Warum eine generelle Ablehnung von FiDA falsch ist

Nicole Breyer spricht sich in ihrer Kolumne für FiDA und Open Finance aus

Der Rückzug der EU-Kommission von FiDA vergangenen Monat stellte sich als Falschmeldung heraus – sie geht nun doch in die Verhandlung. Das ist gut so, denn von ihrem Erfolg hängt die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines ganzen Sektors ab. 

Na, ihr Datenhasen? Seid ihr bereit für all das, was in den kommenden Wochen auf uns zukommt? Wenn wir in der Finanzdaten Community nun nicht auf einen Aprilscherz reingefallen sind, geht die FiDA-Verordnung (Financial Data Access) ab dem 1. April den nächsten Schritt im EU-Gesetzgebungsprozess: den Trilog zwischen Kommission, Parlament und Rat. FiDA soll es Menschen und Unternehmen ermöglichen, noch mehr Finanzdaten als heute durch Open-Banking sicher, reguliert und mit expliziter Zustimmung zu ihrem Vorteil zu teilen.

Doch FiDA wird von großen Teilen der Banken- und Versicherungsindustrie kritisch betrachtet: Sie hält den Umfang der zu exponierenden Daten für zu groß, die Kosten zu hoch, das Monetarisierungsmodell für zu unklar. Und es besteht die Sorge, dass FiDA den großen US-Tech-Unternehmen Tür und Tor zum Finanzmarkt der EU öffnen könnte. Nicht nur Verbände, sondern auch Vorstände bekannter Unternehmen haben sich hierzu sorgenvoll geäußert.

Die Bedenken könnten in den kommenden Wochen in weitreichende Diskussionen insbesondere über die folgenden Punkte geklärt werden:

  • Zeitplanung der Etablierung von Schemes, sowie das Inkrafttreten der Gesetzgebung
  • Umfang der Finanzdaten, die als Teil von FiDA von Finanzinstituten zugänglich gemacht werden sollen
  • Monetarisierung, Use Cases und Geschäftsmodelle
  • Umgang mit den sogenannten „BigTech“-Unternehmen, also Unternehmen aus Drittländern
  • Die Lizenz, die für die Marktteilnahme am EU Open Finance Markt für „Financial Information Service Provider“ (FISP) etabliert wird

Chéri, wir müssen reden…

Im Vorfeld des Trilogs haben sich viele große Verbände nun noch einmal gegenüber FiDA positioniert. Die Stimmen reichen von kompletter Ablehnung bis hin zu der moderaten Sicht, dass Open Finance generell sinnvoll ist, es aber noch großen Verbesserungsbedarf im heutigen Gesetzentwurf gibt.

Es gibt allerdings auch viele positiven Stimmen für eine europäische Datengesetzgebung, die über 27 Länder hinweg Standards zum Teilen von Daten setzt, einen regulatorischen Rahmen gibt, und so die digitale Souveränität und Innovationskraft in der EU stärkt. In Deutschland haben wir dazu zum Beispiel die German Open Finance Charter gegründet und gehen mit Verbänden und Instituten aktiv ins Gespräch.

Der Finanzsektor ist nur der erste von vielen aus der Open Data Strategie der EU, den sie mit einer Verordnung regulieren will. FiDA  setzt deshalb einen Präzedenzfall. Es ist wichtig, dass wir in der EU international wettbewerbsfähig bleiben, denn viele andere Länder, wie zum Beispiel Großbritannien, machen große Schritte hin zu umfassenden Datenregulierungen (Smart Data Act) und der Integration von Daten als Assets in die Volkswirtschaft. 

Vom „Ob” zum „Wie”

Einige große Finanzinstitute haben stark in das Modernisieren ihrer Legacy-Systeme investiert (Cloud, Data Analytics, interne APIs), was schon heute ermöglicht, moderne Datenstrategien umzusetzen und den Wert der Daten zu heben, die im eigenen Unternehmen und in der existierenden Kundenbasis schlummern. Wir müssen in unserem Diskurs vom „Ob” zum „Wie” gelangen. Ein generelles Abschmettern von FiDA macht keinen Sinn. Stattdessen benötigen wir klare Use Cases, an denen wir gemeinsam arbeiten können, und die wir mit Kunden sinnvoll verproben. 

Lasst uns konstruktiv darüber sprechen, wie wir große Themen wie den Umbruch in der Finanzberatungsbranche, spitzen Customer Experience durch den Einsatz von (generativer) KI, das weitere Erschließen rein digitaler Kundengruppen, sowie Effizienzgewinne in den Unternehmen durch standardisierten und strukturierten Datenaustausch durch den Einsatz von Open Finance umsetzen können. Dies wird nur im Ökosystem zwischen Banken, Versicherungen, Beratern & Vermittlern, TPPs und FinTechs gelingen, sowie mit einer möglichst schlanken Governance.

Diesen Dialog werde ich hier ab jetzt regelmäßig fördern und einzelne Themen beleuchten. Let’s do the FiDA Dance – together!

Autor

  • Nicola Breyer ist Open-Finance-Expertin, berät und investiert in Fintechs. Bis 2024 war sie CEO und Managing Director beim Open-Finance-Unternehmen Qwist, davor arbeitete sie in Führungsrollen bei verschiedenen Finanzunternehmen, unter anderem bei OptioPay und PayPal.

Weitere interessante Beiträge

Newsletter
open close

Der beste Newsletter ever.

Wir versorgen dich täglich mit News, ausgewählten Artikeln und Kommentaren zu aktuellen Themen, die die Finanz-Branche bewegen. Jetzt anmelden!
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.