Die Gesichter der Branche: Laura Wirtz

Dürfen wir vorstellen: Laura Wirtz von der ING Deutschland

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weit verbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe: Die Gesichter der FinTech Branche stellen wir regelmäßig einer Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen. Diesmal beantwortet Laura Wirtz unsere Fragen.

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegnen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir in einer ganz eigenen Kategorie kurz porträtieren und vorstellen und haben dazu einen immer gleichen Fragenkatalog entworfen.

Diesmal beantwortet Laura Wirtz unsere Fragen. Laura ist Lead Daily Banking & Payments bei der ING Deutschland der mit über 9,5 Millionen Kunden im Jahr 2020 größten Direktbank Deutschlands.

Wer bist Du, was macht Du?

Laura Wirtz, Lead Daily Banking & Payments – alles rund um das tägliche Bankgeschäft wie Konto & Karte, aber auch Zahlungen von klassisch bis digital und mobil. FinTechs spielen hier eine große Rolle.

Wie sieht ein klassischer Tag in deinem Leben aus?

Vor Corona war es ein früher Anfang um kurz nach 5 Uhr – eine Runde mit dem Hund raus, Duschen, Frühstück vorbereiten, Kinder wecken und fertig für die Schule machen und dann mit dem (hoffentlich pünktlichen) Zug ins Büro. Aktuell stehe ich nicht mehr ganz so früh auf, da wir noch immer fast ausschließlich von zu Hause Arbeiten. Der Rest des Tages ist dann immer gut gefüllt mit Terminen zu sehr vielen unterschiedlichen Themen – von einem offenen Ohr für Anliegen diverser Art, der Priorisierung von aktuellen Vorhaben bis hin zur Entwicklung von neuen strategischen Ideen.

Ich genieße den Austausch mit vielen unterschiedlichen Menschen zu ganz unterschiedlichen Themen sehr! Wenn ich dann abends nach Hause komme – oder mich vom Arbeitszimmer im Dachgeschoss wieder ins Erdgeschoss begebe – wartet meine Familie meist schon ungeduldig darauf, mir von ihren Erlebnissen zu berichten.

Gesichter Laura Wirtz

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

Ich habe nach dem Abitur eine klassische Ausbildung in der Bank gemacht – eigentlich weil der Vater meiner Freundin, der selber Banker war, meinte, da macht man nichts falsch. Damit hatte er für mich gesprochen sicherlich Recht. Das Tolle an der Ausbildung war, dass man wirklich die Bank von Grund auf kennenlernt – und da spielt der Zahlungsverkehr eine entscheidende Rolle. Nach der Ausbildung bin ich dann ins Firmenkundengeschäft gegangen und habe dort lange im Bereich Payments & Cash Management gearbeitet. Seitdem hat mich das Thema nie wieder losgelassen.

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

Ehrlich gesagt, als ich als Business Managerin für unseren damaligen CEO gestartet bin. Vorher geisterte das Wort mal irgendwo durch Presseartikel, die ich gelesen habe. Aber so richtig wahrgenommen habe ich das vorher nicht.

Wie definierst Du FinTech?

Ich würde FinTechs als dynamische, innovative Unternehmen bezeichnen, die im Bereich Finanzen neue, meist technologiebasierte Lösungen anbieten, mit dem Ziel, das Kundenerlebnis nachhaltig zu verbessern und aus ihrer Sicht bestehende Lücken im Angebot etablierter Spieler zu schließen.

Was glaubst Du machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

Gesichter Laura Wirtz

Da wir uns in einem hoch regulierten Markt befinden, sind etablierte Unternehmen meist bereits sehr erfahren darin, sich im Rahmen der Regulierung zu bewegen und die Prozesse entsprechend aufzusetzen. Das hilft oft, wenn es darum geht, neue Dinge in den Markt bringen zu wollen. Das kann aber eben auch ein Nachteil sein, wenn Prozesse zu sehr einengen und kein Raum mehr bleibt, um neu und innovativ zu denken und Dinge auszuprobieren.

Was kann man von FinTechs lernen?

Ich bin immer wieder fasziniert, wie sehr die Teams, die ich bei Fintechs treffe, von ihrem Produkt oder Service überzeugt sind, wie sehr sie für die Sache brennen. Das geht leider vielen Unternehmen ab einer gewissen Größe verloren – dieser klare Blick, warum wir das machen und wofür wir jeden Tag arbeiten. FinTechs haben einfach eine sehr starke Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

Etablierte Unternehmen haben meist das Problem, dass sie nicht neu auf der grünen Wiese bauen, sondern bestimmte (technologische) Gegebenheiten vorfinden. Mit diesen dann zu arbeiten bzw. diese in eine digitale Welt zu bringen, ist eine echte Herausforderung. Ganz zu schweigen von der kulturellen Herausforderung, Menschen davon zu überzeugen, dass es manchmal richtig und wichtig ist, Dinge noch mal ganz neu zu denken. Dazu kommt, dass so ein Transformationsprozess lange dauert und oft auch schmerzvoll ist. Den Mut, dies anzugehen und auch wirklich durchzuhalten haben leider nur wenige Manager.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

Nachrichtensprecherin bei der Tagesschau – das wollte ich als Kind unbedingt werden.

Worauf bist du stolz?

Auf meine Familie und darauf, wie wir seit Jahren gemeinsam einen Weg finden, dass sich beruflicher Erfolg und Familie vereinbaren lässt.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Weil sich die Welt nicht über Nacht ändert und viele Frauen immer noch glauben, dass sie Technik nicht verstehen. Das fängt ja schon in der Schule an und zieht sich durch – Mädchen werden immer noch in die typischen Rollen gedrängt, Jungs ebenso. Und da spielen Jungs eben mit Lego Technik und Mädchen mit Lego Friends. Das lässt sich später nicht mehr so leicht ändern.

„Es gibt auch deshalb so wenige Frauen in der Fintech-Branche, weil sich die Welt nicht über Nacht ändert und viele Frauen glauben, dass sie Technik nicht verstehen.“

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

In der Notaufnahme eines großen Krankenhauses. Ich habe unglaublich viel Respekt davor, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort jeden Tag ad hoc-Entscheidungen treffen müssen, die mitunter weitreichende Konsequenzen haben. Bei meinen Entscheidungen haben die Folgen weit weniger Tragweite – und dennoch fällt es auch mir manchmal schwer, Entscheidungen zu treffen. Dann rufe ich mir immer ins Gedächtnis, was das Schlimmste wäre, was passieren kann. Und das ist bei mir eben weniger konsequenzenreich. Wie man mit diesem Druck und dieser Verantwortung umgeht, würde mich tatsächlich sehr interessieren.

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

Mit Zsuzsa Bánk – ich mag ihre Bücher sehr!

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

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