Banking ist so einfach wie die Lieblingsserie schauen

Wie die Subscription-Economy die Geschäftswelt transformiert

ein Gastbeitrag von Torben Rabe, Country Manager von Qonto Deutschland

Bis 2023 werden 75 Prozent der Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen vertreiben, diese als Abonnement-Modelle anbieten, prognostiziert das Research- und Beratungsunternehmen Gartner. Das Modell bietet große Vorteile für beide Seiten: Wiederkehrende Einnahmen geben dem Unternehmen Planungssicherheit, was die Innovationen beschleunigt. Kunden können sich auf das Angebot verlassen und laufende Kosten leicht kalkulieren. Erfolgreiche Streamingdienste wie Spotify oder Netflix sind für dieses Modell Vorreiter, doch inzwischen werden sogar Finanz- & Fintech-Unternehmen darauf aufmerksam. 

In der sogenannten “Subscription-Economy” weichen traditionelle Geschäftsmodelle, die auf einmaligen Zahlungen basieren, Teil- oder Vollabonnement-Modellen mit regelmäßigen Zahlungen. Was bei Musik- und Filmstreaming-Angeboten erfolgreich funktioniert, kann auch auf Software bis hin zu Beratung und Banking-Services angewandt werden. Für Letzteres gibt es bereits konkrete Beispiele. 

Wirklich neu oder eine Wiederholung?

Wer denkt, dass Abo-Modelle nichts anderes sind als eine geschickte Umformulierung von Kontoführungsgebühren, wird an dieser Stelle enttäuscht. Im Gegensatz zu den Kontoführungsgebühren ist das Abo-Modell nämlich deutlich kundenorientierter, da Kosten je nach den eigenen Bedürfnissen monatlich angepasst und gekündigt werden können. Aus den Gebühren einer traditionellen Bank herauszukommen gestaltet sich weit schwieriger.

Banking ist so einfach wie die Lieblingsserie schauen

Manche Banken zwingen zu einer Mindestaktivität, um bestimmte Gebühren nicht zahlen zu müssen. Werden die Verpflichtungen nicht erfüllt, werden zusätzliche und oft versteckte Gebühren berechnet. Das Abo hingegen ist transparent, da Gebühren auf der Website veröffentlicht werden. Hinzu kommt: Neobanken haben ein viel geringeres Cost-Income-Ratio, so dass in Produkte statt in etablierte Strukturen investiert werden kann. Die Kundenzufriedenheit (Net Promoter Score) ist dabei ein wesentlicher Treiber. Im Gegensatz dazu erhalten traditionelle Banken oft Anweisungen von oben, ein bestimmtes Produkt zu pushen, und die physischen Filialen versuchen, ihre Kunden zu einem Produkt zu drängen, das nicht unbedingt mit ihren Interessen oder sogar ihrem Nutzen verbunden ist.

Die hohe Kunst der Simplizität

Abonnements sind für KundInnen vorteilhaft: Produkte und Dienstleistungen werden regelmäßig geliefert und die Budgetplanung vereinfacht. Doch was für KonsumentInnen eine einfache Lösung ist, ist für Dienstleister wie Neobanken mitunter eine Herausforderung, da gerade junge Unternehmen einen stetigen Wandel durchlaufen. Dadurch werden Anpassungen an Funktionen und Größen notwendig.

Der Hauptvorteil für die Unternehmen besteht daher darin, dass sie die Kontrolle über ihre Finanzen zurückerhalten und einen transparenten Einblick in ihre Benutzermetrik haben, also Geldverfügbarkeit, Buchhaltung, Unterkonten oder auch Ausgabenkategorien. Unternehmen haben eine ziemlich klare Vorstellung von den Leistungen, die sie je nach Abo-Paket buchen. Banken müssen daher die – zu Recht – gestiegenen Erwartungen der Kunden in ihre Produktentwicklung und Dienstleistung berücksichtigen.

„Der Hauptvorteil für die Unternehmen besteht darin, dass sie die Kontrolle über ihre Finanzen zurückerhalten.“

Das all-inclusive Konto

Die Strategie der Neobanken besteht darin, eine feste Gebühr für das Konto zu erheben und alle genutzten Dienstleistungen ohne Zusatzkosten anzubieten. Um sich im umkämpften Markt der Neobanken abzugrenzen, stehen Benutzerfreundlichkeit, automatisierte Buchhaltung, Geldanlage-Optionen, Finanzverwaltung und Karten bis hin zum Teammanagement im Mittelpunkt der Services. Diese werden nicht nur erwartet, sondern müssen auch schnell realisierbar sein. Dazu gehört es auch, schnell zwischen Abo-Modellen wechseln zu können.

Banking wird kundenzentriert

Spätestens seit Inkrafttreten der Open-Banking-Richtlinien erwarten KundInnen relevante Informationen, die auf der Auswertung eigener Transaktionen basieren und ein einfaches und übersichtliches Nutzungserlebnis, das plattformübergreifend und ortsungebunden funktioniert. Digitalbanken kommen diesen Wünsche nach – es ist Teil ihrer DNA und ihr Versprechen an die KundInnen.

Es wird wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis Unternehmen ähnliche Dienstleistungen von traditionellen Banken und Kartenanbietern erwarten.  Kooperationen mit anderen Fintech-Diensten sind sinnvoll, um Kunden die Möglichkeit zu geben, von all den verschiedenen Diensten zu profitieren und alle Finanzangelegenheiten auf einmal zu erledigen. Denn am Ende wollen die Kunden einfache Lösungen, um ihr Finance Management zu bündeln – je simpler, desto besser.

Autor
Die studierte Soziologin und Medienwissenschaftlerin beobachtet, analysiert und schreibt als Journalistin seit vielen Jahren über die Startup- und Fintechszene. In der Vergangenheit arbeitete sie für führende on- und offline für Gründer- und Wirtschaftsmedien im In- und Ausland, moderiert, schrieb mit... mehr
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