Gesichter

Die Gesichter der FinTech Branche: Claire Gates

von Nicole Nitsche / vom 26. März 2018

Dürfen wir vorstellen: Claire Gates, CEO payolution

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weitverbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe “Die Gesichter der FinTech-Branche…” beantwortet jeden Monat eine Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen.

Die Gesichter der FinTech Branche- Dürfen wir vorstellen: Claire Gates von payolution
Photo credit: Roel Wijnants on Visualhunt.com / CC BY-NC

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegenen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir ab heute in einer ganz eigenen Kategorie kurz portraitieren und vorstellen und haben dazu einen immergleichen Fragenkatalog entworfen. Diesmal beantwortet Claire Gates von payolution unsere Fragen.

Wer bist Du, was macht Du?

  • Mein Name ist Claire Gates, ich bin die neue CEO von payolution. Als White-Label-Anbieter entwickelt payolution „Pay Later“-Lösungen für Händler, um ihren Kunden eine reibungslose Customer Experience am Check-Out zu gewährleisten. Das Unternehmen ist Teil des globalen Zahlungsanbieters Paysafe. Ich bringe mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich Consumer Finance mit, speziell in der Entwicklung verbraucherorientierter Kreditlösungen. Ich lebe mit meiner Familie in London, aber dank meiner neuen Position reise ich regelmäßig nach Wien und in andere Teile der Welt.

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

  •  Nachdem ich bei Roland Berger für einige europäische Airlines beratend tätig war, bin ich zu American Express gegangen, um das europäische Airline- und Mietwagen-Geschäft zu leiten. Dort war ich hauptsächlich für das Roll-out von Kartenzahlungen zuständig.  Während ich dort war, erlebte ich aus erster Hand, wie enorm diese Zahlungsart gewachsen ist – sowohl bei Verbrauchern als auch Händlern.

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

  • Das ist schwer zu sagen, aber das müsste vor 2005 gewesen sein – Ich habe einige Zeit im Mittleren Osten gearbeitet, wo ich Joint Ventures für GE Money aufgebaut habe. Dabei bin ich sehr vielen Unternehmen begegnet, die sich auf Finanztechnologie spezialisiert hatten. Diese jungen Unternehmen stellten schon damals das traditionelle Banking auf den Prüfstand.  Diese Kontakte wurden schließlich zu Geschäftsbeziehungen und ich habe mit sehr vielen erfolgreich zusammengearbeitet.

Die Gesichter der FinTech Branche- Dürfen wir vorstellen: Claire Gates von payolution
Quelle: payolution

Wie definierst Du FinTech?

  • Der Begriff „FinTech“ läuft Gefahr, inflationär gebraucht zu werden. Einige Firmen benutzen es, um ihre Geschäfte, ihr Produkt oder ihre Prozesse moderner klingen zu lassen. Für mich geht es bei FinTech darum, innovative Technologien zu nutzen, um Finanzprodukte auf den Prüfstand zu stellen und besser zu machen. FinTech umfasst unglaublich viel – das reicht von mobilen Apps, die Micro-Darlehen für Menschen anbieten, die normalerweise keinen Zugang zum Bankwesen haben, bis zu Plattformen, die Online-Handel mit Kryptowährung ermöglichen. Wenn wir payolution als Beispiel nehmen: Hier lag die Gründeridee darin, Händlern und Verbrauchern sichere Lösungen am Check-out zur Verfügung zu stellen, die es ermöglichen, später zu bezahlen. Diesem Ansatz sind wir treu geblieben und arbeiten jeden Tag daran, unsere Produkte weiter zu optimieren.

Was glaubst Du machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

  • Etablierte Firmen sind nicht in jeder Hinsicht besser. Manchmal können veraltete technologische Systeme und Infrastrukturen Fortschritte verlangsamen, wenn es darum geht, sich auf neue Kundenbedürfnisse einzustellen. Aber etablierte Unternehmen haben Kontinuität, Bekanntheit und Vertrauen auf ihrer Seite. Deshalb ist Paysafe, wozu payolution gehört, in einer starken Position: Über ein breites Portfolio hinweg hat das Unternehmen sowohl Marken als auch globale Infrastrukturen etabliert. Aber es konnte sich trotzdem den Innovations-Spirit und Unternehmergeist erhalten. Dieser Drive sorgt dafür, dass es nie zu Selbstzufriedenheit oder Stillstand kommt.

Was kann man von FinTechs lernen?

  • Die User Experience ist ein wichtiges Differenzierungsmerkmal bei der Entscheidung geworden, wie und wo Verbraucher letztendlich bezahlen. Dabei ist sie als Motivation in manchen Fällen sogar wichtiger als der Preis. Wenn man die Conversion und Kaufabbruchraten betrachtet, die für jeden Händler von großer Bedeutung sind, wird die Wichtigkeit eines nahtlosen Checkout-Erlebnisses deutlich. Es gibt viel zu lernen von FinTechs, denn sie verstehen es hervorragend, User Experience zu verinnerlichen und die Kunden in den Mittelpunkt dieser Erfahrung zu stellen.

Die Gesichter der FinTech Branche- Dürfen wir vorstellen: Claire Gates von payolution
Photo credit: bartmaguire on Visual hunt / CC BY-NC-ND

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

  • Nach meiner Erfahrung ist die veraltete Infrastruktur oft die größte Herausforderung für etablierte Unternehmen, die neue digitale Ansätze verfolgen wollen. Andererseits sind es aber oft genau diese Altsysteme, die ihnen Stabilität geben. Auf der anderen Seite sehen sich FinTechs oft mit Herausforderungen in der Infrastruktur konfrontiert, wenn sie versuchen, sehr schnell zu wachsen.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

  • Ich habe Chemie-Ingenieurin gelernt und als vor einigen Jahren die Ölpreise fielen, habe ich im Öl- und Gas-Sektor gearbeitet. Das war absolut faszinierend. Diese Rohstoffe nehmen einen so fundamentalen Einfluss auf unser Leben, aber es ist nicht wirklich eine Branche, von dem man in der Schule viel hört – und schon gar kein Bereich, bei dem Mädchen ermutigt werden, eine berufliche Laufbahn anzustreben. Wenn ich nicht diesen wunderbaren Job hätte, den ich gerade ausübe, würde ich vermutlich wieder etwas im Öl- und Gas-Bereich machen wollen.

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

  • Ehrlich gesagt, kann ich mir heute kein anderes Unternehmen vorstellen, für das ich lieber arbeiten würde als für Paysafe bzw. payolution. Wenn ich mir also ein Unternehmen aussuchen sollte, würde ich einen Tag bei Paysafe verbringen wollen.

Mit der kürzlichen Übernahme durch CVC / Blackstone, unserem Senior Management Team und den Leuten, die wir bereits jetzt in der Organisation haben, ist Paysafe ein wirklich lohnendes, innovatives Unternehmen mit einer aufregenden Zukunft.

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

  • David Cameron – Ich würde mich sehr gerne mit ihm über seine letzten Monate im Amt und seine Sichtweise über das Brexit-Votum unterhalten.

Autor(en)

Nicole Nitsche

Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und...mehr


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