Revolut: Auf dem Weg zur Weltbank
Die Zahlen der britischen Neobank sind beeindruckend. Doch Deutschland bleibt ein schwieriger Markt für sie.
Erfolg dürfte man auf den oberen Etagen des Glasturms in der Londoner Canary Wharf gewöhnt sein, wo Revolut hinter den markanten Wabensäulen seit einem halben Jahr seinen Hauptsitz hat. Das vergangene Jahr war nicht nur in dieser Hinsicht ein echter Gamechanger. Die Neobank konnte ihr internationales Geschäft stark ausbauen, ist mittlerweile nicht nur in Großbritannien, sondern in Europa, aber auch in Schwellenländern wie Mexiko oder Brasilien stark unterwegs. Um das alles abzurunden, erhielt das Geldhaus vor nicht einmal zwei Wochen die lang ersehnte Banklizenz von der britischen Aufsicht. Und nun veröffentlicht das Institut in seinem Jahresbericht Zahlen, die es in sich haben. „Gemeinsam haben wir die Messlatte im Banking erneut höher gelegt”, schreibt Revolut in einer Nachricht an ihre Kund:innen.
Wachstum auf allen Ebenen
Im Marketing-Sprech bedeutet das soviel wie: „Wir haben verdammt viel Geld verdient.“ Denn der Nettogewinn der Neobank stieg 2025 auf 1,5 Milliarden Euro, ein Plus von über 60 Prozent zum Vorjahr. Revolut ist damit im fünften Jahr in folge profitabel. Der Umsatz stieg fast ebenso stark von 3,7 auf 5,3 Milliarden Euro. Die Gewinnmarge erhöhte sich leicht auf 38 Prozent. Möglich war das auch, weil viele der nach eigenen Angaben mittlerweile über 68 Millionen Kunden Einlagen bei der Bank hinterlegten. Ihr Gesamtvolumen wuchs auf fast 58 Milliarden Euro an. Revolut wird derzeit mit 75 Milliarden Dollar bewertet.
Wachstum in Deutschland vergleichsweise gering
Auch wenn die Bank im deutschen Markt zulegt, ist das Wachstum vergleichsweise zäh. In Deutschland hat die Bank mittlerweile laut eigenen Angaben drei Millionen Kunden, wovon 800.000 im vergangenen Jahr dazu kamen. Dabei ist Deutschland noch ein Land mit eher langsamem Wachstum. Denn Weltweit kamen laut Revolut 16 Millionen Kund:innen dazu. Während in Ländern wie Spanien, Frankreich, Polen und Italien fast oder mehr als ein Drittel der Erwachsenen, die ein neues Bankkonto eröffnet haben, das laut eigenen Angaben bei Revolut machten, liegt der Wert in Deutschland lediglich bei 18 Prozent. Nur hier liegt Trade Republic im Wachstum vor den Briten.
Das dürfte Revolut aber gerade verschmerzen: Zwar ist Deutschland der größte, aber eben auch ein sehr komplizierter Markt – und am Ende auch nur einer von vielen. Besonders im Heimatmarkt Großbritannien hat das Institut mit der neuen Banklizenz nun die Möglichkeit, Einlagen über 50.000 Pfund für seine Kund:innen zu halten.
Erträge kommen überwiegend aus Gebühren
Was Revolut ebenfalls optimistisch stimmt, betonen die Briten sehr häufig im Geschäftsbericht: Die Ertragsquellen sind angeblich überwiegend gebührenbasiert also weniger abhängig von Zinsumfeld und Konjunktur. Neben Zinsen sind das Abonnements, Einnahme aus dem Währungstausch und das Geschäft mit Anlagen und Investments (Wealth).
Kartengeschäft ist wichtiger Treiber
Dabei tun sich besonders Erträge aus dem Kartengeschäft hervor. Sie machen weiterhin etwa 22 Prozent, und damit die größte Quelle der Umsätze aus. Die Zahlungsterminals von Revolut gibt es mittlerweile in 19 Ländern und die Debitkarte von Mastercard ist eigenen Angaben zufolge ein Erfolg. Die New-Debits sind im Vergleich zu nationalen Kartenlösungen wie der Girocard mit höheren Interchange-Gebühren verbunden – ein Ertragstreiber für Banken wie Revolut.
Für die Beliebtheit dürfte auch das Punktesystem (RevPoints) sorgen, das Kund:innen sonst nur bei Kreditkarten gewöhnt ist und das laut Revolut in Europa mittlerweile 17 Millionen Teilnehmer:innen hat. Die Loyalty-Punkte können sie in Flugmeilen, Hotelübernachtungen und andere Vorteile umtauschen.
Die Geschäftsbank von Morgen?
Mit Abonnements verdiente Revolut über 15 Prozent der Erträge – bei einem eher geringen Wachstum. Welcher Anteil der privaten Kund:innen zahlende Abonnent:innen sind, verrät die Bank nicht. Ausgehend von den Erträgen sollte der aber nicht gestiegen, sondern eher geschrumpft sein. Denn bei den Geschäftskund:innen wächst Revolut. Um 33 Prozent auf 767.000 konnte die Bank hier zulegen, während das Transaktionsvolumen dieser Konten um mehr als 50 Prozent stieg.
Der Erfolg von Revolut ruft die traditionellen Banken auf den Plan. Die sehen die Entwicklung des Fintechs offenbar als Warnung und versuchen ihrerseits ein breites digitales Angebot aufzubauen. JP Morgan Chase hat beispielsweise im Heimatmarkt von Revolut das Warten auf deren Lizenz genutzt und dort mit über zwei Millionen Kunden beträchtlichen Erfolg als Digitalbank. Sollten Banken Ländern dem gleichtun, wird das eine Herausforderung für das glänzende Geschäft. Der Wettbewerb könnte sich verstärken und die Margen verringern, schreibt Revolut auch deshalb in seinem Geschäftsbericht 2025.