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Payment, Fintech, Banking: Das sind unsere Thesen für 2026

Wir haben tief in die Glaskugel geschaut und können Euch nun sagen, welche Trends im laufenden Jahr wirklich relevant sein werden – und welche auch einfach sterben können.

Thesen zu Payment, Fintech und Banking 2026 von Nils Heck: BaFin, Wero, Neobroker, KI und Börsengänge
Thesen zu Payment, Fintech und Banking 2026 von Nils Heck: BaFin, Wero, Neobroker, KI und Börsengänge

Wir haben tief in die Glaskugel geschaut und können Euch nun sagen, welche Trends im laufenden Jahr wirklich relevant sein werden und welche auch einfach sterben können.

Das neue Jahr hat begonnen, die E-Mail-Postfächer sind voll. Wir sparen uns also ein großes Intro und kommen direkt zu unseren Thesen für das Jahr 2026. Die eine überraschender als die andere. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Die Bafin wird Neobrokern auf die Finger hauen

Die vergangenen Jahre lief es für Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital extrem gut. Nicht nur konnten sie dank ETF-Boom schnell eine große Kundenanzahl aufbauen. Durch den Schwenk hin zu mehr Bankprodukten (siehe TR-Kreditkarte) etablierten sie sich auh als ernsthafte Konkurrenz zu schwächelnden Neobanken. Das Problem dürfte nur sein, dass ein so schnelles Wachstum auch Menschen, Systeme und Prozesse schnell an seine Grenzen geführt hat. Wir würden uns also nicht wundern, wenn nach den Bafin-Klatschen für Neobanken als nächstes auch die Neobroker ein Problem mit der Aufsicht bekommen.

Wero wird später zünden als gedacht – dafür richtig

Die ersten Monate von Wero waren deutlich besser, als das hierzulande viele für möglich gehalten hätten. Innerhalb kürzester Zeit gab es europaweit mehr als 40 Millionen Anmeldungen und sogar Kunden von Sparkassen oder Neobanken konnten sich dank der großen Diskussion um digitale Abhängigkeit und einen Paypal-Sicherheitsfail im Spätsommer dafür begeistern, Wero zumindest einmal auszuprobieren. Deutlich weniger pompös sah dagegen der Start im Online-Bereich aus. Zwar waren mit Eventim oder Lidl große Händler dabei. Einen wirklich „Wumms” hat das Launch-Event aber gefühlt nicht gehabt. 2026 dürfte das Wachstum daher nur langsam zunehmen und dann gegen Ende einen Tipping Point erreichen, sodass man wirklich behaupten kann, dass Wero relevant ist.

Bei N26 bleibt es chaotisch

Das Jahr 2025 sollte für die Berliner Neobank der große Befreiungsschlag werden. Stattdessen müssen die beiden Gründer sich aus der Geschäftsführung zurückziehen und teilweise sogar schneller das Unternehmen verlassen als in den überhasteten Nacht- und Nebelrochaden zuvor geplant. Das deutet daraufhin, dass bei N26 womöglich noch mehr im Argen liegt als wir bisher sehen. Wir rechnen also für das laufende Jahr mit einem eher, sagen wir, komplexen Jahr für N26.

Die Italiener lassen die Commerzbank in Ruhe

Der große Machtkampf um die Commerzbank wird damit enden, dass die Unicredit ihre Anteile leicht herunterfährt und sich stattdessen andere Übernahmezielen widmet. Zwar hat Orcel immer betont, er wolle die Commerzbank im Zweifel so lange beackern, bis die Frankfurter Großbank eben irgendwann einknickt. Aber die Kursgewinne zuletzt waren gut, die Bundesregierung scheint immer noch eine Übernahme verhindern zu wollen und auch bei der Commerzbank hat der Übernahmekampf eher Kräfte entfesselt als Menschen eingeschüchtert. Das dürften auch irgendwann die Italiener zur Kenntnis nehmen und von ihrem Plan abrücken. Wir glauben, erste Anzeichen dafür werden 2026 sichtbar.

Bitcoin wird nochmal gehyped

Nach der großen Korrektur der digitalen Währung dürfte es 2026 für den Bitcoin wieder ein bisschen besser laufen. Die meisten Analysten gehen von einer Stagnation oder leichtem Wachstum aus, dem werden wir uns ebenfalls anschließen. Leider. Denn eigentlich halten wir Bitcoin nach wie vor für Schmu, bestenfalls.

Payment wird nochmal ein richtig dickes Ding

Egal ob online oder noch öfter an der Ladenkasse: Immer mehr Player drängen in einen Markt, den lange Zeit alle für zu langweilig und margenschwach hielten: Payment. Paypal drängt beispielsweise gerade an die Ladenkasse, Wero will da auch hin und die Supermärkte hätten die Kunden dann doch lieber in ihren eigenen Apps und Bezahllösungen. Was sich 2025 schon gezeigt hat, wird 2026 noch weiter gehen und der Kampf um die beste Bezahlmethode wird einen neuen Höhepunkt erreichen.

Deutsche Fintechs gehen an die Börse

Das Jahr 2026 wird bringen, worauf 2025 schon viele gewartet haben: Das erste deutsche Fintech wird an die Börse gehen und seine Anteilseigner ein bisschen reicher machen. Unser heißer Tipp für diesen Schritt: Raisin. Wir könnten uns aber auch vorstellen, dass Trade Republic sein Momentum nutzen will. Beide Firmen haben bisher zwar stets dementiert, wenn es um den Sprung an die Börse ging. Aber wir werden sehen.

Private Markets erleben den ersten dicken Rückschlag

Fintechs wie NAO und Liqid haben den Trend ebenso stark geritten wie Trade Republic und andere Broker: Private Markets waren das Thema 2025. Entsprechend viel Geld floss von Privatanlegern in die hochriskanten Fonds und entsprechend heftig wird es, wenn sie merken, dass Private Markets sie gar nicht zu Millionären gemacht haben. Wir gehen deshalb davon aus, dass nach dem Hype folgt, was immer nach dem Hype folgt: Ernüchterung.

Die KI-Agenten übernehmen das Shopping

Wir müssen es leider zum Ende noch erwähnen, dieses Thema, was alle beschäftigt, aber keinen interessiert: KI. Ja, KI wird die Welt verändern. Nein, nicht wie alle denken. Nein, nicht sofort. Aber ja, das bedeutet auch, dass sich Shopping und damit Payment verändern wird. Denn die KI-Agenten kommen und werden entscheiden, was wir alle kaufen wollen und wie wir es bezahlen. 2026 werden wir in diesem Bereich erste Versuche sehen, ob es uns gefällt oder nicht.


Was denkt Ihr, womit liegen wir richtig und womit falsch? Schreibt es uns unbedingt an presse@paymentandbanking.com.

Autor

Nils Heck
Nils Heck

Nils Heck ist Gründer des Journalistenbüros dreimaldrei, Buchautor und seit März 2024 Redaktionsleiter bei Payment and Banking. In seiner Kolumne „Nils nörgelt“ kommentiert er kritisch die Branche. Nebenbei jongliert er professionell.