Bargeldversorgung in Deutschland – eine Übersicht

Die Bargeldversorgung in Deutschland ist sicher kein Problem. Denn Deutschland lacht, weil Bargeld lacht. In Europa gehört Deutschland zu den Top5 Bargeldländern. Während in Schweden nur noch 15 Prozent der Menschen bar bezahlen sieht es insbesondere in Griechenland (88 Prozent) und Spanien (87 Prozent) völlig anders aus. Deutschland steht an fünfter Stelle mit immerhin 80% der Deutschen zahlen regelmäßig bar. Die offiziellen Zahlen der Bundesbank sehen etwas anders aus, zeigen aber trotzdem die Liebe zum Bargeld in Deutschland eindrucksvoll: Im Schnitt führt jeder Deutsche 100 Euro Bargeld mit sich rum und mehr als 70% der Transaktionen am POS sind Barzahlungen und 48,6 Prozent der Umsätze werden mit Karte getätigt und 48,3 Prozent mit Bargeld (Stand 2018).

Where Cash is King - Quelle Statista
Where Cash is King – Quelle Statista

Bargeldversorgung und Geldautomaten in Deutschland

So weit nichts Neues. Welchen Preis Kunden für diesen “Luxus” zahlen und wie absurd gut die Bargeldversorgung in Deutschland ist, zeigt unsere neue Übersicht “Bargeldversorgung in Deutschland”. An ca. 57.800 Geldautomaten (Stand Mai 2015) können wir Deutsche uns mit Bargeld versorgen. Dazu kommt die Möglichkeit an über 12.000 Geschäften in Deutschland sich über das Barzahlen-Netzwerk zu versorgen und bei ca. 26.000 Geschäften im Zuge des Einkaufs mit Bargeld zu versorgen. Anders ausgedrückt: Vertreter der Fraktion “Nur bares ist wahres” brauchen keine Angst zu haben, denn diesen in Summe fast 100.000 Möglichkeiten in Deutschland Geld abzuheben. Auch die Nachteile von Bargeld, angefangen von der Tatsache, dass jede Geldnote ein Bazillenmutterschiff ist, bis hin das es keinen Sinn ergibt ein Kartenterminal in die Luft zu sprengen, sind hinreichend bekannt.

Wer den Preis zahlt für die Bargeldversorgung und Geldautomaten zahlt

Für die Bargeldversorgung braucht es vor allem Geldautomaten. Einmalige Kosten sind die Anschaffung von Geldautomaten. Da man die Dinger nicht im Media Markt kaufen kann und es auch keine Amazon Warehouse-Deals gibt kosten die etwas. Im Durchschnitt 20.000 Euro. Also ein Geldautomat. Dazu kommen monatliche Betreibungskosten von 2.000 Euro, was im Jahr noch mal 24.000 Euro ausmacht. Laut dem BKA müssen ca. 350 Geldautomaten jedes Jahr neu angeschafft werden, weil die alten explodiert sind, bzw. gesprengt wurden. Da Geldautomaten ja nicht von der Heilsarmee gestellt werden, werden diese Kosten auf den Kunden umgelegt. Nicht auszudenken was eine weitestgehend bargeldlose Gesellschaft an Kosten einsparen würde. Vom CO2 Fußabdruck mal ganz zu schweigen, wenn man mal eben zum nächsten Geldautomaten fahren muss, um Geld zu holen. Und selbst wenn man nicht mit dem Auto hinfährt: Frisches Geld wird ja nicht mit der Brieftaube zum Automaten gebracht.

Photo by Kolar.io on Unsplash

Fazit

Was weniger bekannt ist, sind die Kosten die durch eine fast lückenlose Bargeldversorgung in Deutschland entstehen.

Wir dürfen uns in Deutschland nicht wundern, das so wenig bar bezahlt wird oder Geldautomaten gesprengt werden, wenn an jeder Ecke einer steht. Kartenzahlung wird spätestens dann von den Kunden gefordert, wenn der nächste Geldautomat nicht 100 Meter weit weg ist, sondern 15 Kilometer. Ausrede meines Friseurs: Sorry hier kannst Du nicht mit Karte zahlen, aber da vorne ist ein Geldautomat. Solange wir es den Menschen so leicht machen nicht nur bar zu zahlen, sondern Dienstleistern und Händlern keinen Grund bieten Karte zu akzeptieren, wird es noch lange dauern bis zu einer barlosen Gesellschaft.

Stand 03.02.20 – Download als hochauflösende PDF.

Bargeldversorgung via Cashpool

ca. 3.200 Geldautomaten in Deutschland

Mitglieder

  • Bank für Sozialwirtschaft, Köln
  • Bank Schilling & Co., Hammelburg
  • Bankhaus Bauer, Stuttgart
  • Bankhaus J. Faisst, Wolfach
  • Bankhaus Max Flessa, Schweinfurt
  • Bankhaus Hafner, Augsburg
  • Bankhaus Gebr. Martin, Göppingen
  • Bankhaus E. Mayer, Freiburg im Breisgau
  • Bankhaus Neelmeyer, Bremen
  • Bankhaus C. L. Seeliger, Wolfenbüttel
  • Bankhaus Ludwig Sperrer, Freising
  • BBBank, Karlsruhe
  • Berenberg Bank, Hamburg
  • Degussa Bank, Frankfurt am Main
  • Donner & Reuschel, Hamburg
  • Fürstlich Castell’sche Bank, Würzburg
  • Gabler-Saliter Bankgeschäft, Obergünzburg
  • Merkur Bank, München
  • National-Bank, Essen
  • Oldenburgische Landesbank, Oldenburg (Oldb)
  • Pax-Bank, Köln
  • Santander Consumer Bank, Mönchengladbach
  • Sparda-Banken (alle 11 Banken des Verbunds)
  • Steyler Bank, Sankt Augustin
  • Südwestbank, Stuttgart
  • Targobank, Düsseldorf

Volks- und Raiffeisenbanken 

ca. 18.000 Geldautomaten in Deutschland

Mitglieder

Alle 875 Volks- und Raiffeisenbanken

Sparkassen

ca. 24.600 Geldautomaten in Deutschland

Mitglieder

Alle 385 Sparkassen

ING 

Ca. 1.200 eigene Geldautomaten

Arbeitsgemeinschaft Geldautomaten

Ca. 4.000 Geldautomaten 

Mitglieder

  • Bankhaus August Lenz
  • Cardpoint
  • IC Cash Services
  • NoteMachine Deutschland
  • transact Elektronische Zahlungssysteme


Bargeldversorgung via Cash Group

ca. 9.000 Geldautomaten in Deutschland + 1.300 Shell-Tankstellen

Mitglieder

  • Deutsche Bank
  • DB Privat- und Firmenkundenbank
  • Postbank
  • Norisbank
  • Commerzbank
  • Comdirect Bank
  • Unicredit Bank (Hypovereinsbank)

Barzahlen bietet Bargeldversorgung

Bargeldabhebung via App bei ca. 12.000 Filialen in Deutschland, unabhängig von der Kartenzahlung

Mitglieder (Filialen)

  • REWE (3.300 Filialen)
  • dm (2.000 Filialen)
  • PENNY (2.148 Filialen)
  • ROSSMANN (2.196 Filialen)
  • real
  • OMV (270 Tankstellen)
  • mobilcom debitel (560 Filialen)
  • Budni (154 Filialen)
  • Ludwig Eckert (63 Filialen)
  • Adams Barbarino (30 Filialen)
  • toom (330 Filialen)

Mitglieder (Banken)

N26
DKB
bunq
GRENKE
Sparda-Bank
TargoBank
fidor Bank
Sparkasse Worms-Alzey-Ried
O2 Banking
Bankomo

Die Bargeldversorgung im Handel

Im Zuge des Einkauf bei Bezahlung mit der Girocard bei ca. 26.000 Filialen

Mitglieder (Filialen)

  • Rewe (ab Einkaufswert 10 Euro / 3.300 Filialen)
  • Aldi (ab Einkaufswert 5 Euro / 4.200 Filialen)
  • Lidl (ab Einkaufswert 5 Euro / 3200 Filialen)
  • dm (unabhängig vom Einkaufswert / 2.000 Filialen)
  • Edeka (ab Einkaufswert 10 Euro / ca. 11.000 Filialen)
  • Penny (ab Einkaufswert 10 Euro / 2.148 Filialen)
  • Globus (ab Einkaufswert 10 Euro / 130 Filialen)
Autor
Maik Klotz
Maik Klotz ist Berater, Sprecher und Autor zu den Themen Banking, Payment und Retail. Seit vielen Jahren berät Maik Unternehmen zu kundenzentrierten Innovationsmethoden und der Fokussierung auf den Nutzer. Maik ist Co-Founder von Payment & Banking. mehr

7 Kommentare

Sandro
Sehr schöner Artikel. Die hohen Anschaffungskosten waren mir noch gar nicht bewusst. Solange man als Kunde kostenlos Bargeld abheben kann, wird sich wohl auch nicht viel ändern. Möge die Bequemlichkeit eines Tages siegen.
15. März 2020
https://www.bundesbank.de/resource/blob/776464/7bcafc28a7be62b503fb4c39440f92db/mL/kosten-der-bargeldzahlung-im-einzelhandel-data.pdf Im Schnitt 0,24 EUR pro Transaktion bzw. ca. 1,8%
27. Februar 2020
Stefan Sulistyo
Was sind denn nun die durchschnittlichen prozentualen Kosten von Bargeldtransaktionen?
27. Februar 2020
Die Kosten des Bargeldhandlings sind meist Opportunitätskosten – d.h., dass sie im Fixkostenblock enthalten sind und nicht gesondert ausgewiesen werden und somit bei einer Betrachtung der Kosten der Zahlungsvarianten nicht berücksichtigt werden.
Agree! Das gilt jedoch nur für kleinere Händler. Große Ketten können die Kosten ganz klar ausweisen, weil da ein Geldtransport vor die Tür fährt ;-) Für den Händler sollte es auch einen Anreiz sein, das Geld nicht einmal Tag / Woche aufs Konto zu bringen. Und 2 EUR pro 100 EUR sind arg übertrieben
27. Februar 2020
Scio nescio
Der Ansatz, das Zahlungsverhalten aus Nutzersicht zu sehen ist sicher löblich und wie beschrieben ist die flächendeckende Versorgung mit Bargeld sicher ein Aspekt, für die Popularität von Bargeld in Deutschland. Allerdings sollte man m.E. auch die Sicht der Händler, Restaurants etc. nicht ganz außer Acht lassen. Die Kosten des Bargeldhandlings sind meist Opportunitätskosten - d.h., dass sie im Fixkostenblock enthalten sind und nicht gesondert ausgewiesen werden und somit bei einer Betrachtung der Kosten der Zahlungsvarianten nicht berücksichtigt werden. Die Kosten von Kartenzahlungen kann man hingegen bei jeder Abrechnung sehen, wenn von 100 Euro Umsatz nur 98 auf dem Konto landen. Solange die Banken, die offensichtlich die Kosten für das Bargeldhandling auf alle Kunden gleichmäßig verteilen und den Händlern, Restaurants etc. keine explizit ausgewiesenen Gebühren für das Bargeldhandling berechnen, dieses Vorgehen nicht ändern, gibt es für die Händler auch keinen Anreiz, Kartenzahlungen zu fördern. Im Gegenteil für sie ist die Zahlung mit Bargeld vermeintlich attraktiver. (ausgeblendeter Anteil an den fixen Kosten vs. sichtbarer Kreditkartengebühr) Die ganze Diskussion ist meist sehr auf die Sichtweise des Zahlenden fokussiert. Die Sichtweise des Zahlungsempfängers wird m.E. in der Diskussion sehr oft vernachlässigt, obwohl sie auch etliche Ansatzpunkte bietet.
27. Februar 2020
Die Kosten, die durch eine Barzahlung entstehen (neben dem ökologischen Fußabdruck) sind am Ende immer höher, als die einer digitalen Transaktion. Denn auch eine Barzahlung wird am Ende digital verbucht. Mehr noch, Bargeldversorgung erzeugt mehr Buchungen, da Bargeld ein- und wieder ausgezahlt werden muss. Zum Thema "gläsener Kunde": es gibt keine Verknüpfung zwischen Terminal und Kasse was den Warenkorb betrifft. Ein Händler kann also keine Zuordnung machen zwischen dem Einkauf und Kartenzahlung. Bei mobilen Zahlungen wie zb. Apple Pay wird ein Token übermittelt auch hier weiß der Händler nichts. Der Kartenherausgeber hat mehr Informationen, aber hier gilt im Zweifel die DSGVO. Und das Gesetzt hilft nur dann, wenn es darum gehen würde Bargeld abzuschaffen. Aber der Kunde hat (zum Glück) Wahlfreiheit und immer mehr entscheiden sich für das sinnvollere Zahlungsmittel und das ist aus einer nutzerzentrierten Sicht nicht das Bargeld
27. Februar 2020
Da Sie laut Ihrer Selbstdarstellung sich auf den Nutzer fokussieren, erlauben Sie den Hinweis, dass Sie einen Aspekt vollständig außen vor lassen, den ich daher ergänzen möchte: Natürlich verursacht Bargeld Kosten, die sich auch ganz gut in Euro abschätzen lassen. Die Nutzung von bargeldlosen Zahlungswegen verursacht auch Kosten: in Euro und - weniger gut zu ermessen - in Daten, die der so Zahlende seinem Zahlungsdienstleister offeriert / offerieren muss. Diese Datenkosten kann man sicherlich sehr unterschiedlich beurteilen. Aber wer nicht gläserner Zahlungsbürger werden will, sollte ruhig weiter Bargeld nutzen. Nebenbei lohnt auch ein Blick ins Gesetz: Der Euro als Bargeld ist das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in der EU. Mit bargeldorientierten Grüßen Carl-Dietrich Sander
27. Februar 2020

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