Interview mit Cringle zur Finanzierung über Crowdfunding

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Das 2014 gegründete Fintech Startup Cringle bietet mit der gleichnamigen Smartphone App die Möglichkeit an, Geld zu versenden. Cringles Vision: P2P-Payments für jeden zugänglich machen und damit eine Alternative zur Bargeld-Zahlung zu bieten. Um das zu ermöglichen arbeitet Cringle mit Deutschen Kreditbank AG zusammen. Cringle gehört dem Microsoft Ventures Accelerator Programm an. Finanziert wurde Cringle, das unter dem Dach des Startup Inkubators der Technischen Universität Berlin entstand, durch das EXIST Gründerstipendium und Business Angels. Jetzt startet Cringle eine Crowdfunding-Kampagne um weiteres Geld einzusammeln.

Wir haben mit Frane Bandov, CTO von Cringle über die Hintergründe gesprochen.

Sammelt neues Geld: Cringle (Foto: Cringle)
Sammelt neues Geld: Cringle (Foto: Cringle)

Interview Cringle

PaymentandBanking.com: Ende Juni habt Ihr eine Crowdfunding-Kampagne auf Companisto gestartet. Gab es keine Investoren mehr?

Frane Bandov: Wir haben uns verschiedene Investitionsmodelle und Finanzierungsquellen angesehen und uns letztendlich bewusst für die Crowd entschieden. Viele andere Investment-Angebote waren aus unserer Sicht einfach nicht gut genug.

Mit Companisto standen wir jetzt schon seit längerer Zeit in Kontakt. Ihr Angebot war fair und wir als Endkunden-Produkt fanden die Idee auf diese Weise Geld und Feedback von potentiellen Nutzern einzusammeln sehr verlockend. Für uns ist das Crowd-Investing eine gute Mischung aus Finanzierung und Akquise neuer Nutzer.

PaymentandBanking.com: Schaut man sich die Finanzierungen anderer Startups an, ist 400.000 EUR nicht viel. Was wollt Ihr mit dem Geld machen?

Cringle CTO Frane (Foto: Cringle)
Cringle CTO Frane (Foto: Cringle)

Frane Bandov: Ich finde nicht, dass es sinnvoll ist auf die Finanzierungen von anderen zu schauen. Investitionen sind nicht das Endziel, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Es geht doch eigentlich darum eine Vision umzusetzen, ein gutes Produkt zu machen und ein nachhaltiges Business aufzubauen. Es gibt genug Beispiele wo große Finanzierungsrunden einen großen Medienhype ausgelöst haben, aber am Ende nur heiße Luft dabei herauskam (z.B. Clinkle, Color).

„Wir wollen zu fairen Konditionen soviel Geld einsammeln, wie wir benötigen um unsere Ziele zu erreichen und dabei die volle Kontrolle über unser Unternehmen zu behalten.“

Wir wollen zu fairen Konditionen soviel Geld einsammeln, wie wir benötigen um unsere Ziele zu erreichen und dabei die volle Kontrolle über unser Unternehmen zu behalten. Diese Ziele beinhalten beispielsweise die Expansion in weitere europäische Länder sowie ein stärkeres Auftreten hinsichtlich Sales- und Marketingaktivitäten. Dass wir das Produkt Cringle dabei auch weiterentwickeln, steht außer Frage.

PaymentandBanking.com: P2P-Payment scheint in Deutschland ein Nischen-Dasein zu fristen. Was unterscheidet Cringle von Lösungen wir Lendstar oder das mit 1,5 Millionen EUR finanzierten Fintech Cookies?

Frane Bandov: Im einem Land wo “Bargeld gedruckte Freiheit” ist, ist es grundsätzlich eine Herausforderung neue digitale Banking- und Finanzprodukte zu etablieren. Anders als in vielen anderen Ländern, sind die Leute erstmal kritisch und zurückhaltend. Es dauert in Deutschland einfach vergleichsweise lange bis sich ein solches Produkt etabliert. Das war schon beim Online-Banking so und ist bei P2P-Payment nicht anders. Für uns bedeutet das unter anderem, dass wir den Markt aufklären und Bedenken ausräumen müssen.

„Wir waren das erste P2P-Payment-Startup das eine Kooperation mit eine namenhaften deutschen Bank eingegangen ist.“

Wir waren das erste P2P-Payment-Startup das eine Kooperation mit eine namenhaften deutschen Bank eingegangen ist – und das noch bevor FinTech tatsächlich ein Begriff und in Mode war.

Zu Lendstar unterscheidet uns ganz klar der Ansatz. Unser Fokus liegt klar auf P2P-Payments und nicht auf Geld-Sammel-Szenarien. Auch haben wir unser System auf Basis von SEPA entwickelt, wodurch uns eine einfache EU-weite Skalierung mit allen Banken möglich ist. Dies ist beim rein deutschen HBCI mit TAN nicht der Fall. Zuletzt arbeiten wir als Bankendienstleister daran mit den Banken eine einheitliche P2P-Payment-Plattform für Deutschland und Europa zu schaffen und nicht White-Label-Insellösungen zu verkaufen.

Zu Cookies ist es schwer eine Aussage zu machen, da sie noch nicht offiziell gelauncht haben. Sie haben viel versprochen und große Erwartungen geweckt. Was wir bisher gesehen haben, wirkt aber eher wie verspieltere Kopie unseres Systems. Bei der Frage nach dem Geschäftsmodell bleibt Cookies noch immer eine Antwort schuldig.

Was die Finanzierungen angeht, so klingt die Runde von Cookies erst einmal beeindruckend. Bei genauerem hinsehen ist sie aber nicht besonderes, denn auch Lendstar und wir haben bereits über 1 Mio. eingesammelt. Wie bereits gesagt, gehr es uns um in erste Linie um das Produkt und die Vision von P2P-Payments und nicht darum wer möglichst viele Investments einsammelt.

PaymentandBanking.com: Cookie Co-Founder Gary beschwerte sich öffentlich via Twitter über angebliche Fake-Rezension. Was ist da los?

Frane Bandov: Beim Update unserer Webseite haben wir uns einen kleinen Spaß mit Garry erlaubt und ein Easter Egg in Form einer Rezension von ihm eingebaut (siehe Screenshot und Tweet-Verlauf).

https://twitter.com/GarryKrug/status/749917519113224192

Anscheinend hatte Garry das anfänglich falsch verstanden. Wir haben ihn jetzt aufgeklärt und das Easter Egg entfernt um Missverständnisse zu vermeiden.

PaymentandBanking.com: Warum kein Crowdfunding via Cringle ? Sondern Companisto ?

Frane Bandov: Wie die meisten FinTech-Themen ist auch Crowdinvesting nicht einfach so realisierbar.
Dahinter steckten komplizierte Verträge die viele Themen wie etwa Beteiligungsform, Bewertung, Investorenschutz und -rechte behandeln. Das ist nicht unser Fachgebiet, sondern Payments.

„Companisto sind Experten im Crowdinvesting-Bereich, die es uns ermöglicht haben schnell eine gute Kampagne auf die Beine zu stellen.“

Companisto sind Experten im Crowdinvesting-Bereich, die es uns ermöglicht haben schnell eine gute Kampagne auf die Beine zu stellen. Sie sind zudem neutraler Vermittler zwischen uns und unseren Crowd-Investoren, den sogenannten Companisten.

Wir haben die Crowdinvesting-Kampagne bei unseren Cringle-Usern beworben und wissen, dass einige bereits investiert haben bzw. interessiert sind. Auch Cringle als Zahlungsmöglichkeit bei Companisto zu integrieren ist ebenfalls ein Thema welches für beide Seiten interessant ist und zukünftig weiterverfolgt wird.

PaymentandBanking.com: Was passiert mit dem Geld ? (kurzfristig) und was ist die langfristige Strategie ?

Frane Bandov: Wie bereits angesprochen, ist die kurzfristige Strategie unsere Sales- und Marketing-Aktivitäten auszubauen, sowie in andere europäische Länder zu expandieren. Langfristig wollen wir uns als P2P-Lösung für den gesamten SEPA-Raum etablieren und mit unserer API und Infrastruktur auch Mehrwerte in Bereichen außerhalb vom P2P-Payments schaffen.

PaymentandBanking.com: Vielen Dank für das Interview.

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Maik Klotz

Senior Consultant bei KI finance
Maik Klotz ist Berater, Sprecher und Autor zu den Themen Banking, Payment und Retail. Seit vielen Jahren berät Maik Unternehmen zu kundenzentrierten Innovationsmethoden und der Fokussierung auf den Nutzer. Aktuell ist er als als Senior Consultant bei der KI finance GmbH aktiv.
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