Knax-Klub 2.0 – wie unsere Kinder mit Geld umgehen?

Wie unsere Kinder mit Geld umgehen bringen wir ihnen bei…

Über Geld spricht man nicht, genau so wenig wie über Sex. Deshalb überlassen wir die sexuelle Aufklärung der Schule und die Aufklärung wie man mit Geld umgeht dem Knax-Klub. Seit 1974 wird das Werbecomic vom Deutschen Sparkassenverlag produziert und zweimonatlich mit einer Auflage von 600.000 Heften kostenlos verteilt. Dazu kommen über 200 von Sparkassen organisierte KNAX-Klubs, die zusammen über eine Millionen Knax-Fans im Alter von ca. sechs bis dreizehn Jahren haben. Wer nicht bei KNAX organisiert war, der wurde vielleicht von der Sparbiene Sumsi (Raiffeisen-Bank) oder Mike (Maik), dem Taschengeldexperten (Volksbank) über die wichtigen Dinge im Umgang mit Geld geschult. Oder eben nicht.

Knax-Klub 2.0 - wie unsere Kinder mit Geld umgehen?
Photo credit: Bankenverband – Bundesverband deutscher Banken on Visualhunt / CC BY-ND


Auch wenn es die KNAX Comics noch immer gibt, stellt sich die berechtigte Frage ob in Zeiten der Digitalisierung dieses Format der Realität gerecht wird. In Zeiten von Snapchat, musical.ly und Co. braucht es da vielleicht andere Wege um Kinder den Umgang mit Geld und Zahlungsverkehr näher zu bringen? Oder ist das am Ende alles Quatsch?

Taschengeld: Zahlen Sie bar oder mit Karte?

Das Taschengeld ist das erste richtige Einkommen, welches Kinder bekommen sollten. Damit fängt es aber schon an, denn eine gesetzliche Regelung gibt es natürlich nicht. Die braucht es aber auch gar nicht, denn unsere Kinder sind laut der Kinder-Medien-Studie schon jetzt kleine Großverdiener. Mehrere hundert Euro Taschengeld und Geldgeschenke erhält jedes der über 7 Millionen Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren durchschnittlich. Zehn- bis 13-jährige Jungen kommen so auf jährlich etwa 654 Euro – fast 60 Euro im Monat und damit im Durchschnitt auf 40 Euro im Monat mehr als das Bundesministerium für Familie empfiehlt. Eine detaillierte Tabelle und Richtlinie findet man online. Ob Kinder Taschengeld, oder wie der Österreicher sagt “Sackgeld”, bekommen ist gar nicht das Thema. Die Frage ist vielmehr auf welchem Weg das passiert und in Anbetracht dessen, daß die Kinder von heute, die Kunden von morgen sind, wundert es doch sehr, dass es keine passenden Angebote in Deutschland gibt. In anderen Ländern allerdings schon.

Taschengeld 2.0: ein Blick über den Tellerrand

Bei den Retailbanken wird das Thema Taschengeld oder Geldversorgung für Kinder und Jugendliche eher stiefmütterlich behandelt und spärlich besetzt und auch FinTechs zu diesem Thema sucht man vergeblich. Aus einer der wenigen Lösungen zu dem Thema zählte “Papaya”, eine Taschengeld-App mit Kreditkarte. Aus Papaya wurde dann N26 – der Rest ist Geschichte.

In anderen Ländern gibt es Lösungen wie Choremonster, Pennybox, Osper oder Loot. Das ist auch kein riesiger Markt, aber es gibt immerhin ein wenig.

Fazit

Die Kinder von heute sind die Kunden von morgen. Macht es da nicht Sinn, passende Lösungen anzubieten? Mit Ausnahme von Rafael sind wir ja alle Eltern (wann ist es denn bei Rafael soweit?) und jeder hat das Thema “Taschengeld” für sich irgendwie gelöst. Ein Überblick.

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André

  • Meine große Tochter (11 Jahre) hat seit rund einem halben Jahr ein eigenes Konto mit Giro- und Kreditkarte bei einer deutschen Direktbank. Die Auswahl für die Bank erfolgte auf Basis dreier Faktoren:
    • kostenloses Konto
    • komplette online Eröffnung möglich
    • Motiv der Karte

Das Konto und die Karten werden seitdem aktiv von ihr genutzt. Das monatliche Taschengeld geht auf dieses Konto ein und sie nutzt die Karten beim Einkaufen und zum Abholen von Bargeld.

Zudem gibt es eine wirklich gut gemachte altersgerechte App, mit der auch ohne TAN, kleinere Summen versendet werden können. Zudem werden in der App die Umsätze von Konto und Kreditkarte immer aktuell angezeigt.

Kilian

  • Bei uns ist es sehr unterschiedlich – die große Tochter (14) hatte lange keinen wirklichen Bezug zu Geld – kaum nach Geld gefragt – eigentlich auch keins gebraucht – irgendwann haben wir sie dann “gezwungen” ein Konto bei der Bank um die Ecke (CoBa) aufzumachen – das war ein Fehler – Old school at it’s best – und viel zu viel Aufwand – und bei der Frage nach einem “online fähigen Zahlmittel = sowas wie eine PrePaid Kreditkarte” – kam sie mit dem Antrag fürs Online Banking zurück (dass sie schon hatte) – Problem weiter nicht gelöst – für sie denke ich kein Problem – für uns, als Eltern schon – der Plan war ja, sie langsam an das Thema ranzuführen – aber irgendwie hat sie “kein Bock”….
    Anders der “kleine Bruder” – Geld war schon immer interessant – ein Konto musste so schnell wie möglich her – leider bei derselben Bank (“wenn man einmal nicht aufpasst”) – jeder Kontoauszug wird angeschaut und auch gerne mal Geld abgehoben und direkt wieder eingezahlt – das Problem ist gleich – keine Online Zahlart – d.h. die Kids können nicht mal selber bei Foodora bestellen – wo ist die Mastercard Debit, wenn man sie braucht?
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Miriam

  • Unsere Tochter (13) ist eine Taschengeldverweigerin und hat bisher jeden Versuch hier eine Regelung einzuführen vehement abgewehrt. Bisher war ihr Konsumverhalten sehr gemäßigt und wir haben ihr je nach Bedarf Bargeld gegeben. Geldgeschenke wurden zum Großteil Ihrem Konto gutgeschrieben und kleinere Summen in der Spardose gespart. Seit ein paar Wochen fängt sie an sich für shoppen zu interessieren. Daher schrumpft der Spardosenbestand plötzlich stark und die Forderung nach Geld wächst von Tag zu Tag. Dazu kommt noch die Entdeckung von ASOS, AboutYou und Deliveroo. Hier benutzt sie die PayPal Accounts von meinem Mann und mir. Da es so nicht weitergehen kann, werden wir zum neuen Schuljahr den Status Quo verändern und Taschengeld auf Ihr Konto überweisen. Ich bin gespannt wie dann die Präferenzen bezüglich Bargeld, Karte etc. sind.

Arnulf

  • Bei uns gibts Taschengeld für die 3 Kinder (inzwischen 17 und 14) ab Schulanfang, also ab 6 Jahren. Bei der Höhe haben wir uns am Midpoint der Empfehlungen orientiert und entsprechend im Lauf der Jahre erhöht.
    Angefangen haben wir mit dem Sparbuch bei der Sparkasse um die Ecke, aber Taschengeld gabs immer bar, was aber unglaublich nervte, immer rechtzeitig daran zu denken abgezähltes Geld parat zu haben. Sehr früh fiel den Kindern auf, dass man bei der Sparkasse und auf dem Sparbuch trotz vielversprechendem Namen besser nichts spart, da die Zinsen halt Null sind.
    Als sie mit Bargeld und Sparbuch gut zurecht kamen, haben wir gezielt auf Karten umgestellt, damit sie lernen den Überblick zu bewahren. Als dann mal vergessen wurde Kontoauszüge abzuholen war der Schreck groß über die Gebühren der Zwangs-Postzusendung.
    Sobald sie alt genug waren (12) wollten sie eine PIN für die Karte, um am Geldautomaten abheben zu können. Schnell haben sie auch kapiert, dass man damit im Laden auch bezahlen kann. Die PIN zu bekommen war aber unnötig mühsam, weil dann wir Eltern mit zur Filiale mussten um Formulare zu unterschreiben, eine Vollmacht des anderen Elternteils brauchten usw. – was halt passiert wenn nur ein Teil der Prozesse digital online abgebildet sind im Online Banking.
    Als es dann für ein Jahr ins Ausland ging, war klar, dass das mit der Sparkasse nicht oder nur sehr teuer geht, weil Kreditkarte, Auslandseinsatz und Abheben extra kosten.
    Das war der Moment wo wir dann zur DKB gewechselt sind: Konten für alle, EC-Karten und Kreditkarten für alle, Auslandseinsatz umsonst, Abhebungen umsonst, einfaches Online Banking – und nebenbei noch ein Depot für den Ausbildungsfond der Großeltern. Und all das ging online mit VideoIdent ohne mit jemandem sprechen zu müssen oder gar eine Filiale aufsuchen zu müssen in Nullkommanix.
    Von ganz alleine haben die Kinder dann auch rausgefunden, das man prima per Lastschrift im Internet bestellen kann – nur Spiele kaufen bei Steam war lange mühsam, da erst Geld abgehoben werden musste, davon eine Paysafecard gekauft wurde, und diese bei Steam dann genutzt wurde um Spiele zu kaufen. Mühsam, aber eben möglich.Den Umgang mit Bezahlmitteln und Konten lernen sie erstaunlich schnell über ihren Freundeskreis, wo wohl die besten Tipps ausgetauscht werden – Eltern werden da weniger gefragt.Was für Produkte könnte man für Kinder anbieten?
    Wenn sie klein sind, wäre ein Online Bezahlkonto sinnvoll, wo die Eltern mitbekommen, was genau passiert und das Geld budgetieren können. Ab 13, 14 wollen sie sich aber nicht mehr in die Karten sehen lassen und würden das nicht mehr akzeptieren – da würde helfen, wenn sich das Online-Bezahlkonto von selbst wieder auffüllt :-)
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Photo credit: ohdearbarb on Visual hunt / CC BY-NC

Nicole

  • Meine Tochter ist knapp Vier und Geld hat für sie immer noch keine wirkliche Relevanz, welch überaus angenehme Vorstellung. Zählen macht ihr allerdings große Freude und so landen die „Taler“ die es bei jedem Besuch der Uroma zu Haufe gibt, um ihr vollgestopftes Kleingeldfach zu entlasten, fein säuberlich sortiert in der von mir vererbten „Mickey Maus“ Sparbüchse. Bisher wanderte alles da rein, aber nie was raus…

Wenn das Ding voll ist, landet alles auf ihrem Sparkonto. Dort zahle ich ebenfalls regelmäßig Beträge ein und auch überschüssiges Geld von diversen Festivitäten (Geburtstag, Weihnachten etc.) landet dort.

Wann bei uns Taschengeld eingeführt wird? Vermutlich in Kleinstbeträgen nach der Einschulung. Wie sich das aktuelle Angebot auf dem „Kontomarkt“ gestaltet ist jetzt noch nicht abzusehen, demnach wie und bei wem meine Tochter an ihre erste Karte mit Konto kommt, weiß ich bis dato noch nicht.

Was ich weiß ist, selbst im zarten Alter von vier Jahren beherrscht meine Tochter schon diverse „mobile Devices“, dementsprechend scheint sie für solch eine Lösung offen und ich denke bestimmte Bezahlverfahren werden ihr in Zukunft keine Probleme bereiten.

Die weiteren Lösungen bleiben für mich spannend…

Maik

  • Bei meinen beiden (Sohn 12 Jahre, Tochter 9 Jahre) gibt es kein Taschengeld, was vor allem an der Faulheit liegt es auch auszuzahlen. Bargeld hat man nicht immer zur Hand, Münzgeld schon gerade nicht. Dazu kommt die fehlende Notwendigkeit. Die Kinder wachsen im Dorf auf, ohne den Tante Emma Laden und ohne Möglichkeit Geld auszugeben. Mit den Eltern einkaufen zu gehen meiden beide wie der Teufel das Weihwasser, also auch hier keine Möglichkeit Taschengeld loszuwerden. Geld von Geburtstagen etc. landet in der Spardose und irgendwann wird dann mal was größeres gekauft. Der Große (12) schaut immer wieder bei Amazon und informiert sich über Hardware für den Computer oder Sachen fürs Fahrrad. Hier fehlt eine Lösung für den E-Commerce wo Kinder einkaufen können, die Freigabe von den Eltern kommt. Für Apps geht das bereits mit der Family-Freigabe, warum also nicht auch im klassischen E-Commerce.

Mittelfristig werde ich bunq dazu nutzen, da dort beliebig viele IBANs, Maestro-Karten und Kreditkarten beantragt werden können und die Konten mit anderen Nutzern verknüpft werden können. Was das Ganze abrunden würde wäre ein Belohnungssystem wie man es z.B. von der Vodafone-App kennt. Dort kann eine mit dem Hauptkonto verknüpfte Zweitkarte ereignisbezogen mit mehr Datenvolumen ausgestattet werden. Im Haushalt geholfen, 1GB Volumen mehr. Die Lösung Osper ,aus UK kommt dem schon recht nahe, leider nicht in Deutschland.

Auch haben wir Dingsda gespielt und einen Podcast mit der Zielgruppe aufgenommen! Der kommt bald. Aber wie habt Ihr das gelöst? Schreibt es gerne als Kommentar!

Autor
Nicole Nitsche
Nicole Nitsche ist studierte Theaterwissenschaftlerin und hat mehrere Jahre als Regieassistentin beim Thalia Theater Hamburg gearbeitet. Danach war Nicole Leiterin der Presse-und Marketingabteilung eines Hamburger Musiklabels. Zu ihren täglichen Aufgaben zählten dort, neben dem Verfassen von Pressetexten, die Umsetzung und... mehr

3 Kommentare

Christoph
Hier sind meiner Meinung nach nicht nur Bildung, sondern auch der spielerische Lernaspekt und das mitwachsen der entsprechenden Lösungen absolut "verwahrlost." Selber als kleines Kind mit Bargeld aufgewachsen, dann Giro-Konto bei der Haus und Hof Genossenschaft und dann auf einmal Herrscher über alle Finanzen und das Wasser ist doch sehr kalt: Depots, Aktien, Anlageformen, Versicherungen, etc. Auf der Money20/20 dieses Jahr Vorstellung von https://www.otly.net/ gesehen - Use-Case erkannt und Whitelabel-Fähig den Banken angeboten. Coole Idee - jetzt muss die App nur noch mit dem User mitwachsen.
19. Juni 2018
Matthias
Bei aller Euphorie, es gibt gesetzliche Anforderungen, die müssen eigentlich alle gleich leisten. Zustimmungspflicht aller gesetzlichen Vertreter zur Kontoeröffnung, seit 25.5. Festlegungen zur Kundendatennutzung gemäß DSGVO. Gucken können Eltern übrigens bis zu Volljährigkeit der Sprösslinge wegen davor angeführten gesetzlichen Vollmacht. Ob es denen passt oder nicht. Auch die Steuerfreistellung sollten Eltern beachten. Und Prepaid-Karten dürfen nicht mehr so heißen, finden Verbraucherschützer, weil ggf. anfallenden Kartengebühren die Konten ins gesetzlich verbotene Soll setzen können. Deshalb Kreditkarte Basis. Bei aller Begeisterung für Direktbanken, dass was Ihr beschreibt kann jede Sparkasse und jede Geno-Bank genauso gut. Und die denken dann vielleicht sogar in der Beratung zur Kontoeröffnung an zwei drei Sachen, die bei einer Online-Eröffnung unter Umständen übersehen werden.
18. Juni 2018
Sebastian
Ich denke was in Deutschland total zu kurz kommt, ist die Finanzielle Bildung. Es geht nicht nur darum, welche Bank, welches Konto, welche monatliche Summe. Sondern darum, wie Sie regelmässig Geld investieren. Eines der besten Bücher ist " Ein Hund names Money". Diese Buch sollte jedes Kind lesen... https://www.amazon.de/Hund-namens-Money-Bodo-Sch%C3%A4fer/dp/3936135495Gruß sebastian
15. Juni 2018

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