„Wir machen KYB so, wie es 2026 sein sollte“
Als Gründer und CEO von Sinpex ist Camillo Werdich angetreten, um Firmenkunden-Onboarding von Banken zu beschleunigen. Im Interview spricht er über die Rückständigkeit der Branche und warum er gerne auf der Eisbachwelle surft.
Wer bist Du und was machst Du?
Ich bin Camillo Werdich, CEO und Gründer von Sinpex. Wir sorgen dafür, dass Banken und Fintechs ihre Geschäftskunden in Minuten statt in Wochen onboarden können. Dies geschieht hoch automatisiert, vollständig compliant mit dem Geldwäschegesetz, und ohne dass jemand ein PDF ausdrucken und wieder einscannen muss. Kurz: Wir machen Know-your-Business (KYB) so, wie es 2026 sein sollte.
Wie viel Kohle hast Du gerade im Portemonnaie?
Wahrscheinlich zwischen 50 und 200 Euro. Ich zahle fast alles digital. Bargeld ist für mich eher Backup als Standard.
Wie bist Du im Payment und Banking-Sektor gelandet?
Über Umwege: Ich war zuvor bei einer Beratung und konnte nicht glauben, wie viel manueller Aufwand in einer der am stärksten digitalisierten Branchen der Welt noch steckt. Wir diskutieren über Instant Payments und Embedded Finance, aber beim Firmenkunden-Onboarding werden oft noch Handelsregisterauszüge und Gesellschafterlisten per PDF abgelegt und manuell geprüft. Das war für mich nicht akzeptabel und ehrlich gesagt witterte ich schon auch die Chance, die Branche ein Stück besser zu machen und eine SaaS-Firma in diese Lücke zu bauen.
Wie möchtest Du den Payment und Banking-Bereich verändern?
Kein Firmenkunde will wochenlang auf eine Kontoeröffnung warten und kein Vertriebsteam will Deals verlieren, weil die Compliance noch Dokumente jagt. Aber die Gegenseite ist genauso wichtig: Unternehmen müssen zweifelsfrei wissen, mit wem sie Geschäfte machen, wer hinter der Firma steckt, wer sie kontrolliert und wer zeichnet. Sinpex liefert diese Unternehmensidentität in Echtzeit, mit lückenloser Evidenz direkt aus Primärquellen.
Sind Fintechs die große Revolution – oder doch eher nur eine kleine Revolte?
Beides. Viele Fintechs sind eher eine Revolte gegen schlechte User Experience. Die echte Revolution passiert dort, wo Infrastruktur neu gedacht wird: bei Daten, Risikomodellen und regulatorischer Technologie.
Wenn Du Finanzminister*in wärst, was würdest Du sofort ändern?
Ich würde die Mitarbeiterbeteiligung deutlich attraktiver machen und idealerweise steuerlich privilegieren. In Deutschland ist das seit Jahren eine politische Dauerbaustelle. Im internationalen Vergleich, insbesondere mit den USA, sind die Rahmenbedingungen hier deutlich weniger wettbewerbsfähig.
Gerade für Technologie- und Wachstumsunternehmen sind Beteiligungsprogramme ein zentraler Hebel, um Top-Talente zu gewinnen und langfristig zu binden. Wenn Anteile bereits bei Zuteilung oder ohne realisierten Gewinn steuerlich belasten, entsteht ein erhebliches Risiko für Mitarbeitende. Das hemmt Unternehmertum und Innovationskraft.
Wer möchte, dass in Europa globale Champions entstehen, muss Beteiligung als strategisches Instrument begreifen. Attraktive, klare und international wettbewerbsfähige Regeln für Mitarbeiterbeteiligung wären aus meiner Sicht eine der wirkungsvollsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen.
Werden wir persönlich: Was machst Du in Deiner Freizeit – und sag´ jetzt nicht „Lesen und Freunde treffen”.
Kurz: Familie. Ein Unternehmen in der Scale-Up-Phase zu führen bedeutet permanente Geschwindigkeit: höher, schneller, weiter. Deshalb gehört meine Freizeit, wann immer es geht, meiner Familie. Frau, Sohn und Hund erden mich auf eine Weise, die ich nirgendwo sonst finde.
Aber Erholung bedeutet für mich auch Bewegung: Im Sommer auf die Eisbachwelle zum Surfen oder Segeln im Münchner Umland, im Winter in die Berge zum Skitourengehen. Wichtig für mich dann: Keine Benachrichtigungen und kein Noise, um den Kopf richtig freizubekommen. Dort bekomme ich die besten Ideen.
Wie bezahlst Du an der Supermarktkasse?
Meistens mit dem Smartphone. Schnell, kontaktlos.
Welche Finanz-Apps sind Deine drei beliebtesten? (Info für Interviewpartner*in: Bitte nicht nur die eigene Firma vorschieben.)
Revolut. Ich finde die App super, weil sie einfach funktioniert. Dort habe ich alles, was ich brauche.