Vibe Automation: Das Wissen sitzt in der Sachbearbeitung
KI automatisiert längst die Softwareentwicklung, doch in den Fachabteilungen kommt davon wenig an. Warum Vibe Automation das ändern könnte und weshalb Banken dafür vor allem das Wissen ihrer Mitarbeitenden und klare Regeln brauchen.
Entwickler haben vorgemacht, wie produktive Arbeit mit KI aussieht: Der Mensch beschreibt, KI führt aus, der Mensch prüft und verantwortet. Unternehmen, besonders in regulierten Branchen wie Banken und Zahlungsdienstleister, müssen dieses Prinzip jetzt aus der IT in die Fachbereiche tragen. Dafür fehlt weniger die Technik als das Fundament.
Vibe Coding ist gefühlt im Alltag angekommen. Das ist mehr Schein als Sein. Der Hype rund um KI-gestützte Automatisierung spiegelt nicht die Realität im Arbeitsalltag wider. Eine Untersuchung von ActivTrak unter mehr als 120.000 Beschäftigten belegt: Lediglich 2 Prozent haben KI über mehrere Arbeitsschritte hinweg fest in ihre Prozesse integriert. Über die Hälfte erreicht keine der gemessenen Nutzungsstufen, und weitere 27 Prozent nutzen KI ausschließlich für einfache Rechercheaufgaben.
Daraus entsteht eine organisatorische Kluft: Auf der einen Seite gibt es Gründer die am liebsten nur noch Personal einstellen, die alles mit Claude machen. auf der anderen Seite, bleiben Sachbearbeiter auf einfache Websuchen beschränkt, und Compliance-Verantwortliche müssen die Risiken begrenzen. Diese Diskrepanz kann geplante KI-Transformationen schon im Ansatz blockieren.
Wer sich herantraut, fühlt sich schnell wie ein Entwickler. Man beschreibt in natürlicher Sprache, was entstehen soll, und die KI schreibt den Code. Das erinnert an die Myspace-Jahre, als Millionen Menschen HTML-Schnipsel in ihre Profile kopierten und sich für Webdesigner hielten. Auf einer Profilseite, und vielleicht auch zu jener Zeit, war solches Halbwissen harmlos. In einer Bank ist es wortwörtlich gefährliches Halbwissen.