Die Gesichter der Branche: Manuel Heyden

Dürfen wir vorstellen: Manuel Heyden von nextmarkets

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weit verbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe: Die Gesichter der FinTech Branche stellen wir regelmäßig einer Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen. Diesmal beantwortet Manuel Heyden unsere Fragen.

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegnen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir in einer ganz eigenen Kategorie kurz porträtieren und vorstellen und haben dazu einen immer gleichen Fragenkatalog entworfen.

Diesmal beantwortet Manuel Heyden unsere Fragen. Manuel ist Geschäftsführer des Kölner Brokers Nextmarkets.

Wer bist Du, was machst Du?

Mein Name ist Manuel Heyden, ich bin 40 Jahre alt und nun schon knapp 15 Jahre in der FinTech-Branche bzw. im Online-Brokerage-Markt tätig. 2014 habe ich mit meinem Bruder Dominic den Neobroker nextmarkets gegründet. Wir haben das Glück, dass sich unsere Talente, Fähigkeiten und Interessenschwerpunkte perfekt ergänzen – Dominic kümmert sich als echter „Computer-Geek“ um alle technischen und prozessualen Fragen, während ich mich auf die Produktentwicklung und alles Kaufmännische konzentriere. 

Wie sieht ein klassischer Tag in Deinem Leben aus?

Einen klassischen „Standard-Tagesablauf“ gibt es in diesem sehr dynamischen Business eigentlich nicht – meine tägliche ToDo-Liste stellt sich sehr vielschichtig dar und orientiert sich vornehmlich an unseren Zielen. Bis zum September habe ich mich zum Beispiel sehr intensiv mit dem Start unseres gebührenfreien Handels an der Münchner gettex-Börse beschäftigt, parallel lief dann auch noch die Überarbeitung unseres Markenauftritts. 

Gesichter Manuel Heyden

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

Tatsächlich erst vor ca. 15 Jahren, obwohl ich schon im Alter von 19 Jahren – mitten in der New Economy – mein erstes Online-Marketing-Unternehmen gründete. Ich war zweieinhalb Jahre bei der ABN AMRO Bank sowohl in Frankfurt am Main als auch in London tätig, um einen Online-Broker mitaufzubauen. In dieser sehr spannenden Zeit in den beiden europäischen Börsen-Hochburgen konnte ich eine Menge lernen, aber auch meine Design- und Produktentwicklungsperspektive mit einbringen.

Wann hast Du das Wort FinTech zum ersten Mal wahrgenommen?

Das muss vor ungefähr zehn Jahren gewesen sein – als ich schon geraume Zeit im Finanztechnologie-Umfeld gearbeitet habe. Insofern war ich schon „FinTechy“ und wusste es nur noch nicht.

Wie definierst Du FinTech?

„FinTech“ bedeutet für mich mehr als die Verschmelzung der Begriffe Finanz und Technologie. Es geht meiner Meinung nach vor allem darum, durch den Einsatz hochinnovativer Technologien und Methoden das Portfolio klassischer Finanzdienstleistungen zu erweitern, den Bedürfnissen der B2C- und B2B-Kunden anzupassen und gleichzeitig wesentlich einfacher und intuitiver verfügbar zu machen.

Was glaubst Du, machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

Die etablierten Finanzdienstleister verfügen in aller Regel über substanzielle Strukturen, eingeführte Marken und profitable Geschäftsmodelle, die über Jahre und Jahrzehnte wachsen und reifen konnten. Dieses sehr solide Fundament sorgt zwar einerseits dafür, dass sie nicht immer als First Mover auf Nachfrageveränderungen reagieren oder echte Innovationen auf den Markt bringen.

„Die etablierten Finanzdienstleister verfügen über substanzielle Strukturen und profitable Geschäftsmodelle, die über Jahre und Jahrzehnte wachsen und reifen konnten.“

Auf der anderen Seite müssen sie sich nicht mehr mit der Schaffung eines regulatorischen Umfelds auseinandersetzen und sind in der Lage, neue Produkte schnell und global synchronisiert auszurollen.

Was kann man von FinTechs lernen?

FinTechs punkten mit hoher Innovationsfreude und -fähigkeit, Schnelligkeit und Flexibilität aufgrund sehr schlanker und effektiver Strukturen. Im Gegensatz zu den großen Konzernen beschäftigen sich FinTechs nicht so sehr mit sich selbst, sondern stellen den Kunden ins Zentrum ihrer Geschäftsmodelle und der Produktentwicklung. Die Mitarbeiter von FinTechs rekrutieren sich zum großen Teil aus der anvisierten Zielgruppe und verstehen intuitiv deren Herausforderungen, Wünsche, Bedürfnisse und Kommunikations-/Transaktions-Präferenzen.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

Größe und Alter eines Unternehmens wirken sich direkt auf Komplexität und Umfang der vorhandenen Daten und Prozesse aus. Die Digitalisierung von abertausenden Geschäftsprozessen sowie die DSGVO-konforme Erfassung und Verknüpfung der historisch angewachsenen Produkt- und Kundeninformationen ist ein sehr kleinteiliges, zeit- und ressourcenaufwendiges Geschäft. Jeder einzelne Prozess muss im Detail betrachtet und bewertet werden. Eine ernstgemeinte und unternehmensweite Digitalisierungsinitiative verursacht demzufolge enorme Investitionskosten. Viele Unternehmen scheuen sich verständlicherweise, das dafür benötigte Geld in die Hand zu nehmen.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

Ich würde definitiv im Technologie-Sektor arbeiten – der „Tech“-Aspekt von „FinTech“ tritt ja auch in anderen Branchen an, althergebrachte Strukturen und Herangehensweisen zu überdenken und an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten.

Worauf bist Du stolz?

Sehr stolz bin ich auf die Leistungen, Innovationen und Erfolge, die wir als Team bei nextmarkets umgesetzt und erreicht haben – und dass wir dabei unseren Kunden einen komplett gebührenfreien Handel von Aktien und ETFs ermöglichen können. 

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Gesichter Manuel Heyden

Ich könnte mir vorstellen, dass Frauen ihren Fokus eher auf andere Themen und Bereiche richten – noch. Insgesamt lässt sich bei der nachrückenden Generation aber schon zunehmendes Interesse für unsere Branche wahrnehmen. Eine deutlich stärkere Präsenz von Frauen in der FinTech-Industrie würde ich sehr begrüßen – auch weil Frauen bei Entscheidungen nachweislich mehr Besonnenheit und Rationalität an den Tag legen als Männer.

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

Definitiv bei Apple. Mich würde sehr die Arbeitsatmosphäre und die Unternehmenskultur interessieren, die in Cupertino herrscht – live, in Farbe und an einem ganz normalen Arbeitstag. 

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

Mit Bill Gates – nicht aus Gründen der Betriebssystem-Ausgewogenheit, sondern um mehr über seine Erfahrungen als Unternehmer und Philanthrop zu lernen. Da sich die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung sehr intensiv mit den gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums beschäftigt, könnten wir aber auch mit einem alkoholfreien Bier oder einem Glas Wasser anstoßen.   

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Autor
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr
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