Nachhaltigkeit ist der ganz große Trend im Banking. Doch gerade bei grünen Girokonten wird deutlich, wie weit Ansprüche und Wirklichkeit noch auseinanderliegen. 

Die älteren Fernsehzuschauer werden sich noch erinnern: Seit 2002 fließt für jeden verkauften Kasten Krombacher eine Spende in die Regenwaldstiftung des WWF. Saufen, und damit der Natur etwas Gutes tun. Wäre es da nicht was tolles, wenn sowas auch mit einer Kontoeröffnung ginge? 

Grüne oder nachhaltige Girokonten sollen das ermöglichen, irgendwie zumindest. Anbieter gibt es viele, die Versprechen sind höchst unterschiedlich, genauso wie die Vorstellungen, was denn nun eigentlich „nachhaltig” ist. Payment & Banking hat sich einige Girokonten genauer angeschaut und festgestellt: Grünes Girokonto ist längst nicht gleich grünes Girokonto.

„Die Deutschen mögen aber leider keine Fonds, auch weil ihre finanzielle Bildung nicht ausgereift genug ist”

Sustainable-Finance-Professor Christian Klein

„Gute grüne Girokonten sind wichtig”, sagt Sustainable-Finance-Professor Christian Klein  von der Universität Kassel. Denn vor ein paar Jahren seien 75 Prozent aller nachhaltigen Finanzprodukte Fonds gewesen. „Die Deutschen mögen aber leider keine Fonds, auch weil ihre finanzielle Bildung nicht ausgereift genug ist”, sagt der Professor. Und deshalb müssten klassische Bankprodukte, wie eben das Girokonto – oder das Sparbuch – auch auf Nachhaltigkeit gedreht werden können. 

Vorreiter in Sachen grüne Girokonten sind traditionelle Nachhaltigkeitsbanken, in Umweltfragen sind das Geldhäuser wie etwa die GLS Bank oder Triodos. Denn diese vergeben Kredite ohnehin nur, wenn die Unternehmen ihren Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. Und diese Kriterien sind strenger als bei anderen Banken. Das sehen auch NGOs so. Der Fair Finance Guide listet solche Banken weit oben. Dafür sind deren Girokonten für Kunden oftmals teurer als bei großen Banken oder gar einer Direktbank. Das GLS Konto kostet zum Beispiel im Jahr 45,60 Euro – hinzu kommt aber noch ein jährlicher Beitrag von 60 Euro, den jeder Kunde zahlen muss. Mit Direktbanken wie der DKB, deren Girokonto unter Umständen gar kein Geld kostet, können solche Angebote preislich also nicht mithalten.

Kunden wünschen sich grüne Girokonten

Doch Preise sind in der Welt des nachhaltigen Bankings längst nicht alles: „Es gibt Kunden, die bereit sind, für ein grünes Girokonto mehr zu zahlen”, sagt Klein. Das werde schon dadurch deutlich, dass sich Banken wie GLS oder Triodos über steigende Kundenzahlen freuen können, seit Jahren. Und warum auch nicht? Einige Kunden immerhin wollen gern grüner anlegen und mit wenig Aufwand die Welt retten. „Wir wissen: Wenn Kunden das Wort Nachhaltigkeit hören, dann glauben sie, dass mit ihrem Geld die Welt gerettet wird und zum Beispiel überall Windräder aufgestellt werden”, berichtet Klein von seiner Forschung. 

Der ING ist es nichtsdestotrotz gelungen, ein grünes Konto aufzulegen, das auch noch günstig ist. Das Girokonto Future kostet gerade mal einen Euro pro Monat – zumindest wenn dort monatlich mehr als 700 Euro eingezahlt werden. Die ING geht bei ihrem grünen Girokonto auch recht streng vor. Sie schreibt auf Ihrer Webseite, dass die Einlagen auf dem Girokonto Future gemäß der Nachhaltigkeitskriterien der Bank verwendet werden. Finanziert werden sollen damit Unternehmen, die mit mindestens 75 Prozent ihrer Geschäfte ökologischen Zielen beitragen. Das können zum Beispiel erneuerbare Energien sein oder energieeffizientes Wohnen.

Das Angebot der ING ist noch recht jung, das entsprechende Konto gibt es seit gut einem Jahr. Es könnte aber den teureren Nachhaltigkeitsbanken Konkurrenz machen. Ebenfalls Konkurrenz macht ihnen Tomorrow. Das nachhaltige Fintech, das seine Bankgeschäfte über die Solaris Bank abwickeln lässt, hat gleich drei Konten im Angebot. Die Preise liegen zwischen jährlich 44 Euro und 187 Euro. Tomorrow gibt an, dass mit einem Teil des eingezahlten Geldes nachhaltige Projekte finanziert werden, unabhängig von der Variante. Zudem gibt es, wie bei den alteingesessenen Banken, Ausschlusskriterien (zum Beispiel werden Pestizid-Hersteller ausgeschlossen und fossile Energieerzeuger).

In Zukunft dürfte es ohnehin immer mehr grüne Girokonten geben, meint Klein. Geldhäuser, die bereits mit grünen Girokonten werben, sind auch einzelne Sparkassen und Volksbanken. Und spätestens hier wird deutlich, wie groß die Unterschiede sind – sowohl preislich als auch inhaltlich.

Teures Konto – wenig Inhalt

Da wäre zum Beispiel die Sparkasse Hanauerland. Deren „Giro Classic” kostet 58,80 Euro im Jahr. Die grüne Variante, „Giro Das grüne Konto” kostet stattdessen 154,80 Euro. Die Sparkasse gibt auf ihrer Internetseite an, für jedes grüne Girokonto einen Baum zu pflanzen. Zudem können die Kontoinhaber abstimmen, welches Projekt als nächstes gefördert werden soll. Das war es, mehr Informationen finden sich im Internetauftritt nicht. Ein Baum, und ein bisschen abstimmen, dafür will die Bank aus Kehl also gut 100 Euro mehr im Jahr haben? Auf Fragen von PaymentandBanking reagierte das Institut nicht. Transparent (auch das kann ein Nachhaltigkeitskriterium sein) ist das nicht. Und sollte das wirklich alles sein, steckt hinter dem grünen Konto dieser Sparkasse ziemlich wenig. 

Ausführlich auf Nachfragen von PaymentandBanking reagierte hingegen die Sparkasse Hegau-Bodensee. Das Institut hat ein „Klimaneutrales Konto”, das „GiroTop-Konto”  im Angebot. Das Versprechen, das der Titel suggeriert: Wer ein solches Konto besitzt, sorgt zumindest netto für keinen CO2-Ausstoß. Und für den Betrieb des Kontos mag das stimmen. Das Institut hat viel Arbeit rein gesteckt, um das angeben zu können. So hat die Sparkasse unter anderem die Treibhausgasemissionen seines Kontos ermittelt. Für 2021 betrügen die 25,7 Kilogramm CO2-Äquivalente. Ausgeglichen werde der CO2-Fußabdruck durch die Kooperation mit einer zertifizierten Zellstofffabrik. Zudem arbeitet das Institut nach eigenen Angaben daran, die Emissionen weiter zu reduzieren. 

Doch was die Bank auf ihrer Webseite nicht übermittelt: Wie mit den Einlagen umgegangen wird. Stattdessen ist dort von einem „echten Nachhaltigkeitskonto”, die Rede. Und das kann missverständlich sein. Wird mit den Einlagen etwa ein mittelständischer Öl-Unternehmer finanziert, dürften Kunden das wohl kaum als „echtes Nachhaltigkeitskonto” bezeichnen.  

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