Das Wichtigste zum Schluss – Unsere Newsschau im März

In der Fintech-Welt wird es nie langweilig. Es wird gegründet, investiert und neue Produkte werden auf den Markt gebracht. Da fällt es manchmal schwer, den Überblick zu behalten. Ab sofort übernehmen wir das und fassen die wichtigsten Meldungen des zurückliegenden Monats in einem kompakten Überblick zusammen.

David kauft Goliath: Raisin übernimmt MHB-Bank

Wer Geld auf dem Konto hat, kann auch einkaufen gehen. Erst vor wenigen Wochen hat das Berliner Fintech Raisin (hierzulande vor allem bekannt unter der Marke „Weltsparen“) rund um Gründer Tamaz Georgadze stolze 100 Millionen Euro Funding eingesammelt. Anfang des Monats übernahmen die Berliner die Frankfurter MHB-Bank – und damit keine Unbekannten Die kleine Transaktionsbank mit 39 Mitarbeitern führt nämlich bereits die Verrechnungskonten, auf die Weltsparen-Kunden ihre Anlagebeträge einzahlen. Durch die damit nun übernommene Vollbank-Lizenz kann Raisin nun EU-weit leichter Finanzprodukte anbieten. Bereits 2017 hatte Raisin das Unternehmen PBF Solutions in Großbritannien übernommen. https://www.wiwo.de/unternehmen/banken/raisin-kauft-mhb-bank-erstes-deutsches-fintech-uebernimmt-geldhaus/24075936.html

Paydirekt erhält Finanzspritze

Rund 60 Millionen Euro schießen die Großbanken und Sparkassen in den Online Bezahldienstleister Paydirekt – und damit deutlich weniger, als erwartet. Die an Paydirekt gestellten Erwartungen blieben seit Start im Jahr 2015 zurück. Nur rund 2,2 Millionen Nutzer zählt das Unternehmen. Planen die deutschen Banken daher eine weitere Online-Bezahllösung? Nichts Genaues weiß man nicht, aber das Branchenportal finanz-szene.de will aus der Kreditwirtschaft solche Gerüchte bestätigt bekommen zu haben.

Das Wichtigste zum Schluss - Newsschau im März

Eigentlich war es das Ziel der deutschen Kreditwirtschaft, den Bezahldienst Paydirekt als in-AppLösung für das Smartphone auszurollen. Großbanken und die Sparkassen betonen jedoch zeitgleich, weiterhin an Paydirekt festhalten zu wollen. http://finanz-szene.de/22-03-19-banken-planen-neues-paydirekt-der-re-start-des-fintech-rats-solaris-alipay/

Amazon führt Monatsrechnungen ein und verzichtet auf Gebühr

Kauf auf Rechnungen waren bei Amazon schon immer möglich, allerdings entfiel dann eine Gebührt von 1,50 Euro. Diesen Betrag können sich Kunden beim e-Commerce-Riesen künftig sparen. Ab sofort bietet Amazon die gebührenfreie Sammelrechnung ein. Kunden können ihre Ware einen Monat lang sammeln und erst am Ende per Banküberweisung zahlen – ein kurzfristiger zinsloser Kredit macht es möglich. Die Monatsabrechnung steht generell nur Privatkunden zur Verfügung. Für die Nutzung der Option müssen Kunden eine Rechnungsadresse in Deutschland oder Österreich besitzen. https://www.golem.de/news/amazon-monatsabrechnung-alle-bestellungen-nur-einmal-pro-monat-bezahlen-1903-140166.html

Apple bringt Apple Card in den USA auf den Markt

Als die größte Innovation im Kartengeschäft seit 50 Jahren und als eine Kooperation, die das komplette Erlebnis einer Kreditkarte verändern werde, priesen Apple-Chef Tim Cook und David Solomon von Goldman Sachs Apples Kreditkarte an, die ab Sommer gemeinsam mit Mastercard zunächst in den USA kommen soll. Die notwendige Infrastruktur soll sich die amerikanische Großbank rund 200 Millionen Dollar kosten lassen.

Die Karte wird es sowohl virtuell und „in echt“ geben, soll aber keine Nummer und keinen Sicherheitscode tragen, sondern gespeichert in der virtuellen Geldbörse auf dem iPhone – und ist damit streng genommen weniger eine Karte als eine Integration eines neuen Dienstes in das iPhone.

Bei Zahlungen mit der Kreditkarte verspricht Apple die Rückzahlung von einem bis drei Prozent der Ausgaben. Die Idee solcher Cashback-Programme ist wahrlich nicht neu, so dass sich die Vorteile der Karte erst noch zeigen müssen. Klar aber ist, dass Apple die Nutzer über die Wallet App möglichst eng an das 2014 eingeführte Zahlungssystem Apple Pay zu binden versucht. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/apple-card-kreditkarte-goldman-sachs-1.4383569

Zalando schmeißt Apple Pay wieder aus dem Payment-Mix

Der Onlinehändler Zalando wirft Apple Pay nach nur drei-monatiger Testphase wieder aus seinem Payment-Mix. Offenbar war es mit dem Apple-Zahldienst nicht möglich, Gutscheine oder Geschenkkarten einzulösen, heißt es zu der Entscheidung. Gegenüber t3n begründet eine Zalando-Sprecherin den Schritt so: „Wir möchten unseren Kunden stets die bestmögliche Einkaufserfahrung bieten. Dazu gehören neben einer großen Auswahl an Produkten auch die Wahl unterschiedlicher Versandarten, Lieferung an Packstationen oder Paketshops sowie das Einlösen von Gutscheinen und Geschenkkarten. Bei der Zahlung mit Apple Pay sind diese Optionen jedoch aus technischen Gründen momentan nicht auswählbar.“ Wie viele Apple-Pay-Zahler es bei Zalando tatsächlich gab, wurde nicht kommuniziert. Ob der Service in den Shop zurückkehrt, ist unklar. https://t3n.de/news/zalando-apple-pay-1151557/

Wefox steigt mit Mega-Funding in die Top-Liga auf

Das Berliner Versicherungs-Start-up Wefox rund um Gründer Julian Teicke sammelt in einer weiteren Finanzierungsrunde 110 Millionen Euro ein. Zu den Investoren zählen die Mubadala Investment Company und deren neu aufgelegtem European Ventures Fund, Goldman Sachs und die chinesische Investmentgesellschaft Creditease sowie die Bestandsinvestoren AngelList, Horizons Ventures, Idinvest Partners, Seedcamp, Speedinvest und Target Global. Mit der Finanzierungsrunde ist Wefox in die Topliga der Fintech-Unternehmen in Deutschland aufgestiegen: Nur N26, Raisin und Kreditech sammelten bislang mehr Geld ein. https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/versicherungs-start-up-berliner-start-up-wefox-sammelt-rekordsumme-bei-investoren-ein/24066686.html?ticket=ST-1191873-JCAtdV7gZ1sADs9HvrKR-ap1

Digitaler Autoversicherer Friday erhält Kapital in einer neuen Finanzierungsrund

Das Wichtigste zum Schluss - Newsschau im März

Nicht nur Wefox konnte sich im Monat März über den neuen Kontostand freuen. Auch das Berliner Insurtech Friday erhält kräftig Anschub. Die Baloise Group, SevenVentures und German Media Pool investieren zusammen 114 Millionen Euro in Kapital und Medialeistungen, die sowohl bei der Produktentwicklung als auch beim Vertrieb entscheidend weiterhelfen sollen.

So will das Unternehmen mit einer verstärkten Medienpräsenz für mehr Bekanntheit sorgen, zum anderen will es noch in diesem Jahr eine weitere Sachversicherung anbieten. Friday hatte im vergangenen Jahr mit dem Produkt „Zahl pro Kilometer“ Aufsehen erregt. Nur die gefahrenen Kilometer sind entscheidend für die Prämie, die ein Kunde für sein Auto zahlen musste.
https://www.deutsche-startups.de/2019/03/07/friday-114-millionen/

Kooperation: Solarisbank und Alipay machen gemeinsame Sache

Die Berliner Solarisbank kooperiert ab sofort mit dem chinesischen Zahlungsanbieter Alipay. Vorerst wird sie Alipay-Zahlungen nur für Händler in Deutschland abwickeln – perspektivisch soll die Kooperation dann aber auch auf andere europäische Länder ausgeweitet werden. „Diese Zusammenarbeit birgt ein enormes Potenzial für alle Beteiligten“, sagt Solaris-Vorstand Roland Folz. Bislang wickelte nur der Finanzdienstleister Wirecard Zahlungen für Alipay ab. Es zählt mit rund 700 Millionen Nutzern zu den größten Bezahldiensten weltweit. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/solarisbank-berliner-fintech-bank-kooperiert-mit-alipay/24130450.html

Revolut gerät in die Schlagzeilen

Seit seinem Start im Jahr 2015 gilt das Fintech Revolut als eine britische Erfolgsgeschichte. Doch nun bekommt der gute Ruf Risse: Anfang des Monats berichtete das Tech-Magazin „Wired“ in einem Beitrag über die „menschlichen Kosten“ des rasanten Aufstiegs der Digitalbank“. Rasant stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Mitarbeiter von 150 auf mehr als 750.

Hinzu kommen jetzt Berichte über möglicherweise tausende illegale Überweisungen, die in den letzten Monaten unentdeckt geblieben sein sollen. Zwischen Juli und September 2018 soll Revolut sein System zur Geldwäscheüberwachung abgestellt haben, das verdächtige Transaktionen stoppen soll.

Es habe zu viele falsche positive Ausschläge gegeben, so  „The Daily Telegraph“ unter Berufung auf interne Unterlagen. http://www.manager-magazin.de/digitales/it/uk-fintech-revolut-vorwuerfe-zu-schlechter-geldwaeschekontrolle-a-1256186.html

FIS übernimmt Worldpay

Die Konsolidierung am Markt für Bezahldienstleistungen geht weiter: FIS will Worldpay übernehmen. Für 35,5 Milliarden Dollar will Fidelity National Information Services den Wettbewerber Worldpay kaufen. Nach erfolgtem Zusammenschluss der beiden großen Konzerne sollen Worldpay-Anteilseigner rund 47 Prozent und FIS-Aktionäre rund 53 Prozent am kombinierten Unternehmen halten. Im Januar dieses Jahres erst wurde First Data durch Fiserv für 22 Milliarden Dollar übertroffen. https://www.faz.net/aktuell/finanzen/worldpay-kurs-steigt-nach-uebernahmeangebot-16096917.html

Figo und Finreach fusionieren und planen neues Fintech

Figo und Finreach Solution bündeln ihre Kräfte und arbeiten künftig unter neuer Führung zusammen. Mit geeinten Kräften wollen die beiden Firmen eine internationale Plattform aufbauen. Beide Unternehmensstandorte in Berlin und Hamburg sollen erhalten bleiben. Die neue Firma wird von Markus Dränert, Cornelia Schwertner und Taner Akcok geführt. Rund 90 Mitarbeiter wirken nun für das Startup. Im Rahmen der Transaktion wird Finleap zudem „einen hohen siebenstelligen Betrag zur Finanzierung des weiteren Wachstums” in das fusionierte Unternehmen investieren. Figo-Anteilseigner wie Deutsche Börse und Berliner Volksbank sollen bei dem fusionierten Unternehmen an Bord bleiben, sich an der laufenden Finanzierung aber nicht beteiligen, hieß es.

Ein neuer Riese entsteht

Eine pan-europäische digitale Investitions- und Finanzierungsplattform für Unternehmen aller Größen, vom Startup bis zum Großkonzern – das soll das Ergebnis der Verschmelzung der österreichischen Crowdinvesting-Plattform Finnest und der finnischen Invesdor bringen. Das aus der Zusammenlegung der Angebote resultierende Serviceportfolio reicht von Equity und Anleihen über Börsengänge, Schuldscheindarlehen, syndizierte Kredite und Mezzanine-Kapital bis hin zu sonstigen Fremdkapitalinstrumenten.

Das Wichtigste zum Schluss - Newsschau im März

Das typische Finanzierungsvolumen liegt zwischen 250.000 und 25 Millionen Euro pro Emittent. Der Hauptsitz soll Helsinki sein, jedoch mit weiteren Büros in Wien, Stockholm und Bratislava. https://www.derbrutkasten.com/finnest-und-invesdor-ein-europaeischer-riese-der-online-finanzierung-entsteht/

Die Causa Wirecard: Entlastung durch externe Ermittler

Die Causa Wirecard beschäftigte die Gemüter auch im Monat März. Wochenlang stand das Unternehmen unter Verdacht, Umsätze in Asien manipuliert zu haben. Die Vorwürfe hatten den DAX-Konzern in schwere Bedrängnis gebracht, die Aktien fielen zeitweise um mehr als dreißig Prozent ihres Werts. Jetzt aber atmet das Management in der Konzernzentrale in Aschheim erst einmal aus. Denn: Man habe keine Hinweise auf ein sogenanntes „Round-Tripping“, also Scheinumsätze ohne geschäftlichen Hintergrund, oder auf Korruption gefunden, heißt es in einem Bericht der von dem Unternehmen beauftragen Kanzlei Rajah & Tann aus Singapur. Es gebe keine Erkenntnisse über ein mögliches strafrechtliches Vergehen. So ganz entlastet ist Wirecard jedoch noch nicht, denn möglicherweise hätten sich aber einzelne lokale Mitarbeiter in Singapur nach lokalem Recht strafbar gemacht, heißt es weiter. Die Story geht also weiter. Wirecard kündigte an, gegen die britische Zeitung „Financial Times“ Klage einzureichen und fordert nun Entschädigung für die Aktionäre. http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/wirecard-aktie-mit-kurssprung-konzern-sieht-sich-durch-kanzlei-rajah-und-tann-entlastet-a-1259752.html

Autor
Christina Cassala ist freie Wirtschaftsjournalistin aus Berlin und treibt sich dort seit vielen Jahren in der Gründerszene rum. Sie schreibt vor allem über Themen aus den Bereichen Private Equity, Finanzierungen, Start-ups und Fintech-Themen. mehr

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