Gesichter der Branche: Christian Hoppe

Dürfen wir vorstellen: Christian Hoppe von der Silicon Valley Bank

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weit verbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe Die Gesichter der FinTech Branche  stellen wir regelmäßig einer Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen. Diesmal beantwortet Christian Hoppe unsere Fragen.

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegnen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir in einer ganz eigenen Kategorie kurz porträtieren und vorstellen und haben dazu einen immer gleichen Fragenkatalog entworfen. Diesmal beantwortet Christian Hoppe unsere Fragen. Christian ist Managing Director der Silicon Valley Bank.

Wer bist Du, was macht Du? 

Ich arbeite seit November 2017 als Managing Director bei der Silicon Valley Bank und bin hier vor allem für die Weiterentwicklung des deutschen Geschäftszweigs der Bank sowie für das Relationship Management zuständig. Darüber hinaus bin ich auch als Business Angel, als Panelist oder Redner auf Konferenzen sowie als Autor tätig und bin Vater von Zwillingen.

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

Ich arbeite jetzt seit 20 Jahren im Bereich Banking, da kreuzen sich früher oder später immer die Wege. Bevor ich zur Silicon Valley Bank kam, war ich der Gründer und CEO des Main Incubators, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft und FinTech-Beteiligungsgesellschaft der Commerzbank AG.

Gesichter Christian Hoppe

Mit dem Format „Between the Towers. FinTechCity_Frankfurt“ habe ich damals zusammen mit meinem Team die erste monatlich wiederkehrende Veranstaltungsreihe der FinTech-Szene etabliert. Im Nachhinein haben wir damit wohl auch ein Stück weit einen Grundstein für das stetig wachsende Ökosystem in der Rhein-Main-Region gelegt.

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

Bewusst habe ich den Begriff FinTech zuerst wahrgenommen, als wir im Jahr 2014 als erste einen Incubator für eine europäische Großbank aufbauten. Während eines Interviews mit dem Handelsblatt wurde immer wieder von Equity Investments in FinTechs gesprochen. Danach wurde der Begriff immer salonfähiger. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass wir den Begriff erfunden haben.

Wie definierst Du FinTech?

Für mich steht bei diesem Begriff die klare Verbindung aus Finanzunternehmen und digitalen Unternehmen im Zentrum. Es geht hier vor allem um die innovativen und auch disruptiven Entwicklungen in der Finanzszene. Das tatsächliche Betätigungsfeld der Start-ups und Unternehmen ist dabei zweitrangig.  

Was glaubst Du machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

Das, was ihnen oft als Nachteil ausgelegt wird – das sehr auf Sicherheit bedachte Handeln, nichts zu wagen und erst mal alles bis ins letzte Detail abzuklären – kann manchmal auch von Vorteil sein. Denn wenn ein etabliertes Unternehmen in Deutschland mit einem Produkt an den Start geht, so kann man sich sehr sicher sein, dass alle Tests erfolgreich abgeschlossen, alle Regularien zu 120 Prozent eingehalten sind und die Skalierbarkeit sichergestellt ist. Eine Professionalisierung von Prozessschritten ist in den meisten Fällen ebenso bereits zu 100 Prozent umgesetzt.

„Wenn ein etabliertes deutsches Unternehmen mit einem Produkt an den Start geht kann man sich sehr sicher sein, dass alle Tests erfolgreich abgeschlossen und alle Regularien zu 120 Prozent eingehalten sind.“

Was kann man von FinTechs lernen?

Da könnte ich jetzt sehr viele Punkte aufzählen. Ich glaube am ehesten kann man sich etwas von der Mentalität und Arbeitsweise abschauen: Einfach mal machen, Prozesse neu denken, auch mal neue Wege gehen und andere Technologien nutzen. Man sollte keine Denkschranken haben, sondern Möglichkeiten suchen und dann auch sehen und ergreifen, wo etablierte Bänker schon längst abgeschaltet haben. Kollaborationen sind gut und wichtig. Wir sollten unsere alten Wettbewerbsdenkweisen massiv überdenken, denn zusammen sind wir alle stärker.

Auch sollten wir niemals aufhören zu lernen oder neue Herangehensweisen zu testen. Beim Tempo können wir uns ebenfalls einiges abschauen: Ideen sollten viel schneller umgesetzt werden und bei Problemen muss noch schneller agiert und iterativ repariert werden. Ideen sollten dafür so frühzeitig wie möglich veröffentlicht und breites Feedback eingeholt werden. Langfristiges Denken, großes und vor allem auch internationales Denken sind ebenfalls von immenser Bedeutung. Die Formel „Client first – UX first – Mobile first“ bringt es für mich gut auf den Punkt.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

Die einfache Antwort wäre zu sagen: Weil sie es nie gelernt haben. Wenn man es sich genauer anschaut, so spielen sicher viele Faktoren eine Rolle: Oft fehlt das unternehmerische Denken, Incentivierungsstrukturen sind veraltet, es gibt keinen Anlass dafür wagemutig zu sein und so verhindert Konsequenzlosigkeit oft die Adaption von Projekten und Ideen an die neue Realität.

Gesichter Christian Hoppe

Alte verkrustete Strukturen, das Geflecht von Corporate Politics und fehlende Risikobereitschaft, die zu einer „Bestandschutzmentalität“ führt, tun dann ihr Übriges. Dazu kommt in vielen großen Unternehmen noch immer eine recht schlechte Technologie-Infrastruktur: Das Verhältnis von Spezialisten zu Generalisten ist oft verschoben und echte IT-Spezialisten, die eine „state of the art“-Ausbildung haben, fehlen. 

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

Ich wollte bereits seit meinem 12. Lebensjahr im Banking arbeiten. Das heißt, wenn ich nicht schon in der Industrie arbeiten würde, würde ich auf jeden Fall versuchen, hier einen Job zu bekommen. Aber falls das nicht ginge, wäre ich, glaube ich, Vollzeit-Gründer.

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

Microsoft. Was mich hier vor allem begeistert, ist die Revitalisierung des bereits abgeschriebenen Konzerns. Strategie und Mentalität, die dahinterstecken, würden mich sehr interessieren.

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

Gute Frage, es müsste jemand mit sehr viel Einfluss sein, damit wir über die Situation in der deutschen Innovationsindustrie diskutieren können. Um im Anschluss zu versuchen, etwas signifikant zu verbessern. Am besten mit dem deutschen Pendant von Emmanuel Macron. Jemand der in Deutschland einen zentralen Ort schafft, um Innovation extrem zu treiben. Viele kleine Feuer bringen nicht viel, wir benötigen ein riesiges Feuer und dann werden wir auch in einigen Bereichen wieder Weltspitze. Das Potenzial ist da. Aber: „Aufwachen ist nicht Aufstehen!“

Autor
Die studierte Soziologin und Medienwissenschaftlerin beobachtet, analysiert und schreibt als Journalistin seit vielen Jahren über die Startup- und Fintechszene. In der Vergangenheit arbeitete sie für führende on- und offline für Gründer- und Wirtschaftsmedien im In- und Ausland, moderiert, schrieb mit... mehr

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