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Agentic Commerce gestaltet den Kaufprozess neu

Mit Agentic Commerce entwickelt sich KI von einer Technologie, die Verbrauchern Kaufempfehlungen gibt, zu einer, die in ihrem Auftrag handelt. Für europäische Händler entsteht damit ein neuer Point of Purchase - und es stellen sich neue Fragen zu Identität, Berechtigung und Vertrauen.

KI-Roboter drückt digitalen „Buy”-Button vor einer vernetzten Weltkarte mit Währungssymbolen – Nuvei Symbolbild für Agentic Commerce und globale Zahlungsinfrastruktur
Symbolbild von Nuvei: Ein KI-Agent löst eigenständig einen Kauf aus – Agentic Commerce verändert den Point of Purchase und stellt neue Anforderungen an Identität, Mandat und Vertrauen.

Bei den meisten digitalen Handelsinteraktionen zwischen Unternehmen und Verbrauchern sucht der Kunde, vergleicht, entscheidet sich und autorisiert schließlich eine Zahlung. Agentic Commerce soll diesen Prozess verkürzen. Ein Verbraucher könnte einen Agenten beauftragen, einen Flug innerhalb eines bestimmten Budgets zu finden, ein Produkt nachzubestellen, wenn es aufgebraucht ist, oder einen Kauf auszulösen, sobald der Preis unter einen festgelegten Schwellenwert fällt. Mit der Zeit kann der Agent selbst zum Point of Purchase werden.

Für den Zahlungsprozess verändert das die Transaktion. Es reicht nicht mehr aus zu wissen, dass die verwendeten Zahlungsdaten gültig sind. Zahlungssysteme müssen zunehmend erkennen, welcher Agent handelt, ob er legitim ist, was der Kunde autorisiert hat und ob eine Transaktion durch dieses Mandat gedeckt ist.


Vertrauen bestimmt das Tempo von Agentic Commerce

Dieser Wandel wird kaum auf einmal stattfinden. Nuveis Studie How Agents Pay, für die US-Verbraucher befragt wurden, liefert einen ersten Hinweis darauf, warum. Während 58 % KI bei der Produktsuche und beim Preisvergleich als nützlich ansehen, fühlen sich nur 28 % damit wohl, wenn KI einen Kauf automatisch abschließt. Mehr als die Hälfte (56 %) würde KI nach eigener Aussage niemals ohne vorherige Zustimmung Geld ausgeben lassen. Diese Ergebnisse stammen aus den USA, doch der grundlegende Unterschied zwischen Unterstützung und finanzieller Autonomie ist auch für europäische Händler relevant.

Auch Europa bietet einen wichtigen Kontext für diesen Wandel. Die Leitlinien der Europäischen Kommission zum EU AI Act verdeutlichen, wie wichtig Transparenz wird, wenn KI mehr Verantwortung übernimmt. Auch bei Zahlungen durch KI-Agenten wird es entscheidend sein, dass Verbraucher die Kontrolle behalten: Sie müssen festlegen können, was ein Agent kaufen darf, wie viel er ausgeben kann und wann eine zusätzliche Freigabe erforderlich ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Customer Journey von Agenten gesteuert wird. Agentic Commerce ist ein weiterer Kanal in einem zunehmend fragmentierten Mix, zu dem bereits E-Commerce, Apps, Marktplätze, Social Commerce und stationäre Geschäfte gehören. Händler sollten Agentic Commerce daher als Teil der gesamten Customer Journey betrachten, statt ausschließlich für KI-Agenten eine separate Strategie zu entwickeln.

Von der Theorie zu realen Transaktionen

Der Wandel hat bereits begonnen. Nuvei hat in Europa im Rahmen eines Live-Proof-of-Concepts mit Visa, Arvato Systems und Kings & Priests erfolgreich eine erste Live-Transaktion abgeschlossen. Ein KI-Agent initiierte dabei einen Kauf und schloss diesen eigenständig erfolgreich ab. Mehrere europäische Issuer waren beteiligt. Zu den vom Kunden festgelegten Kontrollmechanismen gehörten Ausgabenlimits und freigegebene Kategorien.

Dieselbe Technologie lässt sich bereits einsetzen, bevor autonomes Einkaufen zum Mainstream wird. Agenten können dabei helfen, die Payment-Performance und das Routing zu analysieren, Risikosignale zu untersuchen, operative Prozesse wie Zahlungsabgleich und Ausnahmebearbeitung zu automatisieren und Kundenservice-Teams bei der Klärung von Zahlungsproblemen zu unterstützen. Das kurzfristige Potenzial geht daher weit darüber hinaus, einen KI-Agenten einkaufen zu lassen.
Langfristig laufen diese Entwicklungen zusammen. Agenten, die für Verbraucher, Händler und Finanzinstitute handeln, müssen miteinander interagieren. Zahlungen werden dabei zum ausführenden Bindeglied zwischen einer Anweisung und einer Transaktion. Das setzt voraus, dass Identität, Berechtigung und Verantwortlichkeit mit der Zahlung verknüpft bleiben.

Zahlungsinfrastruktur für einen weiteren globalen Kanal vorbereiten

Für Händler sollte das Ziel nicht darin bestehen, vorherzusagen, welche KI-Plattform oder welches Protokoll sich durchsetzen wird. Entscheidend ist, Agentic Commerce in eine Zahlungsstrategie zu integrieren, die über alle Kanäle hinweg zuverlässig funktioniert.

Dafür müssen Händler vertrauenswürdige Agenten erkennen, vom Kunden erteilte Mandate verstehen und durchsetzen, tokenisierte Zahlungsdaten und programmierbare Kontrollmechanismen unterstützen und Autorisierungen lückenlos dokumentieren. Diese Fragen beschäftigen bereits die Finanzbranche. Reuters berichtete, dass große Banken mit Blick auf die Entwicklung von KI-Einkaufsagenten vor Betrugsrisiken warnen. Zudem sehen sie offene Fragen beim Datenschutz, bei der Transparenz und bei den Möglichkeiten für Verbraucher, Ansprüche geltend zu machen.

Für international tätige Händler kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Agentic Commerce kann Produkte nahezu augenblicklich weltweit auffindbar machen, doch die Payment-Performance bleibt lokal. Ein deutscher Händler kann von einem Agenten entdeckt werden, der für einen Kunden irgendwo in Europa handelt. Ob der Kauf tatsächlich abgeschlossen wird, hängt jedoch weiterhin von lokalen Zahlungspräferenzen, Währungen, Acquiring, Authentifizierung und Risikobedingungen ab.

Langfristig geht die Entwicklung daher in Richtung eines Payment-Layers, der vertrauenswürdige Agenten über verschiedene Protokolle hinweg mit der jeweils passenden Zahlungsart in jedem Markt verbindet und zugleich mit allen anderen Kanälen funktioniert, über die Kunden einkaufen. Agentic Commerce verändert die Schnittstelle. Für Händler besteht die größere Herausforderung darin, sicherzustellen, dass das zugrunde liegende Zahlungserlebnis überall funktioniert, wo Handel stattfindet.
Meta-Beschreibung: Agentic Commerce verändert Europas Zahlungsverkehr. So bereiten Händler ihre Zahlungsinfrastruktur auf KI-Agenten und globales Wachstum vor.

Autor

Anel Spahovic
Anel Spahovic

Anel Spahovic ist VP Sales DACH bei Nuvei und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Payment- und Fintech-Branche in EMEA und der DACH-Region. Seine Expertise umfasst digitale Zahlungen, grenzüberschreitenden Handel und Finanztechnologie.