potenzial entsprechenden – Takt bei krypto-basierten Innovationen sein.

Gemessen an den Wenigen, die als Bank ernsthaft im Blockchain-Bereich nach neuen Anwendungen forschen, scheint diese Position doppelt erstaunlich. Denn sind Banken überhaupt in der Lage, die Konsequenz dieser Forderungen zu überschauen? Und vor allem: Ist ihnen die Natur einer dezentralen Kontoführung – die Übersetzung des Begriffs “Distributed Ledger Technology” – tatsächlich in aller Konsequenz klar?

„Sind Banken überhaupt in der Lage, die Konsequenz dieser Forderungen zu überschauen?“

Am Beispiel der Position 3 wird meine Skepsis vielleicht deutlich: “Die privaten Banken in Deutschland werden ihren Beitrag zu einem zukunftsfähigen innovativen Geldsystem leisten. Hierfür sollte ein programmierbarer digitaler Euro auf Konten- sowie Kryptobasis geschaffen und seine Interoperabilität mit Giralgeld sichergestellt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass eine gemeinsame europaweite Zahlungsverkehrsplattform für den programmierbaren digitalen Euro geschaffen wird.”

Grundsätzlich wird hier das programmierbare Konto als zukünftige Innovation gewürdigt. Programmierbar heißt, dass dem Konto vorgegeben werden kann, unter welchen Bedingungen Transaktionen ausgeführt werden. Das ist im Wesentlichen die Idee eines Smart Contracts angewandt auf die bestehenden Konten der Banken. Später soll dann auch einmal ein Krypto-Euro möglich werden, der die Regeln für seine eigene Verarbeitung zum Zahlungsempfänger mitbringt. Doch wieso ist hierfür eine europaweite Zahlungsverkehrsplattform erforderlich? Und wieso “Plattform” und nicht “Ökosystem”? Denn die Hinterlegung von Bedingungen, wann welche Transaktionen von welchem Konto ausgeführt werden sollen, betrifft zunächst einmal die bilaterale Kunde-Bank-Beziehung.

Diese Idee hätte vor 15 Jahren als Innovation funktioniert und passt gut in das zentrale Kontomodell. Wenn Banken ihren Kunden diese Möglichkeit tatsächlich einräumen wollten, hätte dies schon längst implementiert werden können – ganz unabhängig von Kryptosystemen. Es heute als Zwischenschritt zu bezeichnen bedeutet implizit, dass die Wirtschaft darauf warten soll, bis Banken irgendwann einmal mit entsprechenden Lösungen auf den Markt kommen.

Am Beispiel der Umsetzung der SEPA Lastschrift-Regeln kann man sehr schön sehen, was Banken tatsächlich gewillt sind, in die Praxis umzusetzen.Der Kunde hat zum Beispiel schon heute gesetzlich das Recht, Bedingungen für die Behandlung von Lastschriften auf seinem Konto festzulegen: Er kann sie auf einen bestimmten Betrag oder eine bestimmte Periodizität oder beides zu begrenzen, die Verarbeitung zur Prüfung bei Mandaten ohne Erstattungsrecht aussetzen und sämtliche von einem oder mehreren genannten Zahlungsempfängern veranlasste Lastschriften blockieren bzw. lediglich durch einen oder mehrere genannte Zahlungsempfänger veranlasste Lastschriften autorisieren. Beim Selbsttest hatte ich derartige Einstellungen im Online Banking nicht gefunden und auf Anfrage bat meine Bank doch bitte ein Fax mit meinen Regel-Wünschen zu schicken.

Im Firmenkundenbereich ist das Definieren von Bedingungen für die Verarbeitung von Zahlungen seit längerem in Form einer Papierschlacht bei einigen Banken möglich. Blockchain Technologie wäre aber heute schon für jeden verfügbar und Industriekunden könnten Smart Contracts zur Verwaltung ihrer Konten selbst formulieren. Es ist Kern der Sache, dass die Geschäftslogik in den Smart Contract eingebettet wird und auf das Grundgeschäft abzielt. Hier künstlich eine Kontrollfunktion für die Bank zu etablieren, würde bedeuten, die Bank zum Flaschenhals für Innovationen zu machen. Außerdem war es immer das Credo der Banken, nicht in das Grundgeschäft involviert zu werden. Eine Verkörperung des Grundgeschäfts sind beispielsweise elektronische Rechnungen.

Ja, wo laufen sie denn?

Ein Smart Contract könnte den Zahlungsauftrag automatisch auslösen, wenn die Lieferung erfolgt ist und die Inhalte der Rechnung der zugehörigen Bestellung entsprechen.

Die Kernforderung der Banken zielt darauf ab, die zentrale Kontenverwaltung aufrecht zu erhalten. Die Blockchain- bzw. Distributed Ledger Technologie entfaltet jedoch ihre Möglichkeiten in einem digitalen Wirtschaftsgefüge erst dann, wenn die Konten dezentral geführt werden und die Geschäftslogik zwischen den Teilnehmern auf Ebene des Grundgeschäfts vereinbart und dann als Bedingungen in die Transaktionsverarbeitung aufgenommen werden. Die zentrale Rolle der Bank als kontoführender Dienstleister und Verarbeiter der Transaktionen geht schlicht verloren. Maximal braucht es am Ende eine Schnittstelle zu einer staatlich regulierten Währung. Diese könnte grundsätzlich direkt von einer Zentralbank ausgegeben werden.

Welche Rolle verbleibt dann noch für die Banken?  Auf jeden Fall die Rolle des Kreditgebers. Da die herausgereichten Kredite auch mit den Einlagen der Kunden hinterlegt werden, stellt sich jedoch die Frage, wo diese Einlagen herkommen, wenn sie nicht mehr als Liquiditätsreserve für den Zahlungsverkehr benötigt werden. Aber auch heute schon muss eine Bank das Einlagengeschäft für ihre Kunden attraktiv gestalten, wenn sie diese Einlagen unter Berücksichtigung der Zinsbindung als Hebel für das Kreditgeschäft nutzen möchte. Somit könnten Kryptosysteme ebenfalls als Treiber für Innovationen im Einlagen- und Anlagegeschäft betrachtet werden.

Ja, wo laufen sie denn?

Am Ende bleibt ein schaler Nachgeschmack nach dem Lesen des Papiers. Ja, die Wirtschaft braucht mindestens ein digitales krypto-basiertes Zahlungssystem. Ja, Rechtssicherheit, fairer Wettbewerb und Verbraucherschutz sind wichtig. Aber Raketentechnik dürfte es keine werden, wenn Banken sich an das digitale Schaltpult setzen.

Als 2011 zum Beispiel klar wurde, dass der Zug im E-Commerce für Banken so gut wie abgefahren war, sollte eine gemeinsame Banken-Initiative es wieder richten. Das daraus entstandene PayDirekt konnte trotz politischem Rückenwind, zahlreicher guter Leute und genügend Geld den Rückstand jedoch nicht wieder einholen.

Die gesamte Energie und Aufmerksamkeit der Beteiligten wurde ausschließlich nach innen gerichtet. Nicht der Kunde oder die Zusammenarbeit mit anderen Lösungen, vielleicht sogar mit Technologie-Anbietern, sondern die Abgrenzung dazu standen im Fokus. So funktioniert Aufholen nicht. Und so funktioniert auch kein digitales Ökosystem. 

Viel lieber sollte man der Industrie mehr Kompetenzen zusprechen, um an Lösungen zu arbeiten, die der Markt wirklich braucht. Das Verständnis für globale Netzwerke ist dort längst angekommen. Und der strategische Fokus auf Kollaboration statt Konfrontation hilft allen Beteiligten bei der Positionierung im globalen Markt. In einem Ökosystem sollte sich jeder auf seine Stärken konzentrieren anstatt zu versuchen, seine Wettbewerber aus zu bremsen. Diese Einsichten würden Banken helfen, eine echte Partnerrolle gegenüber ihren Kunden einzunehmen, deren Mehrwert durchaus ein lukratives Geschäftsmodell rechtfertigt.

Also was genau sind denn die Chancen mit Blick auf einen Krypto-Euro und was sind die Lösungen, die die Welt heute braucht, um morgen fit für den Markt zu sein? Dazu habe ich die folgenden Thesen:

Die Welt ist ein Netzwerk.

Während diese Erkenntnis im Exportgeschäft und Transportindustrie schon seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Selbstverständlichkeit ist, kümmern sich deutsche Banken heute nicht wirklich um den grenzüberschreitenden Markt ihrer mittelständigen Geschäftskunden und deren Präsenz im E-Commerce. Auch wird das riesige Volumen von allein $50Mrd an Gebühren im globalen Remittance-Geschäft anderen überlassen. Mit einem Krypto-Euro würde man nur bis zur europäischen Grenze kommen, und das reicht einfach nicht.

„Deutsche Banken kümmern sich nicht wirklich um den grenzüberschreitenden Markt ihrer mittelständigen Geschäftskunden.“

Das Internet ist nicht deutsch und auch nicht europäisch, hier fehlt also ein benutzerfreundlicher on- und off-ramp zwischen verschiedenen Fiat und Krypto-Währungen und ein technologiegestützter Ausgleich fehlender Rechtssicherheit. Risikomanagement ist doch auch eine Kernkompetenz der Banken! Das ist bereits existierendes Geschäft, das aktuell überwiegend von internationalen Krypto-Börsen betrieben wird. Allein Binance, 2017 gegründet, hat im Q3 2019 einen Gewinn von $183M erwirtschaftet.

Ein digitales Ökosystem wird durch Kooperation und Zusammenarbeit definiert.

Krypto-basierte Systeme sind eine Folge von Kooperationen und open-source Projekten. Sie ermöglichen die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und eine konsequente Aufgabenteilung. Die Rolle der Bank reduziert sich auf das, was andere nicht besser können. Die Kontoführung und das Ausführen von Transaktionen brauchen in Zukunft keine zentralen Dienstleister mehr. Auch nicht die Vereinbarungen von Bedingungen für die Verarbeitung von Transaktionen. Das sind Prozesse, die bei der Blockchain-Technologie auf der Kundenseite und dessen Dienstleistern stattfinden.

Gleichwohl  fehlen hier noch einige Bausteine:  Risiko- und Fraud-Management, eine belastbare Überwachung mit dem entsprechenden Reporting, die Einhaltung von Sanktionsbestimmungen, die Schnittstelle zur Aufsicht und die Prozesse zur Umsetzung der regulatorischen Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Compliance (insbesondere Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung). Das sind alles Aufgaben, die eine Bank Partnern im Rahmen eines Banking-as-a-Service anbieten kann. Ein Partner-Netzwerk skaliert viel schneller und einträglicher, als ein Monolithischer “Ich-mach-das-alles-selbst” Ansatz.

Alles was sich in Regeln fassen lässt, wird durch Automation ersetzt.

Das ist ja die Erfolgsstory der Smart Contracts, die nicht nur bestimmte Abläufe, sondern eben auch Rollen im System automatisieren. Diese unscheinbare Entwicklung wirkt sich auf alle Zahlungssysteme im Allgemeinen aus, da sie letztendlich für Zahlungen zwischen zwei Parteien genutzt werden und es heute ohne zwischengeschaltete Intermediäre eben kaum anders geht.

Ja, wo laufen sie denn?

Wenn diese Parteien die Regeln nun leicht selbst bestimmen könnten, dann können sie auf Basis von Krypto-Systemen maßgeschneiderte Mikro-Schemes vereinbaren. Diese Mikro-Schemes passen dann für den konkreten Anwendungsfall besser als eine schnöde Überweisung per SEPA Credit Transfer Scheme, das nicht einmal Splitting, automatische (Teil-)Rücküberweisung, Pooling, Store&Forward und ähnliches unterstützt. Hier fehlt also ein leicht zu benutzendes System zur Beschreibung von Regeln für die Automatisierung von Transaktionen und die automatisierte Kontoverwaltung.

Die Bank hat hier keine konkrete Rolle neben einer beratenden und sollte diese auch nicht haben, da die Vielfalt an bilateralen Regelwerken im Rahmen des Grundgeschäfts definiert werden. Im Retailbereich könnte die Bank jedoch über beratende Rolle hinaus eine gestaltende Funktion einnehmen, indem sie die vereinbarten Regeln überprüft und diese standardisiert.

Die Zahl der Unbanked und Underbanked ist größer als 1,7 Mrd respektive 1,5 Mrd.

Ich fasse den Rahmen mit dem Begriff “underserved” viel größer als nur die Anzahl an Menschen ohne Bankkonto. Denn wenn selbst in Deutschland alle Bürger, Unternehmen und Verwaltungen glücklich mit ihrem Bankkonto wären, hätten Direktbanken keinen so großen Zulauf und den Begriff SME Banking würde es gar nicht geben. Und auch Technologie-Anbieter hätten keinen Anreiz, ständig neue Angebote für den ach so gesättigten Zahlungsmarkt zu entwickeln. In Europa gibt es einen riesigen Markt an Bargeld-Nutzern, Familienhaushalten, Jugendlichen, Selbstständigen und sozialen Netzwerken, die nur über Umwege ihre finanziellen Bedürfnisse umsetzen können. Ich gehe sogar soweit, dass die aktuellen Zahlungsinstrumente und wie diese genutzt werden können absolut nicht mehr alltagstauglich sind.

Man muss ja nur einmal eine Klassenfahrt organisieren um festzustellen, wie viele Zwischenschritte manuell erledigt werden müssen. WeChat greift diese Problematik direkt auf. Hier können bilaterale Krypto-Netzwerke ein viel besseres Angebot schaffen, da sie die sozialen Netzwerke und alle möglichen Anwendungsfälle 1:1 abbilden können. Was fehlt, sind benutzerfreundliche Schnittstellen zur darunter liegenden Technik, eine Verknüpfung zu echtem Geld (z.B. als E-Money) und besserer Schutz der Nutzer in Punkto Sicherheit und Datenschutz. Das ist aber eine Frage eines Angebots und nicht von mehr Regulierung.   

Das Konto wird dezentral und braucht neue Paradigmen für den Schutz der Einlagen

Ja, wo laufen sie denn?

Die dezentrale Kontoführung auf einer Blockchain heißt, dass Kunden ihre Einlagen nicht mehr an zentraler Stelle hinterlegen. Das ist aus Kundensicht tatsächlich weniger revolutionär als es klingt, da Kunden bereits heute die Legitimationsmittel zum Bankkonto mit sich herumtragen.s kommt praktisch auf dasselbe heraus: Anstelle in der Datenbank der Bank ist das Konto in der Datenbank im Krypto-Netzwerk und jeder, der die Legitimationsmittel zu diesem Konto hat bzw. kennt, kann Transaktionen ausführen. Auch wer, wann und wie darauf zugreifen soll, bestimmt der Kunde selbst. Der Unterschied wird jedoch sichtbar, wenn die Zugangsdaten verloren gehen. Bei einer Bank kann man sich erneut legitimieren lassen und erhält neue Zugangsdaten für das Konto.

Bei der Blockchain ist der Verlust der Zugangsdaten gleichzusetzen mit dem Verlust des Kontos. Allerdings erlaubt die Blockchain-Technologie auch einen vollautomatischen Schutz der Zugangsmittel: Multi-Signature ist das Stichwort, dass die Zusammenarbeit mehrer Parteien oder auch Maschinen für die Freigabe einer Transaktion oder der Neuerteilung eines neuen Zugangsmittels ermöglicht.

Was also fehlt, sind benutzerfreundliche Dienste für das Backup wie auch die Wiederherstellung von Zugangsmitteln. Dass so etwas funktioniert, zeigen Dienste wie Argent, ZenGo, Ledger Vault und viele andere. Anstellt von Konten, könnte eine Bank also Zugangsmittel verwahren bzw. die Wiederherstellung unterstützen, sprich: ihre Rolle als persönlicher Vertrauenspartner des Kunden zu verstärken

Es scheint fast wie eine Neuauflage von “Video kills the Radiostar”. Klar kann man ein Fußballspiel am Röhrenradio verfolgen und die emotionalen Schilderungen der Kommentatoren ist klasse Unterhaltung. Aber das Spiel mit eigenen Augen zu sehen, ist eben noch besser. Krypto-Netzwerke sind das Video unter den Radios.  Deshalb würde es allen Beteiligten – Technologie-Anbieter, Regulierer und Banken – guttun, nicht vorrangig auf die Risiken zu fokussieren, sondern auf Augenhöhe gemeinsam mit globalem Blick die Chancen der Kryptosysteme uneingeschränkt und konsequent zu nutzen.

Autor: Marcus Nasarek

Marcus Nasarek ist Payment & Banking Experte mit 20 Jahren an Erfahrung in globalen Zahlungssystemen, europäischer Regulierung und digitalen Geschäftsmodellen. Ursprünglich Physiker, Security Analyst, Bank-Lobbyist, Ex-PayPalian und nun CoFounder von eTonec, um die Blockchain & Crypto Industrie mitzugestalten.


[1] https://bankenverband.de/fachthemen/digital-banking/programmierbarer-digitaler-euro/

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

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