Wem gehört die Kundenschnittstelle? Open Finance kommt auch ohne FiDA
FiDA stockt, doch Open Finance entwickelt sich weiter. Knut Besold von KPMG spricht über KI, die Altersvorsorgereform und den Kampf um die Kundenschnittstelle.
16 Apps auf dem Handy, ein Versicherungsordner im Schrank und einmal im Jahr eine Mail, dass irgendwo ein neues Dokument liegt. So sieht Finanzmanagement 2026 für viele aus. In der neuen Folge von „Schnittstelle“ sprechen wir mit Knut Besold, Partner im Bereich Financial Services bei KPMG, über Open Finance, die Altersvorsorgereform und die EUDI-Wallet. Drei Themen, die sich schlechter trennen lassen als ihre Projektpläne. Julian hat mal wieder seinen Versicherungsordner mitgebracht und außerdem 16 Apps auf dem Handy, die irgendwas mit Geld zu tun haben.
Open Finance braucht keine Verordnung mehr
FiDA ist nicht tot, aber auffällig still. Seit Juni 2025 hat kein Trilog mehr stattgefunden, im Arbeitsprogramm der Kommission steht der Vorschlag weiter als anhängig. Am Thema selbst ändert das wenig, denn der Bedarf der Kundinnen und Kunden bleibt und die Anbieter decken ihn eben anders. Das Werkzeug dafür heißt heute KI. Wer Dokumente als PDF oder Scan bekommt, lässt ein Modell darüberlaufen und hat die Daten. Eine echte Schnittstelle ist das nicht, die Kundenschnittstelle besetzt es trotzdem. Wir diskutieren, was das für Häuser bedeutet, die auf ein Gesetz gewartet haben, und warum Marvin an dieser Stelle trotzdem für Regulierung argumentiert.
Die Altersvorsorge wird zum offenen Wettbewerb
Seit Mai steht das Altersvorsorgereformgesetz im Bundesgesetzblatt, zum Januar 2027 gilt es. Damit kommt das Altersvorsorgedepot ohne Garantie, und Banken sowie Asset Manager treten mit eigenen Produkten in ein Feld, das lange den Versicherern gehörte. Dazu kommt die Frühstartrente, die das Kabinett im August beschlossen hat. Interessant wird es bei den Kundenwünschen. In einer KPMG-Befragung wollen je nach Lesart zwischen 40 und 80 Prozent weiterhin eine Garantie und fast 85 Prozent möchten in irgendeiner Form beraten werden. Besold erklärt, warum daraus für jedes Haus dieselbe Frage folgt. Bin ich Produktgeber oder besetze ich die Schnittstelle zum Kunden, und lässt sich beides gleichzeitig machen?
Wer baut das Financial Home?
Besold sortiert vier Kandidaten. Eine bezahlte App, die Verträge und Dokumente bündelt. Die Bank-App, die ohnehin die höchste Frequenz hat. Die Wallets von Apple und Google, weil man sie täglich öffnet. Und die EUDI-Wallet, die neben Finanzen auch Behördengänge, Handel und Nachweise abdeckt. Im Firmenkontext könnte sie sogar schneller ankommen als im privaten.
Damit sind wir genau bei dem, worum es in „Schnittstelle" geht. Keiner dieser Anbieter baut das Financial Home allein, und wer seine Daten nicht teilt, hat nach Knuts Einschätzung mittelfristig das Nachsehen. Die Rolle der Vermittler verschiebt sich dabei vom Wissensvorsprung zur Einordnung. Eine Frage bleibt offen. Julians Versicherungsordner steht immer noch zu Hause.