Die Gesichter der Branche: Frank S. Jorga

Dürfen wir vorstellen: Frank S. Jorga von WebID Solutions GmbH

Das Arbeiten in der FinTech Branche gleicht einem Kommen und Gehen, setzt ein hohes Maß an Professionalität in einem durchaus lockeren Arbeitsumfeld voraus und ist vor allem geprägt von Innovationen sowie guten, klugen und zukunftsorientierten Ideen, so der weit verbreitete Konsens. Doch wer sind eigentlich die Köpfe und Macher hinter diesen kreativen Denkprozessen, an der Schnittstelle zwischen Finanzen, digitalen Technologien und Gründertum? In unserer Reihe Die Gesichter der FinTech Branche  stellen wir regelmäßig einer Person aus der Payment- und Banking-Industrie die gleichen zehn Fragen. Diesmal beantwortet Frank S. Jorga unsere Fragen.

Dürfen wir vorstellen…

Während unseres Arbeitsalltags begegnen uns immer wieder spannende Menschen, die im gleichen Umfeld tätig sind, die uns nur einmal oder immer mal wieder begegnen oder uns sogar schon privat sehr ans Herz gewachsen sind – jeder von Ihnen hat eine eigene Geschichte. Wir haben ein paar dieser Menschen aus unserem nächsten FinTech-Umfeld interviewt, um ihnen ein Gesicht zu geben. Um zu teilen, warum diese Branche für sie viel mehr ist als eine weitere Art, seine Miete zu bezahlen. Diese Menschen und deren Vita möchten wir in einer ganz eigenen Kategorie kurz porträtieren und vorstellen und haben dazu einen immer gleichen Fragenkatalog entworfen.Diesmal beantwortet Frank S. Jorga unsere Fragen. Frank ist CEO vom Berliner Fintech-Unternehmen WebID.

Wer bist Du, was machst Du?

Ich bin CEO von WebID. Wir sind die Erfinder der GwG-konformen Video-Identifikation. Was etwas sperrig klingt – GwG steht für Geldwäschegesetz – bedeutet, dass wir eine Identifizierung per Video-Call entwickelt haben, die weltweit erstmalig die Zustimmung des Bundesfinanzministeriums erhalten hat. Mit diesem und weiteren Pionierprodukten hat WebID es möglich gemacht, sich online auszuweisen und rechtskräftig Verträge abzuschließen. Wir sind Vorreiter und Impulsgeber, wenn es um Online-Legitimation geht.

Gesichter der Branche: Frank S. Jorga

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Payment- und Banking-Industrie?

Das begann während meiner Zeit bei der Dresdner Bank. Nach der Mitarbeit an der Fusion von Deutscher und Dresdner Bank (sowie der Abwicklung der Absage der Fusion) kam ich dann im Zuge meiner ersten Geschäftsführertätigkeit zur Entwicklung volldigitaler Finanzprodukte. Das hat mir wahnsinnig gefallen, denn es entsprach der technologischen Aufbruchstimmung, die ich aus meiner Zeit in Kalifornien mitgenommen hatte. Meine Arbeit für die dortige deutsch-amerikanische Handelskammer hat mir einen nachhaltigen Eindruck vom Silicon Valley beschert.

Wann hast Du das Wort FinTech das erste Mal wahrgenommen?

Unternehmen, die man im weitesten Sinne als FinTechs bezeichnen konnte, fielen mir persönlich schon auf, bevor dieser Kunstbegriff überhaupt geprägt und in der Start-up-Szene in Mode kam. Diese Firmen boten vor 8 bis 10 Jahren bereits innovative Finanzprodukte oder -lösungen an, während Banken sich vorwiegend mit sich selbst beschäftigten und ansonsten ziemlich unbeweglich verharrten – selbst angesichts der zunehmenden Bedeutung von Finanz- und Bankenthemen. In Deutschland hat sich der Begriff FinTech meiner Wahrnehmung nach erst so zwischen 2014 und 2016 wirklich in der breiten Öffentlichkeit etabliert.

Wie definierst Du FinTech?

„FinTech“ steht für mich als Synonym für ein dynamisches und innovatives Unternehmen, das Technologie-Lösungen im Bereich Finanzdienstleistungen anbietet. Die Entwicklung dieser Lösungen führt entweder zur Kooperation mit etablierten Finanzdienstleistern oder ersetzt klassische Banken und Sparkassen. Wir bei WebID sind ein Beispiel für ersteres, mit unserer schnellen Technologie binden wir die Finanzbranche an Digitalprozesse an. N26 ist als Neobank ein Beispiel für eine direkte Konkurrenz zu den etablierten Instituten.

Was glaubst Du, machen etablierte Unternehmen besser als FinTechs?

Etablierte Unternehmen der Banken- und Finanzwirtschaft mussten im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte immer strengeren Regularien entsprechen – und konnten somit ihre Compliance und die technische Stabilität ihrer Systeme kontinuierlich verbessern und auf die gesetzlichen Vorgaben ausrichten. In diesen beiden Bereichen können junge und kleine FinTechs verständlicherweise noch nicht mithalten.

„Bei der Compliance und der technischen Stabilität ihrer Systeme können junge FinTechs noch nicht mit etablierten Finanz-unternehmen mithalten.“

Was kann man von FinTechs lernen?

Vor allem: Kreativität und den kontinuierlichen Blick über den Tellerrand! Auf allen Ebenen ist kreatives Erkennen von Lücken und Nischen gefordert, um dort ein passendes Geschäftsmodell zu positionieren. Dann prägt sich diese Kreativität auch in der stetigen Optimierung von Prozessen und neuen Produkten aus, um diese hochgradig zielgerichtet und dynamisch entwickeln und weiter verbessern zu können.

Wieso tun sich etablierte (große) Unternehmen bei der Digitalisierung eigentlich so schwer?

Das Problem liegt primär in der Trägheit der Masse. Um notwendige Veränderungen tatsächlich umsetzen zu können, benötigt man a) flexible Technologien und b) Mitarbeiter, die auch wirklich mitziehen. Sehen wir uns dazu einerseits die Banken mit ihren Legacy-Systemen an. Hier ist es eine Herausforderung die Belegschaft, die nicht selten mehrere Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfasst, für Change-Prozesse zu gewinnen und die Digitalisierung voranzutreiben.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du nicht in der Payment- und Banking-Industrie arbeiten würdest?

Gesichter der Branche: Frank S. Jorga

Einen einzigen Traumjob zu definieren, fällt mir schwer. Bei den vielen Ideen, die ich habe – und gerade Geschäftsideen kommen mir regelmäßig und dutzendweise in den Sinn – wäre ich auf jeden Fall wieder Unternehmer, unabhängig von der Branche. Eine meiner Lieblingsideen: eine internationale Universität zu gründen. Natürlich komplett in digitaler Form, nicht als ortsgebundene Präsenzuni in einem einzigen Land, sondern mit einem Angebot, das Kontinente und Sprachgrenzen überwindet. Mein bisher erworbenes Wissen würde ich gerne weitergeben.

Bei welchem Unternehmen würdest Du gerne mal einen Tag arbeiten?

Es gibt eine Menge Unternehmen, in die ich gerne mal reinschnuppern würde, etwa die großen Tech-Companies des Silicon Valleys – hier könnte ich mir aber auch vorstellen, mich etwas länger umzusehen. Wenn es hingegen nur für einen einzigen Tag sein darf, würde ich mich für Tesla entscheiden.

Mit wem würdest Du gerne ein Bier trinken?

Da habe ich direkt einen Namen parat: Tim Cook. Bei einem Bier würde ich gerne von ihm erfahren, wie er in Bezug auf Apples Produkte und Themen die Welt in 15 Jahren sieht – und inwieweit sich diese durch oder mit Apple verändern wird. Bisher lässt sich ja nicht leugnen, dass das Unternehmen aus Cupertino einige wichtige Entwicklungen zumindest angestoßen hat…

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

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