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Die wichtigsten Fintech-News im Oktober

Proteste, Wahlen und Cyberrisiken: Im Oktober stehen viele Gewissheiten auf dem Prüfstand. Bei den Fintechs ging es ähnlich brisant zu. Über die wichtigsten News sprechen André Bajorat und Jochen Siegert.

André Bajorat und Jochen Siegert über die wichtigsten Fintech- und Payment-News im Oktober 2026
André Bajorat und Jochen Siegert besprechen die wichtigsten Fintech-News im Oktober 2026 – von S-Neo und dem Rennen um das Altersvorsorgedepot bis zu Revolut, Wero und dem Circula-Exit.

Erster Erfolg für S-Neo?

Die Sparkassen wollen im Wertpapiergeschäft stärker mitmischen. Mit ihrem Brokerage-Angebot S-Neo verzeichnen sie bereits einen Achtungserfolg. Seit Ende Juli wurden über 50.000 Depots eröffnet, womit das Jahresziel vorzeitig übertroffen wurde. Das Angebot zielt auf die zehn Millionen App-Nutzer ab, die bisher noch kein Wertpapierdepot bei ihrer Sparkasse führen. Parallel läuft der bundesweite Roll-out des Krypto-Angebots. Bis Ende des zweiten Quartals 2027 soll ein großer Teil der interessierten Sparkassen technisch angebunden sein.

Das Rennen um die Altersvorsorge nimmt Fahrt auf

Der Neobroker Trade Republic hat in diesem Monat ein kostenloses Altersvorsorgedepot ohne Depotgebühren oder Ausführungsentgelte für ETFs angekündigt – ein echter Paukenschlag bevor das AVD im neuen Jahr an den Start geht. Deutschlands Neobroker gründete sogar einen eigenen Lebensversicherer in Liechtenstein. Im Rennen ist er jedoch bei weitem nicht allein. Auch andere Anbieter wie Scalable Capital führen eine Erstattung der Produktkosten für ausgewählte ETFs ein. Neben den Neobrokern machen auch die Banken nun aggressive Preispolitik. Die ING wirbt auch mit einem kostenlosen Altersvorsorgedepot. 

Trade Republic geht es blendend

Dass Trade Republic wirtschaftlich inzwischen auf einem soliden Fundament steht, zeigen die jüngsten Geschäftszahlen: Der Umsatz kletterte im Geschäftsjahr 2024/25 auf 754 Millionen Euro, während der Jahresüberschuss auf 232,6 Millionen Euro sprang. Damit erreicht das Berliner Fintech erstmals seit der Gründung 2019 die Gewinnschwelle mit einem bilanziellen Gesamtgewinn von 86,2 Millionen Euro.

Cloud-Ausfall legt Revolut lahm

Ein Stromausfall in einem Londoner Rechenzentrum von Google Cloud sorgte am Dienstag für massive technische Störungen. Reiner Zufall: Während Revolut Einschränkungen im Zahlungsverkehr meldete, verzeichnete auch die ING mehrstündige Ausfälle im Onlinebanking, was jedoch an anderen Gründen lag. Google bestätigte gestern, dass die Stromversorgung wiederhergestellt wurde.

Revolut will Privatanleger zu VCs machen…

Für das Jahr 2027 plant die Neobank die Einführung eines neuen Geschäftsbereichs namens Revolut Ventures. In Kooperation mit der Carne Group soll die Expertise in den Bereichen Finanztechnologie und Fondsverwaltung gebündelt werden. Mit Revolut Ventures will Revolut berechtigten Privatanlegern Zugang zu Investments in nicht börsennotierte Technologieunternehmen ermöglichen.

Mastercard jetzt auch analog

Mastercard präsentiert eine Lösung für die seltene, aber lästige Funkstille beim Bezahlen. Die neuen Details zu Offline-Zahlungen in Europa nutzen bewährte visuelle Markenelemente und technische Spezifikationen. Damit sorgt der Konzern für Fortschritt bei der digitalen Infrastruktur ohne aktive Internetverbindung im europäischen Raum.

Wero dringt ins Abo-Geschäft vor und möchte Integration erleichtern

Über den Partner PPRO können Händler nun wiederkehrende Zahlungen per Wero abwickeln, wobei ein Limit von 150 Euro pro Woche gilt. EPI schließt damit eine weitere Lücke im Funktionsumfang von Wero. Bis zur Kreditkarte ist es zwar noch ein Stück, aber auch Abonnements rücken jetzt in Reichweite. Die EPI ist außerdem der Organisation nexo standards beigetreten. Durch die Nutzung von Protokollen auf Basis der ISO 20022 soll die technische Integration des Bezahlsystems Wero bei Händlern vereinfacht werden. Für das Jahr 2027 ist der Ausbau der stationären Zahlungen über verschiedene technische Infrastrukturen hinweg geplant.

War es das Ganze für die Volksbanken wert?

Über diese Zahl streitet sich die Payment-Szene: Rund 1,2 Millionen Kund:inne nutzen die bankeigene Girocard-Lösung der Volksbanken auf dem iPhone, die ohne Apple Pay auskommt. Möglich wurde dies durch die regulatorische Öffnung der NFC-Schnittstelle, auf die man jedoch Jahre warten musste. Die Institute müssen damit keine Gebühren an Apple zahlen. Für die einen sind die Nutzerzahlen ein ordentliches Ergebnis. Andere wiederum finden dies besonders angesichts der Nutzerzahlen der Sparkassen, die ihre Karten bereits 2020 auf Apple-Geräte brachten, als eher mickrig. 

Entlassungen bei Neoshare

Laut Finanz-Szene trennt sich das Kölner Fintech Neoshare von 100 Mitarbeiter:innen. An dem Startup sind einige große Volksbanken und Sparkassen beteiligt. Bei Neoshare reißen die schlechten Nachrichten wohl nicht ab. Bereits Anfang des Jahres war eine Tochtergesellschaft in die Insolvenz gerutscht.

Frisches Geld für Iwoca

Die Woche ist noch jung und los geht`s mit einer kräftigen Kapitalspritze, da sich das Fintech Iwoca neue Kreditlinien über 185 Millionen Euro gesichert hat. Gemeinsam mit ABN Amro und Neuberger soll das deutsche Geschäft bis Mitte 2028 auf eine Milliarde Euro anwachsen. Innerhalb eines Jahres verdoppelte das 2012 gegründete Unternehmen sein lokales Volumen bereits.

Circula-Gründer schaffen Exit an Personio

Das Berliner Ausgabenmanagement-Fintech Circula wird von Personio übernommen. Über den Kaufpreis schweigen beide Unternehmen, in der Branche ist allerdings von einem dreistelligen Millionenbetrag die Rede. Im Gespräch mit Payment & Banking erzählt Mitgründer Nikolai Skatchkov, warum der Verkauf gerade jetzt kommt, wie Circula nach schwierigen Jahren profitabel wurde und weshalb gleich ein halbes Dutzend Angebote auf dem Tisch lag.

Bafin nimmt Raisin enger an die Leine

Obwohl sich Tamaz Georgadze lange gegen den Schritt wehrte, stuft die Finanzaufsicht Bafin Raisin künftig als Finanzholding ein, fand das manager magazin heraus. Damit unterliegt das gesamte Fintech und nicht mehr nur die hauseigene Banktochter, sondern die gesamte Unternehmensgruppe der Kontrolle durch die Finanzaufsicht. Letztere geriet in der Vergangenheit bereits wegen Mängel bei der Prävention von Geldwäsche ins Visier der Aufseher.

Personalien bei Upvest, N26 und Starling

Quiron Cunha wechselt von Mondu zu Upvest als neuer Finanzchef. Er folgt auf Julian Lange, der zum FC Viktoria Berlin wechselte. Der neue CFO übernimmt die Verantwortung für anstehende Großprojekte des Unternehmens. Upvest wird aktuell mit einem hohen dreistelligen Millionenbetrag bewertet.

N26 präsentiert mit Marc Heß einen erfahrenen Finanzvorstand. Der 53-Jährige war zuvor bei der Postbank sowie der Aareal Bank tätig und komplettiert nun das Führungsgremium. Der Abschluss dieses Managementumbaus soll die Bank stärken, während die Aufsicht durch die BaFin weiterhin bestehen bleibt.

Ein ehemaliger Vorstand von einer anderen Neobank hat einen neuen Job. Jörg Howein geht als CPO zum britischen Fintech Starling. In der gleichen Rolle war er bis 2023 bei der Solarisbank unterwegs. 

Autor

Dana Wondra
Dana Wondra

Dana studierte BWL in Greifswald und war fast 20 Jahre Marketingleiterin bei TOP Sportmarketing Berlin, u. a. für den Olympiastützpunkt. Seit 2022 ist sie Beraterin bei GOLT Coaching, seit August 2023 Senior Manager Marketing bei Payment & Banking.