Diese Corona-Hilfsmaßnahmen für Start-ups laufen schon – UPDATE

Nicht nur Mediziner sprechen angesichts der Corona-Pandemie von einer „historischen Zeit“, auch die Wirtschaft steht vor Herausforderungen von bislang unbekanntem Ausmaß. Es wird die traditionelle Wirtschaft ebenso treffen, wie Digitalunternehmen und auch die Fintechs. Die aktuelle Lage kann bei vielen großen und kleinen und Start-up – Unternehmen bereits kurzfristig zu massiven Geldnöten führen.

Das Bundeswirtschaftsministerium unter Federführung von Thomas Jarzombek und die staatliche KfW-Bankengruppe arbeiteten bereits letzte Woche gemeinsam mit dem Start-up-Verband an einem Entwurf für einen „Schutzschirm“ für Start-ups. Es geht um eine Größenordnung von mehreren Milliarden Euro.

Zwei Drittel der Start-ups fürchten wegen der Maßnahmen gegen Covid-19 um ihre Existenz“, heißt es in einem Zitat gegenüber dem Tagesspiegel aus Berlin.

Eine Umfrage des Start-up-Beirats beim niedersächsischen Wirtschaftsministerium ergab, dass zwei Drittel der Start-ups um ihre Existenz fürchten. Es ist Eile geboten: Hilfsmaßnahmen seien innerhalb von sieben Wochen notwendig, um dem Überleben der Unternehmen eine größere Chance einzuräumen, wird im Tagesspiegel weiter zitiert.

Jetzt schnell aktiv werden

„Wenn wir jetzt nicht aktiv werden, verlieren wir die halbe Tech-Welt“, warnt Christian Miele, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Start-ups, der bereits vergangene Woche im Eilverfahren einen 4-Stufen-Plan (PDF) zum Schutz deutscher Start-ups in der Corona-Krise vorlegte, da „Start-ups sind von der aktuellen Situation besonders betroffen, da durch Umsatzausfälle, den Rückzug von Neuinvestoren uvm. kurzfristig gravierende Liquiditätsengpässe zu befürchten sind. Schnelle, effiziente, umfassende und zielgenaue finanzielle Unterstützungsmaßnahmen sind daher dringend erforderlich”, heißt es aus dem Verband, „uns bleibt nicht viel Zeit“, drängt er weiter.

Auch das Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) hat unter Einbeziehung seiner Mitglieder einen Vorschlag erarbeitet, der für Angel finanzierte Start-ups und auch darüber hinaus geeignet erscheint, bei den Start-ups die größten Belastungen durch die Krise abzufedern. Zu den zentralen Eckpunkten zählen die Haftungsfreistellung bei Wandeldarlehen im Rahmen des Erwerbszuschusses von INVEST – Zuschuss für Wagniskapital, sowie Darlehen der KfW.

Diese Corona-Hilfsmaßnahmen für Start-ups laufen schon

Weitere Vorschläge im BAND Maßnahmenkatalog beziehen sich auf: Personalkostenzuschüsse und Stundung von Sozialversicherungsbeträgen, eine zeitliche begrenzte Modifizierung des Insolvenzrechtes und eine flexible Anpassung der Umsatzsteuer.

Kreditplattformen sehen Chancen

Weil sich Investoren vermutlich in den kommenden Monaten vor neuen und weiteren Investitionen scheuen, sehen nun Start-ups, dessen Geschäftsmodell sich auf die Vermittlung von Krediten spezialisiert haben, ihre Chance gekommen. Ihr Vorteil sei eine schnelle Kreditentscheidung. Außerdem könnten die Fintechs auch geringere Kreditsummen vergeben, weil die Prüfung einfacher funktioniert – und niemand muss in die Filiale kommen. „Das klare Signal ist: Wir sind bereit“, sagt der Auxmoney-Chef im Gespräch mit dem Branchenportal FinanceFWD. Derzeit werde eine Zusammenarbeit mit der KfW geprüft, heißt es in einem Bericht weiter.

Diese Corona-Hilfsmaßnahmen für Start-ups laufen schon

Selbst ist das Start-up: Das Team um Jessica Holzbach von Penta (das sich kurz vor der massiven Verschärfung der Situation noch ein Investment in Höhe von 18,5 Millionen Euro gesichert hatte) brachte direkt eine eigene Seite online, auf der Unternehmen und Selbständige über Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung erhalten können.

In einer eigenen Petition fordert Holzbach zudem, den Prozess zur Beantragung der Soforthilfen und Kredite digital, schnell und so einfach wie möglich zu gestalten, da dieser in der aktuellen Situation nicht schnell genug ginge. Unter dem Hashtag #SeiteAnSeite hat das Unternehmen konkrete Forderungen aufgestellt, sowie eine Petition gestartet, die innerhalb weniger Minuten von Hunderten Unternehmern unterzeichnet wurde. Zu den ersten Unterzeichner gehörten auch andere Fintechs, wie MODIFI und Sum up.

UPDATE 24. März 2020

Auch das Berliner Fintech Kontist beteiligt sich an vielfältigen Aktionen, die in den letzten Tagen in der Branche entstanden sind. Es rief zu einem freiwilligen Hackathon gegen die Corona-Krise auf. Das Steuer-Team entwickelte innerhalb von 72 Stunden ein Online-Tool, mit dem alle Selbstständigen sofortige Steuererleichterungen beantragen können. Die Anwendung, die mit den deutschen Finanzämtern verknüpft und auf Basis einer offiziellen Vorlage des bayerischen Finanzministeriums entstanden ist, soll es Selbstständigen ermöglichen, mit wenigen Klicks fällige Steuerzahlungen für vergangene Jahre wegen der Corona-Pandemie zu stunden – ohne dass Zinsen oder Gebühren anfallen. Außerdem kann die Höhe der üblicherweise quartalsmäßig fälligen Steuervorauszahlungen einfach beliebig angepasst und bei Bedarf ausgesetzt werden.

Der Bitkom veröffentlichte gestern ein Positionspapier (PDF, https://www.bitkom.org/sites/default/files/2020-03/ganzheitliches-unterstutzungspaket-fur-startups-in-zeiten-der-coronakrise_get-started-by-bitkom_0.pdf) und fordert ein umfangreiches Maßnahmenpaket für junge Wachstumsunternehmen. Dabei geht es vor allem darum, kurzfristig Liquiditätslücken zu schließen, vereinfachte staatliche Co-Investitionen zu ermöglichen und die Einführung des Zukunftsfonds zu beschleunigen. Aber auch das Kurzarbeitergeld sollte vereinfacht und weitere Zuschüsse zu Personal- und Fixkosten, wie bspw. Gewerbemieten, auf den Weg gebracht werden.

UPDATE 27. März 2020

Gerade die kleinen Lokale und die netten kleinen Läden, die jeder gerne im Kiez halten mag, werden von der Corona-Krise besonders hart getroffen sein. Mehr als alle anderen sind sie auf tägliche Kundschaft angewiesen. Das Berliner OptioPay will nun gemeinsam mit Sponsoren helfen und hat die neue Gutscheinplattform HilfeLokal.de geschaffen. Ab sofort können Kunden ihre Lieblingsgeschäfte in direkter Umgebung unterstützen, indem sie jetzt Gutscheine bezahlen und HilfeLokal.de den Umsatz unmittelbar weiterleitet. Bei Wiedereröffnung kann der Gutschein sofort eingelöst werden. Falls der Kunde den Gutschein solidarisch spenden will, kann dieser auch einfach verfallen gelassen werden. 

https://www.getstarted.de/wie-startups-mit-der-corona-krise-umgehen/

Autor
Christina Cassala ist freie Wirtschaftsjournalistin aus Berlin und treibt sich dort seit vielen Jahren in der Gründerszene rum. Sie schreibt vor allem über Themen aus den Bereichen Private Equity, Finanzierungen, Start-ups und Fintech-Themen. mehr

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