Applekalypse! Das vermeintliche Ende der Multi-Banking-Apps

Für einen kurzen Moment stand die Welt still und Multi-Banking-Apps standen vor dem Aus. Grund dafür war Apples Veröffentlichung der neuen App Store Richtlinien und die damit einhergehende Änderungen. Nichts weniger als das Aus aller Multibanking-Apps stand zur Diskussion. Das Ende von Outbank, finanzblick, Finanzguru und Co schien eine besiegelte Sache. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, das Apple restriktiv die Entwickler der Welt gängelt und so wurden schnell Analogien zur Blockadehaltung in Bezug auf Öffnung der NFC Schnittstelle für mobile Bezahlverfahren. Während letztere trotz Einmischung der Regierung inzwischen bei den Banken doch kein Thema mehr ist (seitdem sie von Apple Pay profitieren) kam es letzte Woche dann zum vermeintlichen Aus aller Multibanking Apps. Doch was war passiert?

Multi-Banking-Apps: Änderungen der App Store Richtlinien

Der Stein des Anstoßes sind die neuen Aussagen im Abschnitt 3.2.1(viii) der App Store Richtlinien in denen es jetzt heißt: 

Apps, die für den Finanzhandel, die Geldanlage oder die Geldverwaltung verwendet werden, sollten von dem Finanzinstitut stammen, das diese Dienstleistungen erbringt.

Diese Änderung gab Anlass zur Diskussion. Denn wenn man etwas soll, dann fühlt es sich wie müssen an und so führte die Änderung bei dem ein oder anderen Anbieter von einer 3rd Banking App zu Unruhe. Aber nicht nur dort, auch Banken sahen sich gezwungen intern zu prüfen, was diese Richtlinie denn nun genau zu bedeuten hat. Denn nicht wenige Banken bietet ihren Kunden eine Multibanking-Funktion an, die ja dann auch nicht mehr möglich wäre. Überhaupt wären Kooperationen mit z. B. Fintechs schwieriger. Wäre ein Kontowechselservice noch OK? Darf man künftig an der Trading-Schnittstelle eines Fintechs andocken? Fragen über Fragen. Denn vorher war die Richtlinie offener, fast freundlicher formuliert. Da hieß es nämlich:

Multi Banking Apps
Kommt das Ende vom Multi-Banking? (Foto von Markus Winkler)

Und nun? Nichts genaues weiß man nicht. Was man aber weiß, ist das, was in den neuen Richtlinien steht. Zum einen steht dort nicht, das etwas explizit untersagt wurde. Das Weglassen einer Option ist nicht das Verbot einer solchen. Zum anderen steht da sehr deutlich “sollten von dem Finanzinstitut stammen, das diese Dienstleistungen erbringt“. Sollten ist nicht müssen. Das nicht erwähnen einer Option bedeutet kein Verbot von Multi-Banking-Apps und Apple hat gegenüber Heise geäußert, das “die Regeln für Finanz-Apps bleiben gleich, die aktualisierte Fassung solle dem besseren Verständnis dienen”. Jetzt kann man natürlich den Spekulatius auspacken und die große Verschwörung (t)wittern, oder eben die Kirche im Dorf lassen. 

Fazit

Externe 3rd-Party Apps dürfen im schlimmsten fall keine öffentliche Schnittstelle mehr nutzen, sondern „müssen“ offizielle APIs nutzen. Das ist aber ohnehin in der PSD2 geregelt. Deshalb: Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix. International wird das Thema übrigens nicht weiter beachtet und auch da gibt es Lösungen wie z. B. mint.com, die davon betroffen wären, dort hört man dazu nichts. Vor allem stellt sich die Frage: Was hätte Apple davon das einzuschränken? Natürlich hat Banking Alltagsrelevanz, natürlich kann man sich in einem Ökosystem alles Mögliche vorstellen, aber hat Apple Apps wie Stocard verboten um die eigene Wallet stark zu machen? Hat Apple etwa Spotify verboten um die Menschen in Apple Music zu drängen? Ist Netflix aus dem Store geflogen, weil es Apple TV+ gibt? Nein. Natürlich nicht. Deshalb wird es weiterhin Multibanking-Apps geben. Und schaut man sich die Verbreitung der Apps einmal an, kommt unweigerlich der Gedanke ”was stört es die Eiche, wenn sich die Sau daran kratzt“. 

Autor
Maik Klotz
Maik Klotz ist Berater, Sprecher und Autor zu den Themen Banking, Payment, Digital Identity, E-Commerce und Retail mit starkem Fokus auf "mobile". Seit vielen Jahren berät Maik Unternehmen zu kundenzentrierten Innovationsmethoden und der Fokussierung auf den Nutzer. Er wurde von... mehr
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