PEX26: Kleiner Payment-Guide gefällig?
Kommende Woche startet die zehnte Auflage der PEX, der großen deutschen Konferenz rund ums Payment. Ein Blick auf die Themen zeigt: Der Payment-Dschungel wird eher dichter als lichter. Hier kommt ein Guide für die Abenteuerlustigen, die sich reinwagen.
Kommende Woche startet die zehnte Auflage der PEX, der großen deutschen Konferenz rund ums Payment. Ein Blick auf die Themen zeigt: Der Payment-Dschungel wird eher dichter als lichter. Hier kommt ein Guide für die Abenteuerlustigen, die sich reinwagen.
Wer sich mit einer Machete durch den dichten Amazonas kämpfen möchte, der schafft an manchen Tagen gerade mal fünf Kilometer, so undurchdringlich ist das Pflanzenwerk, so schwierig und rutschig der Untergrund. Die Gefahr, sich zu verlaufen, ist groß und sich zu verletzen, sowieso. Doch, um sich zu verrennen oder sich ins eigene Bein zu hacken, braucht man gar nicht den weiten Weg bis nach Südamerika auf sich nehmen. Es reicht wohl auch, sich durch den Payment-Dschungel zu schlagen.
Agentic Commerce, Digitaler Euro, Wero, Open Banking Payments, oder der Kampf der Wallets: Wer blickt da noch durch? „PEX in the Jungle” heißt daher das Motto der nächste Woche startenden Konferenz von Payment & Banking. Erfahrene Branchen-Expert*innen können mit all den Begriffen sicherlich noch was anfangen, damit aber auch alle normalsterblichen Dschungel-Abenteuer*innen, ähm, PEX-Besucher*innen verstehen, was hier eigentlich wichtig ist, kommt hier zumindest eine kleine Einordnung.
Agentic AI – juhu, wir haben ein neues Hype-Thema
Klar, KI finden gerade alle ziemlich toll. Das gilt für Anleger*innen, Unternehmen und auch Nutzer*innen, die sich im Internet von der KI einfach etwas einordnen lassen, ohne noch auf irgendwelche Links zu klicken. Solch ein Riesenthema darf natürlich auch nicht an der Welt des Bezahlens vorbei gehen. Im Kern geht es um folgendes Szenario: Konsument*innen lassen die KI für sie einkaufen. Idealerweise läuft das dann so: Man fragt den Assistenten zuerst, was denn das beste Spülmittel wäre und lässt es im Anschluss dann auch von der KI besorgen.
Klingt doch ganz charmant, oder? Die Idee dürfte allerdings noch zu zahlreichen Diskussionen führen: Bei welchen Händlern kann die KI bestellen, wie ist die Schnittstelle zum Konto, verlieren große Onlinehändler dann an Bedeutung – oder sind es genau diese, die profitieren? Und – wir sind schließlich in Deutschland – wie steht es um den Datenschutz? Was darf die KI mit den Informationen machen, die sie über meine Kaufwünsche sammelt?
Auf der PEX sitzt dazu unter anderem Pascal Beji, COO von Unzer auf dem Panel. Das Unternehmen betonte zuletzt immer wieder, viel Potenzial bei dem Thema zu sehen. Dass das theoretisch alles funktionieren kann, zeigt übrigens ein Blick in die USA, wo Agentic Commerce schon möglich ist. Es könnte aber auch so laufen, wie mit der Idee, aus dem Auto heraus per Sprachbefehl neues Waschpulver zu kaufen: Auf dem Papier klingt das gut, in der tatsächlichen Umsetzung dann aber doch wieder nicht.

Digitaler Euro, Wero – oder einfach beides?
Über viele Jahre hat es die Branche in Deutschland (und eigentlich auch in großen Teilen Europas) verschlafen, eine robuste, zukunftsfähige, eigene Bezahlmethode zu entwickeln. Lösungen gab und gibt es meist nur je Land. Das führte dazu, dass sich in dem einen Land Paypal stark ausbreiten konnte – und einem anderen alle auf Visa schwören. Mit Wero soll sich das nun ändern. Der Dienst könnte das europäische Pendant zu Paypal werden. Geld können Nutzer*innen sich damit bequem hin und her schicken und bald lässt sich – so hoffen es zumindest viele – auch bei zahlreichen Händlern damit bezahlen.
All das könnte helfen, die Unabhängigkeit von US-Diensten zu verringern. Damit das klappt, muss aber einiges zusammenkommen. Wero braucht eine große Akzeptanz, bei Nutzer*innen sowie Händlern. Für letztere müsste es bestenfalls auch genauso günstig oder noch günstiger sein als andere Zahlmethoden. Das europaweit hinzubekommen, ist schwierig und könnte auch an den Interessen der lokalen Finanz-Player scheitern. Denn in einigen Ländern gibt es bereits eigene Bezahlmöglichkeiten, warum also einen weiteren, großen Konkurrenten zulassen, auf den man nur wenig Einfluss hat? Wero-Chefin Martina Weimert wird auf diese Fragen auf der PEX ein paar gute Antworten finden müssen.
Vielleicht geht es ja nur mit Druck. Der könnte tatsächlich indirekt durch die EU kommen. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet intensiv am digitalen Euro. Der könnte je nach Auslegung eine Antwort auf die Nachfrage nach Kryptowährungen sein – er könnte aber auch genauso ein Zahlungsmittel an der Ladenkasse werden. Wie das aussehen soll? Tja, das fragen sich in der Branche viele. Vielleicht sind nach der PEX26 alle ja etwas schlauer.
Was bringt eine EUDI-Wallet?
Die EUDI-Wallet, das steht für European Digital Identity Wallet, soll eine EU-weite einheitliche App für Smartphones werden, die als digitale Brieftasche für offizielle Dokumente dient. Das hat übrigens schon im vergangenen Jahr zu einer heftigen Datenschutzdiskussion auf der PEX geführt. Dieses Mal dürfte es auf der Bühne dazu weniger hitzig zugehen. Denn die Branche will unter anderem diskutieren, wie sich diese Wallet für den Kaufprozess im Onlinehandel nutzen lässt. Wie für so viele Payment-Themen gilt auch hier: Theoretisch ist vieles möglich, den kompletten Markt umschmeißen wird die EUDI-Wallet aber sicherlich nicht – oder vielleicht doch? Mal schauen, was die Digital-Enthusiast*innen auf der PEX26 kommende Woche dazu sagen werden, oder ob Rechtsanwalt Peter Frey im Panel ein Großteil der Hoffnungen gleich wieder aus juristischen Gründen (der Datenschutz lässt mal wieder grüßen) zunichtemachen muss.