Dürfen wir vorstellen: Miriam Wohlfarth von RatePay

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Die Gesichter der FinTech-Branche

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weitverbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe “Die Gesichter der FinTech-Branche…” beantwortet jeden Monat eine Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen.

Dürfen wir vorstellen...

Während unseres Arbeitsalltags begegenen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir ab heute in einer ganz eigenen Kategorie kurz portraitieren und vorstellen und haben dazu einen immergleichen Fragenkatalog entworfen. Diesmal beantwortet Miriam Wohlfarth von RatePAY unsere Fragen.

Miriam ist ein Urgestein der deutschen Payment-Szene und kennt die Branche wie ihre Westentasche. Neben ihrem Job als RatePAY-Geschäftsführerin engagiert sie sich in vielen Netzwerken und versucht das Thema Payment bekannter und verständlicher zu machen. Außerdem setzt sie sich dafür ein, mehr Frauen in die Fintech-Szene zu holen.

Wer bist Du, was macht Du?

  • Ich bin Miriam Wohlfarth, Gründerin und Geschäftsführerin von RatePAY, „Undercover“-Partnerin bei paymentandbanking und Initiatorin der Payment Exchange.

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

  • 1999 habe ich bei Hapag-Lloyd gearbeit. Die Reisebranche war eine der ersten großen Branchen, die von der Digitalisierung betroffen war. Der Online-Verkauf von Tickets und Reisen stand unmittelbar bevor, es gab keinerlei vorgetrampelten Wege, alles musste von Grund auf neu gedacht und organisiert werden. Dazu gehörte die Frage, wie eigentlich im Internet bezahlt werden soll. In dieses Thema arbeitete ich mich intensiv ein und bekam ein Job-Angebot von Bibit. Bibit war einer der ersten Payment Service Provider in Europa, gegründet 1999 von den Adyen Gründern, 2004 an die Royal Bank of Scotland verkauft, heute unter dem Namen Worldpay sehr bekannt. Dort sollte ich das Online-Payment mit aufbauen. Damals absolutes Neuland!Seitdem hat mich das Thema Payment nie wieder losgelassen. Bei Bibit/Worldpay war ich acht Jahre und habe sehr viele Projekte und Kunden von Anfang an begleitet. Danach habe ich für Ogone (heute Igenico) als Country Manager Deutschland vor allem White Label-PSPs mitaufgebaut. 2009 kam dann die Idee zu RatePAY. Unser Ziel war es, die konservativen Bezahlarten in Deutschland zu digitalisieren. Damit hatten wir den richtigen Riecher, denn das mache ich heute immer noch 😉

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

  • Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ich denke das war ungefähr 2013. Ich habe mich total gefreut, weil mir klar wurde, dass RatePAY auch ein Fintech ist und wir somit endlich eine coole Branche waren bzw. überhaupt als eigene Branche wahrgenommen wurden. Davor war das nicht so. Payment war eher ein Nerd-Thema und irgendwo am unteren Ende der E-Commerce Kette.

Dürfen wir vorstellen Miriam Wohlfarth - RatePay

Wie definierst Du FinTech?

  • Ich definiere Fintech-Firmen als Unternehmen, die im Bereich Finanzdienstleistung mit neuen Technologien klassische Geschäftsbereiche verbessern, angreifen, einfacher oder auch überflüssig machen. Da jeder von uns Finanzdienstleistungen nutzt, sind wir alle über kurz oder lang von Fintech-Erfindungen betroffen. Dienstleistungen, die von Fintech-Unternehmen optimiert werden, umfassen in der Regel das Portfolio eines klassischen Finanzinstituts: Zahlungsverkehr, Geldtransfers, Sparen, Investitionen, Kredite, Währungsmanagement, Immobilien, Versicherungen, Kontoservice uvm.

Was glaubst Du machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

  • Diese Frage kann ich nicht allgemein beantworten, da natürlich jedes Fintech und jedes etablierte Unternehmen seine Eigenheiten hat. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass wir bei RatePAY durchaus einiges von der Otto Group lernen konnten, gerade in Bezug auf Datenschutz, Legal oder HR. Es hat uns geholfen, dass wir uns das nicht alles selbst beibringen mussten, sondern vom Know-how eines etablierten Unternehmens und dessen ausgereiften Strukturen und Ressourcen profitieren konnten.

Dürfen wir vorstellen Miriam Wohlfarth - RatePay

Was kann man von FinTechs lernen?

  • Viele Fintechs gelten als Problemlöser und legen den Finger in die Wunde der alten Finanzinstitute. Sie sind häufig sehr kundenorientiert und stellen Service, Flexibilität und Usability in den Vordergrund. Damit erleichtern sie vielen Nutzern den Zugang zu sonst so sperrigen Finanzprodukten. Nicht umsonst kooperieren viele etablierte Banken oder Unternehmen inzwischen mit Fintech-Start-ups, die oft mehr Schnelligkeit, Offenheit, Agilität, Risikobereitschaft und ein ganz anderes Netzwerk mitbringen.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

  • Wenn man Erfolg hat, merkt man oft gar nicht, dass sich etwas verändern muss. Das ist ja häufig der Zustand bei etablierten Unternehmen. Siehe Telekom/SMS und Whatsapp. Aber gerade als großes Unternehmen muss man überlegen, wohin die Reise gehen soll und muss, damit man auch in Jahren noch im Markt mitspielen kann. Erfolgreiche Firmen wollen oft an dem festhalten, was sie haben.Aber gerade das Thema Digitalisierung bedeutet Fortschritt und Wandel. Wandel bringt Veränderung und Risiko mit sich. Hiervor haben viele Menschen Angst und scheuen sich dann vor Entscheidungen, um Dinge zu ändern. Um in einer digitalisierten Welt erfolgreich zu sein, muss man schnell sein und aufhören, alles zu durchdenken, genau planen zu wollen.Und schließlich muss der ganze technologische Fortschritt auch in die Belegschaft hingetragen und von ihr akzeptiert werden. Gar nicht so leicht, wenn man vielleicht mehrere tausend Mitarbeiter hat, die teilweise zu einer Generation gehören, denen das Digitale eher fremd ist. Viel gewonnen wäre da schon mit einer guten Fehlerkultur, mit der Ermutigung zum Risiko. Denn es ist besser, wenn Menschen Fehler machen, als wenn sie gar nichts machen. Damit Digitalisierung funktioniert, braucht es Veränderungsbereitschaft in den Köpfen. Und Mut 😉

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

  • Ich kann mir gar nichts anderes mehr vorstellen J Wenn aber die erste Internetblase wirklich geplatzt wäre, würde ich jetzt wahrscheinlich Expeditionsreisen nach Myanmar oder zu anderen wunderschönen Orten in Südostasien durchführen.

Dürfen wir vorstellen Miriam Wohlfarth - RatePay

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

  • OpenAI von Elon Musk finde ich extrem interessant

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

  • Max Levchin und Bono 😀

 

Nicole Nitsche

Nicole Nitsche

Online-Redakteurin bei PBA Experts GmbH
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