Dürfen wir vorstellen: Madison Bell von Kontist

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Die Gesichter der FinTech-Branche

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weitverbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe “Die Gesichter der FinTech-Branche…” beantwortet jeden Monat eine Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen.

Die Gesichter der FinTech Branche. Dürfen wir vorstellen...Madison Bell von Kontist
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Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegenen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir ab heute in einer ganz eigenen Kategorie kurz portraitieren und vorstellen und haben dazu einen immergleichen Fragenkatalog entworfen. Diesmal beantwortet Madison Bell von Kontist unsere Fragen.

Wer bist Du, was macht Du?

  • Mein Name ist Madison Bell, ich bin Mitgründerin und Head of Product bei Kontist. Ich entwickle Produkte, die das tägliche Leben von Freelancern und Selbständigen verbessern sollen. Ich bin am zufriedensten, wenn ich an der Lösung von Produktproblemen arbeite, die User Research, technisches Verständnis und Produktkreativität erfordern. Mein Background liegt in der Consumer-Technologie. Strikt genommen arbeite ich jetzt zwar im B2B-Banking, aber das Segment der Solopreneure ist eher wie B2C. Die Grenzen zwischen Business und persönlichem Leben sind hier fliessend.
    Ich wurde in Columbus, Ohio geboren, habe länger im Silicon Valley gelebt und gearbeitet und bin nun seit 2015 in Berlin.

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

  • Ich wurde 2008/ 09 auf die Industrie aufmerksam – einfach, weil ich damals das College absolviert habe und zum ersten Mal meine eigenen Finanzen managen musste. Ich habe gleich beim ersten Mal ein Produkt benutzt, mit dem du deine Steuern einfach von zuhause online erledigen kannst. Mein Vater hat mir das gezeigt, er ist Anwalt für Technologie.

Die Gesichter der FinTech Branche. Dürfen wir vorstellen...Madison Bell von Kontist

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

  • Keine Ahnung! Diese Begriffe entstehen um dich herum, du benutzt sie und sie ergeben Sinn. Es gibt nicht den definitiven FinTech Moment.

Wie definierst Du FinTech?

  • Jedes Unternehmen, das wirklich innovative Dinge in Bezug auf Finanzen macht, sei es im Banking oder in der Bezahlung. Besonders währungs- und grenzübergreifende Innovationen sind für mich als Amerikanerin in Deutschland natürlich spannend. Da passieren viele interessante Sachen. FinTech berührt Geld, die Transparenz und Übersichtlichkeit von Geld sowie sein Management. Das geht bis zu neuen Währungsmärkten.
    Für mich steht im Kern von FinTech die Innovation, nicht die Infragestellung existierender Finanzsysteme. Denn die effektivste Art und Weise, den Status Quo in Frage zu stellen, ist, indem man Dinge einfach anders macht.

Was glaubst Du, machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

  • Das ist eine toughe Frage. Etablierte Unternehmen vermitteln ein Gefühl des Vertrauens. Sie haben Filialen in der physischen Welt. Du kannst da hingehen und den Leuten in die Augen schauen. Sie haben sich über lange Zeit viele Kunden aufgebaut.
    Falls sie etwa falsch machen, vertraue ich, dass es genug Leute geben wird, die protestieren. FinTechs müssen dieses Vertrauen erst noch aufbauen. Konsumenten vertrauen uns noch nicht in gleichem Maße.
Die Gesichter der FinTech Branche. Dürfen wir vorstellen...Madison Bell von Kontist
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Was kann man von FinTechs lernen?

  • Hinterfrage die gängigen Regeln und finde einen Weg, schneller zu agieren! In so vielen Fällen werden Dinge verlangsamt, weil sie genau auf die Art und Weise gemacht werden, wie es im Buche steht.
    Sei kreativer und nutzerfreundlich! Wenn es in einem Fall unbedingt nötig ist, den Nutzer mit komplizierter Rechtssprache zu konfrontieren – fein – aber gib ihm eine Zusammenfassung vorweg, so dass er sich unterstützt und verstanden fühlt.
    Dann könnten etablierte Unternehmen ihre Position und Power nutzen, um wirklich etwas zu verändern, zum Beispiel, indem sie Interessen von Verbrauchern auf politischer Ebene vertreten.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

  • Es ist schwierig, Technologie auf den Markt einzuführen, die auf dem allerneuesten Stand ist. Wenn große Unternehmen in diesem Bereich wettbewerbsfähig sein wollen, müssen sie sich einen Weg ausdenken, schneller durch die interne Bürokratie zu kommen. Abstimmungswege müssen verkürzt werden. Es können nicht immer zu allen Themen viele Meinungen eingeholt werden. Sonst ist das Produkt zu dem Zeitpunkt, wenn es auf den Markt kommt, schon veraltet. Sie müssen es sofort aktualisieren.
    Sie sollten den Fokus auf die Umsetzung von ganz kleinen Dingen legen. Produkte und Projekte müssen in kleinere Teile zerlegt werden – anstatt in große Aufgaben zusammengefasst, die versuchen, alles und jeden unter einen Hut zu bringen. Dazu müssen die Verantwortlichen einen Schritt zurückgehen und sich täglich fragen, welche Dinge wirklich am wichtigsten sind und welches die Dinge sind, ohne die sie
    auskommen können.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

  • Ich würde in einer andere Konsumgüterindustrie arbeiten, die sich darauf konzentriert, das Leben von Leuten zu verbessern. Das geschieht meist an der Schnittstelle von realer und virtueller Welt, wo die virtuelle Welt Dinge in der realen Welt positiv beeinflussen kann. In meiner letzten Gründung beispielsweise – einem privaten sozialen Online-Netzwerk für Nachbarschafts-Communities – ging es nicht darum, Fotos von Hunden zu teilen, sondern darum, eine Beziehung zu den Nachbarn aufzubauen.
    Genauso ist es bei Kontist, wo Selbständige ihre Finanzen managen. Für sie ist es ein Prüfstein, wenn sie einen Liquiditätsengpass oder unerwartete Steuernachzahlungen haben. Wir wollen ihnen helfen, solche Herausforderungen besser zu bewältigen und erfolgreicher im Business zu sein.
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Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

  • Ich würde gerne in einem der großen Bankunternehmen arbeiten. Es wäre faszinierend zu sehen, was jemand in einer ähnlichen Rolle innerhalb einer dieser Organisationen macht. Menschen und Produkte faszinieren mich. Wie läuft Produktentwicklung in einer Organisation ab, in der das Team 100 statt 17 Leute umfasst? Ich komme aus einer Welt, in der jeder ein Generalist ist, dort wäre jeder ein Spezialist. Es wäre faszinierend mit Leuten zu sprechen, die jeweils die Besten in ihrem Bereich sind.
    Die Europäischen Zentralbank. Ich würde gerne etwas über die grundlegenden Ansätze für Europäisches Banking lernen.

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

  • Gerne mit Angela Merkel oder auch mit dem Deutschen Feldhockey-Damen- Team, das bei den Olympischen Spielen 2004 Gold gewann.
Nicole Nitsche

Nicole Nitsche

Online-Redakteurin bei PBA Experts GmbH
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