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Frankfurter Notizen – Eine Kolumne über die große kleine Stadt am Main

Joris Hensen von der Deutschen Bank, Experte für Open Banking und APIs
Professionelles Portrait für den Autorenkasten

Obwohl in Frankfurt das Herz der deutschen Finanzwelt schlägt, ist die Stadt vielen Menschen in der Branche seltsam fremd. Zeit, das zu ändern, findet unser neuer Kolumnist Joris Hensen. Seine Liebeserklärung an Deutschlands kleinste Weltstadt.

„Frankfurt? Ja, war ich schon mal – am Flughafen.“
„Nein, sonst kenne ich die Stadt nicht.“

So oder so ähnlich verlaufen viele Gespräche, wenn man sich als Frankfurter outet. Vor allem international. Am Flughafen war fast jeder schon, in der Stadt selbst dagegen kaum jemand.

Und obwohl ich hier geboren bin, habe auch ich Frankfurt lange unterschätzt. Nicht aus Vermessenheit, sondern aus Gewohnheit. Meine Wege führten mich früher oft nach Berlin – besonders in den Startjahren unseres API-Programms. Dort waren die Meetups, Hackathons und Tech-Festivals. Zwischen Club-Mate und Flat White schien die Zukunft zu entstehen. Frankfurt hingegen galt als graue, nüchterne Stadt: mehr Vorstandsetage als Ideenlabor, mehr Quartalsbericht als Quartierscommunity, mehr Krawatte als Hoodie.

Doch je öfter ich heute durch die Straßen gehe, desto klarer wird mir: Man versteht Frankfurt nicht, wenn man es nur von oben betrachtet – aus dem 38. Stock eines Banktowers oder aus der Distanz eines ICE-Fensterplatzes. Man muss es “unten” erleben: im quirlig-unaufgeräumten Bornheim, in der Altstadt mit der alten Bethmann-Bank, wo inzwischen die jährliche Banking Exchange, die BEX, stattfindet, rund um die Messe, im TechQuartier – und in den Apfelweinkneipen, wo Einheimische und Zugereiste Seite an Seite auf Holzbänken sitzen.

Frankfurt ist eigenartig kompakt. Eine Stadt mit Weltformat, aber dörflicher Vertrautheit. Man trifft dieselben Gesichter beim Panel, beim Lunch und später auf dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause. Kaum eine andere Metropole lässt sich so mühelos in unter dreißig Minuten durchqueren. Bestimmt liegt genau darin ein Teil ihrer Stärke: groß genug für internationale Ambitionen, klein genug, dass man sich kennt – und auf kurzem Weg zueinanderfindet.

Wer abends über die Alte Brücke schlendert, erlebt die leuchtende Skyline wie eine ferngesteuerte Zukunftsversion – die einzige ihrer Art in Deutschland. In der Fahrgasse blitzen Galerien zwischen alten Häusern hervor. Es riecht nach Kaffee, und Menschen kommen zusammen, um dieser Stadt einen Moment lang zuzusehen, wie sie sich ständig wandelt. Durch die Gassen geht es weiter in die renovierte Altstadt, wo in diesen Tagen der Weihnachtsmarkt beginnt und der Baum mit dem Namen „Frau Holle“ den Römerberg festlich kleidet. So ist Frankfurt: nicht laut, nicht pathetisch, sondern im leisen Rhythmus seiner Alltäglichkeit.

Möglicherweise ist diese Stadt schlicht missverstanden? Hat sich nicht genug bemüht, gemocht zu werden? Aber auf der anderen Seite wäre zu viel Bemühen ohnehin „unfrankfurterisch“. Denn in den Apfelweinkneipen gehört es zum guten Ton der weißkitteligen Wirtsleute, Gäste erst einmal leicht anzuraunzen, bevor man ihnen freundlich zuprostet. Auch das ist nämlich die wahre Frankfurter Schule – eine Mischung aus Skepsis, Direktheit und überraschender Herzlichkeit. Und zumindest für mich zeigt sich gerade in diesen kleinen Gesten: Frankfurt mag keine Stadt sein, die einem sofort alles recht macht. Aber wenn man bleibt, entdeckt man eine Haltung, die unverwechselbar ist.

Darum soll es in dieser Kolumne gehen, die ab sofort in unregelmäßigen Abständen bei Payment & Banking erscheint: All die Dinge, die es hier zu entdecken, zu erleben und zu lernen gibt, wenn man sich die Mühe macht genauer hinzusehen. Welche Geschichten die große kleine Stadt am Main zu erzählen hat, das möchte ich Euch in den nächsten Wochen und Monaten näherbringen – egal, ob Ihr Ur-Frankfurter, Zugezogene oder Gelegenheitsbesucher seid.

Autor

Joris Hensen
Joris Hensen

Joris Hensen verantwortet das Kundengeschäft des API-Programms der Deutschen Bank, das er 2015 mitbegründet hat. Mit über 60 Partnerschaften zählt sie zu den führenden Open-Banking-Akteuren. Er publiziert zu Zukunftsforschung, Innovation und APIs.