„Stayathome“ & Arbeit 4.0: Die Transformation der Arbeitswelt durch Corona

Telefon-Konferenzen vom heimischen Schreibtisch aus, mobile Video-Chats und neue Arbeitskonzepte ersetzen den allmorgendlichen Pendlerverkehr und den streng durchgetakteten Neun-Stunden-Büroalltag im Großraum – Corona hat unsere Arbeitswelt in den vergangenen Monaten radikal verändert. Und gezeigt, dass ortsunabhängiges Arbeiten ebenso wie der urplötzliche Wechsel ins Digitale bei einem Großteil der Unternehmen gut funktionieren. Ein Plädoyer für agiles, dezentrales Arbeiten. Auch nach Corona.

Wir bei PaB arbeiten seit vielen Jahren dezentral, zu weiten Teilen mobil oder im Home Office und sind diese Formen des Zusammenarbeitens daher gewohnt. Doch für nicht wenige Firmen stellte der Shutdown eine enorme Herausforderung dar: den Mitarbeitern – vertrauensvoll – die Remote-Beschäftigung zu ermöglichen, die technische Infrastruktur dafür bereitzustellen und bei allem auch noch die gewohnte Produktivität und Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

New Work ist gelebte Realität

Das war für eine große Zahl an Unternehmen Neuland. Corona zwang die Arbeitswelt eilig und radikal zum „New Work“. Ein Prozess, der bereits in den vergangenen Jahren durch die voranschreitende technologische Entwicklung und den digitalen Wandel seinen Anfang nahm. Der allerdings durch die weltweit grassierende Pandemie im Eiltempo viele Branchen, Zweige und Tätigkeitsbereiche (jene, in denen die technischen Voraussetzungen vorhanden waren/sind) ganz oder in Teilen erfasste.

Der Branchenverband Bitkom berichtete vor einigen Wochen von einer Erhebung, nach der Pandemie-bedingt fast jeder zweite Arbeitnehmer (49 Prozent) vollständig oder zumindest in regelmäßigen Abständen im Homeoffice tätig ist. New Work, also das flexible, ortsungebundene und die Freiheit sowie Selbständigkeit des Einzelnen in den Mittelpunkt rückende Arbeiten, war (und ist es häufig immer noch) aufgrund von Corona also vielerorts gelebte Realität.

„Stayathome“ & Arbeit 4.0: Die Transformation der Arbeitswelt durch Corona

Die Frage, die sich stellt: Wie lange noch? Denn mit den zunehmenden Lockerungen kehren mehr und mehr Arbeitnehmer zurück in ihre Büros – und damit in den altbekannten, wenig agilen 9-to-5-Büroalltag.

Zufriedene Beschäftigte und zeitgemäßes Arbeiten

Der Lockdown zwang die Arbeitgeber dazu sich mit einer Frage zu beschäftigen, mit deren Beantwortung sich manch einer wohl gerne noch etwas Zeit gelassen hätte: Wie denken und definieren wir Arbeitsprozesse und -strukturen ebenso wie die Zusammenarbeit und die Kommunikation innerhalb der Abteilungen, zwischen den Kollegen und mit den Kunden neu? In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Begriff „Arbeit 4.0“ oder auch „Arbeitswelt 4.0“. Gemeint ist damit unter anderem die Digitalisierung und Verschmelzung unserer Lebens- und Arbeitswelten bzw. -realitäten.

Denn die Krise hat deutlich gemacht: Virtualisierte Arbeitsformen und Services sowie moderne digitale Plattformen und Apps aller Art, egal ob sie Videomeetings, die Bearbeitung von Whiteboards in Echtzeit, Telkos oder mobile, digitale Konferenzen ermöglichen, haben die Abläufe und Strukturen in den Firmen nicht zusammenbrechen lassen, im Gegenteil.

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Sie halfen bei der Etablierung eines erfrischenden, zeitgemäßen und von Flexibilität geprägten Arbeitens, das ein Wegkommen von den mitunter steinzeitlich anmutenden, steifen „papierbasierten“ (Vor-Ort-) Prozessen ermöglichte. Und: zufriedene Beschäftigte. Laut einer Mitte April veröffentlichten Umfrage des Bayerischen Forschungsinstituts für digitale Transformation (bidt) sind über 40 Prozent aller Befragten mit der Tätigkeit im Home Office zufrieden. 39 Prozent geben sogar an, „sehr zufrieden“ mit der Arbeit in den eigenen vier Wänden zu sein. Nur vier Prozent arbeiten grundsätzlich lieber vom Büro[1].

Die Vorteile von „Remote Work“

Die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass (zumindest stunden- oder tageweises) ortsunabhängiges Arbeiten ebenso wie der urplötzliche Wechsel in die digitale, virtuelle Zusammenarbeit mit den Kollegen bei einem Großteil der Unternehmen alles in allem gut, bisweilen sogar sehr gut funktioniert haben – die Disziplin (Stichwort: Hausarbeit) der Beschäftigten, ein strukturierter Arbeitstag und die technische Infrastruktur (etwa die erforderliche Hardware wie Rechner, Tastatur oder auch Headset sowie Software für Telefon-Meetings, den Dokumentenaustausch & Co.) vorausgesetzt.

Ist all dies existent, erscheint eine vollständige, zwanghafte Rückkehr zur früheren 40-Stunden-Präsenzpflicht wenig sinnvoll. Denn die Vorteile und Pluspunkte des zeitweisen Remote-Working bzw. der geringstenfalls einen oder zwei Tage die Woche gewährten Heimarbeit wurden spätestens in den vergangenen Wochen offensichtlich:

  • der geringere Stress und die wegfallende Hektik im Alltag (etwa weil der eilige Weg zum Bahnhof, der Pendlerfrust im Stau, das oder das gehetzte Frühstück am Morgen) entfallen und sorgen für eine gestiegene Lebensqualität und Zufriedenheit. Für Eltern kommt hinzu, dass vor Dienstbeginn der Nachwuchs nicht noch übereilt und unter großem Zeitdruck pünktlich in Kita oder Schule gebracht oder von dort abgeholt werden muss. 
  • die neuen Abläufe und Arbeitsweisen haben sich bei vielen etabliert: Eine große Zahl an Arbeitnehmern hat sich an den digitalen „Jour fixe“ oder die wöchentliche Videokonferenz mit den Kollegen gewöhnt und erfolgreich in den Alltag integriert
  • der Lockdown zwang die meisten ins Home-Office abgewanderten Arbeitsnehmer dazu, sich mit den „digitalen Helferlein“ und modernen Tools und Shared-Office-Programmen zu befassen. Ob Teams, Zoom, Miro, Notion, Slack oder Jira: Jetzt sind bei vielen die Kenntnisse und Erfahrungen mit diesen Werkzeugen vorhanden. Wieso darauf verzichten und wieder in Vergessenheit geraten lassen?
„Stayathome“ & Arbeit 4.0: Die Transformation der Arbeitswelt durch Corona
  • (wenn ein Besuch die Kitas und Schulen wieder wie gewohnt möglich ist) wird durch ortsunabhängige Arbeiten eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie/Kindererziehung und beruflichen Verpflichtungen ermöglicht
  • die Produktivität kann sich erhöhen: dadurch, dass zeitaufwendige Botengänge, der Plausch in der Unternehmensküche ebenso wie die Raucherpausen [ebenfalls meist mit ausgiebigen (Small-) Talk verbunden] entfallen, bleibt – theoretisch – mehr Zeit für zielgerichtetes Arbeiten und bessere Ergebnisse. Zudem erhöht sich die Konzentration, da das Arbeiten im vollbesetzten, lauten Großraumbüro, in dem nicht selten und erwiesenermaßen[2] eine angespannte, gereizte Stimmung vorherrscht, wegfällt.

ABER:

Allerdings muss auch gesagt werden: Die Verlockungen zu Hause sind natürlich auch – und wohl noch weit mehr – gegeben. Mal kurz auf der Couch ein paar Minuten dösen, doch nochmal zur Post fahren oder die Wäsche schnell einschalten – produktive, ergebnisorientierte Heimarbeit setzt vom Arbeitnehmer die Fähigkeit und den Willen voraus, all diesen Verlockungen zu widerstehen.

  • und schließlich schonen diese zeitgemäßen Formen des dezentralen Arbeitens die Umwelt: die geringere Anzahl an Geschäfts- und Dienstfahrten, zu weiter entfernten Meetings oder Konferenzen und der Rückgang von Pendlerfahrten mit dem eigenen PKW in die Innenstädte sorgen für weniger Emissionen und haben somit positive Auswirkungen auf unser Klima und die Luft

„Die geringere Anzahl an Geschäfts- und Dienstfahrten sowie der Rückgang von Pendlerfahrten mit dem eigenen PKW in die Innenstädte haben positive Auswirkungen auf unser Klima.“

Diese Aspekte deuten darauf hin, dass eine Eins-zu-Eins-Rückkehr zum Althergebrachten ein unglücklicher, wenig sinnvoller Rückschritt wäre. Gehen die Unternehmer, Chefs und Arbeitgeber diesen, durch Corona endgültig angelegten Weg der Digitalisierung, Flexibilisierung, Agilität und Virtualisierung von Arbeit konsequent weiter, zeigen sie sich auf der Höhe der Zeit und sogar zukunftsgewandt und werden aufgrund einer sich stabil auf hohem Niveau befindlichen Leistungsfähigkeit und Produktivität ihrer Beschäftigten langfristig davon profitieren.


Quellen:

[1] https://www.gruenderszene.de/business/new-work-nach-corona?interstitial

[2] https://business-user.de/workplace/das-grossraumbuero-hat-keine-zukunft/

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