CBDC – Programmierbares Geld und mehr…

FinTech Podcast #268

Offenes, programmierbares Geld verändert die Art und Weise, wie wir Geld verstehen und verwenden. Es wird die Art und Weise reformieren, wie wir miteinander interagieren, und zwar in einer Weise, die zu neuen Effizienzen und Möglichkeiten führt. Sie wird es uns ermöglichen, das traditionelle Konzept des Geldes zu verbessern und die Art und Weise zu verändern, wie und wann wir Werte austauschen.

Man geht davon aus, dass sich das Konzept des Geldes über Tausende von Jahren entwickelt hat. Es diente als Repräsentation von Werten, die leichter transferiert werden konnten, und im Laufe der Jahrhunderte haben wir eine Entwicklung des Geldes von Metallmünzen über Papiergeld bis hin zu elektronischen Transfers erlebt – und werden nun programmierbar.

Die Anwendung moderner Technologie auf Geld verändert seine Natur. Die Kosten und die Komplexität der Geldschöpfung wurden mit der Einführung digitaler Technologien wie Blockchain und verteilten Kontenbüchern erheblich reduziert und demokratisiert. Sie hat es ermöglicht, Geld neu zu denken, wie es funktioniert, was es darstellt und wie es ausgegeben werden kann.

Bei Bitcoin und anderen Beispielen für nicht von der Regierung ausgegebene Kryptowährungen handelt es sich um ein gemeinsames Regelwerk für den Austausch von Werten, die durch einen Code geregelt werden, der kollektiv in offenen, gemeinsam genutzten Netzwerken ausgeführt wird. Diese Anwendung des Codes auf die Steuerung der Austauschregeln hat unser Verständnis von Geld verändert und neue Möglichkeiten eröffnet, die die Menschen erst jetzt zu schätzen beginnen.

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Es gibt heute viele Variationen von programmierbarem Geld. Kryptowährungen wie Bitcoin sind die bekanntesten, aber es gibt auch andere. Die Zentralbanken befassen sich aktiv mit der Frage, ob sie ihre eigenen digitalen Zentralbankwährungen einführen sollten. Facebook gründet eine Vereinigung zur Einführung einer Währung, die durch einen „Korb“ von Fiat-Währungen unterstützt wird. Walmart hat kürzlich den Versuch angekündigt, seine eigene digitale Währung patentieren zu lassen.

Es gibt zahlreiche Debatten darüber, ob das Geld der Regierung dem Geld der Nichtregierungsorganisationen überlegen ist und welchen Wert es letztendlich hat. Unabhängig davon, für welches Geld man sich entscheidet, ist es wichtig, einen Schritt zurückzutreten und sich der Auswirkungen bewusst zu werden, die sich daraus ergeben, dass die Regeln, die für Geld gelten, sobald es digitalisiert wurde, unabhängig davon, ob es souverän ist oder nicht, angepasst oder erweitert werden können.

Es gibt viele verschiedene Anwendungen von programmierbarem Geld, und viele weitere sind in der Konzeption.

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Die Herausforderung besteht darin, dass die meisten Bankensysteme heute relativ geschlossen und nicht standardisiert sind. Die Entwicklung von Software zur Automatisierung von Zahlungen würde den Zugang und die Erlaubnis für Transaktionen auf einer Vielzahl von Konten in verschiedenen Banken erfordern. Dies wird unüberwindlich komplex, schwierig zu bewerkstelligen und überhaupt nicht kosteneffizient.

Der große Unterschied zum Konzept des blockchaingesteuerten, offenen, programmierbaren Geldes besteht darin, dass Blockchains die Standardisierung vorantreiben. Diese Standardisierung reduziert die Kosten und die Komplexität, um darauf aufbauen zu können, und ermöglicht so Innovationen. Sie beseitigt auch Barrieren und verändert die Form und Art der Bankdienstleistungen.

Sind digitale Währungen und programmierbares Geld das Geld der Zukunft?

Central Bank Digital Currencies oder kurz CBDC, sind digitale Währungen, welche von Zentralbanken als Alternative zum Fiatgeld (physische Banknoten und Münzen) ausgegeben werden. Traditionell geben Zentralbanken Fiat-Währungen aus, das heisst Banknoten und Münzen, die in digitale Währungen umgewandelt werden. Das funktioniert im Zusammenspiel von Zentral- und Geschäftsbanken.

Gibt eine Zentralbank als Ersatz oder als Alternative zu Fiatgeld eine digitale Währung aus, entfällt der „Umweg“ über den Umtausch Fiatgeld gegen digitale Währung, die digitale Währung kann direkt als Aufbewahrungs- und Zahlungsmittel verwendet werden. Sofern Zentralbanken die Blockchain-basierte digitale Währung der Bevölkerung (und nicht nur Banken) zur Verfügung stellen, verlieren Banken und „Zwischenhändler“ ihre angestammte Rolle. Nutzer können ihr Vermögen direkt bei der jeweiligen Zentralbank hinterlegen.

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Im Gegensatz zu dezentralen Kryptowährungen wie Bitcoin und andere, bleiben CBDCs als digitale Währungen unter der Kontrolle der Zentralbanken und werden auch von diesen ausgegeben und verwaltet. Die digitale Währung eines Landes ist durch die Anbindung an die nationale Landeswährung nicht volatil wie Kryptowährungen, sondern genauso stabil wie die Fiat-Währung der jeweiligen Nation.

Im Kern ist eine digitale Landeswährung eine sehr flexible Variante der Fiat-Währung, welche den Zahlungsverkehr einfacher, schneller und kostengünstiger machen kann – national und international. Aktuell befassen sich zahlreiche Zentralbanken auf der ganzen Welt intensiv mit dem Thema.

Einordnung von programmierbarem Geld

Grundsätzlich können digitale, DLT-basierte Währungen von verschiedenen Stellen emittiert werden:

Von einer Zentralbank

Anstatt über das aktuelle System, basierend auf Accounts, können Zentralbanken gesetzliches Zahlungsmittel auch direkt über eine Blockchain/DLT emittieren.

Laut einer Umfrage der BIZ unter 66 Zentralbanken weltweit, arbeiten aktuell gut 80 % an einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC).
20 % der befragten Zentralbanken halten es für wahrscheinlich in den kommenden 1-6 Jahren eine CBDC auf den Markt zu bringen.
Die Riksbank in Schweden untersucht bereits seit Q3 2017 Anwendungsgebiete für eine eigene digitale Währung, e-Krona, und arbeitet noch bis Februar 2021 gemeinsam mit Accenture an einem ersten Piloten.

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China ist hier bereits weiter: nach dem Start des Projektes in 2014, ist das erste digitale Zentralbankgeld als Pilot mit den vier größten Commercial Banks diesen Monat live gegangen. Letzter Neuzugang ist Frankreich: Banque de France ruft offen dazu auf, Applikationen zum Testen einer Digitalwährung einzureichen.

Von einer privaten Organisation

Es geht hierbei in erster Linie darum, bestehendes und von Banken oder der Zentralbank geschaffenes Fiatgeld auf der Blockchain oder DLT abzubilden. Es lassen sich grob zwei Modelle unterscheiden:

E-Geld: Startups wie CashOnLedger bauen eine Brücke zwischen dem aktuellen Zahlungssystem und der DLT-Welt. D. h klassische IBAN Zahlungen werden durch die Technologie von CashOnLedger unter Nutzung einer E-Geld-Lizenz in einer DLT-Wallet abgebildet.

Stablecoins wie bspw. Libra: Stablecoins bringen nicht den EUR auf die Blockchain, sondern sie ermöglichen es, Coins zu erwerben, die auf der Blockchain/DLT sind und somit DLT- basierte Transaktionen ermöglichen. Es gibt verschiedene Ansätze, die die Stabilität und das Vertrauen in diese Coins ermöglichen sollen. Die Libra Association investiert bspw. 80 % der eingezahlten Gelder in kurzlaufende Staatsanleihen und hält 20 % als Cash oder in Geldmarktfonds.

Dezentral

Hierbei handelt es sich um Kryptowährungen, wie Bitcoin oder Ethereum, hinter denen keine zentralisierte Organisation steckt. Es besteht hier auch keinerlei Verbindung zum Fiatgeldsystem. Stattdessen werden neue/native Währungen emittiert.
Die klassischen Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, sind auch die einzigen Anwendungsbeispiele für eine echte, dezentrale, permissionless Blockchaintechnologie.

Zusammen mit Alexander Bechtel vom Bitcoin, Fiat & Rock’n’Roll Podcast spricht André in dieser Doppel/Cross-Folge über genau diese Einordnung von programmierbarem Geld und über mögliche Einsatzmöglichkeiten.

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Autor
Nicole Nitsche
Geboren 1982 im damals noch „sozialistischen” Rumänien, früh gereift unter der Höhensonne der bundesrepublikanischen Mittelschicht, lebt Nicole nach Umwegen über Marburg und Hamburg und jede Menge Abstechern im Ausland wieder in ihrer ursprünglichen Heimat Siegen. Nach diversen beruflichen Umwegen im... mehr

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