Instagram-Shopping – Wie sich das „soziale Medium“ zum kommerziellen Online-Marktplatz entwickelt

Nicht erst seit gestern mischen Händler und Brands über soziale Netzwerke kräftig im E-Commerce mit. Instagram geht mit seiner erweiterten Shopping-Möglichkeit einen entscheidenden Schritt voran – und stellt die ursprüngliche Idee hinter „Social Media“ damit in Frage. Doch „Social Commerce“ kommt dem (kaufwilligen) User auch entgegen. Eine Analyse.

Social Shopping grenzenlos

Facebook, Instagram und Co. entwickelten sich in den letzten Jahren zu hoch frequentierten Online-Marktplätzen, über die Firmen und Händler für Kundenbindung, Image-pflege und immer stärker für eigene Umsatzsteigerungen sorgen können.

Instragram-Shopping – Wie sich das einstige „soziale Medium“ zum kommerziellen Online-Marktplatz entwickelt

Dass es die Nutzer beim digitalen Shopping vor allem schnell und unkompliziert mögen, hat wahrscheinlich niemand so gut verstanden wie die Facebook-Tochter Instagram.

Der populäre Onlinedienst bietet in den USA seit einigen Wochen testweise die Direktkauf-Option in seiner App an – und verkürzt damit den Weg vom entdeckten Produkt bis zum Kaufabschluss auf ein Minimum. Social Shopping grenzenlos und damit eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Social Commerce auf den Plattformen – das ist längst Realität, ebenso bei Instagram Deutschland. Seit Frühjahr 2018 stehen die Instagram-Shopping-Tags hierzulande zur Verfügung.

Mächtiges Marketing-Instrument

Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist die beliebte Plattform (rund zehn Millionen aktive Nutzer in Deutschland wöchentlich; Stand: 01/2019[1]) mindestens genau so sehr Marketing-Tool wie soziales Medium. Händler können unter anderem

  • Produkte im Feed direkt markieren
  • Produktsticker in ihren Stories setzen
  • Das Shoppen im „Entdecken“-Bereich anbieten

Das Ziel von Instagram: Dem User das Einkaufen über den (heute vor allem mobilen) Bildschirm zu erleichtern – und durch die von den Händlern gezahlten Provisionen kräftig mitzuverdienen. Für die Unternehmen und Marken ist diese Entwicklung hin zum Web-Marktplatz, bei dem der Weg zum Kaufvorgang weiter verkürzt wird, ideal. Gerade weil auf keiner anderen Platt-form – vor allem junge – Menschen (90 Prozent der User sind unter 35 Jahre alt) so schnell und häufig neue Produkte und Marken entdecken.  Das belegen die Zahlen:

  • Monat für Monat klicken rund 130 Millionen User auf Produktmarkierungen in den Posts bei Instagram-Shopping[2]
  • 60% der Instagram-Nutzer kommen über die Plattform erstmals mit neuen Produkten in Berührung[3]
  • Kein Wunder, denn: 80 Prozent aller User folgen einem der über 25 Millionen Markenaccounts, die auf der Plattform vertreten sind[4]
Instragram-Shopping – Wie sich das einstige „soziale Medium“ zum kommerziellen Online-Marktplatz entwickelt

Das Medium wird so zum Online-Schaufenster, das regelrecht zur digitalen Shopping-Tour einlädt. Doch noch etwas anderes ist beachtlich: 38 Prozent aller User sollen einer jüngsten Studie zufolge bereit sein, neue Produkte nicht nur über Instagram zu entdecken – sondern sie gleich In-App, also direkt in der Plattform, zu kaufen. Seit kurzem können sie das in den USA tun. Dank des jüngsten Features „In-App Checkout“.

Nächstes Shopping-Level erreicht

Und genauso simpel verläuft der Bezahlvorgang. Alle relevanten Kontodaten und Zahlungsinfos sind zentral in Instagram hinterlegt. Der Nutzer muss sich folglich nicht ständig neu einloggen, falls er mehrere Produkte seiner Lieblingsmarke kaufen möchte. Der Kauf wird vollständig auf der Plattform verwaltet. Die Testphase ermöglicht das Zahlen via American Express, Mastercard, Discover, Visa und PayPal.

Das nächste Level von Instragram-„Shopping“ ist somit erreicht. Rund 20 Brands machen bei der geschlossenen Beta-Phase mit, darunter bekannte Marken wie Nike, Adidas, Dior, H&M und Burberry. Wie lange der Test mit den ausgewählten Firmen gehen soll, ist nicht bekannt. In Deutschland wird bis zur Einführung des neuesten Shopping-Features daher wohl noch etwas Zeit vergehen. Doch schon jetzt können wir uns die Frage stellen: Wie finden wir es eigentlich, dass sich die sozialen Medien immer weiter und in aggressiverer Weise in Richtung E-Commerce-Plattformen entwickeln?

„Checkout“ on Instagram – Fluch oder Segen?

Die Vorteile liegen auf der Hand und wurden hier schon erwähnt: Fortan sind noch weniger Klicks bis zum Kauf-abschluss nötig, der User muss die Plattform nicht einmal mehr verlassen. Getreu dem (tatsächlich offiziellen) Motto: „Buy from Brands without leaving Instagram“.

„Buy from Brands without leaving Instagram“

Facebook geht einerseits mit der Zeit, da der Tech-Gigant mit Instagram nun stärker als bisher Teil des tagtäglichen Nutzungs- und Konsumverhaltens seiner User wird. Andererseits lässt sich die zunehmende Implementierung immer neuer kommerzieller Funktionen auch als Frontalangriff auf die Konkurrenz (Amazon) verstehen. Jedoch: Von der ursprünglichen Idee hinter „Social Media“, bei der eigentlich einst die Nutzer und der Austausch ihrer Inhalte im Zentrum standen, entfernt man sich radikal.

Denn die wirtschaftlichen Interessen der Firmen werden noch mehr in den Vordergrund rücken. Was zählt sind Traffic, Profit und Umsatzmaximierung. Und Instagram bietet dafür aktuell die besten, attraktivsten (E-Commerce-) Optionen (Stichwort: „Shoppable Media“).

Von der früheren reinen Foto-Plattform und -Community mit ihren Idealen bleibt so freilich nicht mehr viel übrig. Soziale Kommunikation und Inter-aktionen finden nur noch statt, um die eigenen wirtschaftlichen Ziele weiter verfolgen zu können. Das einstige „Social-Media-Feeling“ (z.B. der Austausch mit Freunden und Kontakten sowie die Teilhabe an deren Lebensrealitäten) bleibt auf der Strecke.

Instragram-Shopping – Wie sich das einstige „soziale Medium“ zum kommerziellen Online-Marktplatz entwickelt

Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die anderen Communities und Medien nachziehen: So experimentieren etwa Pinterest und Snapchat auch schon länger mit diversen Shopping-Features. Und Google gab im März bekannt, die Shopping-Actions zu uns auf den Kontinent bringen zu wollen. Das Ziel: Firmen mit der Direktkauf-Option in den Suchergebnissen Geschäfte zu vermitteln – und dank üppiger Provisionen kräftig mitzukassieren.


[1] https://www.kontor4.de/beitrag/aktuelle-social-media-nutzerzahlen.html

[2] https://onlinemarketing.de/news/instagram-testet-in-app-checkout-shopping

[3] https://www.brandwatch.com/de/blog/instagram-statistiken/

[4] https://www.brandwatch.com/de/blog/instagram-statistiken/

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