FinTech des Jahres

10 Fragen an die Mitglieder der Jury des FinTech des Jahres 2015 – Christian Hoppe

von André M. Bajorat / vom 21. Dezember 2015

main incubator_Portraet Christian Hoppe _Founder Director_SmallUm die Jury zum FinTech des Jahres 2015 noch besser kennenzulernen, beantworten die Mitglieder alle zehn Fragen. Christian ist neu in der Jury, als GF des main incubators aber inzwischen aus der deutschen FinTech Szene nicht mehr wegzudenken. Nicht zuletzt auch wegen des monatlichen Branchen-Treffens „Between the Towers“, aber vor allem auch wegen der Vorreiterrolle des main incubators für den Fintech Standort Deutschland.

Wer bist Du und was machst Du?

Christian Hoppe, Founder und Geschäftsführer des main incubators, des FinTech Inkubators der Commerzbank, und Leiter Credit Solutions in der Mittelstandsbank der Commerzbank. Bereits mit 21 Jahren habe ich meine erste Firma gegründet und bin heute neben meinen zwei Rollen im Banking Geschäftsführender Gesellschafter einer führenden Informationsplattform für deutsche Corporate Bonds.

 Deine Berührungen mit FinTech?

Im main incubator haben wir erkannt, dass der Markt von neuen Playern wie FinTechs neu gedacht wird. Ihre technischen Lösungen finden Anwendung, die das Banking effizienter gestalten und prozessual anders aufstellen, die Daten umfassender verknüpfen und detaillierter auswerten. FinTechs können die Bank der Zukunft damit in eine digitale Richtung leiten.

Der main incubator setzt auf Kooperation. Er bietet FinTechs in der Seed-Phase Kapital mit Hebelwirkung: Zugang zu den Geschäfts- und Firmenkunden der Commerzbank, Beteiligungskapital, Banking-Know-how und – wenn gewünscht – auch Büro- und IT-Infrastruktur im Gebäude des Inkubators. Wenn wir ein strategisches Investment in ein FinTech tätigen, dann mit dem Ziel dass dessen innovative Lösung einen Mehrwert für die Bankkunden oder die Bank selbst bieten.

Bisher haben wir vier strategische Beteiligungen in Traxpay, Gini, OptioPay und ByeBuy getätigt. Dabei streben wir keine Mehrheit und Exklusivität an, denn den FinTechs soll der Zugang zu den Kunden in der gesamten Bankenbranche ermöglicht werden.

 Wie war das Jahr 2015 für die FinTech Branche?

Es ist noch mehr als 2014 unter den Sternen „Aufbruch“ und „Experimientierfreudigkeit“ verlaufen. Keine Finanzinstitution / Bank, die nicht auch über Labore, Accelerators, Incubators … nachgedacht hat und zumindest erste Kooperationsgespräche mit Fintechs gestartet hat. Es ist gut zu beobachten, dass sich Deutschland auch im Banking mehr traut. Wir hoffen, dass dieses zarte Pflänzchen nicht durch negative Erfahrungen zu früh stirbt…

 Was erwartest Du im Jahr 2016 im Bereich FinTech?

Wie die Zukunft aussehen wird, kann noch niemand so genau sagen. Sicherlich werden einige FinTechs wieder von der Oberfläche verschwinden und andere sich weiter etablieren. Vielleicht wird 2016 ein Jahr mit zahlreichen Partnerschaften. Denn eine Kollaboration von FinTechs mit traditionellen Banken kann sich lohnen. Old economy meets new economy könnte so eine sehr gute Symbiose bilden. Es wird bestimmt das Jahr der „proof of concepts“ werden… und der Reaktionen der Regulatoren – auch auf europäischem Level.

Über welches FinTech-Modell wüsstest Du gern noch mehr?

Als Inkubator haben wir uns drei Ziele gesetzt: Trends zu erkennen, an Trends zu partizipieren und diese zu gestalten. Aus diesem Grund beobachten und studieren wir alle FinTech-Modelle im Detail. Was mich durch den Fokus des main incubator natürlich besonders interessiert, sind spannende, innovative FinTech-Modelle für den B2B-Bereich. Blockchain wird das Banking signifikant beeinflussen, ich bin mir sicher, dass wir heute noch gar nicht das vollständige potenzial erfassen können. Dies wird ein stetiger Lernprozess werden.

Was unterscheidet FinTech von anderen Tech-Bereichen?

Compliance, Vertrauen und der Komplexitätsgrad von FinTech – Geschäftsmodellen. Aufgrund der Regulatorik ist ein Trail and Error-Ansatz nicht ganz so einfach umsetzbar. Erfolg ist sehr stark von Skaleneffekten abhängig, diese zu erlangen kann recht anspruchsvoll sein…

Welche Bank hat bisher die beste Strategie im Umgang mit der wachsenden Digitalisierung und ggf. in der Zusammenarbeit mit FinTechs?

Hier kann ich natürlich nicht ganz unvoreingenommen antworten. Als wir im April 2014 den Inkubator gelauncht haben, waren wir bei Gründung der erste Inkubator einer Großbank. Und in Kombination mit den beiden weiteren Startup-Vehikeln Startup Garage und CommerzVenture fährt die Commerzbank aktuell eine FinTech-Förderung mit einem hohen Alleinstellungsmerkmal. Und: In Peter Barkows Statistik führt die Commerzbank als First-Time-Investor! Wir schauen aber auch auf die anderen Banken: Selbstverständlich sind die Erfolge und Aktivitäten großer Player wie Goldman Sachs, JP Morgen, Barclays u.a. sehr beeindruckend und verdienen unseren Respekt

 Werden Retailbanken in der Form von heute im Jahr 2020 noch da sein?

„In Form von heute“ vermutlich nicht mehr. Sie werden sich verändert haben. Dies bedeutet nicht, dass es sie nicht mehr geben wird. Im Gegenteil: die Kombination wird den Erfolg ausmachen – eben Multichannel Banking und da gehört offline mit dazu.

Welche Bereiche der Bank werden in Zukunft über die Blockchain abgewickelt?

Ich kann mir grundsätzlich sehr viel vorstellen, alle Bereiche, wo Dokumente eine hohe Relevanz haben, im Bereich Trading, Kreditgeschäft, grundsätzlichem wie KYC und vieles, an das wir heute noch nicht denken.

Wo trifft man dich im Jahr 2016?

Wenn ich nicht als Redner oder Panelteilnehmer auf zahlreichen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet unterwegs anzutreffen bin, dann im main incubator oder in der Commerzbank in Frankfurt. Und natürlich an jedem ersten Dienstag im Monat auf unseren „Between the Towers, FinTechCity_Frankfurt“-Events oder auf den „on Tour“-Events, die wir in 2016 weiterführen.  Genaue Termine folgen noch.


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vom 5. Februar 2016

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